Corona-Zahlenvergleiche und kriminologische Dunkelfeldforschung

von Prof. Dr. Henning Ernst Müller, veröffentlicht am 29.03.2020
Rechtsgebiete: Corona1813|57172 Aufrufe

Dieser Beitrag stammt vom 29. März 2020. Er wurde und wird regelmäßig aktualisiert durch Updates, die unten angehängt sind.

Seit Wochen starren wir alle auf die Infektionszahlen und die Zahl der Todesfälle, überlegen uns, wie Deutschland im Vergleich zu Italien, Frankreich, USA, Südkorea etc. dasteht, sprechen über Exponentialfunktion usw. Seit Wochen denke ich, dass diese Infektionszahlen eigentlich überhaupt nichts aussagen können, denn sie sind weitestgehend eine Funktion der Rate und der Selektion der Messung.

Die täglich angegeben Zahl der Infizierten ist in etwa so verlässlich wie die Zahl der Betäubungsmitteldelikte in der Kriminalstatistik: Wenn niemand die BtM-Delikte kontrolliert und aufzeichnet, dann GIBT es sie offiziell einfach nicht. Und wenn die Polizei damit beginnt, BtM-Straftaten zu verfolgen und Personen auf Btm zu kontrollieren, dann sind die Fall- und die  Tatverdächtigenzahlen in der polizeilichen Kriminalstistik komplett davon abhängig, wie viele Polizeibeamte wo und wen kontrollieren, wiederum auch abhängig davon, wie die Polizeibeamten ausgerüstet werden und wie motiviert sie bei den Kontrollen sind.

Übertragen auf COVID19: Die Anzahl (wie viele werden überhaupt getestet?) und die Verteilung (wer wird getestet?) der Tests ist derzeit  national, regional, gesundheitspolitisch und faktisch so unterschiedlich und Maßstäbe wie Selektionskriterien ändern sich im Zeitverlauf so stark, dass die Zahl der positiv Getesteten für die derzeitigen Ländervergleiche objektiv praktisch wertlos ist.

Wenn die Zahlen ansteigen, KANN es theoretisch daran liegen, dass die Infektionen tatsächlich häufiger sind, aber es kann genauso daran liegen, dass man mehr Personen getestet hat oder die Selektionskriterien verändert hat, dass man stärker als vorher in einer betroffenen Region testet oder stärker eine andere Altersgruppe oder dass es leichter geworden ist für Personen, die sich krank fühlen, beim Hausarzt getestet zu werden. Anders als das RKI jetzt angekündigt hat, ändert sich an den Verzerrungen auch nichts dadurch, dass man einfach die Anzahl der Tests erhöht: Neue Kriterien machen Vergleiche zur vorherigen Situation noch schwieriger, wenn nicht unmöglich, und sie können die Realitätsabbildung sogar noch stärker verzerren.

Wir starren also auf Kurven, deren Datengrundlage anhand der Messkriterien einfach viel zu unterschiedlich ist und sich noch dazu auch innerhalb eines Staates nahezu täglich ändert, zB hinsichtlich der Verfügbarkeit und Distribution von Tests und Laboratorien. Noch dazu hinken die Ergebnisse einige Tage der Testung hinterher - in den einzelnen Ländern und Regionen unterschiedlich lange verzögert.

Diese täglichen Vergleiche sind deshalb m.E. komplett sinnlos.

Sinnvolle Vergleiche wären möglich, wenn in jedem Land bzw. in jeder betr. Region eine repräsentative Stichprobe von allen Einwohnern  gezogen und getestet würde (ich schätze 1000 Personen würden in einer Region ausreichen, deren Betroffenheitsgrad vorher bestimmt wurde, für die ganze Bundesrepublik müsste ein weit größere Stichprobe gezogen werden, siehe Diskussion unten), und zwar in regelmäßigen ca. 48-stündigen Abständen: Denn allein daraus, aus einer repräsentativen Stichprobe, die Region, Geschlecht, Alter der Gesamtbevölkerung abbildet, könnten Schlüsse darauf gezogen werden, wie hoch die Infektionsrate tatsächlich ist, wie stark sie steigt und wie viele Infizierte voraussichtlich schwer erkranken, also hospitalisiert oder beatmet werden müssen oder sterben. Schließlich lässt sich nur so ermitteln, ob diese Kurve der Neu-Infizierten aufgrund der getroffenen Maßnahmen abflacht. Denn auch dies lässt sich mit den derzeitigen Messungen gar nicht ermitteln: Solange nicht jeder getestet wird/werden kann oder zumindest eine repräsentative Stichprobe von allen, werden selbst bei Absinken der tatsächlichen Neuinfektionsrate die gemessenen Infektionszahlen noch ansteigen, denn man schöpft dann nur das (bisher nicht getestete) Dunkelfeld aus.

Warum die WHO eine solche repräsentative Stichprobe nicht anregt oder verlangt (nicht einmal von den großen Industriestaaten), ist ein Rätsel. Denn nur so ließe sich der Status und die Entwicklung der Pandemie einigermaßen zuverlässig ermitteln.

Solange es solche repräsentativen Studien nicht gibt, könnte ein anderer Vergleich der zugänglichen Daten nützlich sein, so wie es auch in der Kriminologie etwa bei internationalen Vergleichen erfolgt. So wird für den Vergleich der Gewaltprävalenz die Tötungsrate international verglichen, also die vorsätzlichen Tötungen im Verhältnis zur  Bevölkerung, also (relativ besser) messbare „hard facts“, die nicht praktisch zu 80 bis 90 % von der Selektion bei der Messung abhängen.

Ein einigermaßen hartes Faktum ist die SterbeRATE in der Bevölkerung. Wir können in den westlichen Gesundheitssystemen jedenfalls davon ausgehen, dass die Todesfälle durch COVID19 zwar nicht perfekt, aber wesentlich besser und objektiver erfasst werden als die tatsächlichen Infektionszahlen. Noch besser wäre es, die Zahl der schwer Erkrankten zu vergleichen, denn die Sterbefälle hängen wegen der unterschiedlichen Gesundheitssysteme ja auch davon ab, wie gut oder schlecht die medizinische Versorgung in einer Gesellschaft mit der Pandemie umgehen kann (Stichwort: Intensivbetten, Beatmungsgeräte).

Im Netz habe ich nur eine Stelle gefunden, die die Todesraten für westliche Industriestaaten regelmäßig auswertet und in Beziehung setzt. Kevin Drum ist ein Blogger aus Kalifornien, der neun Staaten miteinander vergleicht Ein keineswegs perfekter Vergleich, dessen Aussagekraft aber m.E. etwas besser einzuschätzen ist.

Zu beachten sind folgende Setzungen:

1. Die Todeszahlen werden jeweils auf die Gesamtbevölkerungszahl bezogen (und nicht, wie üblich, auf die Zahl der gemessenen Infizierungen).

2. Es wird der Vergleichs-Nullpunkt jeweils bei 1 Todesfall pro 10 Millionen der Bevölkerung gesetzt (und nicht wie üblich, ab dem Zeitpunkt einer aufgrund relativ willkürlicher Testraten angenommenen Anzahl der Infektionen.

3. Die "Italienkurve" wird zum Vergleich herangezogen, weil dort relativ früh ein Sterbefall pro 10 Million Bevölkerung aufgetreten ist und alle anderen westlichen Staaten einige Tage oder Wochen hinterherlaufen.

Was sind nun die Erkenntnisse aus diesem Vergleich (27.03.2019)?

a) anders als alle anderen feststellen: Deutschland steht (bisher) nicht wesentlich besser da als Italien. DE ist vielmehr mit ITA auf derselben Linie wie Frankreich, Schweden und UK. Erst die kommenden Wochen werden zeigen, ob DE tatsächlich die Krise so viel besser bewältigt als ITA.

b) Die Schweiz steht überraschend gut da, Spanien viel schlechter als ITA.

c) USA und Canada stehen in dieser Statistik derzeit– noch – gut da, sogar besser als Deutschland.

Einwände, wie etwa das  Dunkelfeld der ungetestet/unbehandelt am Virus Verstorbenen sind allerdings auch hier in Rechnung zu stellen. Erst nach der Krise wird man an der Steigerung der Sterblichkeit im Jahr 2020 weitere Einschätzungen treffen können, auch was die mittelbaren Sterbefälle (durch allg. Überlastung des jew. Gesundheitssystems) angeht.

Update (31.03.):

Ich habe als Bild oben die neuere Grafik von Kevin Drum eingefügt (Stand ist jetzt 30.03.):

a) auch in Deutschland steigen die Sterberaten zwar, aber sie bleiben jetzt etwas niedriger als in Italien im verglichenen Zeitpunkt. Frankreich und UK sind in etwa auf demselben Pfad wie ITA

b) Die Schweiz bleibt bei den Sterbezahlen unter der Vergleichskurve Italiens - dies könnte in etwa der Pfad sein, der sich auch in DE zeigen wird (CH ist in diesem Vergleich neun Tage voraus).

c) In USA steigen die Sterbezahlen an, liegen aber noch deutlich unter der Italienkurve.

Was allerdings diese Kurvenvergleiche nicht abbilden (können), ist, wie sich das Virus innerhalb der einzelnen Staaten verbreitet. Besonders gefährlich ist es dort, wo viele Risikogruppenangehörige  infiziert werden - dort steigen auch die Sterberaten erheblich. Sind dies begrenzte Regionen innerhalb eines Staatsgebildes, dann zeigt sich dies kaum in der Sterblichkeitsrate für den Gesamtstaat. Dies zeigt sich etwa in den USA, aber auch in China (das in dieser Grafik nicht enthalten ist). Man müsste für diesen Vergleich dann kleinere Einheiten verwenden, also etwa den Staat New York oder die Provinz Hubei.

 

Es wird nun unter Leitung des Virologen Streeck zumindest in dem ersten deutschen Infektionscluster Heinsberg eine repräsentative Panel-Studie mit 1000 Personen durchgeführt, Es werden damit nicht nur die (bisher) getesteten und positiven Fälle bei Infektionsverdacht erfasst, sondern eine repräsentative Stichprobe aus dem gesamten Landkreis. Dies geht deutlich in die Richtung, die ich oben angedeutet habe, auch wenn sie natürlich keinen Vergleich zwischen verschiedenen Bundesländern und schon gar nicht Staaten ermöglicht. Wünschenswert wäre zumindest eine weitere repräsentative Pilotstudie in einem bisher unauffälligen Landkreis und ähnliche Panel-Studien in zwei Städten. Aber man kann nicht alles haben. Die Kritik daran, dass man nicht schon vorher repräsentative Studien durchgeführt hat, teile ich.

Update (3. 4. 2020):

Es ist nun mind. eine weitere Studie geplant, die das Dunkelfeld aufhellen soll, berichtet der Spiegel heute.

Update (6.4.2020):

Ich habe die Grafik von Kevin Drum aktualisiert.
Fortschreibung der vorher genannten Entwicklungen:
a) die Sterberaten in DE bleiben deutlich unter denen von Italien, sie sind auch besser als die Entwicklung in der Schweiz

b) Frankreich und UK liegen nun etwas über der Kurve von Italien, Schweden etwa gleichauf

c) Die USA bleiben bislang unter der Kurve von Italien, scheinen aber "aufzuholen"

d) Spanien zeigt die schlimmste Entwicklung der neun verglichenen Staaten, Canada die beste.

Update (7.4.2020)

Auszug aus einem Thesenpapier von Schrappe u.a. vom 5. April (Aerztezeitung dazu):

These 1.1. Die Zahl der gemeldeten Infektionen hat nur eine geringe Aussagekraft, da
kein populationsbezogener Ansatz gewählt wurde, die Messung auf einen
zurückliegenden Zeitpunkt verweist und eine hohe Rate nicht getesteter (v.a.
asymptomatischer) Infizierter anzunehmen ist.
1. Die Zahl der täglich beim RKI gemeldeten Fälle wird in hohem Maße durch die
Testverfügbarkeit und Anwendungshäufigkeit beeinflusst.
2. Unter Berücksichtigung dieser anlassbezogenen Teststrategie ist es nicht
sinnvoll, von einer sog. Verdopplungszeit zu sprechen und von dieser Maßzahl
politische Entscheidungen abhängig zu machen.
3. Die Darstellung in exponentiell ansteigenden Kurven der kumulativen Häufigkeit
führt zu einer überzeichneten Wahrnehmung, sie sollte um die Gesamtzahl der
asymptomatischen Träger und Genesenen korrigiert werden.
4. Die Zahl der gemeldeten Fälle an Tag X stellt keine Aussage über die Situation
an diesem Tag dar, sondern bezieht sich auf einen Zeitpunkt in der Vergangenheit.
5. Ungefähr zwei Drittel der Infizierten werden zu diesem Zeitpunkt nicht erfasst.
6. Überlegungen zu populationsbezogenen Stichproben (Nationale Kohorte)
müssen intensiviert werden.

