Nach Mollath und Peggy ein weiteres Fehlurteil? - Der Doppelmord in Babenhausen

von Prof. Dr. Bernd von Heintschel-Heinegg, veröffentlicht am 12.04.2014
Rechtsgebiete: StrafrechtStrafverfahrensrecht3166|174276 Aufrufe

Die Strafjustiz ist in jüngster Zeit nicht nur, aber vorallem durch den Fall Mollath und durch das in dieser Woche begonnene Wiederaufnahmeverfahren im Fall Peggy stark ins Gerede gekommen. Und schon gerät ein weiterer Fall wegen eines möglicherweise falschen Indizienurteils in den Fokus der Öffentlichkeit .

Für einen eiskalten Doppelmord an seinen auch nachts herumschreienden Nachbarn wurde Andreas D. vom Landgericht Darmstadt im Juli 2011 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Verurteilte leugnet die Tat, seine Frau kämpft gemeinsam mit ihm Aufopferung voll um die Wiederaufnahme.

Zwischenzeitlich greifen die Medien auch diesen Fall auf. Es zeigen sich erhebliche Ungereimtheiten, die hoffentlich bald aufgeklärt werden können.

Das ZDF berichtete in der Serie 37 Grad:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2119408/Mein-Mann-ist-kein-Moerder?bc=sts;stt&flash=off

Zur Homepage der Ehefrau mit dem Urteil zum Download: 

http://www.doppelmord-babenhausen.de/Urteil.htm

Medienberichte:

www.google.com/search?q=Doppelmord+in+Babenhausen

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3166 Kommentare

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Logiker schrieb:

Nicht die Verwendung einer PET-Flasche ist zwingend und damit tragend für das Urteil, sondern der BAUSCHAUM, verwendet in einem beliebigen Hohlkörper als Schalldämpfer!

Den "Basistyp P 38" kann ich nachvollziehen und akzeptieren.

"BAUSCHAUM, verwendet in einem beliebigen Hohlkörper als Schalldämpfer" ist aber sehr unbestimmt, denn um eine dem im Urteil, den Spuren und den Zeugenaussagen entsprechende, aber so einfach nicht bewiesene, also m.E. noch unbewiesene Tatausführung durchführen zu können, wird doch zwingend eine ziemlich ausgeklügelte Konstruktion / Ausführung benötigt, die jedoch eine hohe Mindest-Dämpfungswirkung in Dezibel erreichen muß im Haus bei den 8 Schüssen und schlafenden 2 Personen im Stockwerken darüber, aber auch dann außer Haus bei 2 Schüssen erreicht hatte, da auch da der Schalldämpfer ja schon montiert war, nicht irgend eine, damit beliebige (unbestimmte) Dämpfungswirkung, denn das wäre dann die logische Folge von "BAUSCHAUM, verwendet in einem beliebigen Hohlkörper als Schalldämpfer". Bisher wurden da Werte angegeben für Schüsse mit einer ungedämpften und gedämpften Waffe, und zwar die Werte 150,2 dB und 137,7 dB bei 2 m Abstand und der Kombination von P 38 mit voller Lauflänge, Munition ist angegeben mit PWC 9 mm Luger, 115 grain, Vollmantel-Flachkopf und  PET-Flasche, mit einem Adapter auf dem Lauf, Messungen dafür waren am Tathaus vor dem Haus. Diese Werte der schallgedämpften Waffe mit 137,2 dB wären dann auch ja auch in etwa bei den 2 Schüssen auf Petra Toll im 1. OG aufgetreten. Dabei soll Astrid Toll dann im 2. OG direkt darüber auch  noch geschlafen haben.

Weiter entfernte Zeugen jedoch sind aufgewacht bei 2 gleichartigen Schüssen laut Urteil und deren eigenen Aussagen, die viel näher daran Schlafende jedoch nicht.

Hat das Gericht denn a) diese beiden Werte gekannt bei seiner Urteilsfindung, oder sind das dann neue Tatsachen?

In den 10 Videoclips des BKA vom Mai 2011 sind 7 mit einer Flasche mit weißem Verschluß, 3 mit rotem Verschluß zu sehen, teilweise auch mit gröberem Bauschaum-Auswurf durch das Patronenlager und Auswurffenster und mit starkem, grobem Bauschaum-Auswurf durch die nicht schon vorher angebrachte Schuß-Öffnung im Flaschenboden, im Widerspruch aber zur Spurenlage und dem Urteil. Bei einem Videoclip ist zu sehen, wie die Pet-Flasche sich von der Schraubkappe trennt, 10 Schüsse hat das offensichtlich auch beim BKA nicht zusammengehalten. Bei einer Schussrekonstruktion vor Ort flog die PET-Flasche sogleich fort in einem Video. Hat das Gericht auch das alles gekannt bei seiner Urteilsfindung, oder sind das dann ebenfalls schon neue Tatsachen?

Aber es fehlen ja Zerstörungen / Absplitterungen der PET-Flaschen in allen 10 Videoclips des BKA, die bei Strate häufig zu sehen sind, das wäre auch ein Widerspruch zum Urteil bzw. zu der Spurenlage.

Die Videoclips beim Gutachten Cachèe jedoch zeigen deutliche Zerstörungen der PET-Flaschen, auch wenn bereits ja vorher ein Schußkanal angebracht wurde, der eine geringere Belastung von Flasche + Bauschaum bedeutet als beim BKA. Außerdem traten b) regelmäßige Ladehemmungen auf. Die Munition war da S&B 115 grain Vollmantel.

Eine etwas stärkere Laborierung zwar als bei der PMC-Munition und der Schußrekonstruktion vor Ort durch die Polizei.

115 grain ist jedoch nicht die Ladungsmasse, wie bei Cachèe angeben, sondern die Geschoßmasse, umgerechnet sind das 7,45 g.

Welche Bauschäume beim BKA jeweils verwendet wurden und welche Munitionen, konnte ich noch nicht erkennen.

Auch die bei der Polizei verwendeten Bauschäume sind mir auch noch unbekannt, von großen bzw. überhaupt relevanten Unterschieden dabei gehe ich aber nicht aus. Bei den Munitionen allerdings sind die Unterschiede durchaus relevant, besonders bei den Schußgeräuschen, falls c) Unterschall-Schüsse auftreten. Und das wäre doch sehr wahrscheinlich, um sowohl die Zeugenwahrnehmungen plausibler erscheinen zu lassen, als auch noch das Schlafen beider Frauen, während in ihrer Nähe geschossen wurde.

Eine allerdings so technisch dann anspruchsvolle Kombination von Waffe-Schalldämpfer-Bauschaum-Munition zu realisieren, um da auch alles an Spuren und Zeugenaussagen gemeinsam noch erfüllen zu können, erfordert schon höheres waffentechnisches Wissen und auch höhere waffentechnische und praktische Fähigkeiten und auch noch anspruchsvolle Versuche, die nicht mehr einen Täter AD wahrscheinlich werden lassen, der diese silencer.ch-Seite sich angeschaut / ausgedruckt hatte zur Information.

Insofern wäre die das Urteil tragende Argumentation, also Beweisführung, durchaus durchbrochen, neue Tatsachen (a, b, c), die das Gericht bei seiner Urteilsfindung nicht kannte, hätten das dann auch bewirkt.

Auch wer mal (überspitzt) sich über eine Atombombe und deren Bau informiert hatte, kann nicht schon damit nach kurzer Zeit mit "Bordmitteln" eine Stadt bombardieren, die zu laut für ihn ist. Auch ein noch so starkes Motiv reicht da nicht dafür aus.

(AD wurde planvolles Vorgehen im Urteil bescheinigt, daß er dann die Abklebung des Bewegungsmelders nicht wieder beseitigt hatte und evtl. auch nicht noch versucht hatte, einen Raubmord oder ähnliches vorzutäuschen, das paßt m.E. auch nicht so ganz dann zusammen, aber nebenbei von mir nur noch angemerkt, ohne daß ich dem dann eine große Bedeutung für eine Wiederaufnahme zumessen würde.)

Besten Gruß

GR

Die Fahndung nach IV. im Urteil läuft weiter. Leider konnten Sie bzw. Ihr Freund und Helfer @Logiker nicht zur Aufklärung beitragen. Mit dem „Knackpunkt“ bringen Sie etwas durcheinander, vgl. UA S. 167.

Verraten Sie doch mal das Geheimnis Ihres Tattages 15.04.

Im Urteil stehen ja schon 16.04.2009 und 17.04.2009 zur Verlosung.

 

Protokollieren Sie auch so, wie Sie ungekennzeichnet falsch aus Posts verschiedener User "zitieren"?

         docreini kommentiert am Do, 2018-06-28 07:50

Was wirklich los sei, habe sich trotzdem bald herumgesprochen.Hervorhebung

Die Tatwaffe war keine uralte, rostige Walther P38 (auch bekannt als Donnerhall) mit aufgeklemmter PET~Flasche, sondern eine moderne 9mm~Pistole.

