Autoindustrie trennt sich von Tausenden Zeitarbeitern

von Prof. Dr. Markus Stoffels, veröffentlicht am 23.11.2008

Die Zeitarbeitsbranche gilt gemeinhin als Frühindikator für die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Demnach steht es nicht gut für die deutsche Wirtschaft. Vor allem in der Automobilindustrie haben zuletzt Tausende Leiharbeitnehmer ihren Job verloren.  Zahlreiche Fahrzeughersteller und ihre Zulieferer wollen - nach Medienberichten - ihre Verträge mit den großen Zeitarbeitsfirmen nicht mehr verlängern. Die Zahlen sind dramatisch. Allein bei BMW sollen 2500 Zeitarbeitskräfte gehen, bei Daimler sind es 2200 und bei Continental sogar 5000. Dank dieser Flexibilität bleibt die feste Belegschaft vieler Firmen erst einmal verschont. Dahinter steht allerdings auch eine konkrete Rechtsfrage, die leider noch nicht höchstrichterlich geklärt ist. Ist der Abbau von Leiharbeitnehmern ein milderes Mittel gegenüber betriebsbedingten Kündigungen eigener Arbeitnehmer? In der Kommentierung von Rolfs im BeckOK-Arbeitsrecht (§ 1 KSchG Rdn. 378) liest man hierzu: "Dagegen ist streitig, ob der Arbeitgeber zur Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen Leiharbeit abbauen muss. Die wohl überwiegende Auffassung bejaht diese Frage jedenfalls dann, wenn im Betrieb Leiharbeitnehmer dauerhaft oder zumindest längerfristig eingesetzt werden. Anderenfalls entstünde ein sachlich nicht zu rechtfertigender Wertungswiderspruch gegenüber der Unzulässigkeit sog Austauschkündigungen." Kündigungsrechtliche Fragen stellen sich allerdings zunächst in der Leiharbeitsbranche, da ein anderweitiger Einsatz der zurückgeschickten Arbeitnehmer bei der momentanen Wirtschaftslage schwierig sein dürfte.

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