Die These entspricht weitestgehend meiner Kritik oben.

Update (9.4.2020)

Grafik von Kevin Drum aktualisiert.

Aus der Berichterstattung über erste Ergebnisse aus der oben erwähnten Heinsberg-Studie:

Das sind die ersten, aber schon repräsentativen Zwischenergebnisse:

  • Bei 15 Prozent der untersuchten Bewohner Gangelts konnte eine Infektion nachgewiesen werden.
  • Die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu sterben, liegt in Gangelt bei 0,37 Prozent.
  • Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Letalität aktuell laut der Johns-Hopkins-Universität bei 1,98 Prozent - also fünf Mal höher.

An der Pilotstudie, bei der es darum ging mehr über die Dunkelziffer des Virus und Übertragungswege herauszufinden, nahmen Streeck zufolge mehr als 1000 Bewohner teil. Die Untersuchung basierte auf Fragebögen, Rachenabstrichen und Blutentnahmen (zum Test von Antikörpern, die auf eine Immunität hinweisen).

Update (11.4.2020)

Inzwischen wird die Heinsberg-Studie stark kritisiert, zum einen wegen der frühen Veröffentlichung mittels einer Art Medienkampagne, zum anderen wegen (angeblicher) methodischer Fehler zum dritten, weil sie nichts wesentliches aussage über Deutschland insgesamt.

Ich habe im Moment eine ganz andere Kritik, die daran anknüpft, was die Studie als Zwischenergebnis aussagt: Unabhängig davon, ob diese oben geäußerten Kritikpunkte zutreffen, denke ich, dass dieses Zwischenergebnis nicht stützt, zu welcher politischen Aussage es jetzt verwendet wird oder werden soll: Es sind aus diesen Zahlen m.E. keine Argumente für oder gegen "Lockerungen" zu entnehmen. Es lassen sich insbesondere zwei Nachrichten/Botschaften entnehmen, die sich in der Richtung widersprechen.

1. Die - eingeschränkt - gute Nachricht:  Das Virus wäre (wenn die Ergebnisse bestätigt werden können) weniger tödlich als bislang von vielen angenommen. Ob das auch auf die Gefährlichkeit zutrifft, dazu müsste auch noch die Hospitalisierungsrate genannt werden, denn wenn die Erkrankten nur aufgrund besonders guter Kliniken gerettet werden können, dann sagt uns diese Sterberate noch nicht viel über die weltweite Gefährlichkeit im Sinne von schwerer Erkrankung.

2. Die schlechte Nachricht: Selbst in Heinsberg sind erst 15 % der Menschen infiziert. Das bedeutet hochgerechnet, dass in Deutschland wohl weit weniger infiziert sind (1 %?) und das bedeutet wiederum, dass wir noch sehr weit entfernt snd von einer Herdenimmunität, da noch 99 % der Menschen infiziert werden können, wenn wir nicht auf Distanz gehen.

Also: Vorsicht ist geboten, sowohl bei  der Interpretation der Daten als auch bei politischen Konsequenzen.

Update (13.04):

Ich habe die Diagramme von Kevin Drum nochmal neu eingefügt. Es zeigt sich bei den Sterberaten in DE (bezogen auf die Bevölkerung!) ein hoffnungsvoller "Knick" seitwärts.

Einiges, was ich oben im Beitrag geschrieben habe, sieht auch Prof. Vogt, ein Schweizer Virologe, ähnlich, in einem sehr lesenswerten Beitrag, der insbes. auf die Schweizer, aber auch auf die europäische Reaktion und Situation insgesamt eingeht und die politischen Versäumnisse klar herausstellt, hier:  Quelle: Mittelländische

Update (17.04.):

Habe die Diagramme von Kevin Drum aktualisiert. Die Todesraten und ihr Wachstum unterscheiden sich nun stark. Deutschland und Kanada liegen recht gut - ein  Abflachen der Kurve in Deutschland ist zu erkennen, Schweden und USA sind aber offenbar noch nicht am "Peak" der Sterbezahlen angekommen, auch Frankreich macht keinen sehr hoffnungsvollen Eindruck.

Beachten Sie (neben der Kurvenentwicklung) auch die Sterbefälle pro Million der Bevölkerung.

Mein Monitum, dass Dunkelfeldstudien erforderlich seien, wird inzwischen von fast allen geteilt, auch - reichlich spät, finde ich - vom RKI: Pressemitteilung vom 9. April 2020.

Auch Kollegen von meiner Universität haben sich  in dem Sinne geäußert, wie ich es oben angedeutet habe (Auszug aus der Pressemitteilung, die Hervorhebung stammt von mir):

Peterhammers Studie legt die Vermutung nahe, dass um den 20. März 2020 herum die tatsächlichen Infektionen in Deutschland über die Kapazitäten für positive Tests hinausgewachsen sind. Ab diesem Zeitpunkt ist in der Verlaufskurve der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 eine deutliche Verlangsamung festzustellen. Der Grund für diese Stagnation liege jedoch nicht darin, dass die politischen Maßnahmen gegriffen hätten - ein positiver Effekt durch die Schließung von Kitas, Schulen und Geschäften sowie durch das Social Distancing hätte sich erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt in den gemeldeten Zahlen niederschlagen können, erläutert Peterhammer. Vielmehr sei es ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich gewesen, die tatsächlichen Neuinfektionen mithilfe der Testmethoden zu erfassen. Laut Studie spiegelten die gemeldeten Infektionen derzeit vermutlich nicht länger die tatsächlichen Fälle wider, sondern lediglich die Nachweiskapazitäten.

Felix Peterhammer spricht sich dafür aus, für die Überprüfung der Maßnahmen groß angelegte Zufallstests in der Bevölkerung durchzuführen - ähnlich wie bei Wahlumfragen könnte das Ergebnis anschließend auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet werden. Verdachtsabhängig sollte nur noch dort getestet werden, wo es medizinisch notwendig und sinnvoll ist, zum Beispiel bei schwer Erkrankten oder bei Klinikpersonal.

Update 20.04.2020:

Kevin Drum hat in seinem Blog die Darstellungsweise verändert. Er will nun zeigen, welche Länder anhand der Todesfallzahlen schon am Höhepunkt (peak) der Kurve angekommen sind bzw. diesen überschritten haben. In seinen Grafiken (unteres Bild) wird ein 6-Tages-"rolling average" verwendet, d.h. es wird jeweils der Durchschnitt der letzten 6 Tage angezeigt, um die Ausschläge täglicher Abweichungen etwas auszugleichen. Zu beachten ist, dass die Grafiken in den Zeilen verschiedene Skalen benutzen.

Um die frühere Aussage weiter zu ermöglichen, habe ich die gemeldeten Todesopferzahlen derselben neun Staaten mit der App "shinyapp" in einem Diagramm vereint (oberes Bild). Hier zeigt sich nun deutlich, wie stark die Staaten sich unterscheiden: Spanien leider außer Konkurrenz hoch, Italien, Frankreich und UK in etwa auf demselben Pfad, die USA, Schweiz und Schweden etwa gleichauf, Deutschland und Canada ebenfalls ungefähr gleichauf mit den niedrigsten Werten.

Bei shinyapp können Sie selbst weitere Grafiken erstellen und beliebige Staaten vergleichen.

 

Update 23.04.2020:

1. In einem Artikel auf der Seite von üben Sozialwissenschaftler unter dem Titel:

"Lockdown im Blindflug Was bei den Corona-Studien derzeit alles falsch läuft"

ebenfalls methodische Kritik an der bisherigen Datenbasis zur Coronakrise und es werden repräsentative Studien gefordert, Zitat:

Die Sozialwissenschaftler Menno Smid von Infas und Prof. Rainer Schnell von der Universität Duisburg-Essen beobachten immer noch eine Fixierung auf die Zahl der Infizierten. Diese sind nicht nur irreführend, weil in jedem Land zu anderen Zeitpunkten der Erkrankung und nach anderen Maßstäben getestet wird. Der Unterschied auf den Anteil der Verstorbenen im Verhältnis zu den Infizierten, erklärt sich daraus. Es handelt sich laut Schnell auch um eine „selbstrekrutierte Stichprobe“ – getestet wird nur wer Symptome zeigt –, die wenig aussagekräftig ist.

Auch die bisherigen repräsentativen Studien wiesen erhebliche methodische Mängel auf. Die geplante Studie in München sei zwar grundsätzlich geeignet, jedoch wird an der Erhebung unter Polizeibegleitung Kritik geübt:

Diese Vorgehensweise sei wohl gewählt worden, um die Unbedenklichkeit und Seriosität zu verstärken. Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive entstehe so jedoch ein verfälschender Interviewereffekt, so Schnell. Schließlich ist die Teilnahme freiwillig und mancher Bürger könnte sich von dem Polizeischutz abgeschrecken lassen. Dann ist es aber wiederum nicht mehr zufällig, wer mitmacht.

2. Auf der Seite "coronasoziologie.net"  findet sich ein Artikel der beiden vorgenannten Soziologen, in denen die methodischen Problem noch einmal näher erläutert werden.

3. Ich selbst habe meine Überlegungen noch einmal in einem Interview mit der Pressestelle der Uni Regensburg zusammengefasst. Das Interview ist auf der Homepage der Uni verfügbar.

 

Update 24.04.2020:

1. Ich habe die Grafiken/Diagramme oben aktualisiert, auch wenn es zunehmend Kritik auch an der Zuverlässigkeit der täglichen Sterbezahlmeldungen gibt (siehe dazu 2.).

Die Entwicklung der Daten anhand der vorhandenen Sterbezahlen zeigt die Fortführung der bisherigen "Kurven" bei den neun beobachteten Staaten, mit einer Ausnahme: In Schweden zeigt sich ein stärkerer Zuwachs als in USA und Schweiz. Schweden erhält ja ganz besondere Beachtung, weil dort deutlich weniger  Distanzmaßnahmen behördlich angeordnet wurden als in den anderen europäischen Ländern. 

2. Nach meinem Interview, das auf der Homepage der Universität Regensburg veröffentlicht wurde, erreichte mich die Post eines örtlichen Kollegen aus den Humanwissenschaften, der wesentlich detaillierter ganz ähnliche Kritik an den offiziellen Infektionszahlen formuliert hat. In seinem Aufsatz "The Scenario of a Pandemic Spread of the Coronavirus SARS CoV 2 is Based on a Statistical Fallacy" hat Christof Kuhbandner  (hier die Pre-Print-Publikation, hier ein deutschsprachiger Beitrag auf scilogs, der sich auf die deutsche Situation bezieht) sich intensiv mit den Daten auseinandergesetzt und ebenso wie ich konstatiert er, dass die Infektionszahlen im Wesentlichen das Testgeschehen und nicht das Infektionsgeschehen wiedergeben.

Zitat:

since the number of conducted coronavirus tests has rapidly increased over time as well, the apparent increase in infections may actually reflect increased testing, rather than a rapid spread of the coronavirus. To examine this issue, data from Austria, Belgium, France, Germany, Italy, and USA were analyzed. In all countries, the rapid increase in reported new infections was largely attributable to the rapid increase in conducted tests. Statistically controlling for the increased amount of testing revealed that the increases in reported infections dramatically overestimate the true increases in every country.

Seine dazu angestellten Überlegungen sind plausibel und entsprechen meiner Vermutung: Die Steigerung der Infektionszahlen ist mehr oder weniger einer zunehmenden Ausschöpfung des Dunkelfelds geschuldet. Da wir die Größe des jeweiligen  Dunkelfelds aber nicht kennen und die Selektionskriterien (für die Durchführung von Tests) sich zeitlich, regional und  international unterscheiden, halte ich eine korrigierte Berechnung der "wahren Infektionszahl" auf Grundlage der positiv Getesteten für weniger überzeugend.