Ich gehe davon aus, dass Sie nicht wissen, wie ein Strafurteil aufgebaut ist. Hier zum mitschreiben:

I. Angaben zur Person des Angeklagten.

II. Feststellungen (also der festgestellte Sachverhalt).

III. Beweiswürdigung

IV. Rechtliche Würdigung.

V. Strafzumessung

VI. Nebenentscheidungen.

Tatsächlich finden Sie in dem Urteil keine Überschrift mit "IV". Diese "Überschrift" wurde offensichtlich übersehen. Dennoch finden Sie den Anfang der rechtlichen Würdigung (die in diesem Fall keinen besonderen Schwierigkeiten unterlag) ab Seite 284 des Urteils.

Stellen Sie sich also dort "IV" als Überschrift vor.

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Peppermint Patty kommentiert am Mi, 2018-06-27 22:42Permanenter Link

Tim Beckhaus kommentiert am Mo, 2018-06-25 09:36 Permanenter Link

Sie zitieren ausschließlich aus den Feststellungen. Sie sollten jedoch einen Blick in die Beweiswürdigung werfen und nicht das Eine mit dem Anderen durcheinanderwürfeln

Peppermint Patty kommentiert am Mo, 2018-06-25 07:39 Permanenter Link...

UA S. 36: „… III. … Die seitens der Kammer getroffenen Feststellungen beruhen auf den in der Hauptverhandlung erhobenen Beweisen.“

UA S. 37: „… Zunächst steht zur Überzeugung der Kammer fest, dass sich das Tatgeschehen so wie festgestellt abgespielt hat, dabei Klaus und Petra Toll am frühen Morgen des 16.04.2009 gegen 04.00 Uhr in ihrem Anwesen Friedrich-Ebert-Straße 36 nacheinander getötet und anschleißend Astrid Toll schwer verletzt wurden, dass der eine Täter dabei insgesamt zehn Schuss Munition der Marke Poongsan Metal Company aus Seoul, (die in den U.S.A. vertrieben wird und die den Bodenstempel PMC 9 mm Luger trägt) - bei der Schmauchpartikel mit der Elementkombination Blei, Barium, Antimon als Hauptbestandteile und Aluminium als Nebenbestandteil freigesetzt wurden - aus einer mitgeführten Pistole Walther P 38 auf seine Opfer abfeuerte, und (letztlich) dass während der Abgabe der jeweiligen Schüsse auf den Lauf dieser Pistole ein selbstgebauter Schalldämpfer - bestehend aus einer mit Bauschaum befüllten PET-Flasche - aufgeklemmt bzw. aufgeschraubt war, um den Schall bei der Schussabgabe zu dämpfen. Aufgrund der Angaben der insoweit vernommenen Zeugen, namentlich der den Tatort aufnehmenden Polizeibeamten , der Zeugen KTA Fritsch, POK Degen, KOK Täufer und KOK Loeb, und der Ausführungen der Sachverständigen Dr. Bux, Pfoser und POK Roggenkamp als auch durch die Augenscheinsnahme von den angefe1iigten Lichtbilder, Skizzen sowie den Aufnahmen der sogenannten „Sphäron-Kamera" sowie aufgrund der Beweisaufnahme im übrigen erschließt sich das konkrete Tatgeschehen bzw. der genaue Tatablauf zur Gewissheit der Kammer im Sinne der getroffenen Feststellungen…“.

Tim Beckhaus kommentiert am Mi, 2018-06-27 21:53 Permanenter Link

Was wollen Sie uns sagen? Dass Sie weder das Urteil gelesen, noch die hiesige Diskussion verfolgt haben?

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Herr Rudolphi,

es ist ganz rührend, wie Sie ausdrücklich versuchen, mich zurückzurufen, aber es ist auch - mit Verlaub - in der Sache ganz überwiegend nicht sehr treffsicher, um es gelinde auszudrücken.

"War es korrekt, daß der Verteidigung offenbar nicht alle Beweismittel in gleichem Maße zur Verfügung standen, wie dem Gericht und der Staatsanwaltschaft?"

Worauf gründen Sie Ihre Behauptung ("offenbar"?)?
Welche Beweismittel standen der Verteidigung denn NICHT in gleichem Maße zur Verfügung?

"... die in der HV kurz mal am Richtertisch gezeigten Photomappen und auch die in der HV mal kurz vorgespielten Videos waren mein Punkt, ebenso die TÜ-Aufnahmen."

Wovon sprechen Sie?
Was genau sind die "kurz mal am Richtertisch gezeigten Photomappen", die "in der HV mal kurz vorgespielten Videos" und die "TÜ-Aufnahmen"?
Worauf gründen Sie Ihre Behauptungen?

Strate behauptet bezüglich der von Ihnen behaupteten "in der HV mal kurz vorgespielten Videos" in seinem WA-Antrag übrigens genau das Gegenteil: Das Gericht habe die BKA-Videos nie gesehen.
Waren Sie anwesend und können das Gegenteil bezeugen?

"Wenn ein neuer Verteidiger nun, wie Herr Dr. Strate, eine Wiederaufnahme plant, bekommen seine Gutachter auch die Asservate noch für ihre Gutachten übergeben?"

Von welchen Asservaten sprechen Sie?
Kennen Sie sie?
Meinen Sie nicht, Strate hat sie dann auch entsprechend für seinen WA-Antrag benutzt?

"im Urteil lese ich x-fach die Floskel, wie sehr das Gericht immer "überzeugt" war", auch noch von den eigenen Annahmen"

Wieso "Floskel" und wieso "Annahmen"??

Und was, um alles in der Welt, phantasieren Sie mit "zu den Photomappen werden doch Ermittlungsbeamte am Richtertisch selber erst befragt, auch in der HV selber werden noch Skizzen erstellt, Prozeßbeteiligte spielen in einer HV manchmal Szenen nach, die dann ja vorher nicht schon in den Akten waren"?!

Was ist "am Richtertisch... befragt" vs. "auch [!?] in der HV selber"???

Ihnen ist ganz offensichtlich ganz allgemein nicht klar, wer wann welche Informationen zur Verfügung bekommt, was eine "Akte" ist und was darin wie festgehalten werden muß, was "Asservate" sind und wem sie wann und wie zur Verfügung stehen, wie lange sie aufbewahrt werden, sowie wie ein Prozeß insgesamt und eine HV im Besonderen abläuft.
Nur als Beispiel: Die Leichen liegen dem Gericht in der Hauptverhandlung NICHT vor.
Sie können wirklich nicht erwarten, daß solche Fragen hier seriöse Foristen beantworten, denn Sie könnten es ja selbst nachlesen, hier im Internet. Sie könnten auch selbst einmal an einer HV teilnehmen, die sind öffentlich.

"Es ging mir nicht um die allgemeine Zeugenbefragung in der HV bzw. um die in den Akten bereits verschriftlichten Aussagen aus den Ermittlungen.
Mir ging es z.B. auch um Details  vor Ort oder auf den Photos, die für Ermittlungsbeamte oder Feuerwehrleute usw., die vor Ort waren, evtl. keine große Bedeutung noch hatten vor Ort oder in der HV, die sich aber später doch als wichtig herausstellen, wenn es schon zu spät ist für eine Dokumentation bzw. Beweissicherung."

HIER geht nun wirklich ALLES durcheinander! ALLES!

Natürlich sind die Ermittlungen irgendwann abgeschlossen. Und wenn bei der Beweissicherung was übersehen wurde, dann ist es spätestens nach einer Freigabe des Tatortes weg, allenfalls in Protokollen und Fotos mehr oder weniger detalliert gesichert, allenfalls mehr oder minder (!) durch Zeugenaussagen rekonstruierbar.
Sie können tatsächlich nicht erwarten, daß Sie den Tatort noch wie damals vorfinden, wenn Sie morgen nach Babenhausen fahren!

Eine Akte - so Leitz-Ordner, wissen Sie? - enthält Texte und Fotos, wie Sie sich vielleicht vorstellen können.
Sie enthält weder das Haus noch die Leichen, noch Projektile, noch Bauschaumpartikel, noch Videos, auch wenn das alles tatsächliche oder potentielle "Beweismittel" sind.
Viele Beweismittel werden "asserviert". Das Haus oder die Leichen werden z.B. nicht asserviert.
Asservate werden meist nur so lange aufbewahrt, bis das betreffende Strafverfahren abgeschlossen ist. Danach werden sie entweder vernichtet oder an den Besitzer zurückgegeben.
Bei Mordfällen wird einiges oft länger asserviert (weswegen z.B. Strate an die Videos des BKA-Gutachtens gelangen konnte), insbesondere die DNA (was hier nicht von Belang ist).
Aufnahmen/Aufzeichnungen von Überwachungsmaßnahmen unterliegen den Datenschutzbestimmungen und müssen nach diesen Vorgaben vernichtet werden, meines Wissens sogar entsprechend aus den Akten entfernt werden.

