Wissenschafts-Prominenz diskutiert über Rechtsinformatik

von Hauke Fuss, veröffentlicht am 08.02.2008

Online-Durchsuchung, Vorratsdatenspeicherung und e-government sind heute ebenso brisante Themen wie künstliche Intelligenz und juristische Expertensysteme vor 20 Jahren. Das internationale Symposium „Informationsrecht. Geschichte und Zukunft einer neuen Disziplin“ führt nun Pioniere des Informationsrechts und jüngere Wissenschaftler für einen historischen Gang von den Anfängen bis in die Gegenwart des Datenschutzes und der Rechtsinformatik zusammen. Es konnten über 30 Referenten gewonnen werden, darunter Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Spiros Simitis, Prof. Dr. Winfried Bullinger, Prof. Dr. Jon Bing, der ZDF-Justitiar Prof. Dr. Carl-Eugen Eberle sowie der Jurist und Romanautor Prof. Dr. Bernhard Schlink („Der Vorleser“).

Das Symposium, das vom Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht Münster zusammen mit dem Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald ausgerichtet wird, findet vom 03. – 06. März 2008 in Greifswald statt. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Prof. Dr. Thomas Hoeren und Dr. Michael Bohne (Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht). Weitere Informationen können unter www.symposiumgreifswald.de abgerufen werden.

Ausgangspunkt der Entwicklung des Datenschutzes und der Rechtsinformatik war die elektronische Datenverarbeitung, die in den sechziger Jahre einsetzte. Sie ermöglichte eine - im Vergleich zur manuellen Datenverarbeitung – weitaus umfassendere Speicherung von Daten und eine raschere Verfügbarkeit über diese. Schnell wurde klar, dass mit der Datenverarbeitung mittels Computer nicht nur Chancen, sondern auch Gefahren verbunden waren. Während begeisterte Rechtsinformatiker von Computern träumten, die die richterliche Entscheidung ersetzen, befürchteten kritische Datenschützer den völligen Verlust der Privatsphäre. Seit dem ist einige Zeit vergangen. Die Rechtsinformatik beklagte in den achtziger Jahren eine Krise und bemühte sich in den neunziger Jahren um eine „zweite Geburt“. Im Bereich des Datenschutzes bestätigte 1983 das Bundesverfassungsgericht im sog. Volkszählungsurteil die Bedenken der Datenschützer und erkannte das Recht auf informationelle Selbstbestimmung an.

Gegenwärtig weisen gerade datenschutzrechtliche Probleme eine große Aktualität auf. Ob Online-Durchsuchung oder elektronische Massenüberwachung von Autokennzeichen, ob Einschränkungen des Abhörverbots von Rechtsanwälten oder Vorratsdatenspeicherung, immer noch geht es um die Sorge, dass staatlichen Maßnahmen zu stark in die Privatsphäre eingreifen. Im Bereich der Rechtsinformatik sind mit dem Aufbau juristischer Expertensysteme mittels Fuzzy Logic und mit dem Einsatz neuronaler Netze als Hilfsmittel für Juristen neue Forschungsfelder entstanden.

Das Symposium bietet eine Plattform für die Diskussion dieser und anderer Entwicklungen im Bereich des Datenschutzes und der Rechtsinformatik.

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