Aber nicht nur das erörtert er in dem Aufsatz. Kuhbandner formuliert auch Kritik an der Todesfallzahlstatistik, denn auch diese sei von der Erhöhung der Testzahl betroffen. Wenn die meisten Erkrankten etwa erst kurz vor dem Tod positiv getestet wurden, werde die tatsächliche Todesursache möglicherweise verdeckt, da das Coronavirus noch gar nicht hätte so lebensgefährlich wirken können. Argument für diese Schlussfolgerung sieht er darin, dass die Todesfallzahlen in den Statistiken gleichzeitig mit den Infektionszahlen ansteigen, obwohl biologisch eine Zeitverzögerung zu erwarten sei. 

Diese Kritik an der zuverlässigen Todesfallstatistik lässt mich natürlich aufhorchen: Wenn sie zuträfe, wäre meine Annahme unzutreffend, dass das "harte Faktum" des Todesfalls die Ausbreitung der Epidemie tendenziell besser reflektiert als die Infektionszahlen. Und noch eine andere Kritik hat mir der Kollege zukommen lassen (scilogs): Die vom RKI täglich gemeldeten Todesfälle stammten ohnehin aus den letzten 14 Tagen, die Mehrheit der gemeldeten Todesfälle sei schon vor mehr als einer Woche eingetreten. Nach seiner Berechnung sei daher der "Peak" der Sterbefälle schon so früh zu verorten (Anfang April), dass die Mitte März ergriffenen Distanzmaßnahmen und Schulschließungen diesen Rückgang gar nicht erklären könnten.

Hierzu habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet, auch wenn ich den Einwand der (möglicherweise auch international stark abweichenden) Meldeverzögerung ad hoc nicht zurückweisen kann.

Update 28.04.:

Die beiden Grafiken habe ich aktualisiert. Inzwischen ist zu erkennen, dass sich Schweden deutlich von den beiden Staaten USA und Schweiz, mit denen es bislang in etwa auf gleicher Höhe lag, nach oben absetzt. In allen Staaten (außer Canada) zeigt sich inzwischen ein Rückgang der Todesfälle bzw. eine Plateaubildung (Schweden). Canada hat Deutschland inzwischen eingeholt bzw. überholt. Von den neun verglichenen Staaten hat Deutschland die Krise (bezgl. der Todesraten) bislang am besten bewältigt. Ob es an den Maßnahmen liegt oder schlicht am bisherigen Glück, lässt sich kaum ermessen. Die meisten anderen Staaten haben ja ähnliche oder sogar schärfere Maßnahmen ergriffen.

In einem Artikel in der Taz wird angesichts der Übersterblichkeitsstatistiken in einigen europäischen Staaten vermutet, dass das Virus schon viel mehr Todesfälle verursacht hat als bislang bekannt. Ich habe die zugrundeliegenden Statistiken aus der New York Times oben eingefügt.

Hinsichtlich der tatsächlichen Infektionszahlen und damit auch der tatsächlichen Sterblichkeit des Virus (IFR) wissen wir bislang mangels repräsentativer Studien immer noch nicht viel.

Update 30.04.:

Die Grafiken habe ich erneut aktualisiert. Nun ist auch Schweden (endlich!) "über den Berg", was die täglichen Todeszahlen angeht. Es bleibt aber dabei, dass der von manchen als so erfolgreich angesehene "schwedische Weg" (ob durch Pech oder durch unkluges Verhalten oder durch eine Kombination aus beidem) bislang deutlich mehr Opfer gekostet hat als in den Nachbarländern und auch als in Deutschland. Canada hat nun (auf Bevölkerung berechnet) ebenfalls recht eindeutig Deutschland überholt. Falls es nicht zu einer "zweiten Welle" kommt, ist Deutschland dann (durch Glück oder durch kluges Verhalten oder durch eine Kombination aus beidem) in diesem Neun-Nationen-Vergleich am besten davon gekommen. Natürlich gibt es jetzt Viele, die meinen, sie hätten schon immer gewusst, dass ein Lockdown gar nicht nötig sei, weil das Virus ja gar nicht soo gefährlich gewesen sei. Ja, hinterher kann man das immer behaupten. Auch das ist aus der Kriminologie bekannt: Erfolgreiche Prävention lässt sich schwer nachweisen und wird auch selten gelobt.

Hier ein aktuelles Interview, das ich der Bayerischen Staatszeitung gegeben habe: Interview vom 28.04..

Update 6.5.2020:

Ich habe das mit shinyapps erstellte Diagramm sowie das von Kevin Drum aktualisiert. Es ist nun erkennbar, dass die (tägl.) Todeszahlen in Spanien, Frankreich, Italien, UK, Schweiz,  Deutschland und (eingeschränkt) Schweden mittlerweile deutlich rückläufig sind. In  Canada und USA zeigt sich zwar auch eine gewisse "Plateaubildung", aber noch kein so deutlicher Rückgang (Diagramme von Kevin Drum). In den kumulierten Todeszahlen (pro Bevölkerungseinheit) bis heute steht Deutschland unter den neun verglichenen Staaten am besten da, auch Canada hat inzwischen deutlich mehr Tote (auf Bevölkerungsgröße berechnet) zu beklagen (shinyapps-Diagramm)

Da jetzt in allen Staaten gewisse "Lockerungen" der vorher unterschiedlich massiven Einschränkungen vorgesehen sind, wird sich wohl über kurz oder lang der bislang eigenwillige "schwedische Weg" überall durchsetzen. Ob und wie sich das auf die Sterberaten auswirkt, muss dann beobachtet werden. Wegen der immer noch deutlich unterschiedlichen Testkriterien (wer, wann und wo wird getestet) halte ich die Todesraten immer noch für einen besseren Vergleichsmaßstab. Aber auch hier ist weiterhin wegen der unterschiedlichen Zuordnung eines Todesfalls zur Ursache "COVID-19" Vorsicht geboten. Auch wenn inzwischen zeitlich etwas überholt, lasse ich auch die Statistiken zur Übersterblichkeit aus der New York Times noch stehen.

Meine Interpretation, dass es nach wie vor - trotz vorhandener Testkapazitäten für repräsentative Stichprobentests - selektive (und nicht unbedingt überall gleich ausgeführte) Testkriterien sind, die zu einem Test führen, die das wirkliche Infektionsgeschehen nicht wiedergibt, wird vom RKI aktuell bestätigt (Quelle: Tagesschau):

Das Robert Koch-Institut teilte vergangene Woche auf Anfrage mit, nicht unmittelbar in die Testungen involviert zu sein. Es lege lediglich die Kriterien fest, bei denen Ärzte einen Corona-Test vornehmen sollen. Bisher war die Linie, dass nur Personen getestet werden sollen, die grippeähnliche Symptome haben und gleichzeitig Kontakt zu einem Infizierten hatten. Von dieser Linie ist das RKI inzwischen abgewichen. Jetzt sollen auch Patienten "bei kleinsten Symptomen" getestet werden, wie Wieler auf einer Pressekonferenz mitteilte.

Gleichzeitig hält das RKI aber an einem "strategischen Testen" fest, da ein wahlloses Testen wenig bringe. Zu einem strategischen Testen gehöre es aber auch, gezielt in Alten- und Pflegeheimen und in Krankenhäusern zu testen, so Wieler.

Anmerkung: Was viele empirisch forschende Wissenschaftler fordern, ist natürlich kein "wahlloses" Testen, sondern Studien an Stichproben, die insgesamt ein repräsentatives Bild des Infektionsgeschehens in Deutschland ergeben, also nicht nur Gangelt oder München abbilden. 

Hier noch ein Zitat des Bloggers Kevin Drum, der auf einen Vergleich der Infektionszahlen der US-Bundesstaaten diese Antwort findet:

 I continue to think this is probably highly misleading since different states have vastly different testing regimes. If, say, New York is testing 1 percent of its population and Florida is testing 0.1 percent, then New York will overwhelm the total regardless of who’s going up and who’s going down. Likewise, as testing becomes more widespread, looking at cases over time becomes unreliable even within a single state. The case rate can look like it’s skyrocketing just because we’re testing far more people.

Update 8.5.2020

Ich habe die Diagramme aktualisiert (Datenstand 6.5./7.5.).

Zu erkennen ist nun, dass die Todeszahlen in UK trotz Verlangsamung des Zuwachses über die von Italien hinaus gehen, und die Zuwächse in Schweden, Kanada und USA nur zögerlich bzw. nicht stabil nach unten gehen. Deutschland steht weiterhin unter den neun verglichenen Staaten ziemlich gut da, die täglichen Todesfälle durch corona sind auf ein recht niedriges Niveau gesunken, tödliche Infektionen sind also in Deutschland vergleichsweise selten geworden. Man kann das m.E. durchaus den Maßnahmen zuschreiben, wobei unklar ist, welche Maßnahmen genau den Effekt ausgelöst haben, welche Bedeutung der Zeitpunkt der Maßnahmen hat und wie hoch daneben der Anteil von "Glück" bzw. "Pech" ist, also welche Rolle auch der Zufall spielt (etwa ob wegen ihrer Alters- und Gesundheitsstruktur besonders vulnerable Gegenden oder Institutionen betroffen sind oder nicht).

Erfreulicherweise ist jetzt von örtlichen Kolleg-inn-en eine weitere repräsentative Studie geplant, die im Landkreis Tirschenreuth stattfinden wird. In Bayern würden dann immerhin zwei solche Studien durchgeführt werden, neben der Metropolenstudie in München auch eine in der dünner besiedelten Oberpfalz.

Update 09.05.2020

1. Gingen die Infektionszahlen schon zurück, bevor die Maßnahmen greifen konnten?

Schon oben (Update vom 24.04.) habe ich auch die Thesen meines Regensburger Kollegen Kuhbandner diskutiert. Ich stimme ihm zu (bzw. er mir), dass die Infektionszahlen selbst nicht zur Einschätzung der wahren Lage taugen: Je mehr man testet, desto mehr findet man, soweit unser übereinstimmednes Fazit. Er hat dazu in seinem Artikel auf Telepolis (25.04.) ein anderes Beispiel gebracht, das aber auch sehr anschaulich ist: Bei einer bestimmten Anzahl  im Garten versteckter Ostereier, werden umso mehr gefunden, je mehr Zeit man den Suchenden einräumt. Es wäre unsinnig, aus der gefundenen Anzahl auf die tatsächliche Anzahl der versteckten Eier zu schließen. Wenn man jeden Tag mehr Zeit einräumt und mehr Eier findet, folgt daraus nicht, dass jeden Tag mehr Eier versteckt gewesen seien.

Kuhbandner versucht dann in einem weiteren Schritt aus der Testanzahl auf die wahre Steigerung der Infektionszahlen (im Dunkelfeld) zu schließen, und kommt zum Ergebnis, die tatsächlichen Infektionszahlen seien schon rückläufig gewesen, bevor die Maßnahmen überhaupt greifen konnten. Und da folge ich ihm nicht mehr: Das Dunkelfeld hat seinen Namen nicht umsonst. Es ist eben dunkel. Und aus meiner kriminologischen Erfahrung weiß ich, dass Schlussfolgerungen aus dem Hell- auf das Dunkelfeld methodisch höchst problematisch sind, auch wenn man versucht, die Verzerrungen des Hellfelds irgendwie in den Griff zu bekommen. Man ist dann nämlich darauf angewiesen, dass diese Verzerrungen (hier: Testkriterien und deren Anwendung) gleichförmig bleiben, so dass man sie statistisch auch über einen längeren Zeitraum hinweg herausrechnen kann.  Das weiß auch Kuhbandner und er versucht diese Gleichförmigkeit der Testkriterien zu reklamieren, doch hat er meines Erachtens dabei dreierlei verkannt:

a) Zwar mag das RKI die immer gleichen Selektionskriterien anwenden WOLLEN, wann wer getestet wird, aber ob dies (insbesondere bei Ausweitung der Testkapazitäten) tatsächlich in derselben Strenge eingehalten wird, erscheint mir sehr fraglich. Die Kapazitäten sind regional unterschiedlich und selbstverständlich wird das Signal ("wir sind knapp" oder "wir haben ausreichend Kapazitäten") von den Ärzten, die einen Test vor Ort vornehmen, so verstanden, dass sie ihr Ermessen, wann hinreichend Symptome vorliegen, entsprechend steuern sollen und dies auch können. Vergleich zur Kriminologie: Auch unter den bundesweit gleichen Kriterien für einen Anfangsverdacht finden wir deutlich unterschiedliche Praxen des polizeilichen Vorgehens zwischen versch. Bundesländern und erhebliche Stadt/Land-Unterschiede, ganz zu schweigen von örtlichen Unterschieden, sogar im selben Landkreis.

