Hindernislauf durchs Jura-Studium

von Mathias Bruchmann, veröffentlicht am 11.10.2010
JuS "Juristische Schulung" Jura Rechtswissenschaften Studium Zeitschrift

Der Sommer ist zu Ende, die Semesterferien leider auch. Jura-Studis, kennt Ihr das: Ihr quält Euch kreuz und quer durch Skripten, Lehrbücher und Aufsätze, seid auf der Suche nach brauchbaren Übungsklausuren, und am Ende habt Ihr komplett den Überblick verloren? Wer darauf keine Lust mehr hat, sollte unbedingt das Video der Kollegen unserer Ausbildungszeitschrift „JuS – Juristische Schulung“ auf der JuS-Homepage (http://www.jus.de) anschauen. Denn mit der JuS hat der Hindernislauf durchs Jurastudium endlich ein Ende - das hat auch Kai gemerkt…

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8 Kommentare

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Muss ich mir mal durchlesen, vielleicht was für meinen Kumpel, der studiert auch Jura und vergisst die Hälfte :-P

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Ich weiß zwar nicht genau, was man mir mit dem Video mitteilen will, aber Lernen muss man immer noch selbst und das wird auch nicht dadurch weniger, dass ich die JuS lese und mich mit der neuen Trendsportart "Parcours" beschäftige. Meine Kommilitonen schreiben überwiegend gute Noten, was vielem Lernen "geschuldet" ist. Der einzige Muskel, der bei diesen Leuten trainiert ist, ist das Popöchen, dass ebenfalls immer größer wird vom Sitzen ...

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Hallo Peterle,

ja, pauken muß jeder leider immer noch selbst. Ausbildungszeitschriften wie die JuS helfen aber dabei, Struktur ins Lernen zu bringen.

Ziel der Sportart Parkour ist es, unter Überwindung sämtlicher Hindernisse auf schnellstem und effizientestem Weg von A zum selbst gewählten Ziel B zu kommen – eine passende Metapher auf das Jurastudium, oder? Und ganz nebenbei bleibt dann noch Zeit, andere Muskeln als den Sitzmuskel zu trainieren :-)

Ob die JuS auch dabei hilft, die charakterlichen Deformierungen, die das Jurastudium seinen künftigen Absolventen so nebenbei angedeihen lässt, in Grenzen zu halten? Zitat: " Lawrence S. Krieger, Juraprofessor in Florida, legte 2007 eine Untersuchung vor, derzufolge Jurastudenten – bereits im ersten Ausbildungsjahr – eine deutlich stärkere psychische Veränderung durchmachten als Studenten anderer Fächer. Ihr "Sinn für Wahrhaftigkeit und Selbstständigkeit" würde an den Law Schools "geradewegs, manchmal mit Nachdruck" zersetzt, ihre Überzeugung, kompetent zu sein, ginge verloren und das Gefühl der Jurastudenten, als Teil der menschlichen Gesellschaft anzugehören, würde an den Law Schools mit Füßen getreten." LINK

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@#3: Leider ist meine eigene charakterliche Deformierung inzwischen so groß, dass ich diejenigen der Jurastudenten nicht mehr sicher beurteilen kann. ;-)

Der verlinkte Artikel von Martin Rath ist allerdings nicht gerade ein Beispiel für Kompetenz: Da wird mit einer Untersuchung aus den USA und über das dortige Jurastudium das deutsche (ganz andere) Jurastudium kritisiert, aber dann ausgerechnet die USA als Vorbild genannt - etwas verquast verknotete Logik, da wünschte ich mir mehr juristische Denke. Mag ja sein, dass alles hier noch schlimmer ist als in den USA, aber mehr als ein bisschen "Rumgemeine" kann ich dem Artikel nicht entnehmen.  Im Übrigen: Gerade die gutachtliche  Behandlung von Fällen wird von den meisten ausländischen Gast-Studierenden am deutschen Jurastudium gelobt, denn meist wird in anderen Ländern nur ganz abstrakt über Themen "gerechtet", während wir hier die deutschen Studierenden von Anfang an mit der Rechtsanwendung konfrontieren. Und die deutschen Studenten beklagen sich eher über zuwenig als zuviel Fallpraxis und Gutachten. Wenn man mal als Prof eine Rechtsfrage  abstrakt (ohne konkreten Fall) diskutieren möchte, erleidet man regelmäßig Schiffbruch. Es ist sicher Vieles kritikwürdig (und in der Didaktik müssen sich viele Kollegen einschl. ich selbst) sicherlich an die Nase fassen, aber ausgerechnet Gutachtentechnik und Fallbezug sollte man nicht weglassen. Zudem sind die meisten Fälle nicht abstrus, sondern entstammen der Rechtspraxis.