Mit Ihrer Kritik an der damaligen Verteidigung, daß der Angeklagte geschwiegen habe, sind Sie sehr weit von jeder immer wieder aus guten Gründen empfohlenen Verteidigerstrategie entfernt.
Interessant jedoch, warum Sie meinen, dies sei falsch gewesen. Warum?

Hiermit korrespondiert übrigens der "Knackpunkt" von Peppermint Patty und der auch aus meiner Sicht prinzipiell gar nicht so falschen theoretischen (!) Möglichkeit (!), AD habe kein "Täterwissen" offenbart, sondern sei lediglich durch die firmeninternen "Buschtrommeln" vorinformiert gewesen:
Jedoch - und dies wird auch im Urteil entsprechend diskutiert (!):
WARUM hat AD in seiner Beschuldigtenvernehmung (oder später in der HV - und bis heute!) NICHT gesagt, daß er diese Information von Buschtrommel X bekommen hat, um den Verdacht des "Täterwissens" (den "Knackpunkt"!) auszuräumen? Wäre ja ein echt guter Punkt für eine Wiederaufnahme, oder?

Insgesamt nervt mich hier, daß offenbar die meisten Foristen meinen, ohne jede Aktenkenntnis etwas "finden" zu können, das NUNMEHR, nach vielen Jahren, auch Strate noch immer nicht entdeckt habe.
Diese fixe Idee verbindet leider Sie beide, Herr Rudolphi und Steffi-aus-der-Kiste.

Ich nehme, das, was dieser ausgewiesene Profi nun zusätzlich zum Urteil "neu" anführt, und versuche unter diesen Vorgaben, zunächst seine Beweisführung nachzuvollziehen, und untersuche dann möglichst logisch, ob seine Beweise für eine Wiederaufnahme ausreichen könnten.

Und nein: Ich schäme mich nicht dafür, diese schriftlich vorliegenden Dokumente zu analysieren, gegeneinander abzuwägen und derzeit zu einem negativen Ergebnis zu kommen.
Meine Hoffnung allerdings, dies in diesem Forum sachlich diskutieren zu können, ist gestorben.
Betrachten Sie also, Herr Rudolphi, meine Fragen oben eher als Anregung zur Selbstkritik.
Meine weitere Beteiligung in diesem Forum steht in der Prioritätenliste eher hinten, und zwar um so mehr, wie hier absurd "gefragt", "argumentiert" oder eindeutig getrollt wird.

Wer mag, kann diesen interessanten Beitrag lesen, der ist allerdings etwas komplex und bezieht sich auch in erster Linie auf die Revisionsinstanz:

"Videoaufzeichnungen und digitale Daten als Grundlage des Urteils – Revisionsrechtliche Kontrolle in den Grenzen des Rekonstruktionsverbots"
http://www.strafverteidiger-stv.de/system/files/users/user5/StV-02-2013_Beitrag.pdf

 

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Sehr geehrter Logiker,

ich mache Ihnen folgenden Vorschlag, Sie beweisen mir bitte nun folgende Tatsachen:

a) In den Akten auch an die Verteidigung herausgegeben sind die Grundrisse der Reihenhaus-Anwesen Friedrich-Ebert-Straße 36, 36a-c enthalten inklusive der Pläne der Garagen und der Tiefgarage und der evtl. Zugänge zu den Häusern sowie auch noch die Außenansichten, damit alle, die nicht selber vor Ort schon einmal waren, sich wenigstens aus den Plänen und Abbildungen nun eine eigene Vorstellung davon machen können und diese Unterlagen können auch nun noch eingesehen und nachgeprüft werden.

b) In den Akten auch der Verteidigung sind alle Meßprotokolle, Datensätze, Eichscheine usw., aller verwendeten Meßgeräte für Schall und Temperatur sowie alle gültigen Schulungen der eingesetzten Beamten oder anderer Personen vorhanden und die können auch nun eingesehen und nachgeprüft werden.

c) Die Brandschutztüre zum UG wurde doch vom Täter mindestens zweimal durchquert, von Astrid Toll mindestens einmal, von den Ersthelfern (Polizei oder Feuerwehr oder Sanitäter oder Spurensicherung usw.) mehrmals. Damit wurden nach der Tat doch auch Blut-Spuren verändert.

War die Brandschutztüre mit welchen Geräusch-Dämmungswerten nun offen, halboffen, angelehnt oder geschlossen gewesen bei den 6 Schüssen auf Klaus Toll im UG? Diese Frage ist wichtig zu klären, weil es davon auch abhängt, ob die Schüsse im UG im 1. und 2. OG zu hören waren und wie lange der Täter evtl. im UG gewartet hatte, ob sich im 1. und 2. OG nun etwas rührt und jemand aufwacht. Was steht in den Akten denn genau dazu, die auch die Verteidigung erhalten hat?

Im übrigen kenne ich  Abläufe aus vielen realen Prozessen, in denen viele Pannen feststellbar waren, auch was das HV-Protokoll noch betrifft und die mangelhafte Herstellung der Öffentlichkeit im Saal 3 des LG Darmstadt. Ich habe deswegen keinen Grund zur Annahme, daß der Darsow-Prozeß völlig frei davon war.

Aber die konkreten Fragen sind zu a, b, c nun zuerst gestellt.

Mit den besten Grüßen

GR

Herr Rudolphi,

bevor Sie wieder Suggestivfragen beantwortet haben wollen, warum beantworten Sie nicht zunächst die Ihnen von dem Kollegen "Logiker" gestellten Fragen? Diese haben einen direkten Zusammenhang zu Ihren eigenen Ausführungen. Die Beantwortung der Fragen könnte für Ihr und unser aller Verständnis beitragen.

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Logiker schrieb:

"War es korrekt, daß der Verteidigung offenbar nicht alle Beweismittel in gleichem Maße zur Verfügung standen, wie dem Gericht und der Staatsanwaltschaft?"

Worauf gründen Sie Ihre Behauptung ("offenbar"?)?
Welche Beweismittel standen der Verteidigung denn NICHT in gleichem Maße zur Verfügung?

Na, Sie haben ein dickes Verständnis-Problem oder lesen nicht richtig?

Ein Video zum BKA-Schußversuch z.B. und auch die Patronenhülsen und Projektile selber standen der Verteidigung doch nicht zur Verfügung für eigene Beweiserhebungen bzw. Gutachten mit eingehenderen Untersuchungen, aber der StA bzw. dem Gericht, und die wären doch wichtig gewesen, auch noch für die Verteidigung. Am Richtertisch ist da doch wenig zu sehen für die Verteidigung bei der Inaugenscheinnahme der Asservate.

Logiker schrieb:

Sie könnten auch selbst einmal an einer HV teilnehmen, die sind öffentlich.

Der war gut, habe auch selten so gelacht.

Besten Gruß

GR

Die Videos waren Bestandteil der HV (auch wenn Strate behauptet, das müßten wohl andere gewesen sein ;-) ), hat also auch die Verteidigung gesehen.

Die Patronen vielleicht nicht (vielleicht aber doch, wir wissen es nicht), weil allen Verfahrensbeteiligten die Aussage des Sachverständigen ausreichten. Man hätte jedenfalls ggf. eine in Augenscheinnahme beantragen können. Nur: Warum?

Nochmals: Auch die Leichen standen der Verteidigung tatsächlich nicht zur Verfügung. Au weia, ganz schlimm!

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Logiker schrieb:

Die Videos waren Bestandteil der HV (auch wenn Strate behauptet, das müßten wohl andere gewesen sein ;-) ), hat also auch die Verteidigung gesehen.

Die Patronen vielleicht nicht (vielleicht aber doch, wir wissen es nicht), weil allen Verfahrensbeteiligten die Aussage des Sachverständigen ausreichten. Man hätte jedenfalls ggf. eine in Augenscheinnahme beantragen können. Nur: Warum?

Nochmals: Auch die Leichen standen der Verteidigung tatsächlich nicht zur Verfügung. Au weia, ganz schlimm!

Bei einem solchen Indizienprozeß haben die Sachverständigen und deren Gutachten eine ganz entscheidende Bedeutung, wer als Verteidiger da selber zu wenig davon versteht, der kann die Knackpunkte (Schwachpunkte) in den Gutachten doch auch nicht erkennen.

Der Vorsitzende Volker Wagner will aber m.E. immer die Sache aufklären, aber auch er weiß  nicht alles, plausible Beweisanträge der Verteidigung schmettert er auch nicht ab, so wie ich ihn kennenlernte in seinen Verhandlungen.