b) Anders als Kuhbandner annimmt, haben sich die Kriterien, wann wer wo getestet wird, auch aus Sicht des RKI gewandelt. Insbesondere werden inzw. auch sehr viele Menschen getestet, die beruflich ein höheres Infektionsrisiko tragen, ganz ohne Symptome.

c) Symptome werden nicht von Überwachungsgeräten, Robotern, Drohnen oder ähnlichem festgestellt, sondern von den betroffenen Menschen selbst. D.h. es hängt sowohl das Meldedatum als auch die Meldung überhaupt davon ab, ob jemand die Symptome bei sich selbst als Corona-verdächtig einschätzt, ob er einen schnellen Draht zu seinem Hausarzt hat, ob er seine Familie und Kollegen damit behelligen möchte etc., insgesamt von vielen Faktoren, die wir aus der Kriminologie als "Anzeigebereitschaft" kennen und die individuell sehr verschieden sein können (und damit meine ich wörtlich SEHR). Ich würde vermuten, dass zumindest zu Beginn die Angst Viele dazu getrieben hat, schon bei leichtem Husten ihren Hausarzt zu nerven mit Testforderung. Mit Symptomen, die früher niemanden überhaupt zum Arztbesuch gebracht hätten. Inzwischen aber mag diese Sorge bei Vielen einer anderen gewichen sein (ich müsste dann in Quarantäne, kann ich mir das leisten, meiner Familie zumuten?).

d) Es werden nicht nur anzeigebereite  Menschen mit Symptomen getestet, sondern auch - in unterschiedlichem Maße - Kontaktpersonen derselben. Und das bedeutet, auch hier hängt es stark davon ab, wie viele solcher Kontaktpersonen jemand hat und an wie viele er sich erinnert. Auch das ist nicht irgendwie vergleichbar mit einer Zufallsstichprobe. Die Rate zwischen symptomatisch Infizierten und ihren Kontaktpersonen kann sogar erheblich von Woche zu Woche verschieden ausfallen.

Soweit meine Einwände. Aus den methodisch unrichtig ermittelten Infektionsdaten kann man mE nicht korrektere Daten errechnen. Es KANN so sein wie Kuhbandner schließt, es kann aber auch ganz ANDERS sein.

2. Noch ein paar Bemerkungen  zur Kritik an den Maßnahmen und  an der politischen Bewältigung der Krisensituation überhaupt:

Dass es keine  Tests an repräsentativen Stichproben gibt, habe ich im obigen Beitrag seit dem 29. März angemahnt. Inzwischen gibt es einige wenige solcher Studien, die nun auch von immer mehr Wissenschaftlern gefordert werden.

Und ich habe hier einige andere wissenschaftliche Kritik zitiert und besprochen, soweit ich meinte, dass diese etwas beitragen können mit ihren Erkenntnissen. Aber ich weiß, ich bin weder Virologe noch Epidemiologe, noch bin ich politischer Entscheidungsträger. 

Zur BILD-Schlagzeile:  Deutschlands "klügste Corona-Experten": Was ich überhaupt nicht ernstnehmen kann, ist die klugscheißerische Art, mit der selbsternannte Experten, die selbst nicht im geringsten in der Position sind, für Tote verantwortlich gemacht zu werden, NACH den Maßnahmen deren Überflüssigkeit konstatieren oder so tun, als hätten sie es immer schon besser gewusst und sich dafür von der BILD-Zeitung oder von Reichsbürger-YouTube-Sendern feiern lassen. Das ist für einen Wissenschaftler (gleich welchen Fachgebiets) unverantwortlich und peinlich.

Update 11.05.2020

Die Regionalisierung der Gegenmaßnahmen und deren Orientierung an 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner ist theoretisch eine gute Idee, doch hinkt die praktische Umsetzung an mehreren Stellen:

a) die gemessenen Infektionszahlen (also "positiv Getestete"), an denen sich die Gegenmaßnahmen orientieren sollen, sind - wie schon oben ausgeführt - keine empirisch zuverlässigen Daten. Zudem ergibt sich insbesondere bei Menschen, die in einem Landkreis wohnen, in einem anderen (oder in einer Stadt) arbeiten, ein Zuordnungsproblem. Eigentlich müsste solch eine positiv getestete Person zweimal gezählt werden.

b) da die Landkreise sicherlich nicht interessiert sind daran, dass gerade ihr Landkreis und die darin befindlichen Firmen/Restaurants/Hotels betroffen sind von erneuten Schließungen, wird niemand dort auf eine häufigere Verdachtstestung achten, eher im Gegenteil: die Leute werden eher nicht ermuntert sich testen zu lassen, quasi ein "nudge" in die falsche Richtung, weil zu viele positiv Getestete im Landkreis "bestraft" werden.
Auch das kennen wir in der Kriminologie: Man braucht es den Bürgern nur ein bisschen schwerer zu machen, ihre Strafanzeige bei der Polizei zu erstatten, schon werden weniger Delikte angezeigt.

c) Der Hauptunterschied (Bevölkerungsdichte) zwischen Stadt und Land bleibt unberücksichtigt. Für Städte mit ihrem sehr beweglichen Bevölkerungen (man denke nur an den öffentl. Nahverkehr) ist daher das Maß 50 pro 100.000 möglicherweise zu hoch angesetzt, um durch Gegenmaßnahmen einen größeren Ausbruch noch zu verhindern.

Allerdings ist auch die Reproduktionszahl (für ganz Deutschland) kein besserer Maßstab, denn damit werden regional sehr hohe Verbreitungszahlen ausgeglichen durch niedrigere anderswo. Und die Reproduktionszahl beruht ebenfalls auf den positiv Getesteten und eben nicht auf den tatsächlichen Infektionszahlen. Immer wieder muss darauf hingewiesen werden: Die Erhebung dieser Daten entspricht NICHT den anerkannten Methoden empirischer Forschung.

Zu den Schlachthöfen: Wie oben schon zitiert: In den USA sind bereits 115 Fleischfabriken von Ausbrüchen betroffen (Quelle). Es ist nicht anzunehmen, dass dort Rumänen und Bulgaren beschäftigt sind. Es spricht mehr dafür, dass es nicht die "Reservearmee" ist, sondern die Arbeitsbedingungen, unter denen die Arbeiter tätig sind, die eine Infektion begünstigen. Man muss hier vorsichtig sein, nicht fremdenfeindlichen Klischees Vorschub zu leisten.

Eine andere Form spezifischer Schutzmaßnahmen anhand des individuellen Risikos schlagen Schrappe et al. vor, hier (researchgate-Link). Ich möchte dies hier verbreiten, weil Schrappe et. al. (u.a. auch der Rechtsmediziner Püschel) vom selben argumentativen Ausgangspunkt wie ich aus einen anderen Weg einschlagen.

Update 19.05.2020

Ich habe die Diagramme zum Vergleich von neun Staaten hinsichtl. ihrer Todesrate wieder aktualisiert.

Mittlerweile ist deutlich, dass Schweden sich bezüglich der Häufigkeit der Todesfolge den französischen Ergebnissen  annähert und UK denen von Spanien. Schweden hat, auf die Bevölkerung berechnet, mittlerweile etwa viermal so viele Sterbefälle zu beklagen wie Deutschland und die Schere geht weiter auseinander. Ob sich dies bis zum Ende der Pandemie in einigen Jahren wieder ausgleicht, wie manche annehmen, halte ich für fragwürdig. Trotz aller Unsicherheit würde ich feststellen, dass sich Schweden im Moment NICHT eignet als Modell, wie mit dem Virus umgegangen werden sollte. Allerdings nähern sich die europäischen Staaten (einschl. Deutschland) ja nun derzeit dem schwedischen Modell an. 

Auch in der Übersicht von Kevin Drum zeigt sich, dass sich Schweden, neben USA und Canada, auch bei der Reduzierung der tägl. Todesfälle bislang deutlich schwerer tut als die anderen sechs Staaten im Vergleich.

Die Frage, ob die verschieden starken Maßnahmen (Schulschließung, Versammlungsverbote, Restaurantschließung, private Quarantäne) Erfolge bringen, steht nun im Mittelpunkt erster Forschungsprojekte. Eine erste Veröffentlichung in den USA besagt, dass vor allem die Restaurantschließungen und die Privatquarantäne ("shelter-in-place") effektiv gewesen seien, Schulschließungen aber nicht! Das sind erste Zahlen, die sicherlich noch mit etlichen Fragezeichen verbunden sind. Aber wenn sich dies bestätigt, könnte das ein gutes Signal geben für Schulöffnungen auch in Europa.

Jetzt erst entdeckt, aber seine Kritik geht in eine ganz ähnliche Richtung wie ich sie oben formuliert habe: David Spiegelhalter (Statistiker, UK) im Interview.

Update 25.05.

Die Kurven von Kevin Drum habe ich neu hochgeladen, die Daten bei shinyapps werden leider seit dem 14. Mai nicht mehr aktualisiert, so dass sie auf diesem Stand verblieben sind.

Alle neun betrachteten Staaten sind bei den täglichen Todesziffern nunmehr weit unter ihrem jeweiligen Höchststand, allerdings mit erheblichen Unterschieden. Von den Gesamtzahlen liegt die Rate in diesem neun-Staaten-Vergleich in DE bei 100 pro Million der Bevölkerungszahl. Aufsteigend von hier aus sind es in CA mittlerweile 170/Million, in CH 224/Million, in den USA 295/Million, in SWE 399/Million, in FRA 421/Million, in Italien 546/Million, in UK 557/Million und in ESP  610 pro Million der Bevölkerung. Während sich in Deutschland wahrscheinlich keine Übersterblichkeit im Vergleich zu vergangenen Jahren ergibt, wird sich COVID-19 ab der dreifachen Todeszahl auch in der Jahresstatistik der Sterbefälle deutlich zeigen.

Der relative bisherige "Erfolg" in Deutschland beim Umgang mit dem Virus kann zu einem guten Teil auf glücklichem Zufall beruhen, aber sehr wahrscheinlich haben auch die Maßnahmen zur Kurvenverflachung gewirkt. Die Gegenargumente, die ich dazu bisher gelesen habe, sind wenig plausibel. Welche von diesen Distanz-Maßnahmen geeigneter waren und welche eher überflüssig oder übertrieben, wird man allerdings - wenn überhaupt - erst später genau ermitteln können. Dass diese Maßnahmen auch Kollateralschäden haben, v.a. wirtschaftliche, aber auch gesundheitliche, kann nicht bestritten werden. Dass diese "tödlicher" seien als das Virus selbst, erscheint mir aber derzeit wenig glaubhaft.

Eine von Epidemiologen/Virologen anfangs als sehr wichtig eingestufte Maßnahme, die Komplettschließung von Schulen und Kindergärten, gerät allerdings zunehmend in die Kritik. Die Infektion selbst ist für Kinder und Jugendliche wenig gefährlich und die Auswirkungen der befürchteten Verbreitung auf andere Familienmitglieder, insbesondere Großeltern, lässt sich möglicherweise mit anderen Maßnahmen verhindern. So jedenfalls die mittlerweile mehrfach publizierte Auffassung, wie - ebenfalls - Kevin Drum zusammenstellt. Leider wurde ausgerechnet in Schweden(!) die Chance versäumt, das Realexperiment (geöffnete Schulen) zu studieren. Wenn man dort geforscht hätte, wüssten wir jetzt alle mehr.

Update 29.05.

Die neuen Diagramme bei Kevin Drum zeigen, dass hinsichtlich der Todeszahlen die (mglw. nur erste, hoffentlich zugleich letzte) Welle der Pandemie in mehreren der neun Staaten vorüber ist, nämlich in Deutschland, Frankreich und Italien. Spanien und die Schweiz werden von Drum nicht mehr aufgeführt, gehören aber ebenfalls dazu.

Auch wenn die Zahlen zurückgehen, ist die Welle noch nicht "vorbei"  in Schweden, UK, USA und Kanada. Schweden hat nun berechnet auf die Bevölkerungszahl ebenso viele Tote wie Frankreich und wird womöglich noch die italienischen Zahlen erreichen, das ist besonders bitter für den "schwedischen Weg", der von manchen auch für Deutschland vorgeschlagen wurde. Wie schon mehrfach gesagt: Es war sicherlich auch Glück bzw. Pech dabei, aber die in Deutschland (noch gerade rechtzeitig) ergriffenen Maßnahmen haben mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Anteil daran, dass es hierzulande bisher glimpflich ausgegangen ist.

