Nach Mollath und Peggy ein weiteres Fehlurteil? - Der Doppelmord in Babenhausen

von Prof. Dr. Bernd von Heintschel-Heinegg, veröffentlicht am 12.04.2014
Rechtsgebiete: StrafrechtStrafverfahrensrecht3168|178497 Aufrufe

Die Strafjustiz ist in jüngster Zeit nicht nur, aber vorallem durch den Fall Mollath und durch das in dieser Woche begonnene Wiederaufnahmeverfahren im Fall Peggy stark ins Gerede gekommen. Und schon gerät ein weiterer Fall wegen eines möglicherweise falschen Indizienurteils in den Fokus der Öffentlichkeit .

Für einen eiskalten Doppelmord an seinen auch nachts herumschreienden Nachbarn wurde Andreas D. vom Landgericht Darmstadt im Juli 2011 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Verurteilte leugnet die Tat, seine Frau kämpft gemeinsam mit ihm Aufopferung voll um die Wiederaufnahme.

Zwischenzeitlich greifen die Medien auch diesen Fall auf. Es zeigen sich erhebliche Ungereimtheiten, die hoffentlich bald aufgeklärt werden können.

Das ZDF berichtete in der Serie 37 Grad:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2119408/Mein-Mann-ist-kein-Moerder?bc=sts;stt&flash=off

Zur Homepage der Ehefrau mit dem Urteil zum Download: 

http://www.doppelmord-babenhausen.de/Urteil.htm

Medienberichte:

www.google.com/search?q=Doppelmord+in+Babenhausen

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3168 Kommentare

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Bei Monika Weimar waren einige Zeugen ja durchaus in einem Lagermodus befangen (für oder gegen sie als Täterin), galt sie doch einigen als verachtenswerte "Ami-Schlampe". Da wäre die Lage bei A.D. vermutlich für ihn wesentlich günstiger in einer wiederaufgenommenen HV, denn wer will der ganzen restlichen Familie von A.D. dann noch Steine in den Weg legen? Aber das häufige Schwinden des Zeugenbeweises mit der Zeit darf mMn auch kein reiner Spekulationsgegenstand werden, und von einer Unbeeinflußbarkeit aller Zeugen durch Medien, nachbarschaftliche Solidarität, oder ähnliches kann ja nun keine Rede mehr sein.

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Die Antwort Strates auf den Antrag der Generalstaatsanwaltschaft erscheint als ein Schreiben, das schon vorher in der Schublade bei ihm lag.

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Man darf auch nicht vergessen, dass der Anwalt in einem Alter ist, wo jeder Arbeitnehmer schon längst im Ruhestand wäre. Vielleicht geht ihm auch einfach die Puste aus. Irgendwann muss man es auch gut sein lassen. Und seien wir mal ganz ehrlich: Die Motivation, sich voll reinzuhängen, ist bei einem bezahlten Mandat gewiss nicht geringer. 

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Auch beim Wiederaufnahmegesuch für Benedikt T., bei dem dem Hamburger Wiederaufnahmespezialisten mit dem Münchner Anwalt Peter Witting ein jüngerer Kollege zur Seite steht, scheint, zumindest nach der Stellungnahme der Staatsanwaltschaft Augsburg, ein möglicher weiterer Dämpfer nicht fernliegend.

https://www.stadtzeitung.de/augsburg-city/blaulicht/augsburger-staatsanwaltschaft-haelt-wiederaufnahme-im-mordfall-boehringer-fuer-unzulaessig-d97478.html

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Dass dies offensichtlich Quatsch ist, wird auch Strate selbst wissen.

Wenn bei der Tat bzw. den Taten ein nach der Silencer-Anleitung  hergestellter, mit Bauschaum befüllter PET-Primitivschalldämpfer weggedacht wird, entfallen:

  • die Indizien um die Recherchehandlung und den Ausdruck der Anleitung „Silencer“ vom Arbeitsplatz des Verurteilten

  • das (Täter-) Wissen um den (wahren) Durchsuchungsgrund der Polizei und dessen Leugnung in der polizeilichen Vernehmung
  • die bewusste Zerstörung des Computers am Arbeitsplatz durch den Verurteilten, um mit der Entsorgung (tatbezogene) Datenspuren zu beseitigen

„Es [das LG Kassel] stellt aber nicht die Frage, welches Gewicht diese „in die Beweiswürdigung eingestellten Punkte“ denn noch hätten, wenn sich beweisen lässt, dass eine mit gehärtetem Bauschaum gefüllte PET-Flasche nicht bei der Tat zum Einsatz gekommen ist. Die Antwort ist einfach: gar keines. Jedenfalls keines, das auch nur ansatzweise an einen Tatverdacht oder gar an eine Verurteilung denken ließe.“

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wenn sich beweisen lässt, dass eine mit gehärtetem Bauschaum gefüllte PET-Flasche nicht bei der Tat zum Einsatz gekommen ist.