 

Logiker schrieb:

"Wenn ein neuer Verteidiger nun, wie Herr Dr. Strate, eine Wiederaufnahme plant, bekommen seine Gutachter auch die Asservate noch für ihre Gutachten übergeben?"

Von welchen Asservaten sprechen Sie?
Kennen Sie sie?
Meinen Sie nicht, Strate hat sie dann auch entsprechend für seinen WA-Antrag benutzt?

Auch die Bundeswehrhose wurde ihm bzw. seinen Gutachtern doch nicht übergeben, wie auch die Patronenhülsen und Projektile, wenn Sie nicht zurückgegeben wurden oder bereits vernichtet werden mußten.

Logiker schrieb:

"im Urteil lese ich x-fach die Floskel, wie sehr das Gericht immer "überzeugt" war", auch noch von den eigenen Annahmen"

Wieso "Floskel" und wieso "Annahmen"??

Das Urteil lesen beantwortet diese Fragen erschöpfend.

Logiker schrieb:

Aufnahmen/Aufzeichnungen von Überwachungsmaßnahmen unterliegen den Datenschutzbestimmungen und müssen nach diesen Vorgaben vernichtet werden, meines Wissens sogar entsprechend aus den Akten entfernt werden.

Da hat die Verteidigung nicht unendlich viel Zeit, ist aber bekannt.

Logiker schrieb:

Mit Ihrer Kritik an der damaligen Verteidigung, daß der Angeklagte geschwiegen habe, sind Sie sehr weit von jeder immer wieder aus guten Gründen empfohlenen Verteidigerstrategie entfernt.
Interessant jedoch, warum Sie meinen, dies sei falsch gewesen. Warum?

Ein unschuldiger Angeklagter mußte wissen, daß hier doch viel gegen ihn sprach, und seine Verteidiger mußten das ebenfalls merken.

Plausible Erklärungen jedenfalls kann ein schweigender Angeklagter nicht anbieten und auch seine Persönlichkeit nicht wirklich zeigen, und gerade die spielte im Urteil auch noch eine große Rolle.

Aber schauen Sie mal selber bei der Darmstädter Schwurgerichtskammer öfters zu, bevor Sie anderen das empfehlen.

Aber das zeigte mir ja, wieviel Sie nicht lesen.

 

"Auch die Bundeswehrhose wurde ihm bzw. seinen Gutachtern doch nicht übergeben, wie auch die Patronenhülsen und Projektile, wenn Sie nicht zurückgegeben wurden oder bereits vernichtet werden mußten."

Überlegen Sie bitte: Bei der Wiederaufnahme geht es (in diesem Fall) um die Beibringung neuer(!) Beweismittel und nicht um die Erschütterung alter Beweismittel.

Warum müssen solche Dinge immer wieder erklärt werden und warum wird es immer wieder ignoriert?

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Tim Beckhaus schrieb:

"Auch die Bundeswehrhose wurde ihm bzw. seinen Gutachtern doch nicht übergeben, wie auch die Patronenhülsen und Projektile, wenn Sie nicht zurückgegeben wurden oder bereits vernichtet werden mußten."

Überlegen Sie bitte: Bei der Wiederaufnahme geht es (in diesem Fall) um die Beibringung neuer(!) Beweismittel und nicht um die Erschütterung alter Beweismittel.

Warum müssen solche Dinge immer wieder erklärt werden und warum wird es immer wieder ignoriert?

Da haben Sie nicht alles bedacht, denn neue Beweise können sich auch auf vorhandene Gegenstände (hier dann alte Beweismittel, auch noch vorhandene Asservate) stützen.

Ob Herr Strate aber damals als fiktiver Verteidiger im Prozeß schon sein heutiges Wissen gehabt hätte und entsprechende Beweisanträge gestellt hätte, ist reine Spekulation.

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Herr Beckhaus, brauchen Sie wirklich ein Beispiel?

Angenommen, es wären DNA-Spuren von Herrn Darsow auf der Abklebefolie des Bewegungsmelders gesichert worden.

Später bei einer Nachuntersuchung dieses Asservats erst stellt sich heraus, daß es da zu einer Sekundärübertragung bei der Spurensicherung gekommen sein muß, da die Häuser direkt nebeneinander liegen und der Spurensicherer z.B. vorher an den gemeinsamen Gartenzaun kurz gefaßt hatte, bevor er sich an seine Arbeit machte.

Solche Pannen, auch Verwechslungen sind nicht völlig auszuschließen.

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Und dann könnten sich doch neue Beweise ergeben, wenn eine bisher noch nicht erkannte DNA-Spur auch noch dabei auftaucht, die zu einem Treffer in der Datei führt, der nicht zu AD gehört.

Daß DNA-Spuren aber auch noch manipuliert werden können, lasse ich mal dabei unbeachtet.

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Aber Dr. h.c. G. Strate geht m.E. doch so vor (Zitat):

Eine Tatsache ist im Sinne eines Wiederaufnahmeantrages „neu“, wenn sie dem erkennenden Gericht zum Zeitpunkt der Urteilsberatung nicht bekannt war und von diesem daher bei der Entscheidung nicht berücksichtigt werden konnte. Neue Beweismittel sind solche, deren sich das erkennende Gericht nicht bedient hat, wozu sowohl die unbekannten, als auch die ungenutzten Beweismittel zählen.

 Quelle: https://www.strafrecht-bundesweit.de/info-recht-verhalten-strafverfahren...

Also das wäre unter "neu" zu verstehen bei den "Tatsachen" für einen Wiederaufnahmeantrag.

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Eine Frage hätte ich auch noch, die doch leicht zu beantworten wäre:

d) Waren bei Klaus, Petra und Astrid Toll auch sedierende Substanzen (wie Medikamente) im Blut feststellbar gewesen, und was steht denn genau zu den Untersuchungen und Ergebnissen dazu in den Akten, die an die Verteidigung herausgegeben wurden?

 

Ich kenne die Akte genausowenig wie Sie. Sie können also Ihrer Phantasie weiterhin völlig ungehemmt freien Lauf lassen.

Oder sich auf das beschränken, was uns allen an Dokumenten zur Verfügung steht.

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Der Vollständigkeit halber darf man nach etwa vier Jahren des Diskutierens hier erwähnen, dass bereits die Überschrift von Prof. Heintschel-Heinegg die Richtung der Diskussion vorgibt: Unterstellt wird (ohne weitere Erklärung), dass es sich bei dem "Mollath Urteil" um ein "Fehlurteil" handle. Doch welches Urteil soll damit gemeint sein?

Im darunter folgenden Text geht es weiter. Dort heißt es: "Der Verurteilte leugnet die Tat (...)".

Das stimmt aber so nicht. Der Verurteilte hat in der gesamten Hauptverhandlung von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Er hat die Tat also weder "geleugnet", noch hat er sie eingestanden.

Dass sich bei einer solchen Steilvorlage noch vier Jahre später Hobbyermittler und Freizeitexperten dazu berufen fühlen, "Fehler" im Urteil "aufzudecken" und darüber hinaus die Kompetenzen aller am Verfahren Beteiligten anzweifeln, darf insofern nicht verwundern.

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Wohl wahr, und vermutlich auch Sinn des Beitrags. Der Herr Professor hat sich seither zu diesem Fall selbst nicht mehr geäußert......

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Insofern darf auch die Frage gestattet sein, welche Intention dahinter steckt(e), die Kollegen derart abzuqualifizieren.

Herr Heintschel-Heinegg hat eine durchaus beachtliche juristische Laufbahn hinter sich. Seit 2010 ist er Rechtsanwalt (er ist seitdem OLG Richter a.D.). Er ist Strafrechtler (zumindest als Schwerpunkt). Und dann bezieht er sich auf mediale Berichterstattungen und die Homepage der Ehefrau des Verurteilten in einem Blog und führt diese dafür an, dass es sich bei dem genannten Urteil wohlmöglich(!) um ein Fehlurteil handeln könnte?

Sehr geehrter Herr Heintschel-Heinegg, sollten Sie hier noch hin und wieder reinschauen und diese Diskussion verfolgen, dann gestatten Sie mir bitte die Frage: Was ist Ihre Intention, auf diese Art ein rechtskräftiges Urteil (Ihrer ehemaligen Kollegen!) in Zweifel zu ziehen?

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Wenn man den Duktus des Urteilstextes einordnen sollte, fällt mir nur Groschen-Krimi ein.Die allg. Mängel zu Strafverfahren sind spätestens seit dem Mollath-Fall Allgemeingut. Die Frage/Feststellung, dass 20 % der Strafurteile fehlerhaft sein sollen und die Justiz ihren Aufgaben und Verantwortlichkeiten nicht gerecht wird, steht ebenfalls auf dem Terminplan. Verbreitet ist die fixe Idee, den Rechtsstaat durch (noch) weniger Rechtsstaat vor (äußeren) Gefahren zu schützen. Das ist vergleichbar mit der Idee, durch Verzicht auf fussballerische Qualitäten den WM-Titel zu verteidigen. Das Ergebnis kennen wir nun. Die Truppe hat sich selbst besiegt. Nun gibt es Depressions-Theater und viele Experten analysieren in einem gesellschaftlich sekundären Bereich. Für den Bereich der Rechtspflege aber wollen offenbar so manche eine intransparente Käseglocke beanspruchen, obwohl es genug Baustellen und Zweifel an juristischen und rechtsstaatkichen Qualitäten gibt. Ich wäre dafür, methodisch besonders beispielgebende Rechtsprechung zu thematisieren. Dann werden auch die vorhandenen Alternativen sichtbarer.