In den beiden neu hinzugenommenen Staaten Brasilien und Kolumbien steht die Welle (bei den Todesfällen) offenbar noch bevor.

Update 05.06.

1. Dunkelfeldtestung in New York City

Eine Dunkelfeldstudie in New York (Zufallsstichproben von 15.000 Personen an Supermärkten) mit COVID19-Antikörpertests zeigt, dass die Infektionsrate in New York State bei ca. 12% der Bevölkerung liegt, in New York City bei 20 %, d.h.  etwa 10mal so hoch wie die Zahl der positiv Getesteten. Anhand der ebenfalls verfügbaren Exzess-Todesfälle in New York City (23.000) haben die Forscher daraus eine IFR (Infection Fatality Rate) von 1,4 % ermittelt, also ca. 1,4 % der Infizierten erkrankten mit tödlichem Ausgang. Da hinsichtlich der Zahlen eine gewisse Unsicherheit anzunehmen ist (z.B., dass die Exzess-Todesfälle nicht nur COVID19 Infizierte betreffen), wird man für NYC aber wohl von einer tatsächlichen IFR zwischen 1 und 2 % ausgehen können. Berücksichtigt man nur die "offizielle" Todesziffer in NYC (13.000) läge die IFR bei 0,75 %.

2. Stand der "Welle" der Sterbezahlen in den verglichenen Staaten

Anhand der wiederum aktualisierten Grafiken von Kevin Drum lässt sich sagen: Der Eindruck von letzter Woche setzt sich fort:

Die Staaten Italien, Frankreich und Deutschland  haben im Hinblick auf die täglichen Sterbezahlen die Welle der Pandemie "überstanden" (tägl. nur noch 2 oder weniger pro Million der Bevölkerung), bei den absoluten Zahlen steht DE mit 100 pro Million in diesem Vergleich ziemlich gut da, Italien und Frankreich hat es aufgrund der viel höheren Sterbezahlen im März und April mit  560 und 433 pro Million viel härter getroffen, aber auch dort sind die täglichen Sterbezahlen inzwischen auf ziemlich niedrigem Niveau.

Offenkundig noch nicht vorbei ist die Welle in Staaten, die auch aktuell noch relativ hohe tägliche Sterbeziffern aufweisen:

Schweden (ca. 4 pro Million tägl. hat bei den abs. Zahlen mit 450 pro Million inzwischen auch Frankreich überholt)

Kanada (ca. 3 pro Million tägl, liegt absolut inzwischen bei 200 pro Million),

UK (ca. 5 pro Million tägl., inzwischen absolut mit 600 pro Million deutlich mehr als Italien!) und

USA (ca. 3 pro Million tägl., liegt absolut bei 325 pro Million)

Trotz der schwierigeren Ausgangsbedingungen sieht es momentan so aus, als ob es auch in Brasilien und Kolumbien gelingen könnte, die Sterbezahlen gering zu halten.

Update 08.06.2020

1. Dunkelfeld-Panel-Studie in Lübeck

Die Elisa Studie in Lübeck hat nun erste Ergebnisse publik gemacht: 

Von den 3000 Probanden, die sich seit Beginn der Lockerungen immer wieder testen ließen, ist niemand positiv getestet worden, berichtet der NDR. Schlussfolgerung: Lockerungen einschl. Öffnung von Schulen und KiTas seien in Schleswig Holstein nun angezeigt.

2. Ein detaillierter Bericht von Robert Werner im Blog regensburg digital betrachtet die Lage in Alten- und Pflegeheimen. Immerhin die Hälfte (europaweit wohl noch mehr) der Corona-Sterbefälle seien in diesen vorgekommen. Die genauere Untersuchung und der Schutz der Menschen seien hier sträflich vernachlässigt worden.

 

Update 11.06.2020

1. Maskenpflicht sinnvoll oder überflüssig bis schädlich?

Während hierzulande insbesondere der Virologe Streeck die Maskenpflicht kritisiert, weil die Menschen oft falsch und unhygienisch mit der Maske umgingen

Die Leute knüllen die Masken in die Hosentasche, fassen sie ständig an und schnallen sie sich zwei Wochen lang immer wieder vor den Mund, wahrscheinlich ungewaschen. Das ist ein wunderbarer Nährboden für Bakterien und Pilze.

, wird die Maskenpflicht von einer in Jena durchgeführten Studie  und einer anderen auf dem Schiff USS Theodore Roosevelt , als sinnvoll ausgewiesen:

Mask use is the most effective countermeasure by far, followed by social distancing and avoiding common areas.

M.E. ist auch der psychologische Effekt der Maske nicht zu unterschätzen. Sie signalisiert anderen, das Virus ist noch da!

2. Vergleichszahlen von neun Staaten: Immer noch Sorgen in vier Staaten

Die Daten vom 9.6. in den Diagrammen von Kevin Drum. Brasilien hat er durch Argentinien ersetzt, wo aber - angesichts der Todesraten - das Virus offenbar noch ganz am Anfang ist oder durch Distanzmaßnahmen bereits in seiner Gefährlichkeit eingehegt werden konnte. Mexiko hingegen hat bei noch stark steigenden Todeszahlen  Deutschland in den absoluten Zahlen bereits überholt. Immer noch sorgenvoll kann man nach UK, Kanada, Schweden und USA blicken, denn nach wie vor werden von dort höhere Sterbeziffern gemeldet. 

Update 15.06.2020

1. Die Diagramme von Kevin Drum (Datenstand 13.06.) zeigen wenig Neuigkeiten. Nach wie vor registrieren die vier schon oben genannten Staaten (USA, UK, SWE und CAN) täglich einige Tote. Inzwischen ist auch der Datenstand von shinyapps wieder aktualisiert und zeigt die Todesfälle pro 100.000 Bevölkerung der (usprünglichen) neun Staaten im direkten Vergleich. Auch hieran lässt sich an den weiter steigenden Todeszahlen der Unterschied zwischen den fünf Staaten, bei denen kaum noch Todesfälle registriert werden und den o.g., bei denen dies weiterhin der Fall ist, gut erkennen.

2. Die Diskussion darum, ob die Maßnahmen ("Lockdown") übertrieben waren bzw. sind, reißt indessen nicht ab. Ich empfehle dazu folgende (kostenfreie) Lektüren:

a)  Coronavirus: Should We Aim for Herd Immunity Like Sweden?

And What Can Countries like the US or Netherlands Learn from It? von Tomas Pueyo (9. Juni)

b) The Effect of Stay-at-Home Orders on COVID-19 Cases and Fatalities in the United
States von Fowler/Hill/Levin/Obradovich (13. April)

 

Update 19.06.2020

Die Neuinfektionen v.a. in einem Schlachtbetrieb zeigen, dass das Virus auch in Deutschland längst nicht verschwunden ist und soziale Distanz weiterhin sinnvoll ist. Für die Verbreitung gerade dort sind wohl in erster Linie die geringen Temperaturen, die nicht ausreichende Lüftung, die Enge und die wegen der Maschinen notwendig  laute Kommunikation verantwortlich, in zweiter Linie die beengte Wohnsituation der dort arbeitenden Menschen. Da das Virus keine Grenzen oder Nationalitäten kennt, ist die Aussage, dass es deren Herkunft sei, schlicht vorurteilsbehaftete Fremdenfeindlichkeit, die im Falle von Politikern von eigenen Fehlern ablenken soll.

Hinsichtlich der täglichen Todesziffern ist es mit Blick auf die Diagramme insbesondere in Schweden nach wie vor nicht gelungen, diese auf ein Mindestmaß zu verringern; inzwischen sind die Zahlen bezogen auf die Bevölkerung dort etwa fünf Mal so hoch wie in Deutschland und nähern sich den Todesziffern in Italien.

Während sie in USA ebenfalls noch nicht beruhigend niedrig sind, erscheinen die Aussichten jetzt in Kanada und UK etwas besser als vor ein paar Tagen.

Bislang hat sich die Strategie "Hammer and Dance", also mehrwöchige Schließungen ("Lockdown") mit erzwungener Distanz zur Ausbremsung der Infektion mit anschließender Nachverfolgung und Kontrolle konkreter Ausbrüche in den meisten Weltregionen als einigermaßen erfolgreich gezeigt.

Update (22.06.2020):

1. Schweden weiterhin hintendran

Die Diagramme oben habe ich aktualisiert. Inzwischen liegen von den sieben Staaten, die von Anfang an von Kevin Drum beobachtet wurden, beim Tagesdurchschnitt der Sterbezahlen alle unter dem Wert von zwei pro Million, mit einer Ausnahme: Schweden. Das ist eine traurige Nachricht für die nach wie vor betroffene Bevölkerung Schwedens und auch eine bittere Nachricht für diejenigen, die meinten, Schweden könne eine Art Vorbildrolle einnehmen für einen weniger beeinträchtigenden Umgang mit der Pandemie.

2. Warum schneidet Deutschland so gut ab?

Kevin Drum hat vor einigen Tagen in seinem Blog auch diese Frage gestellt:

Does anyone know of a really good article that explains the German miracle? Did they adopt different countermeasures than, say, France and Belgium? Did they adopt them earlier? Did everyone in Germany take them more seriously? Or what? It’s not just that they’ve had the best response to the pandemic; they’ve had the best response by light years among large countries. There are other countries that have also done well (Denmark, Norway, Austria, Greece, Switzerland), but they’re all a fraction of the size of Germany.

In der Kommentarspalte dort finden sich einige interessante Bemerkungen (aus der Außenperspektive auf Deutschland) und auch einige Links auf spannende Einschätzungen, z.B. diese hier. Manche machen die "ruhige Hand" der Bundeskanzlerin verantwortlich, andere das den Deutschen eigentümliche Vertrauen in Autoritäten und allg. Gehorsam (etwa bei der Maskenpflicht). Ich denke, es war  neben der Rechtzeitigkeit der Distanzmaßnahmen das  relativ effektive Tracing von Kontaktpersonen und Glück. Ja, Glück war auch dabei.

 

Update (30.06.2020)

Bei den aktualisierten Diagrammen von Kevin Drum zeigt sich jetzt, dass  Kanada auch nur noch ein Minimum an neuen Todesfällen (pro Million der Bevölkerung) registriert. Weiterhin stagnieren aber die USA, UK und SWE bei ca. zwei Toten pro Tag pro Million der Bevölkerung.

Bayerns Ministerpräsident hat jetzt angekündigt, dass sich demnächst jede/r freiwillig testen lassen kann, also unabhängig von Symptomen. Dass nach wie vor - trotz der vorhandenen Kapazitäten - kein repräsentatives Panel in regelmäßigen Abständen getestet wird, halte ich für sehr fragwürdig.

Von der Münchener Dunkelfeldstudie, die Mitte Juni Ergebnisse vorlegen sollte, ist immer noch nichts zu hören.

Update 2.7.2020

Eine Diskussion in den Kommentaren aufgreifend:

Ich habe oben in meinem Ausgangsbeitrag angeführt, warum sich die Infektionszahlen für Vergleiche nicht eignen. Daran halte ich nach wie vor fest. Bei dem Problem mit diesen Zahlen geht es zwar AUCH um die Anzahl der Tests, aber das ist keineswegs der einzige Grund, warum diese Vergleiche nicht sinnvoll sind, noch weniger natürlich, wenn man sich daran macht, bei diesen Werten auch noch Wachstumsraten auf vier Stellen hinter dem Komma zu berechnen.

Auch wenn man die unterschiedliche Anzahl der Tests kontrolliert, kann das keine sinnvollen Vergleiche ergeben, denn es kommt ebenso sehr darauf an, WER und WO getestet wird, also welche Verdachtsmomente/Symptome im jeweiligen Land einen Test auslösen. Hier gibt es starke Unterschiede sogar innerhalb einer Region oder eines Staates, die zu Verzerrungen der Ergebnisse im Zeitverlauf führen, erst Recht beim Vergleich zwischen Staaten. Dabei ist insbesondere auch die Dynamik zu berücksichtigen, mit der die Testkapazitäten ausgebaut und gesteuert wurden und werden.