Wenn das Wörtchen wenn nicht wär`.......

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@Rüdiger L.: Der ganze Bauschaum-Terz „zur Internetrecherche des Verurteilten zu Schalldämpfer mit Bauschaum und zu seinem auffälligen Nachtatverhalten mit Vernichtung seines Computers“ (Landgericht Kassel S. 80) wurden dort, wenn ich mich nicht irre, unter „(4) Gesamtbetrachtung“ sehr wohl berücksichtigt.

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Rüdiger L., nicht zu vergessen: Motiv, Erkundigung nach einem Strafverteidiger und Recherche zu den Themen Beweissicherung, DNA-Test und –Analyse, genetischer Fingerabdruck, Spurenlehre, Vernehmung, Spürhunde, Sonderkommission, Spurensicherung und Mantrailinghunde.   

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Mir liegt besonders die Aufklärung dieser Straftat und des Tathergangs am Herzen. Als ich neulich die überaus starken, wiederverwendbaren und stabilen PET-Flaschen Marke Sodastream mit großem, sehr stabilen Verschlußgewinde sah, dachte ich spontan, so etwas Ähnliches muß es doch auch schon zur Tatzeit gegeben haben. Die dürften jedenfalls wesentlich mehr aushalten als die vom Gutachter Cacheé verwendeten labilen Produkte.

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Das „Auffinden von ganz spezifischen, seltenen Schmauchspuren an seiner Kleidung (Gartenhandschuhe, Pulsuhr u.a.), die mit Schmauchspuren am Tatort übereinstimmen“, auch nicht zu vergessen, Rüdiger L.

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„Aber vielleicht wurden die drei Opfer ja auch einfach mit Bauschaum erschlagen?“

Da der Verurteilte Darsow seine Google-Suchanfrage mit „Schalldämpfer für Waffe Wasserflasche“ (UA S. 15) führte, dürfte eine stabile PET-Flasche - etwa der Marke „Sodastream“ – insoweit näher liegend sein. Die Google-Recherche „Schalldämpfer, Bauschaum“ ging im Übrigen, entgegen S. 80 des Beschlusses des LG Kassel, von Beamten der Darmstädter Kriminalpolizei aus, UA S. 32.

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Was mich doch am Wiederaufnhme-Antrag Strates am meisten erschüttert hatte, ist seine unlogische Fehlleistung, die ich an einem einfachen Beispiel verdeutliche. Es gibt sehr viele verschiedene Dreikantschaber mit unterschiedlichen Länge und unterschiedlichem Querschnitt der ganzen Klinge. Wäre in einer Anleitung als Werkzeug ganz allgemein ein Dreikantschaber wegen seiner Spitze und seiner 3 scharfen Schneidkanten empfohlen worden und damit eine Straftat auch ausgeführt worden, ist es doch unerheblich, wenn in einem Wiederaufnahmeantrag dargetan wird, es könnte keiner mit einer Klingenlänge von 14cm und mit einer Breite zwischen zwei Schneidkanten von 18mm gewesen sein. Das wäre ja auch so ein ähnlicher und unlogischer Humbug  für eine Wiederaufnahme wie die Videos von Cacheé.

Eschelbachs ominöse 25 % hat sein ehemaliger Vorsitzender Fischer in der Sendung Recht und Gerechtigkeit | SWR Nachtcafé  (ab Min 54:50) treffend kommentiert, sie geistert immer noch durchs Netz, obwohl Eschelbach selbst im BeckOK StPO diese Quote nicht mehr nennt.

„Ein Richter gehört nicht in Talkshows. Er spricht ein Urteil, hat sich nicht zu erklären. Ein Richter spürt der "inneren Tatzeit" nach“    

https://www.echo-online.de/freizeit/kunst-und-kultur/literatur/zwei-experten-fur-morde_20108704

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