 

@ Prof. Dr. Müller / # 5: Ich denke es ging "Jens R." in seinem Beitrag eher darum, die psychische Belastung eines Jurastudiums hervorzuheben. Im Gegensatz zu anderen Studiengängen ist man doch recht viel auf sich selbst gestellt und macht daher vieles alleine. Das ständige Lesen von Büchern, Fällen, Urteilen und Aufsätzen mag zwar für den einen oder anderen eine Befriedigung darstellen. Ich denke, dass das Selbstwertgefühl der meisten Studenten im Vergleich zu anderen Studiengängen doch sehr leidet. "Objektiv" betrachtet leistet man ja nichts. Meine Schwester studiert bspw. Medizin und hat ständig diverse Kurse im Präparieren, Anamnese oder Tutorien, aber auch zweitweise bereits im Krankenhaus zu tun. Auch Freunde von mir, die Ingienieurwissenschaften verschiedenster Richtungen studieren, sind ständig in Projekte eingebunden. Was ich damit sagen will: Man kann das Gelernte sofort anwenden und sich weiterbilden. Jetzt werden einige sagen: Moment mal, in Jura gibt es doch so etwas wie Moot Courts und Praktikas? Gewiss. Man muss sich jedoch vor Augen führen, dass Moot Courts nur ein gewisse Zahl an Personen zulassen und meistens auch wieder mit Auswahlverfahren belegt sind, so dass es nicht für jeden möglich ist daran teilzunehmen. Bzgl. den Praktikas gilt: Insbesondere das Gerichts- sowie das Verwaltungspraktikum sind eigentlich nur "Daneben - sitzen - und - beobachten - was passiert - Praktika". Viel selbständige Arbeit wird nur in Einzelfällen gefordert. Was einem nicht gerade weiterhilft.
Von daher kann ich die Ansicht von "Jens R." durchaus nachvollziehen. Der Unterschied zu anderen Studiengängen ist so gesehen sehr groß, insbesondere was die soziale "Isolation" betrifft. Klar, man geht mit seinen Freunden in die Mensa, abends mal ins Kino usw. ... aber Gruppenarbeit (was natürlich auch typenabhängig ist) sowie Kurse, in denen man das Gelernte anwenden kann und auch darf, sind sehr selten.

 

Beste Grüße,

 

Kant :-)

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@#5

"Da wird mit einer Untersuchung aus den USA und über das dortige Jurastudium das deutsche (ganz andere) Jurastudium kritisiert, aber dann ausgerechnet die USA als Vorbild genannt - etwas verquast verknotete Logik, da wünschte ich mir mehr juristische Denke."

Mit Verlaub und bei allem Respekt: Sie haben den Text nicht richtig gelesen. Die USA werden nicht als Vorbild genannt, was das Studium selbst angeht, wohl aber der "dort vorhandene Ansatz zur selbstkritischen Reflexion" auf Seiten der Dozenten (letzter Absatz).

Dass die amerikanische und die deutsche Ausbildung zwei paar Schuhe sind, stellt Rath nicht in Abrede. Er zeigt aber, dass es in den zentralen Punkten "Angst und Zeitnot" offenbar keine großen Unterschiede zwischen amerikanischen Law Schools und deutschen Repetitorien gibt.

Und dass Fälle, die der Rechtspraxis entstammen, trotzdem abstrus sein können, sollte einem Strafrechtler eigentlich geläufig sein - oder halten Sie den "Katzenkönig-" oder "Sirius"-Fall für den normalen strafrechtlichen Alltag? Wie war das noch gleich mit den Deformierungen...?

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@#7: "Wünschenswert wäre derweil eine Diskussion, die aus den US-amerikanischen Erfahrungen lernt. Vermutlich lassen sich viele didaktische Konzepte, die berühmte sokratische Methode etwa, nicht so einfach von der kleinen US-amerikanischen Lerngruppe auf die 300-köpfige Anfängervorlesung hierzulande übertragen." Auf diesen (vorletzten) Absatz hat sich Herr Prof. Müller offensichtlich bezogen. Ich weiß ja nicht, ob ausgerechnet kleine Lerngruppen und sokratische Methode für die charakterliche Deformation amerikanischer Jurastudenten verantwortlich zu machen sind.

An der Gutachtentechnik und den im Vergleich zu anderen Fächern schlechten Noten finde ich nichts aussetzen. Wenn etwas am Studium auf die Anforderungen des Staatsexamens vorbereitet, dann doch, dass die methodengeleitete Fallbearbeitung geübt und realistisch benotet wird. Da ich als Assistent auch Übungs- und Klausurfälle gebastelt habe, die dogmatisch weitaus komplexere Probleme aufwerfen als "der normale strafrechtliche Alltag", frage ich mich, ob ich meine Aufgabe vielleicht völlig falsch verstanden habe. Hätte ich nur Fälle besprechen sollen, wie sie bei einem Staatsanwalt jeden Tag dutzendfach auf den Schreibtisch kommen? "A nimmt im Supermarkt eine Flasche Wodka und steckt sie in die Jackentasche, um ohne Bezahlung den Laden zu verlassen. Strafbarkeit des A?"

Wichtig wäre allerdings eine Stärkung der Grundlagenfächer (die mangels "Examensrelevanz" von den meisten gefahrlos ignoriert werden) und mehr Seminarveranstaltungen, um dem Anspruch an ein wissenschaftliches Studium gerecht zu werden. Und es sollte Praktika geben, die mehr sind als bloßes Dabeisitzen, das berühmte Kopierpraktikum oder die aus Gefälligkeit ausgestellte Bestätigung. Es muss ja nicht so extrem sein wie bei Chemiestudenten, die vom ersten Semester an jeden Tag im Labor arbeiten, aber der Bezug zur Praxis könnte wesentlich enger sein.

 

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