Ich habe im obigen Beitrag dann begründet, warum die Anzahl der Todesfälle (pro Bevölkerungseinheit in einem Land) ein besseres Maß für die relative Betroffenheit durch das Virus ist. Auch hier gibt es natürlich einen Einfluss der Tests, aber bei den schwereren Fällen von COVID19 ist die Verzerrung geringer als im Feld insgesamt.

Natürlich kann man jetzt daran gehen und auch die Todeszahlen mit der Anzahl der Tests im jeweiligen Land in Beziehung setzen, die unterschiedliche Anzahl der Tests also "kontrollieren". Das ist zwar insofern nicht zwingend, weil die Anzahl der (positiv getesteten und dann) Verstorbenen weitgehend unabhängig davon ist, wie viele aus der gesunden Bevölkerung man außerdem  gestestet hat, aber sei es drum, hier die Reihe. 

Verglichen werden Deutschland, seine neun Nachbarländer  und sechs weitere westl. Staaten mit vergleichbarer Infrastruktur
geordnet nach Todesfälle pro Million (TpM), die folgende Zahl ist gebildet aus den TpM unter Kontrolle der Testanzahl pro Million, die Zahl in Klammern zeigt die "Rangordnung" nach Berücksichtigung der Testhäufigkeit. Die Rohdaten stammen vom Worldometer heute:

  1. Tschechien 33 TpM, 0,63 (3.)
  2. Polen 39 TpM, 0,95 (4.)
  3. Österreich 78 TpM, 1,11 (5.)
  4. Dänemark 105 TpM, 0,56 (1.)
  5. Deutschland 108 TpM, 1,54 (6.)
  6. Luxemburg 176 TpM, 0,57 (2.)
  7. Schweiz 227 TpM, 3,28 (8.)
  8. Kanada 228 TpM, 3,12 (7.)
  9. Niederlande 357 TpM, 9,91 (14.)
  10. USA 395 TpM, 3,76 (9.)
  11. Frankreich 457 TpM, 21,76 (16.)
  12. Schweden 532 TpM, 10,43 (15.)
  13. Italien 575 TpM, 6,38 (12.)
  14. Spanien 607 TpM, 5,18 (11.)
  15. Großbritannien 647 TpM, 4,55 (10.)
  16. Belgien 842 TpM, 7,79 (13.)

 

 

 

 

 

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Dankenswerter Weise nannten Sie Ihre sponselschen Wachstumsraten für Hessen:

Die Infektionszahlen für Hessen zeigten eine prozentuale Wachstumsrate von 0,95% bezogen auf die Gesamtzahl aller gemeldeten Infektionen, die sponselschen Wachstumsraten nahmen für  Hessen ab mit 0.0758 zuletzt, am Vortag noch 0.0764.

Viel interessanter wäre es jedoch, wie sich die prozentualen Wachstumsraten von Tag zu Tag bei den Infektionen z. B. in Hessen entwickeln, auch um beurteilen zu können, was nur ein einziger Gottesdienst wie in Frankfurt ohne Mundschutz und auch noch ohne Registrierung der Besucher alleine für die bestätigten Infektionszahlen ausmacht.

Das war unverantwortlich gewesen.

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Gast 05-25     00:22Uhr, "Ohne Mundschutz" - ist das geklärt? Ich hatte ja auf die Bedeutung konkreter Umstandserforschung hingewiesen. Virenhemmung durch Registrierung nehme ich nicht an, freilich kann sie zwecks Nachverfolgung und Schutz vor WEITEREN Verbreitungen sinnvoll sein.  

Ja, in den Nachrichten gemeldet, falls ich mich aber dabei verhört haben sollte oder etwas verwechselt habe, werde ich das selbstverständlich noch korrigieren.

In der Gaststätte mit einem Infektionsausbruch wurden übrigens inzwischen auch Zweifel an den eigenen Darstellungen der Betroffenen selber geäußert.

Ich empfehle die genaueren Untersuchungen nun abzuwarten.

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Unsere Gottesdienste finden in deutscher und russischer Sprache statt. Außerdem wird bei uns noch in die deutsche und russische Gebärdensprache übersetzt.

Quelle: https://www.seidheilig.de/

Auch die Gebärdensprache mit Mundschutz funktioniert doch nicht, weil die Gesichtsmimik zu den Gebärden mit den Armen und Händen und dem Oberkörper noch dazukommt.

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Danke, Gast 05-25    01:34 Uhr. Wie energisch ich zur Faktenprüfung bin und bleibe, auch um fakenews und Propagandismen zu Lasten jeweils ungewünschter Tendenzen ( zB religiös, politisch) zu meiden,  bleibe, erfährt so mancher. Es offenbaren sich die dreckigsten Hetzlügen, wie etwa wohl FAZ nach Stand meiner Ernittlungen FAZ 20.4.2020 S. 11 . Und da gibt es noch das bullshit-bingo-Wörtlein "Verschwörungstheorie". Na dann lese man mal Deckers FAZ  (Papier-Variante ) 17.4.2020 S. 3. Elektrisch 16.4.2020. Ist dem da zu glauben,  oder ist das "Lügenpresse"? "Warum die Politiker sich die Erwägungen der Kirchen nicht zu eigen machen wollten, wird unter Voraussetzung der Anonymität von verschiedenen Seiten mit dem Hinweis auf den bevorstehenden islamischen Fastenmonat Ramadan zu plausibilisieren versucht. Kirchenräume seien oft groß und die Zahl der Gottesdienstbesucher zumeist überschaubar, Moscheen oftmals beengt und zu Gebetszeiten stark frequentiert, heißt es vielsagend." Anonymität, Politiker, verschiedene Seiten, Hinweis, "heißt es", "vielsagend". a) Es ist "Lügenresse"?  b) Oder: man bekommt einmal mit, wie hintenrum, unehrlich, taktierend, schönwettermachend "Entscheidungen" im "politischen" Raum entwickelt werden. Rechtlich eingeordnet: Es geht um Terrorunterdrückung der grundgesetzlich ohne Gesetzesvorbehalt eingreäumten Religionsfreiheit. Und laut BVerfG ab ca. 15.4.2020 ist ja "abzuwägen". ( Nach dem Schandbeschluss vom 10.4.2020   1 BvQ 31/20 nicht).

Auch wenn weitere Verbreitungen dann noch zuhause erfolgen, reicht eben in so einem Gottesdienst unter Umständen ein einziger Spreader aus für eine kleine Lawine folgender gemeldeter und bestätigter 107 Infektionen, wobei die ungemeldeten ja noch völlig unbekannt sind.

Bei einer Dunkelziffer von 5 wären das also schon über 500 echte Infektionen.

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Nehmen Sie sich doch mal etwas Zeit für Ihre schon zweimal angekündigte Kritik an den Reproduktionszahlen, zuletzt so:

"Die Idee hinter der Reproduktionzahl R ist zwar gut und nachvollziehbar, aber sie ist schlecht operationalisiert, nicht nachvollziehbar abgeleitet und begründet. Außerdem ist die Fixierung auf den Wert  <= 1 ziemlich sicher falsch und als Kriterium auch zu hoch. Ich werde das noch genauer darlegen."

Dauert es noch lange damit?

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Ich komme auf die Strafanträge von Prof. Dr. Homburg aus Hannover zurück:
Strafanträgen gegen eine Zeitung, auch gegen Verantwortliche im Sinn der Pressegesetze, gebe ich wenig Chancen, den Artikel in der SZ schrieb als Autor Bastian Brinkmann, vielleicht schreibt ja auch anschließend noch ein echter Strafrechtsexperte hier auch mal etwas dazu, wie er diese Sache strafrechtlich sieht.

Prof. Dr. Homburg hätte eine Gegendarstellung verlangen können, die SZ wäre dann am Zug gewesen, diese zu veröffentlichen, oder diese zu verweigern, womit ich aber nicht rechne bei der SZ, der bekannten "Prantl-Prawda", wenn mal diese kleine Ironie gestattet ist. Das walte Dr. Heribert Prantl.

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Worst case für diesen Thread:

"Prof. Dr. Homburgs Erzählungen" ("Humbugs Erzählungen") führen zu keinen Ermittlungsverfahren und Strafanklagen in München. Jener wird dann unterstützt von einem Münchner Rechtsanwalt A.W. bei einem EEV und KlEV mit der Neukonzeption nach dem Verwaltungsprozessrecht, speziell nach der VwGO, was dieser dann hier auch noch in diesem Thread darlegt. Dann bitte diesen Thread schließen.

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Auswertung Bundesländer und Landkreise 24.05.2020. Aktuell immer noch schlechte Nachrichten für die Scharfmacher und Berufskatastrophierer: bis auf Regensburg Stadt sind alle 401 Kreise unter der Obergrenze 50/7Tage. Wie sich die 3. Lockerung vom 18.05.2020 auswirkt, werden wir vermutlich erst gegen Ende Mai herum zuverlässiger einschätzen können. Hier aber erst mal die Entwicklung vormaliger Überschreiter oder Problemgebiete:

  • 72.1 nach 40.6, 39.3, 38.0, 37.4 Regensburg (Bayern). Anmerkung Das Bayerische Landesamt für Gesundheit meldet für den 24.05.2020, 10.000  "nur"  40.63. Das RKI erfasst am 24.05.2020 bis 24:00 Uhr, also den ganzen Tag und damit zeitlich vernünftig.
  • 41.9 nach 41.9, 25.4, 38.9, 26.9, 26.9, 29.9 Lkr Lichtenfels
  • 41.4 nach 33.4, 43.7, 46.0, 47.2, 61.0, 82.8, 66.7, 66.7, 55.2 Lkr Coburg (Bayern), Coburg Stadt 29.1 nach 26.7,
  • 35.6 nach 39.1, 39.9, 37.4, 42.7, 28.5, 33.8, 44.5, 35.6, 46.3 Lkr Sonneberg (Thüringen)
  • 32.5 nach 32.5, 25.5 Osnabrück Landkreis
  • 28.5 nach 29.5, 30.6, 30.6, 29.5, 32.0, 43.8, 52.0, 46.9, 49.9 Lkr Greiz (Thüringen)
  • 25.2 nach 25.2  Hof Landkreis (Bayern)
  • 21.5 nach 24.7, 23.3, 28.8, 29.5, 29.2 Rhein-Sieg-Kreis
  • 15.5 nach 17.3, 18.2, 16.4, 15.5,  25.5, 36.4, 47.7, 57.7 Lkr Coesfeld (NRW), informativ Heinsbergkreis 6.3 nach 26.0, 27.1, 26.3,
  • 25.2
  • 9.9 nach 9.9, 9.9, 12.9, 47.7, 45.7, 47.7, 53.7, 53.7, 54.6 Lkr Straubing-Bogen (Bayern)
  • 6.3 nach 6.3, 6.3, 14.6, 43.9, 54.4, 54.4 Straubing kreisfreie Stadt (Bayern)

Die Wachstumsraten für Infizierung der 16 Bundesländer im einzelnen:

  • Baden-Württemberg (0.1174 nach 0.1187),
  • Bayern (0.0903 nach 0.0910),
  • Berlin (0.1048 nach 0.1060),
  • Brandenburg (0.0973 nach 0.0985),
  • Bremen (0.0835 nach 0.0843),
  • Hamburg (0.0981 nach 0.0992),
  • Hessen (0.0752 nach 0.0758),
  • Mecklenburg-Vorpommern (0.0724 nach 0.0733),
  • Niedersachsen (0.1101 nach 0.1114),
  • NRW (0.1183 nach 0.1196),
  • Rheinland-Pfalz (0.0999 nach 0.1011),
  • Saarland (0.0964 nach 0.0976),
  • Sachsen (0.1032 nach 0.1044),
  • Sachsen-Anhalt (0.0732 nach 0.0742),
  • Schleswig-Holstein (0.0933 nach 0.0944),
  • Thüringen (0.0959 nach 0.0970).
  • Deutschland insgesamt (0.0805 nach 0.0815). 