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Lutz Lippke schrieb:

Verbreitet ist die fixe Idee, den Rechtsstaat durch (noch) weniger Rechtsstaat vor (äußeren) Gefahren zu schützen. Das ist vergleichbar mit der Idee, durch Verzicht auf fussballerische Qualitäten den WM-Titel zu verteidigen. Das Ergebnis kennen wir nun. Die Truppe hat sich selbst besiegt.

Sehr geehrter Herr Lippke,

ich schätze Ihre Betrachtungen sehr, da Sie eine "Sicht von außen" hier oft einbringen, und die halte ich ebenfalls für notwendig.

Große Prozesse benötigen aber enorm viele Ressourcen an Zeit, an Planstellen, Gebäuden, Sachmitteln und Finanzmitteln, eine Blockade-Strategie mit Spielen auf Zeit unter Ausnützung aller Finessen des Prozeßrechts wird da m.E. oft für das Mittel der Wahl noch gehalten, der Münchner NSU-Prozeß wäre m.E. ein passender Beleg dafür, nährt er doch auch noch Pflichtverteidiger für längere Zeit.

Ist das denn die erstrebenswerte Zukunft des Rechtsstaats hier in der BRD?

Bei der Darmstädter Schwurgerichtskammer hatte ich schon 3 Verfahren erlebt, die sich zeitlich überdeckten, die konnten die Richter nicht nacheinander abarbeiten.

Die Haushälter in den 16 Landes-Parlamenten und auch beim Bund aber haben doch noch andere Etats zu beraten, außer denen für die Justiz. Also werden auch Rufe nach "beschleunigten Verfahren" auf den Tagesordnungen / auf der Agenda bleiben.

Dazu muß m.E. kein Schnellkurs in Prophetie noch absolviert werden.

Beim Fußball dagegen kann "Beton angerührt werden", oder überwiegend auf Angriff gespielt werden, aber immer stehen 11 Spieler auf dem Platz, nach spätestens 120 Minuten und Elfmeterschießen ist auch mal Schluß, rechtskräftige Entscheidungen gibt es da auch nicht, und auch mit Geld alleine ist keine Weltmeisterschaft zu erreichen.

Da fällt mir der Nachvollzug des obigen Vergleichs von Ihnen sehr schwer.

Besten Gruß trotzdem

GR

 

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Richtig ist, dass ich von "außen" drauf blicke. Im konkreten Fall fehlt mir das Wissen, um mitreden zu können. Im Strafrecht allgemein ebenso. Meine punktuellen Berührungen mit der Strafjustiz sind nicht verallgemeinerungsfähig. Mir leuchtet auch ein, dass das Prozessrecht keine Garantie für 100 % richtige Verfahren und Urteile geben wird. Mancher Täter kommt davon, manch Unschuldiger wird zu Unrecht belastet oder sogar durch Strafe in seiner Existenz massiv geschädigt. False Positive vs. false negative ist ein Dilemma, dass sich nicht vollständig 

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Ein "false positive" dürfte es in der Theorie nun nicht geben. So ist unsere Strafjustiz verfasst, wie es eine weitere Worthülse "in dubio pro reo" in den Sonntagsreden beschreibt. Staat und Gesellschaft haben es einfach hinzunehmen, dass ein vermeintlich Schuldiger "davonkommt". Ich sehe auf diesen hier diskutierten Fall bezogen genau das Dilemma und u.U. die Motivation von Polizei, StA und Gericht. Es mochte der Öffentlichkeit nicht vermitteln gewesen zu sein, dass es nach einem Freispruch von Herrn Darsow keinen Täter mehr gegeben hätte und in der Konsequenz, nicht zuletzt durch handwerkliche Ermittlungsfehler, wahrscheinlich auch nicht mehr geben wird.

Was mich dabei erschreckt ist die Ernergie, die aufgebracht wird, um ein Urteil unter Verletzung jeglicher Logik stimmig zu machen. Wäre diese Ernergie nicht woanders besser aufgehoben gewesen? Sozusagen die Krone aufsetzend, wird mit Zähnen und Klauen dieses Unrechtsurteil bar jeglicher Bereitschaft zur Fehlerkorrektur rein mit der Kraft (?) einer institituonellen Autorität verteidigt. In der Grundanlage dann nur konsequent.

Aber welches Licht das dann auf den Zustand der Justiz wirft, wird dabei nicht beachtet. Wie kann man des Bestehenlassen von schreiendem Unrecht mit dem Postulat der Rechtssicherheit begegnen? Dabei will ich zurück auf die Eingangsfrage "Nach Mollath ... ein weiteres Fehlurteil? ..." Mich beschleicht derweil das Gefühl, dass sich solche "Skandale" in letzter Zeit häufen. Die Ursachenforschung darüber wäre interessant.

(sorry) ...auflösen lässt. Die Frage, welche Fehler man grundsätzlich in Kauf nehmen kann, ist eine gesellschaftspolitische Frage, keine Sach- oder Effizienzfrage. Bestraft werden dürfen nur tatsächliche Straftäter. Gegenüber Nicht-Straftätern hat der Staat keine Legitimation zur Strafe, keinen Strafverfolgungsanspruch. Der entsteht auch nicht durch Rechtskraft eines Urteils. False Positives, also die Bestrafung Unschuldiger, muss also unbedingt verhindert werden, denn das rührt unmittelbar an der Legitimität des Strafens. Die unterlassene Bestrafung eines Straftäters soll dagegen vermieden werden, wobei Strafe keinen Selbstzweck hat. Es gibt also keinen Strafzwang. Das ist schwer zu ertragen, wenn es Ermordete gibt und der Aufwand der Ermittlungen und Verfahren enorm hoch ist. Dass unter diesen Prämissen die Einschränkung von Prozessrechten der richtige Weg ist, bezweifle ich. Gegen Tricksereien mit Verfahrensrechten ist man am ehesten mit Sorgfalt, Überlegtheit und Transparenz gefeit. Den "Wettlauf" um die cleverste Taktik des Verhinderns des Anderen, halte ich für einen Holzweg, zumindest in seiner Effektivität für überbewertet. Da lässt sich vielleicht das frühe Aussscheiden des Weltmeisters aus der Fussball-WM als Analogie anbringen. Das Verhindern des "Gegners" ersetzt eben nicht die  Notwendigkeit der Effektivität des eigenen Spiels. Das eigene Spiel mit dem Verhalten des Gegners, mit den bereits investierten Anstrengungen und affektiven Erwartungshaltungen zu begründen, kann das nicht ersetzen. In diese Richtung verstehe ich aber Ihre Einwände zu den Prozessrechten.

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Herr Lippke,

Sie haben da etwas missverstanden: Es geht nicht darum "wie" etwas geschrieben, sondern "was" geschrieben wurde. Also Inhalt, nicht Form.

 

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Herr Beckhaus, missverstanden habe ich das nicht. Aber Ihr Hinweis ist schon richtig. Das "Was" ist bei Tatsachenfragen entscheidend. Dagegen sind das "Wie" und von "Wem" das "Was" kommt, allenfalls Anlässe dafür, sich mit dem "Was" intensiver zu befassen. Mehr hatte ich nicht beigetragen. Das reicht natürlich nicht. In Ihren Beiträgen sehe ich häufiger den Verweis auf von "Wem" etwas festgestellt wird, um damit Kritik an den Feststellungen zu qualifizieren. Das reicht in der Sache aber auch nicht.

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"rechtskräftige Entscheidungen" in dem Sinne natürlich, daß ein im Turnier herausgespielter Weltmeister nun für länger als 4 Jahre feststeht.

(Falls wieder Einwände deswegen von "Manndeckern" kommen sollten.)

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Eine Anmerkung aber noch:

Strate schreibt in seinem Wiederaufnahmeantrag auf Seite 28 unter der Ziffer 8 (Zitat):

".... bei jedem [unterstrichen] der abgefeuerten 10 Schüsse zwingend ein Geschossknall .......Einzig denkbare Erklärung hierfür ist eine reduzierte Geschwindigkeit der Geschosse auf maximal 343,7 m/s."

Zu dieser Geschwindigkeit gehört laut Gutachten Winkelsdorf eine Temperatur von 21°C der Luft bei einer Schußabgabe.

