Mietgerichtstag mit Abnutzungserscheinungen

von Dr. Klaus Lützenkirchen, veröffentlicht am 22.03.2009
Rechtsgebiete: mietgerichtstag 2009Miet- und WEG-Recht|3386 Aufrufe

Schon als die mietrechtliche Prominenz am Freitag Morgen über den nicht ausgelegten roten Teppich die Dortmunder Westfalenhallen betrat, entstand nicht die Spannung der Vorjahre. Man wusste wer kam, waren doch alle, die man erwartet hatte, schon am Abend vorher bei „Bier und Boulette" gesehen worden. Schon dort ließ sich - wie bei den echten Promis - beobachten, wer wen (und wie) besonders herzlich begrüßte und wer wem aus dem Weg ging. Natürlich drängten sich auch wieder die selben Personen vor bzw. heran, um sich in Erinnerung zu bringen oder ihren eigenen Status prominenter erscheinen zu lassen.

Dazwischen sorgte Langenberg am Freitagmorgen durch die persönliche Aushändigung der 5. Auflage seiner Betriebskosten für eine Minderheitsbildung unter den 400 Teilnehmer, von denen am Abend - zum Glück - nicht alle am Kicker-Turnier teilnahmen. Als Emmerich und Eisenschmid - allerdings erst weit nach Mitternacht - als Sieger aus dem Turnier hervorgingen, stand fest, dass der Wanderpokal ein weiteres Jahr in Berlin bleibt und verdiente Kollegen den ausgelobten Blank/Börstinghaus erhielten.

Nicht immer ungestört von zwischenmenschlichen Tragödien wurden zur Fortbildung die mietrechtlichen Themen behandelt. Derckx, sichtlich gekennzeichnet von der Mönchengladbacher Heimniederlage am Vortag, griff am Samstag nach dem Vortrag von Frau Flatow der „Jury" voraus, und hob in seiner Wortmeldung ihre Darbietung unter dem zustimmenden Applaus des Plenums als den bis dahin besten Vortrag heraus. Ob er damit ihre Thesen zur Abgrenzung des vertragsgemäßen Zustandes bei Abnutzungserscheinungen meinte oder ihre flüssige Vorlesung von der teilweise vakuuminösen Freirede zum Gebot der Wirtschaftlichkeit am Vortag abheben wollte, blieb offen.

Die Wertung war aber verfrüht. Denn nachdem Blank seine beachtenswerte Fiktionsthese zu § 556 Abs. 3 Satz 6 BGB in überzeugender Weise entwickelt hatte, setzte Lehmann-Richter das Highlight der Veranstaltung durch seine spannend vorgetragenen Thesen zur Verjährung während der Mietzeit. Leider wurde die anschließende Diskussion nicht nur unter Zeitdruck abgehandelt, sondern auch - wie so oft - von Teilnehmern zur langatmigen Selbstdarstellung genutzt. Schade. Denn der Samstagmorgen verlief bis dahin so kurzweilig, dass man sich gewünscht hätte, die Referenten hätten die Zeitfenster erhalten, die andere am ersten Tag ungenutzt gelassen hatten. Denn davon war nur die Begrüßung von Börstinghaus und das Bekenntnis von Streyl zur sibirischen Räumung bemerkenswert.

Ob das fast leere Plenum bei der abschließenden Podiumsdiskussion zur Krönung der Veranstaltung beigetragen hat, lässt sich angesichts der durch Fahr- und Flugpläne hervorgerufenen Zwänge nicht ermitteln. Es wurden aber auch prominente Autofahrer vor den Westfalenhallen gesehen.

Wir werden uns an dieser Stelle mit den einzelnen Themen in den nächsten Wochen noch befassen, die jetzt schon unter www.mietgerichtstag.de/vortraege_2009.php heruntergeladen werden können. Schon jetzt sollte man sich aber den 26./27.02.2010 notieren in der Hoffnung, dass sich die Spannung dann wieder über zwei Tage aufbaut.

 

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