Durchbruch: Deutsche Mediationslandschaft findet zusammen

von Dr. Thomas Lapp, veröffentlicht am 18.05.2009

Nach nunmehr fünf Jahren vorbereitender Entwicklungs- und Klärungsarbeit findet sich die deutsche Mediationslandschaft zusammen und ist bereit sich in einem verbandsübergreifenden rechtsfähigen Verein zu organisieren.

Die überwiegende Mehrheit der bisher im Deutschen Forum für Mediation DFfM eingebundenen namhaften Mediationsverbände und Organisationen wollen näher zusammenzurücken, um die Mediation in Deutschland insgesamt nach vorne zu bringen. Gemeinsam haben sie bei Ihrer jüngsten Sitzung die Gründung eines gemeinsamen Vereines „Deutsches Forum für Mediation DFfM e.V." mit Sitz in Berlin beschlossen, der eine professionelle Geschäftsstelle betreibt und beabsichtigt alle Voraussetzungen zu schaffen, als beleihungsfähige Organisation auch hoheitliche Aufgaben zur Selbstverwaltung der Mediatorentätigkeit und die Zertifizierung wahrzunehmen sowie die Mediation in Deutschland zu repräsentieren.

Die Mediation in Deutschland werde nun eine Telefonnummer und eine Adresse bekommen. Künftig wisse dann jeder, wie und wo er die Mediation in Deutschland „erreichen" kann, brachte ein Sitzungsteilnehmer das Ergebnis auf den Punkt.

Die Initiatoren des neuen Vereines verfolgen die Absicht im Sinne der Mediation zu kooperieren und einen neuen, abgestimmten, Weg einzuschlagen. Dies wird durch die repräsentative Struktur des neu gegründeten Vereines sichergestellt. Auch die Mehrheitsverhältnisse und die interdisziplinäre Zusammensetzung der Mediatoren-Gremien, die nicht nur Juristen vorbehalten sein werden, tragen hierzu bei.

Geplant ist, dass jeder Mitgliedsverband einen Delegierten in das höchste Gremium des neuen Vereines - den „Deutschen Mediationsrat" (Delegiertenversammlung) entsendet. Damit hat jeder Verband unabhängig von seiner Größe das gleiche Stimmrecht. Die Beschlüsse des Mediationsrats kommen mit einfacher Mehrheit zustande. Der Mediationsrat wählt einen Vorstand mit sechs Personen der die Geschäfte führt, und errichtet Fachkommissionen, die mit Vertretern der Einzelverbände und bei Bedarf externen Experten besetzt werden. Die beiden ersten Fachkommissionen werden zur Qualitätssicherung und Zertifizierung von Mediatoren eingerichtet. Finanziert wird das Deutsche Forum für Mediation DFfM aus Beiträgen der einzelnen Mitgliedsverbände und Organisationen.

Dr. Reiner Ponschab, Wirtschaftsmediator und Rechtsanwalt aus München,  fasste dies am Ende der Sitzung stellvertretend für alle Teilnehmer zusammen: „Ich glaube, es ist an der Zeit, dass die Mediatoren zeigen, dass sie kooperieren und diesen Weg gehen. Ich gehe mit." Und er ergänzt „Das wird die Mediation in Deutschland weiter voranbringen und einen Beitrag zur Änderung der Streitkultur in diesem Land leisten".

Am 29. Mai 2009 wird in Frankfurt die formale Vereinsgründung mit Satzungsverabschiedung und Wahl eines sechsköpfigen Vorstandes vollzogen werden. Der neue verbandsübergreifende Verein steht auch nach wie vor jeder bundesweit tätigen Organisation, die Mediatoren vertritt und die Mediation unterstützt, sowie allen interessierten Hochschulen offen, die sich der Präambel* unterwirft. Offen ist derzeit, ob der DAV sich an der Gründung beteiligt.

Die Mitglieder des Deutschen Forum für Mediation DFfM, das bereits seit dem 5. März 2004 zweimal jährlich tagt und sich im März 2006 angelehnt an das „European Forum for Mediation" seinen Namen gab, hat sich vor vier Jahren in einer als Präambel* bezeichneten Kooperationserklärung auf gemeinsame Grundsätze einer Zusammenarbeit verpflichtet. Bisher waren 13 bundesweit tätige Organisationen, die Mediatoren vertreten und die Mediation unterstützen, im Rahmen eines nicht rechtsfähigen Zusammenschluss in das DFfM eingebunden. Nun will die überwiegende Mehrheit mit dem neuen verbandsübergreifenden Verein noch enger zusammenrücken und einen gemeinsamen Weg der verstärkten Kooperation unter Mediatoren gehen.

 

* Präambel in der Fassung v. 05.12.05:

„Die zunehmende Bedeutung der Mediation erfordert eine stärkere Zusammenarbeit. Darum haben sich die unterzeichnenden bundesweiten Organisationen zu der Initiative Aktion Mediation zusammengeschlossen, um zu kooperieren, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Perspektiven zu entwickeln.

Die Mitgliedsorganisationen sehen Mediation als Konfliktbearbeitungsverfahren auch im Sinne des Europäischen Verhaltenskodex für Mediatoren - European Code of Conduct for Mediators.

Die Aktion Mediation steht für Toleranz, Gewaltfreiheit, Respekt und Autonomie.

Ziele ihres Engagements sind eine gemeinsame Definition von Mediation, Öffentlichkeitsarbeit, Qualitätssicherung Teilnahme an der Willensbildung des Gesetzgebers und sonstige Maßnahmen zur Förderung der Mediation auf nationaler und internationaler Ebene."


 

 

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