Eine verbürgte Messreihe mit der PMC-Munition mit 8 g Geschossmasse, die auch mal als Zahl auftauchte, umgerechnet 123,5 grain, vermutlich also mit der Munition von PMC mit 124 grain und mit einer P 38 mit 127 mm Lauflänge finde ich bei Winkelsdorf in seinem Gutachten nicht.

Im Internet finde ich zu diesen Munitionen von PMC Bronze die Werte:

Muzzle Velocity: 1157 fps, umgerechnet 352,7 m/s bei 115 grain

Muzzle Velocity: 1110 fps, umgerechnet 338,3 m/s bei 124 grain

Diese Werte sind aber nicht verifiziert.

Mit den Tabellen von Winkelsdorf gehört zu 338,3 m/s ein Temperaturwert von ganz knapp unter 12°C der Luft bei der Schußabgabe.

Dieser Temperaturwert war evtl. um ca. 04 Uhr in der Tatnacht aber unterschritten worden, so daß nicht bei jedem [unterstrichen] der 10 Schüsse ein Überschall-Geschoßknall zwingend aufgetreten sein muß.

Ein kleiner Fehler lediglich nach meiner eigenen Einschätzung nach.

 

Für einen anderen Fehler von Winkelsdorf aber halte ich diesen:

Er ging doch nach Lage der Dinge davon aus, daß eine P 38 mit der Munition PMC Bronze 124 grain und voller Lauflänge von 127 mm auch bei den üblichen Zimmertemperaturen noch zwingend einen Überschall-Geschoßknall ohne SD generiert und erst daraus folgerte er dann zwingend Laufverkürzungen bei der Waffe und ein Gewinde für eine sichere Montage eines SD. Da ist bei ihm m.E. etwas denklogisch durcheinandergeraten, für mich aber psychologisch erklärbar durch seine Bezüge zu anderen Patronen als den PMC-Patronen, nämlich auch noch zu einer Geco-Patrone mit 124 grain und zu einer Geco-Patrone mit  147 grain und zu einer Glock 17 Pistole bei Versuchen zu einem speziellen Dichtscheiben-SD mit PUR-Scheibe.

Also methodisch erinnert mich das schon etwas an ein "Leipziger Allerlei" oder an "Kraut und Rüben", aber das Tragende seiner Argumentation bleibt m.E. bestehen: Auch durch die Umgebungstemperaturen noch bedingt sind eine Kombination aus Spuren, Zeugenaussagen, der Waffe und der Munition nicht durchgehend mit einer gemeinsamen, einheitlichen Konstellation bei den 10 Schüssen so wie im Urteil mit hoher Wahrscheinlichkeit, also überzeugend erklärbar.

Dazu wäre doch eine anspruchsvolle Kombination von Waffe-Schalldämpfer-Bauschaum-Munition zu realisieren gewesen mit anspruchsvollen Versuchen und auch weiteren Schlußfolgerungen daraus bezüglich Andreas Darsow.

""BAUSCHAUM, verwendet in einem beliebigen Hohlkörper als Schalldämpfer" ist aber sehr unbestimmt, denn um eine dem im Urteil, den Spuren und den Zeugenaussagen entsprechende, aber so einfach nicht bewiesene, also m.E. noch unbewiesene Tatausführung durchführen zu können, wird doch zwingend eine ziemlich ausgeklügelte Konstruktion / Ausführung benötigt, die jedoch eine hohe Mindest-Dämpfungswirkung in Dezibel erreichen muß im Haus bei den 8 Schüssen und schlafenden 2 Personen im Stockwerken darüber, aber auch dann außer Haus bei 2 Schüssen erreicht hatte, da auch da der Schalldämpfer ja schon montiert war, nicht irgend eine, damit beliebige (unbestimmte) Dämpfungswirkung, denn das wäre dann die logische Folge von "BAUSCHAUM, verwendet in einem beliebigen Hohlkörper als Schalldämpfer". "

Das ist ja mal ein Satz!! Zeigen Sie es den Zweiflern, kapieren hier ja eh nichts!!

"Also methodisch erinnert mich das schon etwas an ein "Leipziger Allerlei" oder an "Kraut und Rüben", aber das Tragende seiner Argumentation bleibt m.E. bestehen: Auch durch die Umgebungstemperaturen noch bedingt sind eine Kombination aus Spuren, Zeugenaussagen, der Waffe und der Munition nicht durchgehend mit einer gemeinsamen, einheitlichen Konstellation bei den 10 Schüssen so wie im Urteil mit hoher Wahrscheinlichkeit, also überzeugend erklärbar."

Wieder so ein Monster von Satz, mit dem Sie es allen und wirklich jedem zeigen!!

Suchen Sie bitte weiter nach "neuen Tatsachen" und informieren Sie mich bitte zeitnah!!

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Logiker kommentiert am Sa, 2018-06-30 22:59 Permanenter Link

„… Mögen sich also diese Nachbarn, die aussagten, bei Strate melden und beeiden*, sie hätten in der HV gelogen…“

Unterstellung, die im Urteil referierten Zeugenaussagen der Nachbarn seien auch tatsächlich so in der HV bekundet worden. Dass neutrale Prozessbeobachter unmittelbar nach dem Verhandlungstag etwas ganz anderes angaben, als das, was im Urteil drin steht, wird ebenso ausgeblendet wie die dem Urteilsinhalt widersprechende Aussage des Nachbarn Z. in der ZDF-Doku. Zur Problematik der kognitiven Dissonanz und der Fehleranfälligkeit wegen des Fehlens authentischer Aufzeichnungen der HV:

http://ass-seminar.de/wp-content/uploads/2016/04/261-Grundsatz-der-freien-richterlichen-Beweisw%C3%BCrdigung.pdf 

zu Dissonanzreduktionen im Allgemeinen sowie zum Fall des Bauern Rudolf Rupp im Besonderen: Jan Raske, Wie bei polizeilichen Ermittlungen ein falscher Tatverdacht entsteht, 2013 (ISBN 978-3-8442-5676-5)

(*Ist ein RA zur Abnahme von Eiden („der Nachbarn“) legitimiert?)  

(Zitat Logiker): „Wozu auch? Der Kammer war das Vorwissen von AD doch ohnehin klar! … Wissen über "den Schalldämpfer" hatte und bestätigte AD …“

Die Herrn Andreas Darsow, der in der HV geschwiegen hat, entlastende Aussage des Senior-Chefs zu den firmeninternen Buschtrommeln und damit einhergehenden allgemeinen Kenntnis vom wahren Durchsuchungshintergrund wurde im ansonsten doch recht ausführlichen Urteil – aus welchen Gründen auch immer – jedenfalls unterdrückt.

Lanciert von den Darmstädter Ermittlern berichtete OP-Online im Übrigen bereits am 29.05.2009 (knapp zwei Monate vor „Offenbarung“ seines „Täterwissens“):

https://www.op-online.de/region/babenhausen/taeter-benutzt-selbst-gebauten-schalldaempfer-323616.html

Auch dies taucht im Urteil nicht auf.

(Zitat Logiker): „Zu Details wie Zu- oder Abnahme der Partikel hatte ich bereits oben geschrieben, daß dies auch nach Strate selbst in seinem WA-Antrag (!) wohl eher einem Mangel an Aufmerksamkeit der Spurensicherung/Zeugen zuzuschreiben ist…“

plöpp:

 „… Am Tatort wurde ein Klumpen "Bauschaum" an einem Einschussloch gefunden. Dieser sei bei einer Untersuchung von der Wand gefallen und habe "plöpp" gemacht. Allerdings scheint diese Aussage falsch** zu sein, da ein anderer Beamter, welcher vorher am Tatort war sagt, dass dieser nicht mehr an dem Türstock klebte als er ankam. Der andere Beamte hat diesen Klumpen dann an die Tür geklebt, weil er annahm, dass er da war… Es wäre ja noch schöner, wenn sich die Polizei den Tatort so herrichtet wie sie es wünscht.“

http://azxy.communityhost.de/t914287940f354157108-FF-Kripo-Darmstadt-Mord-an-Silke-Sch-Doppelmord-Babenhausen-gestrichener-FF-3.html

**Fettschrift = Hervorhebung

https://www.op-online.de/region/babenhausen/polizei-raetselt-weiter-ueber-motiv-463457.html

Sofern Zeugen gelogen haben, und dies beweisbar ist, gilt § 359 (2) StGB. Sollten Sie solche Beweise haben, wenden Sie sich an Strate. Der wird schon wissen, was zu tun ist.

Das Täterwissen ist nicht der Schalldämpferbau, sondern der Ausdruck der Datei von AD.

Fur Ihren letzten Absatz gilt mein erster Absatz hier analog.