Wie man sieht, sinken die Wachstumsraten weiterhin mit einer Präzision und Plausibilität, die gut zu den Wirkungen der Maßnahmen und den Fallzahlen passt. Die Wachstumsraten messen die Stärke der Zuwächse oder Anstiege der absoluten Häufigkeiten, wie stark also Zuwächse oder Anstiege sind. Reichten die bloßen Angaben der Neuninfektionen, bräuchte man sie natürlich nicht. Will man aber wissen, wie stark diese Zuwächse oder Anstiege sind, braucht man ein Messverfahren. R ist der Idee nach zwar sinnvoll, aber in der vorgelegten Opera­tionalisierung völlig ungeeignet, nicht evidence-begründet, widersprüchlich und auch noch zirkulär (imprädikativ) definiert. Die beiden für R .E. hierfür heranzuziehenden Parameter sind die Anzahl der Neuinfizierten, die von den noch Aktiven (= überhaupt jemals Infizierte - Tote - Geheilte) erzeugt werden. Das ist schwierig zu messen und man wird sich wahr­scheinlich auf eine Definitionsmaßzahl beschränken müssen. D.h. man verzichtet auf den Anspruch den Ansteckungsgrad eines Aktiven real zu erfassen, aber man zeigt, dass die Definitions­maßzahl Rdef in der und der Weise evaluativen Sinn hat, etwa dass die Neuin­fektionen ansteigen, wenn R größer wird. Das sollte sich ja leicht zeigen lassen.

Dr. Sponsel schrieb am  Mo, 2020-05-25 um 11:51 Uhr:

Die Wachstumsraten messen die Stärke der Zuwächse oder Anstiege der absoluten Häufigkeiten, wie stark also Zuwächse oder Anstiege sind.

Da die sponselschen Wachstumsraten doch zur Zeit nur noch sinken und auch weiter sinken werden, wenn es nicht zu ganz extremen Zuwächsen kommt, messen sie nicht diese Zuwächse in plausibler oder handhabbarer Form.

... dass die Definitions­maßzahl Rdef in der und der Weise evaluativen Sinn hat, etwa dass die Neuin­fektionen ansteigen, wenn R größer wird. Das sollte sich ja leicht zeigen lassen.

Und genau das wurde mit den Reproduktionszahlen ja bereits schon gezeigt!

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Spätestens in ein bis zwei Jahren werden auch ganz extreme Zuwächse der Neuinfektionen oder der Neutoten nicht mehr ausreichen bei den sponselschen Wachstumsraten für einen Anstieg dieser Zahlen, die müssen dann rein mathematisch und unabwendbar weiter sinken.

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bis auf Regensburg Stadt sind alle 401 Kreise unter der Obergrenze 50/7 Tage

Nach Auskunft der Stadt Regensburg sind dafür „die in Flüchtlingsunterkünften aufgetretenen Corona-Fälle“ verantwortlich. „Aktuell müssen gesonderte Maßnahmen für die Stadt Regensburg nicht veranlasst werden.“ (vgl. hier).

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Update von heute:

Alle neun betrachteten Staaten liegen bei den täglichen Todesziffern nunmehr weit unter ihrem jeweiligen Höchststand, allerdings mit erheblichen Unterschieden. Von den Gesamtzahlen liegt die Rate in diesem neun-Staaten-Vergleich in DE bei 100 pro Million der Bevölkerungszahl. Aufsteigend von hier aus sind es in CA mittlerweile 170/Million, in CH 224/Million, in den USA 295/Million, in SWE 399/Million, in FRA 421/Million, in Italien 546/Million, in UK 557/Million und in ESP  610 pro Million der Bevölkerung. Während sich in Deutschland wahrscheinlich keine Übersterblichkeit im Vergleich zu vergangenen Jahren ergibt, wird sich COVID-19 ab der dreifachen Todeszahl auch in der Jahresstatistik der Sterbefälle deutlich zeigen.

Der relative bisherige "Erfolg" in Deutschland beim Umgang mit dem Virus kann zu einem guten Teil auf glücklichem Zufall beruhen, aber sehr wahrscheinlich haben auch die Maßnahmen zur Kurvenverflachung gewirkt. Die Gegenargumente, die ich dazu bisher gelesen habe, sind wenig plausibel. Welche von diesen Distanz-Maßnahmen geeigneter waren und welche eher überflüssig oder übertrieben, wird man allerdings - wenn überhaupt - erst später genau ermitteln können. Dass diese Maßnahmen auch Kollateralschäden haben, v.a. wirtschaftliche, aber auch gesundheitliche, kann nicht bestritten werden. Dass diese "tödlicher" seien als das Virus selbst, erscheint mir aber derzeit wenig glaubhaft.

Eine von Epidemiologen/Virologen anfangs als sehr wichtig eingestufte Maßnahme, die Komplettschließung von Schulen und Kindergärten, gerät allerdings zunehmend in die Kritik. Die Infektion selbst ist für Kinder und Jugendliche wenig gefährlich und die Auswirkungen der befürchteten Verbreitung auf andere Familienmitglieder, insbesondere Großeltern, lässt sich möglicherweise mit anderen Maßnahmen verhindern. So jedenfalls die mittlerweile mehrfach publizierte Auffassung, wie - ebenfalls - Kevin Drum zusammenstellt. Leider wurde ausgerechnet in Schweden(!) die Chance versäumt, das Realexperiment (geöffnete Schulen) zu studieren. Wenn man dort geforscht hätte, wüssten wir jetzt alle mehr.

 

"Corona: Die psychische Pandemie

Weitgehend unbemerkt eine zweite, eine psychische Pandemie aus. Soziale Distanzierung, eingeschränkte Freizeitangebote, Existenzsorgen durch finanzielle Engpässe und nicht zuletzt die potenziell tödliche Infektion – diese Mischung bildet den Nährboden für ganz unterschiedliche psychische Probleme, allen voran Angststörungen und Depressionen. ..."

https://hpd.de/artikel/corona-psychische-pandemie-18079

Das wäre ein weiterer Beleg für die Gefährlichkeit dieser Infektion, allerdings haben Rationalisten eine gute Resilienz dagegen, sich von Irrationalisten, also Verharmlosern und Panikmachern und Verschwörikern, gleich ins Boxhorn jagen zu lassen.

Resilienz (Psychologie)

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Resilienz (von lateinisch resilire ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘) oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Mit Resilienz verwandt sind Entstehung von Gesundheit (Salutogenese), Widerstandsfähigkeit (Hardiness), Bewältigungsstrategie (Coping) und Selbsterhaltung (Autopoiesis).

In der Medizin bezeichnet Resilienz auch die Aufrechterhaltung bzw. rasche Wiederherstellung der psychischen Gesundheit während oder nach stressvollen Lebensumständen und als Ergebnis der Anpassung an Stressoren definiert.[1]

Das Gegenteil von Resilienz ist Verwundbarkeit (Vulnerabilität).

https://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz_(Psychologie)

oder da nachlesen:

 https://www.psychologie-heute.de/leben/38838-resilienz-laesst-sich-lernen.html

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Solide Kenntnisse aus Mathematik und Statistik jedoch erhöhen die Resilienz gegen Zahlentricks und unsinnige Taschenspielereien, oder ausufernde Zahlenansammlungen ohne sinnvolle, schon in sich nicht widersprüchliche  Verknüpfungen, oder nicht logische Schlußfolgerungen, wie sie dauernd noch aus Erlangen kommen.

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Journalismus in Coronazeiten und die Gegendemos (heise - klöckner)

Journalismus in Corona-Zeiten

"Kritik ist immer erlaubt und wichtig" Gespräch mit Medienethiker Prof. Christian Schicha (Inu Erlangen) über Journalismus in Corona-Zeiten

https://www.heise.de/tp/features/Kritik-ist-immer-erlaubt-und-wichtig-47...

STANDPUNKTE • Corona-Demos: Ein Blick auf die mentale Verfasstheit der Medien

Warum haben Medien ein Problem damit, wenn Bürger gegen die Corona-Maßnahmen demonstrieren? Warum qualifizieren Journalisten Demonstranten pauschal als Verschwörungstheoretiker, Spinner oder Nazis ab? Ein Blick auf die mentale Verfasstheit der Medien liefert die Gründe. Deutlich wird: Wenn Leitmedien über die Demonstrationen berichten, sticht missionarischer Eifer das journalistische Erkenntnisinteresse. ... Ein Standpunkt von Marcus Klöckner

 

Wenn Leitmedien über die Demonstrationen berichten, sticht missionarischer Eifer das journalistische Erkenntnisinteresse

Und erst, wenn sog. "alternative Medien" über die Corona-Infektionen "berichten", dann sind häufig Missionare am Werk, wie zum Beispiel Ken Jebsen.

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Das lässt einen Bürger mit soliden eigenen Kenntnissen in Mathematik und Statistik und auch noch in den anderen relevanten Wissenschaften dabei doch kalt, wie kalter Kaffee aus Erlangen, Herr Dr. Sponsel.

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Mit mir kann übrigens über jeden Unfug debattiert werden, der wird nur gnadenlos zerrissen mit seinen eigenen Widersprüchlichkeiten, denn das eine der Methoden in der Mathematik bei der Widerlegung von allen Thesen.

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Aha, auch zu dem Gottesdienst kommt langsam die ungeschminkte Wahrheit ans Licht, am Montag, 25.05.2020 - 14:57 von dpa gemeldet!

FRANKFURT/KASSEL/DARMSTADT - Nach Bekanntwerden von mehr als 100 Covid-19-Infektionen im Umfeld einer freien baptistischen Gemeinde in Frankfurt hatte die Gemeinde zunächst betont, alle Schutzregeln seien eingehalten worden. Der notwendige Abstand sei gewahrt, Desinfektionsmittel bereitgehalten worden. Ein am Montag auf der Webseite der Gemeinde veröffentlichtes Schreiben räumt allerdings Versäumnisse ein: "Im Nachhinein betrachtet wäre es für uns angebracht, beim Gottesdienst Mund-Nasen-Schutz-Bedeckungen zu tragen und auf den gemeinsamen Gesang zu verzichten", hieß es in der Stellungnahme.

Quelle:  https://www.echo-online.de/panorama/aus-aller-welt/neue-erkenntnisse-nach-corona-ausbruch-bei-gottesdienst_21718164

Aus dem Dunkelfeld der MUTMASSUNGEN ins Hellfeld der BESTÄTIGUNGEN!

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Infektionen nach Gottesdienst : Baptisten sangen gemeinsam ohne Mundschutz

 https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/corona-infektionen-baptisten-sangen-gemeinsam-ohne-mundschutz-16785337.html

oder:

Neuer Virus-Hotspot in Frankfurt

   Corona-Ausbruch in Baptisten-Gottesdienst: Offenbar kein Mundschutz beim Gottesdienst

    Aktualisiert am: 25.05.20 15:41

https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-zahlreiche-infektionen-nach-baptisten-gottesdienst-zr-13773287.html

Drei der sog. "Leitmedien" berichten das jetzt, was berichten dazu denn sog. "alternative Medien" an alternativen Fakten?

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Der Stand heute abend um 19:30 Uhr zu dem Infektionshotspot Gottesdienst in einer Frankfurter Baptistengemeinde:

112 bestätigte Infektionen, 49 davon in Frankfurt a. M., 63 davon in 3 umliegenden Landkreisen, der Gemeindevorstand liegt auf einer Intensivstation in einem kritischen Zustand. Das Singen in der Kirche ohne Mundschutz hat also nicht geschützt. War ja auch jedem Rationalisten klar.

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Der Bericht in der FAZ dazu weist auch noch auf den erkrankten Stellvertreter des Vereinsvorsitzenden hin.

https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/corona-infektionen-baptisten-sangen-gemeinsam-ohne-mundschutz-16785337.html

Das ist saubere Pressearbeit.

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Nun ja, Archivar 05-25    17:15 Uhr, heute am 25.5. hat mir die Berliner Senats-Gesundheitsverwaltung eine Frage beantwortet, nach deren Ergebnis die FAZ am 20.4.2020 eine corona-bezogene FALSCHfaktendarstellung abgedruckt hat. Sie entsprach aber tendenzwunschgemäßen "Besorgnissen". Sie machte "Angst". Das ist ja der ganze Sinn des Besorgnisindustriebuheis. Übrigens ging es um religiöse Treffen. Ich stelle gern anheim, im Rahmen des bullshit-bingos auch "alternative Medien" abzuwatschen. 

Na und, belegen Sie doch diese Darstellung der FAZ und die aus Berlin auf Ihrer Website  und beantworten Sie auch noch die Frage nach Ihren Kontakten zum Bochumer Gesundheitsamt mit Belegen.

Wo ist das Problem dabei?

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Nun, Archivar 05-25    17:40 , dann lassen wir doch aus dem Dunkelfeld des Gelöschten etwas wieder ins Hellfeld bringen:

Dr. Egon Peus kommentiert am Mo, 2020-05-25 19:30 PERMANENTER LINK

neu

Zu Archivar 05-25     17:40 - och , ich lasse die Besorgnistummler so auflaufen und bestimme es selbst, wann ich sie hochgehen lasse. 

