Robocalls: Und täglich grüßt der Roboter

von Dr. Axel Spies, veröffentlicht am 28.08.2019

Viele hassen sie wie die Pest: Maschinell durchgeführte Anrufe mit Bandansagen machten laut aktueller Zahlen in den USA im Jahr 2018 30% aller Anrufe aus. Tendenz steigend. In der Regel verbergen sich hinter Robocalls ausländische Firmen, die mittels verschiedener Betrugsmaschen versuchen, an Geld oder an sensible Daten wie etwa Sozialversicherungsnummern oder Kreditkarteninformationen zu gelangen. Zwar besteht die Möglichkeit “Caller ID” zu nutzen, der die Nummer und ggf. Namen des Anrufers anzeigt. Allerdings sind derartige Caller IDs leicht durch Angabe falscher Informationen zu manipulieren (sogenanntes “Spoofing”).  

Der Druck u.a vom US Kongress und Verbraucherschützern ist enorm. Der Vorsitzende der Federal Communications Commission (FCC), Ajit Pai hat u.a. auf Youtube Stellung zu dem Thema Stellung bezogen und verspricht wie folgt Abhilfe:

  • TK-Anbieter können nunmehr standardmäßig bestimmte Nummern blocken, ohne dass der Verbraucher dies zuvor explizit anfordern muss,

  • Verbraucher haben eine Opt-out-Option und können diese automatische Blockierung jederzeit unterdrücken,

  • Ende des Jahres will die FCC einen neuen Branchenstandard für sichere Caller ID (für die Techniker:SHAKEN/ STIR Framework) einführen, die nicht durch Spoofing umgangen werden kann,

  • wenn TK-Anbieter Nummern blockieren, die keine positiv verifizierte Caller ID haben, drohen ihnen keine rechtlichen Konsequenzen (Safe Harbor).

In Deutschland sind derzeit unerwünschte Werbe- oder Robo-Anrufe nicht im selben Ausmaß ein Problem wie in den USA. Das hat viele Gründe, wie z.B. mangelnde Sprachkenntnisse der Anrufer und das Prinzip „Calling Party Pays.“ In ihrem aktuellen Jahresbericht hat die BNetzA unter dem Punkt “Bekämpfung des Rufnummernmissbrauchs” folgende Zahlen aus dem Jahr 2018 veröffentlicht:

  • 2018 gingen lediglich 13.375 Beschwerden über Robocalls ein, die Beschwerden über SMS-Spam sanken im Vergleich zum Vorjahr um knapp 25% auf 2.344,

  • Es gibt weniger Beschwerden über zum Rückruf lockende Ping-Anrufe (76.787 im Jahr 2017 ggü. 21.022 im Jahr 2018).

Zurückzuführen sei dies laut BNetzA auf die angeordneten Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher. U.a. müssen in Mobilfunknetzen eine kostenlose Preisansage für bestimmte internationale Vorwahlen geschaltet werden. Zudem wurden Rechnungslegungs- und Einziehungsverbote erlassen, um die Beitreibung etwaig entstandener Kosten für den Verbraucher durch die TK-Anbieter zu verhindern.

Lediglich sogenannte Predictive Dialer, wie sie vor allem von Callcentern zur automatisierten Nummernanwahl genutzt werden, stellen nach wie vor ein umfassenderes Problem dar. So gingen diesbezüglich 39.605 Beschwerden im Jahre 2018 bei der BNetzA ein. Die BNetzA hat 2017 ein Rügeverfahren eingeführt, um Unternehmen frühzeitig auf eingehende Beschwerden zu ihrem Anrufverhalten aufmerksam zu machen. Schließlich besteht die Möglichkeit der BNetzA als ultima ratio eine Sperrung der betreffenden Rufnummern gemäß § 45 S. 3 TKG zu veranlassen.

Was meinen Sie, brauchen wir neue Vorschriften in Deutschland gegen Robocalls? Haben Sie Erfahrungen mit Robocalls, die Sie mit der Beck-Community teilen wollen?

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  1. Viele Webseiten geben Tipps wie Sie verhindern können, dass störende Werbeanrufe überhaupt zu Stande kommen. Dabei raten Sie meistens, eine falsche Telefonnummer bei bestimmten Diensten abzugeben. Nur leider ist dies meist nicht möglich, wenn Sie wahrheitsgemäße Angaben machen und es somit dennoch passieren kann, dass Sie Werbeanrufe erhalten.
  2. Hauptsächlich kommen diese Spamanrufer an Ihre Telefonnummer, wenn Sie bei bestimmten Gewinnspielen teilgenommen haben. Vor allem in solchen Situationen bietet es sich an, Webseiten wie beispielsweise frank-geht-ran.de zu verwenden.
  3. Sind die Nummern nicht anonym, können Sie diese über Ihren Router oder bei Smartphones direkt in den Einstellungen sperren bzw. blockieren.
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