Corona-Zahlenvergleiche und kriminologische Dunkelfeldforschung

von Prof. Dr. Henning Ernst Müller, veröffentlicht am 29.03.2020
Rechtsgebiete: Corona1991|63614 Aufrufe

Dieser Beitrag stammt vom 29. März 2020. Er wurde und wird regelmäßig aktualisiert durch Updates, die unten angehängt sind.

Seit Wochen starren wir alle auf die Infektionszahlen und die Zahl der Todesfälle, überlegen uns, wie Deutschland im Vergleich zu Italien, Frankreich, USA, Südkorea etc. dasteht, sprechen über Exponentialfunktion usw. Seit Wochen denke ich, dass diese Infektionszahlen eigentlich überhaupt nichts aussagen können, denn sie sind weitestgehend eine Funktion der Rate und der Selektion der Messung.

Die täglich angegeben Zahl der Infizierten ist in etwa so verlässlich wie die Zahl der Betäubungsmitteldelikte in der Kriminalstatistik: Wenn niemand die BtM-Delikte kontrolliert und aufzeichnet, dann GIBT es sie offiziell einfach nicht. Und wenn die Polizei damit beginnt, BtM-Straftaten zu verfolgen und Personen auf Btm zu kontrollieren, dann sind die Fall- und die  Tatverdächtigenzahlen in der polizeilichen Kriminalstistik komplett davon abhängig, wie viele Polizeibeamte wo und wen kontrollieren, wiederum auch abhängig davon, wie die Polizeibeamten ausgerüstet werden und wie motiviert sie bei den Kontrollen sind.

Übertragen auf COVID19: Die Anzahl (wie viele werden überhaupt getestet?) und die Verteilung (wer wird getestet?) der Tests ist derzeit  national, regional, gesundheitspolitisch und faktisch so unterschiedlich und Maßstäbe wie Selektionskriterien ändern sich im Zeitverlauf so stark, dass die Zahl der positiv Getesteten für die derzeitigen Ländervergleiche objektiv praktisch wertlos ist.

Wenn die Zahlen ansteigen, KANN es theoretisch daran liegen, dass die Infektionen tatsächlich häufiger sind, aber es kann genauso daran liegen, dass man mehr Personen getestet hat oder die Selektionskriterien verändert hat, dass man stärker als vorher in einer betroffenen Region testet oder stärker eine andere Altersgruppe oder dass es leichter geworden ist für Personen, die sich krank fühlen, beim Hausarzt getestet zu werden. Anders als das RKI jetzt angekündigt hat, ändert sich an den Verzerrungen auch nichts dadurch, dass man einfach die Anzahl der Tests erhöht: Neue Kriterien machen Vergleiche zur vorherigen Situation noch schwieriger, wenn nicht unmöglich, und sie können die Realitätsabbildung sogar noch stärker verzerren.

Wir starren also auf Kurven, deren Datengrundlage anhand der Messkriterien einfach viel zu unterschiedlich ist und sich noch dazu auch innerhalb eines Staates nahezu täglich ändert, zB hinsichtlich der Verfügbarkeit und Distribution von Tests und Laboratorien. Noch dazu hinken die Ergebnisse einige Tage der Testung hinterher - in den einzelnen Ländern und Regionen unterschiedlich lange verzögert.

Diese täglichen Vergleiche sind deshalb m.E. komplett sinnlos.

Sinnvolle Vergleiche wären möglich, wenn in jedem Land bzw. in jeder betr. Region eine repräsentative Stichprobe von allen Einwohnern  gezogen und getestet würde (ich schätze 1000 Personen würden in einer Region ausreichen, deren Betroffenheitsgrad vorher bestimmt wurde, für die ganze Bundesrepublik müsste ein weit größere Stichprobe gezogen werden, siehe Diskussion unten), und zwar in regelmäßigen ca. 48-stündigen Abständen: Denn allein daraus, aus einer repräsentativen Stichprobe, die Region, Geschlecht, Alter der Gesamtbevölkerung abbildet, könnten Schlüsse darauf gezogen werden, wie hoch die Infektionsrate tatsächlich ist, wie stark sie steigt und wie viele Infizierte voraussichtlich schwer erkranken, also hospitalisiert oder beatmet werden müssen oder sterben. Schließlich lässt sich nur so ermitteln, ob diese Kurve der Neu-Infizierten aufgrund der getroffenen Maßnahmen abflacht. Denn auch dies lässt sich mit den derzeitigen Messungen gar nicht ermitteln: Solange nicht jeder getestet wird/werden kann oder zumindest eine repräsentative Stichprobe von allen, werden selbst bei Absinken der tatsächlichen Neuinfektionsrate die gemessenen Infektionszahlen noch ansteigen, denn man schöpft dann nur das (bisher nicht getestete) Dunkelfeld aus.

Warum die WHO eine solche repräsentative Stichprobe nicht anregt oder verlangt (nicht einmal von den großen Industriestaaten), ist ein Rätsel. Denn nur so ließe sich der Status und die Entwicklung der Pandemie einigermaßen zuverlässig ermitteln.

