„Selbstdatenschutz“ Online: "Die Deutschen sind die eifrigsten Schwindler“

von Dr. Michael Karger, veröffentlicht am 13.09.2010

Nichts liest sich schneller (und nichts wird auch schneller vergessen) als ein paar statistische Zahlen zu aktuellen Themen. Kürzlich wurde der NORTON Cybercrime Report veröffentlicht, für den 7.000 Teilnehmer in 14 Ländern befragt wurden – zu ihrer Rolle als Opfer aber auch als Täter.

Der Report zeigt, dass viele Nutzer Attacken aus dem Netz beklagen und fürchten, selbst aber wenig dabei finden, z.B. selbst gelegentlich geschützten Content Dritter ohne deren Erlaubnis zu nutzen oder es bei der Eingabe von Daten nicht ganz so genau zu nehmen. Letzteres könnte man – bei wohlwollender Betrachtung – als „kreativen Selbstdatenschutz“ betrachten: Durch unterschiedliche Angaben schafft man Verwirrung und erschwert damit den Datensammlern die Bildung präziser Profile.

Laut Cybercrime Report haben 45 Prozent der Befragten bei den Angaben zu ihrer Online-Identität schon einmal „gelogen“. Dies betrifft Daten wie Namen, Alter, Finanz- und Beziehungsstatus, Aussehen oder die Staatsangehörigkeit. 33 Prozent der Befragten haben schon einmal eine erfundene Identität benutzt.

Beim Mogeln ganz vorne dabei: Die eigentlich als besonders korrekt geltenden Deutschen. Mehr als die Hälfte der Befragten hat laut Studie schon bei der Dateneingabe schon einmal gelogen oder eine erfundene Identität angenommen.

Besonders integer demgegenüber die Briten: Dort sind es gerade mal 18 Prozent, sodass sie von NORTON hierfür das Prädikat „relatively squeaky clean“ erhalten haben.

Rechtlich wohl noch kaum hinterfragt ist in diesem Zusammenhang das Thema: Gibt es in sozialen Netzwerken ein Recht zur Schwindelei bzw. zur digitalen „Notlüge“?

Wohl kaum. Fordert der Anbieter in seinen Nutzungsbedingungen die Angabe des Klarnamens und auch im Übrigen wahrheitsgemäße Angaben, so stellen Mogeleien jedenfalls eine Vertragsverletzung dar und berechtigen ihn zum Rauswurf. Wer den Deal „Mitmachen gegen Daten“ nicht abschließen will, muss eben draußen bleiben.

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9 Kommentare

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"Wer den Deal „Mitmachen gegen Daten“ nicht abschließen will, muss eben draußen bleiben."

Gab's da nicht mal § 13 Abs. 6 TMG?

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@ Anonym: Danke für den Hinweis, die Vorschrift gilt natürlich nach wie vor. Insoweit kann mein Satz so nicht stehen bleiben. Was aber ist bei "Unzumutbarkeit" iSd der Vorschrift und was gilt ausserhalb des Geltungsbereichs des TMG bzw. des EU-Rechts?

Die Angst vor Online-Kriminalität, Stalking und anderer »Belästigungen« scheint man am besten mit eigenem Schwindel zu begegnen? Auch irgendwie komisch. Noch komischer allerdings, dass in diesem Report auch gleich noch die 14,56 cm Lüge angeführt wird.

Und ich bin 1,90.

http://www.redeschwall.de/?p=365

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http://www.welt.de/finanzen/verbraucher/article9818662/50-Millionen-EC-Kartendaten-weitergegeben.html

"Easycash nutzt diese Daten nach NDR-Informationen nicht nur wie branchenüblich für die Zahlungsabwicklung und für eine Sperrdatei, sondern auch, um daraus Empfehlungen für Vertragsunternehmen unter anderem im Hinblick auf die Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit des Karteninhabers zu erstellen."

soll noch jemand behaupten, es gäbe in puncto Datenschutz keinen Grund zur Sorge... welche Handhabe gibt es denn in diesem Fall? Auskunftsrecht? Schadenersatz?

Schamfrist immerhin ganze zwei Wochen:

"Der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel E. Fischer kritisierte die gängige Praxis, sich in Diskussionsforen im Netz mit einem Fantasienamen zu Wort zu melden, und forderte ein «Vermummungsverbot im Internet».

Der Vorsitzende der Enquete-Kommission des Bundestags zu den Themen Internet und digitale Gesellschaft sagte den «Badischen Neuesten Nachrichten» (Montag), es könne nicht sein, dass sich Bürger hinter selbstgewählten Pseudonymen versteckten und sich so der Verantwortung entzögen. Für den demokratischen Entscheidungsprozess sei es wesentlich, «dass man mit offenem Visier kämpft, also seinen Klarnamen nennt», sagte Fischer. Dabei sei der zum 1. November eingeführte neue Personalausweis eine «ideale Möglichkeit, sich im Internet zu identifizieren»."

 

http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1068685

Das nennt man wohl den Bock zum Gärtner machen -- aber in der Zensursula-Partei wundert einen ja gar nichts mehr, wenn es ums Internet geht.

Vielleicht sollte man ihm mal jemand verraten, dass der zentrale demokratische Entscheidungsprozess, nämlich Wahlen und Abstimmungen, geheim sind, also anonym...

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http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1069028

Berlin (dpa)  Die Forderung nach einem «Vermummungsverbot im Internet» hat dem CDU-Bundestagsabgeordneten Axel E. Fischer eine Unzahl von ironischen Kommentaren aus der Netzgemeinde eingebracht.

Insbesondere im Online-Kurznachrichtendienst Twitter tauchten fiktive Schlagzeilen wie «Axel E. Fischer, CDU, fordert Wärmeschutzverglasung für Windows» oder «Axel E. Fischer, CDU, fordert Winterreifenpflicht für Datenautobahnen» auf. Andere Web-User legen dem Politiker die absurden Forderungen nach «Genmaiszulassung auf Serverfarmen», «Tierschutzrichtlinien für Computermäuse» oder «Feuerlöscher gegen Firewalls» in den Mund.

 

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