Coronapandemie: Frage nach der Gebühr im Allgemeinen

von Dr. Oliver Elzer, veröffentlicht am 22.03.2020
Rechtsgebiete: Miet- und WEG-RechtÖffentliches RechtCorona1|1051 Aufrufe

In Zeiten der Coronapandemie und der Notbesetzung der Geschäftsstellen wird es u.a. nicht leicht sein, ein Gericht zu erreichen. Etwa für eine Fristwahrung oder mit Blick auf die Verjährung kann dieser Kontakt aber erforderlich sein. Soll nämlich durch die Zustellung eine Frist gewahrt werden oder die Verjährung neu beginnen oder nach § 204 BGB gehemmt werden, tritt diese Wirkung nach § 167 ZPO zwar bereits mit Eingang des Antrags oder der Erklärung ein – wenn die Zustellung „demnächst“ erfolgt. Und auch die Gebühr für das Verfahren im Allgemeinen (§ 12 GKG) braucht die klagende Partei (selbst ein Rechtsanwalt) grds. (anders soll es bei § 189 InsO sein, vgl. BGH, Beschluss v. 13.9.2012 − IX ZB 143/11, NJW-RR 2012, 1397 Rn. 10) nicht selbst zu berechnen und einzuzahlen (siehe nur BGH, Beschluss v. 2.5.2017 – VI ZR 85/16, NJW 2017, 2623 Rn. 18; BGH, Urteil v. 25.9.2015 – V ZR 203/14, NJW 2016, 568 Rn. 13; BGH, Beschluss v. 10.7.2013 – IV ZR 88/11, BeckRS 2013, 14785 Rn. 14; BGH, Urteil v. 18.11.2004 – IX ZR 229/03, NJW 2005, 291 unter II 1 b; BGH, Urteil v. 29.6.1993 – X ZR 6/93, NJW 1993, 2811 unter II 1 c).

Dies gilt aber nur zunächst. Denn nach stRspr. soll sich die klagende Partei bei dem Gericht nach den Ursachen erkundigen müssen, wenn sie nicht aufgefordert wird, die Gebühr für das Verfahren im Allgemeinen einzuzahlen (siehe nur BGH, Urteil v. 25.9.2015 – V ZR 203/14, NJW 2016, 568 Rn. 13; BGH, Urteil v. 18.12.2008 – III ZR 132/08, NJW 2009, 984 Rn. 18; BGH, Urteil v. 12. 7. 2006 - IV ZR 23/05, NJW 2006, 3206 Rn. 18; BGH, Beschluss v. 9.2.2005 – XII ZB 118/04, NJW 2005, 1194 unter II 2 b; BGH, Urteil v. 1.4.2004 – IX ZR 117/03, NJW-RR 2004, 1575 unter II 3; BGH, Urteil v. 19.10.1977 – IV ZR 149/76, NJW 1978, 215 unter 1 a); für das Mahnverfahren BGH, Urteil v. 27.4.2006 – I ZR 237/03, NJW-RR 2006, 1436 Rn. 18). Unklar ist freilich, wann dieser Zeitpunkt des Nachfragens gekommen ist (BGH, Urteil v. 25.9.2015 – V ZR 203/14, NJW 2016, 568 Rn. 13; BGH, Urteil v. 19.10.1977 – IV ZR 149/76, NJW 1978, 215 unter 1 a). Kurzüberblick – auch zum Schmunzeln/Staunen:

  • Nach BGH, Urteil v. 25.9.2015 – V ZR 203/14, NJW 2016, 568 Rn. 13 ist ein Tätigwerden jedenfalls vor Ablauf von 3 Wochen nach Einreichung der Klage bzw. innerhalb von 3 Wochen nach Ablauf der durch die Klage zu wahrenden Frist ausreichend (so auch BGH, Urteil v. 15.11.1992 – IV ZR 13/91, NJW-RR 1992, 470 unter I 2 b).
  • BGH, Beschluss v. 2.5.2017 – VI ZR 85/16, NJW 2017, 2623 Rn. 18 meint, ein Zeitraum von genau fünf Wochen „dürfte noch knapp innerhalb jenes Zeitraums liegen“, der noch keine Nachfrageobliegenheit begründet.
  • Nach BGH, Urteil v. 1.4.2004 – IX ZR 117/03, NJW-RR 2004, 1575 unter II 3, soll die Frist „grundsätzlich“ nicht vor Ablauf von einem Monat beginnen. Schädlich werde das Unterlassen einer Nachfrage allerdings nicht vor Ablauf von weiteren 2 Wochen (Hinweis auf BGH, Urteil v. 12.01.1996 – V ZR 246/94, NJW 1996, 1060 unter II 1, und BGH, Urteil v. 9.11.1994 – VIII ZR 327/93, NJW-RR 1995, 254; unter II a).
  • Nach BGH, Beschluss v. 5.11.2014 – III ZR 559/13, NJW-RR 2015, 125 Rn. 16 beträgt die Frist längstens 6 Wochen (so auch BGH, Beschluss v. 5.11.2014 – III ZR 559/13, NJW-RR 2015, 125 Rn. 16).
  • Hat die klagende Partei alles Erforderliche getan, ist ihr nach BGH, Beschluss v. 9.2.2005 – XII ZB 118/04, NJW 2005, 1194 unter II 2 b) ein Abwarten „von wenig mehr als 2 Monaten seit Antragseingang“ nicht vorwerfbar. BGH, Urteil v. 19.10.1977 – IV ZR 149/76, NJW 1978, 215 unter 1 a) meint hingegen, „ein Zeitraum von nahezu 2 Monaten“ sei „in der Regel zu lang“.
  • Nach BGH, Urteil v. 27.4.2006 – I ZR 237/03, NJW-RR 2006, 1436 Rn. 18 hängt die Antwort, welcher Zeitraum angemessen ist, von den „besonderen Umständen des jeweiligen Einzelfalls“ ab.

Nach diesem „Check“ liegt aus Gründen der anwaltlichen Vorsicht nahe, sich grds. bereits vier Wochen nach Einreichung der Klage bei Gericht zu erkundigen, wo die Aufforderung zur Einzahlung der Gebühr im Allgemeinen bleibt. Was aber gilt in „Coronazeiten“, wenn diese Erkundigung nicht fernmündlich möglich ist und auch ein Fax, eine Übermittlung im Wege des beA und/oder auch ein normaler Schriftsatz unbeantwortet bleiben? Vorschlag: Es ist grds. schriftlich anzufragen. Die Anfrage ist in die Handakte zu nehmen. Die Anfrage ist routinemäßig alle zwei Wochen zu wiederholen. Teilt das Gericht mit, es sei noch nicht einmal ein Aktenzeichen vergeben worden, reichen für die nächste Anfrage wohl vier Wochen. Hat das Gericht mitgeteilt, die Anforderung werde bald veranlasst, ist wieder vier Wochen nichts mehr zu unternehmen. Dann sollte vorsichtshalber wieder angefragt werden (siehe den Sachverhalt von OLG München, Urteil v. 4.12.2007 – 5 U 3524/07, NJW-RR 2008, 947).

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Wenn aber ein Gericht alle Klagen z.B. auf Anordnung der Verwaltung oder des Ministeriums liegen lässt, dann stellt sich mir schon die Frage, ob es für eine demnächstige Klage noch darauf ankommen darf, dass sich der Kläger nach dem Verbleib seiner Klage erkundigt hat. 

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