Internetinformationen mit Ablaufdatum gefordert

von Hauke Fuss, veröffentlicht am 15.01.2008

"Nützliches Vergessen" so lautete am 10. Dezember 2007 das Thema eines Vortrags von Harvard-Professor Viktor Mayer-Schönberger an der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster.

Prof. Mayer-Schönberger sieht das herkömmliche soziale Miteinander durch die ständig abrufbare Präsenz sämtlicher privater Informationen gefährdet, weil negative und belastende Ereignisse nicht mehr so schnell ins Vergessen geraten können. Vielmehr würden Menschen durch die permanente Online-Verfügbarkeit sämtlicher Informationen damit ständig konfrontiert werden.

Daher gelte es, einen rechtlichen Rahmen zu instrumentalisieren, der den Menschen das Vergessenkönnen erhält. Sein Vorschlag wäre deshalb die Einführung eines Ablaufdatums für alle gespeicherten Daten. Lässt sich dieser Wunsch nach einem Ablaufdatum juristisch und technisch überhaupt realisieren? Diese in den USA diskutierte Thematik verdient auch in Deutschland eine ernsthafte Auseinandersetzung. Welche Chancen räumen Sie einer solchen Möglichkeit ein?

Eine gute Gelegenheit, die Original-Stimme von Prof. Mayer-Schönberger zu diesem Thema zu hören, bietet die 48. Episode des J!Cast, dem Jura-Podcast zum Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht.

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3 Kommentare

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Daten werden seit Jahrhunderten archiviert, nur der Zugriff und die Suchfunktionen haben sich verbessert. Verfallsdaten im Internet sind eine vielleicht ungerichtete, aber nicht unpolitische Buecherverbrennung. Demokratie setzt Erinnerung voraus.

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Hallo Arne,
die herkömmliche Erinnerungsfähigkeit soll auch keinesfalls in Frage gestellt werden. Das Internet und gerade auch das Web 2.0 hat die Kommunikationsstruktur vollkommen verändert, sodass eine unbedachte Äußerung plötzlich einen ganz anderen Stellenwert bekommt, weil sie unbegrenzt lange abbrufbar bleiben wird.
Ist es nicht ein Recht von Menschen bis heute immer gewesen, Dinge auch "wieder aus der Welt zu schaffen"?
Ich bin auf Deine Antwort gespannt.
Viele Grüße
Hauke

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Zu behaupten, dass ich mit meinem Vorschlag dem Vergessen im digitalen Zeitalter seine zentrale Rolle zukommen zu lassen fuer eine "unpolitische Buecherverbrennung" eintrete ist eine duemmliche Unterstellung. Denn sie verkent voellig, dass wir Menschen seit jeher vergessen - und zwar das meiste an Sinneseindruecken und Gedanken, die wir haben. Und das ist gut so. Gerade in der Notwendigkeit sich bewusst gegen das Vergessen entscheiden zu muessen wird dem Erinnern sein Wert zugemessen.

Und der Satz "Demokratie setzt Erinnerung voraus" ist natuerlich in dieser Absolutheit genauso schwachsinnig. Denn gleich zutreffend koennte man auch sagen "Demokratie setzt Vergessen voraus". Entscheidend ist doch die Moeglichkeit der Menschen selbst entscheiden zu koennen, was sie an Information aufbewahren und damit erinnern wollen, und was nicht - sowohl (soweit moeglich) auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene.

VMS

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