Solange es solche repräsentativen Studien nicht gibt, könnte ein anderer Vergleich der zugänglichen Daten nützlich sein, so wie es auch in der Kriminologie etwa bei internationalen Vergleichen erfolgt. So wird für den Vergleich der Gewaltprävalenz die Tötungsrate international verglichen, also die vorsätzlichen Tötungen im Verhältnis zur  Bevölkerung, also (relativ besser) messbare „hard facts“, die nicht praktisch zu 80 bis 90 % von der Selektion bei der Messung abhängen.

Ein einigermaßen hartes Faktum ist die SterbeRATE in der Bevölkerung. Wir können in den westlichen Gesundheitssystemen jedenfalls davon ausgehen, dass die Todesfälle durch COVID19 zwar nicht perfekt, aber wesentlich besser und objektiver erfasst werden als die tatsächlichen Infektionszahlen. Noch besser wäre es, die Zahl der schwer Erkrankten zu vergleichen, denn die Sterbefälle hängen wegen der unterschiedlichen Gesundheitssysteme ja auch davon ab, wie gut oder schlecht die medizinische Versorgung in einer Gesellschaft mit der Pandemie umgehen kann (Stichwort: Intensivbetten, Beatmungsgeräte).

Im Netz habe ich nur eine Stelle gefunden, die die Todesraten für westliche Industriestaaten regelmäßig auswertet und in Beziehung setzt. Kevin Drum ist ein Blogger aus Kalifornien, der neun Staaten miteinander vergleicht Ein keineswegs perfekter Vergleich, dessen Aussagekraft aber m.E. etwas besser einzuschätzen ist.

Zu beachten sind folgende Setzungen:

1. Die Todeszahlen werden jeweils auf die Gesamtbevölkerungszahl bezogen (und nicht, wie üblich, auf die Zahl der gemessenen Infizierungen).

2. Es wird der Vergleichs-Nullpunkt jeweils bei 1 Todesfall pro 10 Millionen der Bevölkerung gesetzt (und nicht wie üblich, ab dem Zeitpunkt einer aufgrund relativ willkürlicher Testraten angenommenen Anzahl der Infektionen.

3. Die "Italienkurve" wird zum Vergleich herangezogen, weil dort relativ früh ein Sterbefall pro 10 Million Bevölkerung aufgetreten ist und alle anderen westlichen Staaten einige Tage oder Wochen hinterherlaufen.

Was sind nun die Erkenntnisse aus diesem Vergleich (27.03.2019)?

a) anders als alle anderen feststellen: Deutschland steht (bisher) nicht wesentlich besser da als Italien. DE ist vielmehr mit ITA auf derselben Linie wie Frankreich, Schweden und UK. Erst die kommenden Wochen werden zeigen, ob DE tatsächlich die Krise so viel besser bewältigt als ITA.

b) Die Schweiz steht überraschend gut da, Spanien viel schlechter als ITA.

c) USA und Canada stehen in dieser Statistik derzeit– noch – gut da, sogar besser als Deutschland.

Einwände, wie etwa das  Dunkelfeld der ungetestet/unbehandelt am Virus Verstorbenen sind allerdings auch hier in Rechnung zu stellen. Erst nach der Krise wird man an der Steigerung der Sterblichkeit im Jahr 2020 weitere Einschätzungen treffen können, auch was die mittelbaren Sterbefälle (durch allg. Überlastung des jew. Gesundheitssystems) angeht.

Update (31.03.):

Ich habe als Bild oben die neuere Grafik von Kevin Drum eingefügt (Stand ist jetzt 30.03.):

a) auch in Deutschland steigen die Sterberaten zwar, aber sie bleiben jetzt etwas niedriger als in Italien im verglichenen Zeitpunkt. Frankreich und UK sind in etwa auf demselben Pfad wie ITA

b) Die Schweiz bleibt bei den Sterbezahlen unter der Vergleichskurve Italiens - dies könnte in etwa der Pfad sein, der sich auch in DE zeigen wird (CH ist in diesem Vergleich neun Tage voraus).

c) In USA steigen die Sterbezahlen an, liegen aber noch deutlich unter der Italienkurve.

Was allerdings diese Kurvenvergleiche nicht abbilden (können), ist, wie sich das Virus innerhalb der einzelnen Staaten verbreitet. Besonders gefährlich ist es dort, wo viele Risikogruppenangehörige  infiziert werden - dort steigen auch die Sterberaten erheblich. Sind dies begrenzte Regionen innerhalb eines Staatsgebildes, dann zeigt sich dies kaum in der Sterblichkeitsrate für den Gesamtstaat. Dies zeigt sich etwa in den USA, aber auch in China (das in dieser Grafik nicht enthalten ist). Man müsste für diesen Vergleich dann kleinere Einheiten verwenden, also etwa den Staat New York oder die Provinz Hubei.