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Wenn doch aber nicht sein kann, dass ein Schalldämpfer dieser Eigenbaumarke verwendet wurde, die der Verurteilte ausgedruckt haben soll, dann ist das kein "Täterwissen". Bleiben ja nur noch die ungewöhnlich wenigen Schmauchpartikeln übrig für eine Verbindung zur Tat. Im Übrigen unterscheiden sie sich auch noch in ihrer chemischen Zusammensetzung von der verwendeten Munition. Diese Schmauchspur für sich allein bildet aber keine tragfähige Entscheidungsgrundlage für eine Verurteilung. Das ist verkürzt der Gedanke des Wiederaufnahmeantrags. (Absatz) Es geht also im Wesentlichen nicht um neue Tatsachen. Denn das Gericht war davon überzeugt, dass die Tat mit dem genannten Schalldämpfer begangen wurde. Die Verneinung dessen ist aber keine neue Tatsache im Sinne der Wiederaufnahme. Aber das dazu vorgelegte Gutachten kann ein neues Beweismittel sein. Diesem Punkt sollte man m.E. besondere Aufmerksamkeit widmen. Denn darauf dürfte es im Wesentlichen ankommen, wenn man die Erfolgsaussichten des WA-Antrags beurteilen möchte. Hier liegt der Schwerpunkt des Antrags. (Die Formatierungsfunktion des Blogs in der Vorschau hat einen Aussetzer.)
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Au weia, das Forum ist gerade echt kaputt. Ich versuche es trotzdem, ohne Absätze..... [quote=Waldemar R. Kolos] Wenn doch aber nicht sein kann, dass ein Schalldämpfer dieser Eigenbaumarke verwendet wurde, die der Verurteilte ausgedruckt haben soll, dann ist das kein "Täterwissen". [/quote] Da haben Sie Recht! WENN!!! Darauf zielt der WA-Antrag. Ich frage mich, ob in diesem Antrag dieses "Wenn (Nichtsein kann)" tatsächlich bewiesen wird. Es bleibt übrigens SEHR viel mehr als die Schmauchspur, vor allem das Nachtat-Verhalten, aber das nur am Rande. [quote=Waldemar R. Kolos] Es geht also im Wesentlichen nicht um neue Tatsachen. Denn das Gericht war davon überzeugt, dass die Tat mit dem genannten Schalldämpfer begangen wurde. Die Verneinung dessen ist aber keine neue Tatsache im Sinne der Wiederaufnahme. [/quote] Soweit Beweise für eine zwingende Verneinung dargelegt werden, wären diese durchaus neue Tatsachen im Sinne der Wiederaufnahme. Diese Existenz von Beweisen wird ja so im WA-Antrag behauptet, darauf gründet er. Darum ist korrekt: [quote=Waldemar R. Kolos] Aber das dazu vorgelegte Gutachten kann ein neues Beweismittel sein. [/quote] Ja, das ist der Plan. Die vorgelegten Gutachten sollen (neue) Beweismittel für (neue) Tatsachen sein (Strate verwendet daher auch die gemischte Vokabel "neue Beweistatsache"), die - und das ist wichtig! - geeignet (!) sein müssen, eine Freisprechung oder ein milderes Urteil zu begründen. (§ 359 (5) StPO) Zu untersuchen ist also nicht nur, 1) ob Beweismittel wirklich "neu" sind (was ich bereits bezweifle - so z.B. die BKA-Videos), sondern 2) ob die angeblich neuen Beweismittel (Gutachten) überhaupt in sich schlüssig sind, also wirklich überhaupt "Tatsachen" beschreiben, mithin also überhaupt taugliche "Beweismittel" SIND (wovon ich bezüglich des Winkelsdorf-GA überhaupt gar nicht überzeugt bin) 3) ob diese Gutachten, soweit sie Tatsachen beschreiben, wirklich "neue" Tatsachen beschreiben, und damit überhaupt taugliche "neue" Beweismittel sind (Ich meine bezüglich des Cachée-GA nein, denn daß es möglich ist, einen bzgl. *dieser Details* ohnehin objektiv sehr unsicheren Spurenlage *nicht* entsprechenden SD aus einer PET-Flasche zu bauen, wie er "beweist", ist keine "neue" Tatsache, sondern - ich überspitze bewußt - Unfähigkeit oder Unwille des Gutachters, dies überhaupt ernsthaft zu versuchen) 4) zuletzt und entscheidend, ob diese Faktoren 1-3 des WA-Antrags, falls vorhanden, auch geeignet sind, eine Freisprechung oder ein milderes Urteil zu begründen (Ich meine nein, denn auf die zwingende Verwendung einer PET-Flasche kommt es ohnehin gar nicht an: Denn die Kern-Feststellungen, also a) die sichere Verwendung von BAUSCHAUM als SD-Bestandteil in Kombination mit b) der sicheren Tatsache, daß von AD eine sehr offen gehaltene Anleitung für die Verwendung eines Selbstbau-SD mit BAUSCHAUM ausgedruckt wurde UND c) die Tatsache, daß die dem Gericht vorliegenden Gutachten und Beweismittel bewiesen, daß eine solche Konstruktion unter den bekannten Bedingungen auch technisch möglich ist UND d) jedenfalls sicher zu einer PartikelSTRUKTUR wie am Tatort führt, reichen m.E. im Hinblick auf diese schwerwiegenden miteinander zusammenhängenden Indizien aus.) Die Behauptungen im WA-Antrag sind daher m.E. eben NICHT geeignet, eine Freisprechung oder ein milderes Urteil zu begründen, weil A) sie weder die Bedingungen 1)-3) erfüllen noch - selbst wenn etwas davon dennoch als neue Tatsache und damit neues Beweismittel bejaht werden könnte - B) sie nicht geeignet wären, eine Freisprechung oder ein milderes Urteil zu begründen, da das Urteil auf ganz anderen tragenden Säulen steht (u.a.: BAUSCHAUM, nicht zwingend PET-Flasche).
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Unterstellt, das alle Ihre Angaben zutreffen, kann man also von einem Allerlei-Eintopf aus Tatsachen, Indizien und Spekulationen im Urteil ausgehen, der als tatsächliches Geschehen behauptet, ausgeschmückt und erzählt wurde. Diese Erzählung kann nur erschüttert werden, wenn die tragenden Episoden des Allerlei als tatsachenwidrig widerlegt sind. So konnte ein Bauer Rupp nicht verfüttert worden sein, wenn er später im Ganzen aus dem Wasser gefischt wurde. Reicht das nach h.M. schon und warum? Konnte die unbewiesene Verfütterung ein tragendes Beweismittel sein? Gab es Indizien dafür? Gründete auf dieser Story das Rupp-Urteil? Warum steht in einem Urteil nicht drin, worauf es tatsächlich gründet und was nur der erzählerischen Ausschmückung von Mimi-Krimi-Fans unter den Juristen geschuldet ist? Warum arbeitet die Justiz methodisch so fragwürdig? Geht es nur um Deutungshoheit durch Erzählung ( kein subjektiver Zweifel) oder ist die Überzeugungskraft der bewiesenen Fakten (kein objektiv denkbarer Zweifel) maßgebend?
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Sehr geehrter Logiker, auch mir fehlt es nun völlig an der Nachvollziehbarkeit Ihrer Argumentation, denn Sie verlangen m.E. explizit nun eine so hohe Schlüssigkeit der Gutachten und Darlegungen und Videos zu den Schüssen für eine Wiederaufnahme, die die mangelnde Schlüssigkeit im Urteil und in den versuchten Rekonstruktionen der Schüsse, die zum Urteil wesentlich beitrugen, doch unverhältnismäßig weit übersteigen. Damit aber liegen Sie genau auf der Linie des "Haltens eines Urteils um jeden Preis". Das ist Ihnen m.E. als Beweis nun gelungen, daß Wiederaufnahmen nur etwas für reine Idealisten sind, die an die absolute Priorität der Wahrheitsfindung in einem Prozeß noch ehrlichen Herzens glauben können und auch noch an die Dame Justitia, daß ihr das Hemd doch nicht näher als der Rock ist in diesem Fall. Der Realist wird sagen, wie sollte es auch anders sein, denn auch sie zeigt sich m.E. hier wie eine menschliche Person, die Fehler machte, aber es nicht freiwillig zugeben will, soll, darf ....... GR
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Nachtrag/Berichtigung: Die firmeninternen Buschtrommeln beziehen sich natürlich auf a) „Täterwissen“ (Nachtatverhalten)

III Konsequenzen:

a)    „Täterwissen“ vom wahren polizeilichen Durchsuchungshintergrund (Nachtatverhalten) entfällt, da schon gar kein PET-SD verwendet wurde, s. o. (vgl. auch Herr Kolos) (auf die im Urteil verschwiegenen firmeninternen Buschtrommeln und der Verbreitung bis zum Urlaubsabbruch kommt es deshalb schon gar nicht weiter an)  

b)    Recherche/Ausdruck Bauanleitungsseite Silencer (Vortatverhalten) entfällt, da schon gar kein PET-SD verwendet wurde, s. o.