Neueste Kommentare

Dr. Egon Peus kommentierte zu Corona-Zahlenvergleiche und kriminologische Dunkelfeldforschung982

Frage an Herrn Kolos zu seiner Berechnung von R

Sie hatten vor einiger Zeit R nach Angaben des RKI wie folgt berechnet:

"Die Schätzung wird auf folgender Grundlage vorgenommen (aus dem
Epidemiologischen Bulletin des RKI vom 15.04.2020):

"Bei einer konstanten Generationszeit von 4 Tagen, ergibt sich R als Quotient
der Anzahl von Neuerkrankungen in zwei aufeinander folgenden Zeitabschnitten
von jeweils 4 Tagen (Wenn die Generationszeit als Verteilung geschätzt wer­den kann, ergibt sich eine etwas kompliziertere Formel mit ähnlicher Grund­struktur)."

Daraus folgt die

Reproduktionszahl, angelehnt an Schätzung des RKI zum 1.5.:

28.4.   29.4.   30.4.   1.5.

1.144 + 1.304 + 1.478 + 1.639

/
24.4.   25.4.   26.4.   27.4.

2.337 + 2.055 + 1.737 + 1.018

5565 / 7147 = 0,78 (aufgerundet)

Schätzung zum 30.4.:

27.4.   28.4.   29.4.   30.4.

1.018 + 1.144 + 1.304 + 1.478

/
23.4    24.4.   25.4.   26.4.

2.352    + 2.337 + 2.055 + 1.737

4944 / 8481 = 0,58 (abgerundet) "

Haben Sie klären können, weshalb die von RKI inzwischen mitgeteilten R Werte

für den 30.04.20:  0.89

für den 01.05.20:  0.85

abweichen?

Quelle 24.05.20:

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Projekte_RKI/Nowcasting_Zahlen.xlsx?__blob=publicationFile

MfG R. Sponsel

Ohne dem Herrn Kolos im Detail vorzugreifen, das RKI wendet seit einiger Zeit das Nowcasting-Verfahren an, wegen des zeitlichen Versatzes von Infektionsbeginn und Meldungseingang beim RKI  und glättet auch noch tägliche Schwankungen, so wie das auch jeder Vernünftige auf einem Diagramm machen würde. Ein Diagramm und Hinweise dazu wurde auch bereits hier vor einiger Zeit gepostet.

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Geheimtipp: Die ANGEGEBENEN Zahlen von Herrn Kolos UND von Dr. Sponsel mal in der Tabelle vom 25.05.2020 des RKI ganz GENAU überprüfen!

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Die Spektralbreite "wissenschaftlicher" Untersuchungen, Statistik-Methoden und Kennziffer-Produktion wird sich gewiss  noch steigern lassen, wenn man analysiert je getrennt: Corona-Wirkung   bei Einarmigen (differenziert: links oder rechts), falls sie a) vor 30 Jahren b) vor 20 Jahren   c) vor 10 Jahren gehabt haben  aa) Ziegenpeter  bb) Keuchhusten  cc) Zahnschmerzen  dd) Fußpilz  ee) Sonnenbrand  ff) länger als 1 Stunde lang sogenannten "Politikern" zugehört haben  gg) und/oder nicht deswegen zritweilig in einer Irrenanstalt engesperrt waren hh) Vorlesungen von Prof. Müller gehört haben.

Wer einen Auftrag dazu erhält, der kann auch das ja gerne machen. Nur werden Sie kaum einen Auftraggeber finden, der das auch noch bezahlt, und das ist gut so.

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Ja, Archivar    05-25  23:06 Uhr, das sollte man meinen. Dennoch werden aber die Privatperönlichklimamarottenspökeskieker vom Potsdam-Institut für "Klimawande" zackig mit Steuermillionen geschmiert, wie mindestens eine Bundestagsdrucksache belegt. Und der momentan obwaltende gemerkelte Corona-Spökes ja auch. Mich hat gestern Abend Herr Ministerpräsident Ramelow sehr, positiv beeindruckt. Inhaltlich, klar und straff, und dazu noch mehrfach dem dazwischenquatschenden Fernsehfuzzi so richtig eins in die Fresse.

Danke, sehr geehrter Herr Kollege Würdinger, 05-26     08:55. Es entspricht meiner schulischen und akademischen Ausbildng, auf konkrete Fakten und konkrete Argumentationszusammenhänge zu achten  und sie zu würdigen - nicht auf die Person, die sie vertritt (wenngleich manche Personen zu Fakten eventuell größere Glaubwürdigkeit haben mögen). So hänge ich auch nicht dem Wahn an, Personen nach ihren hintergründlichen Zusammenhängen letztzubeurteilen. Ich habe in meinem Leben zu viele Formprofessorale Hirnwürstchen und promovierte Totalignoranten erlebt, um auch dem letztmaßgebliche Bedeutung beizumessen. 

Ein Debattenredner hat 25.5.  13:06 folgende WEisheit von sich gegeben: "Die Zahlen in der Stadt Bochum haben keinerlei Bedeutung für die Beurteilung der Corona-Entwicklung in Deutschland, weil sich COVID_19 clustermäßig ausgebreitet hat und nicht etwa gleichmäßig in allen Städten, Landkreisen oder Gemeinden."

Nun wenn eine Stadt von ca. 364.000 Einwohnern "keinerlei" Bedeutung für das virologische Geschehen in Deutschland haben soll, dann wohl auch  nicht ein Kreis Heinsberg mit laut wikipedia ca. 284.000 Einwohnern oder ein Landstädtchen wie Regensburg  mit ca. 150.000 Einwohnern. Nun kann man die - heutzutage eventuell auch intellektuelle - Irrelevanz etwa von Regensburg ja in Rede stellen. Irgendwie fragt sich aber, was die Apostelgläubigen des RKI da eigentlich "statistisch" methodisch betrachten wollen, wenn eine nach der anderen Satdt für irrelevant erklärt werden. Dabei hat doch ein update 11.5. Beiträger selbst differenzieren wollen: "Für Städte mit ihrem sehr beweglichen Bevölkerungen (man denke nur an den öffentl. Nahverkehr) ist daher das Maß 50 pro 100.000 möglicherweise zu hoch angesetzt, um durch Gegenmaßnahmen einen größeren Ausbruch noch zu verhindern." Ich kann als Bochumer und Ruhrgebietler dem Regensburger Ordinarius nur versichern: in der Tat, S-Bahn-Züge erinnern hier prallgefüllt (vorcoronisiert) durchaus Orient-Expressen.

Etwas misslich werden eher rechtsfern und tatsachenfern Klügeleien zu Fleischfabriken hervorgeholt: "Es ist nicht anzunehmen, dass dort Rumänen und Bulgaren beschäftigt sind. Es spricht mehr dafür, dass es nicht die "Reservearmee" ist, sondern die Arbeitsbedingungen, unter denen die Arbeiter tätig sind, die eine Infektion begünstigen. Man muss hier vorsichtig sein, nicht fremdenfeindlichen Klischees Vorschub zu leisten." Nun lassen wir einmal den Pressekodex beiseite, der faktenfeindich und damit wissenschaftsavers uneingeschränkte öffentliche wahrheitsgemäße Information nicht "fremden-", sondern wahrheitsfeindlich unterdrückt, beiseite. Von den USA weiß ich es so nicht, für Deutschland redet nach meinem Eindruck NIEMAND davon, dass irgendwelche "Arbeits"-Bedingungen Viralinfektionen begünstigten. NIEMAND! Es sollen die Wohnbedingungen sein. Da ist der Coronaspökes ein herrliches Einfallstor, damit Regierungsmachtwahnhaber sämtlichen Schutz des Art. 13 GG überspielen können. Als nächstes knöpft man sich die Vertragsfreiheit vor - Werkverträge sollen "verboten" werden. VERBOTEN; VERBOTEN; VERBOTEN. 

Ferner hat ein  Oberschlauer noch vorgetragen: "Dass diese Maßnahmen auch Kollateralschäden haben, v.a. wirtschaftliche, aber auch gesundheitliche, kann nicht bestritten werden. Dass diese "tödlicher" seien als das Virus selbst, erscheint mir aber derzeit wenig glaubhaft."

Nun, wenn man, wie auch krimnologisch methodengerecht, auch auf subjektive Interessenlagen schaut, so bemerkt man, dass Leute mit W3-Staatsgehalt sich sehr leicht darin tun können, wirtschaftliche Totalzerschlagung ganzer Wirtschaftsbereiche geringzuachten. Unter  Juristen ist aber das "Tödlichkeits"-Moment keineswegs das abwägungslos quasi einzige Moment. Aber selbst innerhalb dieses Gedankengebäudes ist zu bedenken, dass Deutschland 2017/2018 wohl 21.500 Grippetote geräuschlos und terrorisierungsfrei hingenommen hat.

Momentan ist Herr Minsterpräsident Ramelow zum Thema "mein Mann".   

Dr. Peus schrieb am Di, 2020-05-26 um 08:41 Uhr:

Ein Debattenredner hat 25.5.  13:06 folgende WEisheit von sich gegeben: "Die Zahlen in der Stadt Bochum haben keinerlei Bedeutung für die Beurteilung der Corona-Entwicklung in Deutschland, weil sich COVID_19 clustermäßig ausgebreitet hat und nicht etwa gleichmäßig in allen Städten, Landkreisen oder Gemeinden."

Nun wenn eine Stadt von ca. 364.000 Einwohnern "keinerlei" Bedeutung für das virologische Geschehen in Deutschland haben soll, dann wohl auch  nicht ein Kreis Heinsberg mit laut wikipedia ca. 284.000 Einwohnern oder ein Landstädtchen wie Regensburg  mit ca. 150.000 Einwohnern.

Die Stadt Heinsberg selber hat ca. 42.000 Einwohner, der Kreis Heinsberg ca. 255.000 Einwohner.Vom 9. März bis zum 31. März zu Beginn der Pandemie, nach 22 Tagen, gab es 37 Tote, das sind pro 100.000 dann 14,5 Tote. Zitat:

Am 9. März 2020 ereigneten sich die ersten beiden COVID-19-Todesfälle in Deutschland, darunter auch eine Person aus dem Kreis Heinsberg.[20]

Nachdem die Zahl der Neuinfektionen einen niedrigen Wert von unter 5 Infektionen pro 100.000 Einwohner und Woche erreicht hatte,[21] wurde am 16. Mai 2020 erneut eine hohe Anzahl von Neuinfektionen festgestellt. In diesem neuen Fall hatten sich von 400 getesteten Mitarbeitern des Logistikunternehmens DPD im Paketdepot Hückelhoven 82 mit dem Coronavirus infiziert.[22] 55 der positiv Getesteten leben im Kreis Heinsberg.[23]

[...]

Fallzahlen in Bezug zur Einwohnerzahl

Am 25. Mai 2020 beträgt im Kreis Heinsberg mit 1871 bestätigten Infektionen bei 254.322 Einwohnern die Inzidenz bislang 735,7 Infektionen pro 100.000 Einwohnern. Die 73 bis zu diesem Tag gemeldeten Todesfälle entsprechen 28,7 Todesfällen pro 100.000 Einwohnern.[24][Anm. 2]

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/COVID-19-Pandemie_im_Kreis_Heinsberg 

 Jetzt zeigen Sie uns doch mal die entsprechenden Zahlen der Stadt Bochum, Herr Dr. Peus.

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nun , Archivar 5-26, 15:27 Uhr:  laut Presse Bochum bis jetzt 19 Corona Tote, das sind zu ca 364.000 Einwohner folglich  5,21/100.000. Laut Stadt:  

Aktuelle Zahlen vom 25. Mai 2020


Bis jetzt wurden insgesamt 512 Bochumerinnen und Bochumer positiv auf das Corona-Virus getestet, davon sind bereits 440 genesen und 53 aktuell infiziert." 

Diese Zahlen sind doch schon wesentlich kleiner als die in Heinsberg bei sogar kürzeren Gesamttagen, die Anfangszahlen fehlen aber noch völlig, die Verteilungswirkungen auf andere Städte und Kreise ebenfalls, denn in Bochum wurden ja schon mehr Gegenmaßnahmen wirksam in NRW und im ganzen Bundesgebiet, als noch in Heinsberg!

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