Sie schreiben, es käme nicht zwingend auf die Verwendung einer PET-Flasche an, lediglich auf die des Bauschaums:

      (Absatz)        

"denn auf die zwingende Verwendung einer PET-Flasche kommt es ohnehin gar nicht an: [...] B) sie nicht geeignet wären, eine Freisprechung oder ein milderes Urteil zu begründen, da das Urteil auf ganz anderen tragenden Säulen steht (u.a.: BAUSCHAUM, nicht zwingend PET-Flasche)."

      (Absatz)            

Das haben Sie jetzt aber frei erfunden. Selbstverständlich kommt es nach Überzeugung der Kammer gerade darauf an. Die Verwendung der PET-Flasche mit Bauschaum gefüllt, und zwar genau so wie jene Bauanleitung aus dem Internet es vorgibt, das ist essentiell für den Schuldspruch, und nur so war das Urteil nachvollziehbar für den BGH.

      (Absatz)            

Ich hätte Ihnen gerne aus dem Urteil zitiert, aber die Formatierungsfunktion klappt immer noch nicht. Lesen Sie einfach u.a. Seite 17 und 18 der Urteilsausfertigung nach.

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Sie scheinen Recht zu haben - vielleicht aber doch nicht.

Ich schrieb es in einem früheren Beitrag:

Stellen Sie sich vor, heute würde jemand eine verrostete, mit entsprechendem Schmauch und Bauschaum gefüllte, präparierte, mit einer passenden Klemmvorrichtung versehene, Metall-Haarsprayflasche im Gebüsch des Tatortgrundstückes finden: Würden Sie als Wiederaufnahmegericht eine neue Hauptverhandlung anordnen, weil das AD in irgendeiner Weise entlaste?

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I. Bei der Tat wurde kein PET-Schalldämpfer Marke-Eigenbau verwendet:

a)    Keine PET-Plastiksplitter > jedenfalls neue Beweismittel: GA Cachée, GA Winkelsdorf, GA Erbinger

b)    Spurenbild u. a. > jedenfalls neue Beweismittel

aa) Verteilung von Bauschaumpartikel (TO: Abnahme von unten nach oben): GA Cachée; GA Winkelsdorf

bb) Ausgestoßene Bauschaummengen am TO (zu gering): GA Cachée

cc) Ladehemmungen: GA Cachée

dd) Bauschaumpartikel in Patronenhülsen: GA Cachée

ee) Vorzeitiges Zerreißen der PET-Flasche: GA Cachée

II. Bei der Tat wurde Überschallmunition verwendet > Undämpfbarkeit des Geschoss-/Überschallknalls:

a)    Neue Tatsache

b)    Neue Beweismittel (GA Winkelsdorf, GA Erbinger)

III Konsequenzen:

a)    „Täterwissen“ vom wahren polizeilichen Durchsuchungshintergrund (Nachtatverhalten) entfällt, da schon gar kein PET-SD verwendet wurde, s. o. (vgl. auch Herr Kolos)

b)    Recherche/Ausdruck Bauanleitungsseite Silencer (Vortatverhalten) entfällt, da schon gar kein PET-SD verwendet wurde, s. o. (auf die im Urteil verschwiegenen firmeninternen Buschtrommeln und der Verbreitung bis zum Urlaubsabbruch kommt es deshalb schon gar nicht weiter an)  

c)    Manipulation am Arbeits-PC zur Verschleierung der vor der Tat hinterlassenen IT-Recherche-/Ausdruckspuren (Nachtatverhalten) entfällt, da bei der Tat schon gar kein PET-SD verwendet wurde, s. o.

d)    „Rest“ (im Wesentlichen geringe Schmauchpartikel, die sich in ihrer chemischen Zusammensetzung nicht mit der Tatmunition decken) reicht für eine tragfähige Verurteilung nicht aus (vgl. auch Herr Kolos)

(Logiker (docreini) gibt vor:

Logiker kommentiert am Mo, 2018-06-25 22:58: Ich bin raus. Bye.

Logiker kommentiert am Fr, 2018-06-29 01:49: Meine weitere Beteiligung in diesem Forum steht in der Prioritätenliste eher hinten

Sein im Forum hinterlassenes Spurenbild belegt exakt das Gegenteil: cui bono?)

 

… 5.

wenn neue Tatsachen oder Beweismittel beigebracht sind…

z. B. WAG S. 23:

… Dass es sich bei allen durch die Pistole P38 am Tattage verschossenen Projektilen um Überschallmunition handelt (im Gegensatz zu Unterschallmunition = subsonische Munition) ist eine neue Tatsache, bewiesen durch ein neues Beweismittel...

z. B. WAG S. 15:

… Diese zehn Videoclips sind ein neues Beweismittel. Zwar ergibt sich aus dem Protokoll der Verhandlung am 18.05.2011, dass die Strafkammer einen Beschluss gefasst hatte, „Bildmaterial des Sachverständigen (inklusive [Video-] Aufnahmen von Beschusstests mittel Hochleistungskamera) in Augenschein“ zu nehmen, und dass dieser Beschluss auch ausgeführt worden sei6. Was die Mitglieder der Strafkammer tatsächlich in Augenschein genommen haben, lässt sich zur Zeit nicht rekonstruieren. Es dürften jedenfalls nicht die mir im Dezember 2015 vom Bundeskriminalamt zur Verfügung gestellten Videoclips gewesen sein7. Hätte die Strafkammer diese betrachtet, wäre der Angeklagte nicht verurteilt worden, hätten jedenfalls ganz andere Feststellungen getroffen werden müssen...

Reinhard Schulz kommentiert am So, 2018-07-01 10:06Permanenter Link

… Was mich dabei erschreckt ist die Ernergie, die aufgebracht wird, um ein Urteil unter Verletzung jeglicher Logik stimmig zu machen. Wäre diese Ernergie nicht woanders besser aufgehoben gewesen? Sozusagen die Krone aufsetzend, wird mit Zähnen und Klauen dieses Unrechtsurteil bar jeglicher Bereitschaft zur Fehlerkorrektur rein mit der Kraft (?) einer institituonellen Autorität verteidigt...

... die allein oder in Verbindung mit den früher erhobenen Beweisen die Freisprechung des Angeklagten oder in Anwendung eines milderen Strafgesetzes eine geringere Bestrafung (...) zu begründen geeignet sind

 

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Bingo!

a) Novae:

… 5.

wenn neue Tatsachen oder Beweismittel beigebracht sind…

b) Geeignetheit

Auch immer schön bei der (Gesetzestext-) Wahrheit bleiben.

Genau.

Das eine oder das andere - beides ist möglich; beides muß jedenfalls geeignet sein, eine Freisprechung oder ein milderes Urteil zu begründen.

Die Geeignetheit für eine solche Begründung sehe ich bisher nicht, wie ich mehrfach ausgeführt habe.

Darum geht's. Alles klar?

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Alles klar!

Name kommentiert am Mo, 2014-04-14 15:06 Permanenter Link

@ Laperouse #33:

….

Ich halte es auch angesichts der Tricksereien im Urteil auch für verfehlt, dessen Inhalt als übereinstimmend mit dem Verlauf und den Ergebnissen aus der HV anzunehmen.

Selbst die Aussagen der Ermittlungsbeamten vor Gericht würde ich nicht ohne Weiteres für neutral halten: im Mai 2002 wurde in derselben Straße, nur ein paar Häuser weiter, die 30-jährige Silke Sch. erschlagen aufgefunden. 2006 wurden die Ermittlungen ergebnislos eingestellt. Oliver Loeb war am 10.10.2003 für die Kripo DA als ermittelnder Beamter bei "Aktenzeichen XY". Jetzt wieder ein unaufgeklärter Mord nur ein paar hundert Meter entfernt und Loeb ist stellvertretender Leiter der SOKO - wie mag da die Motivationslage von ihm, der Polizei und der StA sein, diesmal den Verdächtigen festzunageln, wenn man schon einen hat? Z.B. indem man die Nachbarn, die die angeblich dauernde Ruhestörung bestätigten, nicht selbst aussagen lässt, sondern deren angebliche Aussagen nur gefiltert als Zeugenvernehmung eines Beamten in die HV einführt? Des Beamten, der eine wenige Jahre zuvor erlittene schwere berufliche Schlappe ausbügeln möchte (von Gedanken an eine Beförderung mal ganz abgesehen)?

Ebenfalls pikant: der Leiter der SOKO Kern stammt wie der Angeklagte aus Schaafheim und war mit ihm seit früher Jugend bekannt (ein Jahr höher in der Schule), aber nicht mit ihm befreundet - eher im Gegenteil. 

Da muss man schon sehr naiv sein, um an ergebnisoffene Ermittlungen zu glauben.

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