 

Es wird nun unter Leitung des Virologen Streeck zumindest in dem ersten deutschen Infektionscluster Heinsberg eine repräsentative Panel-Studie mit 1000 Personen durchgeführt, Es werden damit nicht nur die (bisher) getesteten und positiven Fälle bei Infektionsverdacht erfasst, sondern eine repräsentative Stichprobe aus dem gesamten Landkreis. Dies geht deutlich in die Richtung, die ich oben angedeutet habe, auch wenn sie natürlich keinen Vergleich zwischen verschiedenen Bundesländern und schon gar nicht Staaten ermöglicht. Wünschenswert wäre zumindest eine weitere repräsentative Pilotstudie in einem bisher unauffälligen Landkreis und ähnliche Panel-Studien in zwei Städten. Aber man kann nicht alles haben. Die Kritik daran, dass man nicht schon vorher repräsentative Studien durchgeführt hat, teile ich.

Update (3. 4. 2020):

Es ist nun mind. eine weitere Studie geplant, die das Dunkelfeld aufhellen soll, berichtet der Spiegel heute.

Update (6.4.2020):

Ich habe die Grafik von Kevin Drum aktualisiert.
Fortschreibung der vorher genannten Entwicklungen:
a) die Sterberaten in DE bleiben deutlich unter denen von Italien, sie sind auch besser als die Entwicklung in der Schweiz

b) Frankreich und UK liegen nun etwas über der Kurve von Italien, Schweden etwa gleichauf

c) Die USA bleiben bislang unter der Kurve von Italien, scheinen aber "aufzuholen"

d) Spanien zeigt die schlimmste Entwicklung der neun verglichenen Staaten, Canada die beste.

Update (7.4.2020)

Auszug aus einem Thesenpapier von Schrappe u.a. vom 5. April (Aerztezeitung dazu):

These 1.1. Die Zahl der gemeldeten Infektionen hat nur eine geringe Aussagekraft, da
kein populationsbezogener Ansatz gewählt wurde, die Messung auf einen
zurückliegenden Zeitpunkt verweist und eine hohe Rate nicht getesteter (v.a.
asymptomatischer) Infizierter anzunehmen ist.
1. Die Zahl der täglich beim RKI gemeldeten Fälle wird in hohem Maße durch die
Testverfügbarkeit und Anwendungshäufigkeit beeinflusst.
2. Unter Berücksichtigung dieser anlassbezogenen Teststrategie ist es nicht
sinnvoll, von einer sog. Verdopplungszeit zu sprechen und von dieser Maßzahl
politische Entscheidungen abhängig zu machen.
3. Die Darstellung in exponentiell ansteigenden Kurven der kumulativen Häufigkeit
führt zu einer überzeichneten Wahrnehmung, sie sollte um die Gesamtzahl der
asymptomatischen Träger und Genesenen korrigiert werden.
4. Die Zahl der gemeldeten Fälle an Tag X stellt keine Aussage über die Situation
an diesem Tag dar, sondern bezieht sich auf einen Zeitpunkt in der Vergangenheit.
5. Ungefähr zwei Drittel der Infizierten werden zu diesem Zeitpunkt nicht erfasst.
6. Überlegungen zu populationsbezogenen Stichproben (Nationale Kohorte)
müssen intensiviert werden.

Die These entspricht weitestgehend meiner Kritik oben.

Update (9.4.2020)

Grafik von Kevin Drum aktualisiert.

Aus der Berichterstattung über erste Ergebnisse aus der oben erwähnten Heinsberg-Studie:

Das sind die ersten, aber schon repräsentativen Zwischenergebnisse:

  • Bei 15 Prozent der untersuchten Bewohner Gangelts konnte eine Infektion nachgewiesen werden.
  • Die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu sterben, liegt in Gangelt bei 0,37 Prozent.
  • Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Letalität aktuell laut der Johns-Hopkins-Universität bei 1,98 Prozent - also fünf Mal höher.

An der Pilotstudie, bei der es darum ging mehr über die Dunkelziffer des Virus und Übertragungswege herauszufinden, nahmen Streeck zufolge mehr als 1000 Bewohner teil. Die Untersuchung basierte auf Fragebögen, Rachenabstrichen und Blutentnahmen (zum Test von Antikörpern, die auf eine Immunität hinweisen).

Update (11.4.2020)

Inzwischen wird die Heinsberg-Studie stark kritisiert, zum einen wegen der frühen Veröffentlichung mittels einer Art Medienkampagne, zum anderen wegen (angeblicher) methodischer Fehler zum dritten, weil sie nichts wesentliches aussage über Deutschland insgesamt.

Ich habe im Moment eine ganz andere Kritik, die daran anknüpft, was die Studie als Zwischenergebnis aussagt: Unabhängig davon, ob diese oben geäußerten Kritikpunkte zutreffen, denke ich, dass dieses Zwischenergebnis nicht stützt, zu welcher politischen Aussage es jetzt verwendet wird oder werden soll: Es sind aus diesen Zahlen m.E. keine Argumente für oder gegen "Lockerungen" zu entnehmen. Es lassen sich insbesondere zwei Nachrichten/Botschaften entnehmen, die sich in der Richtung widersprechen.

1. Die - eingeschränkt - gute Nachricht:  Das Virus wäre (wenn die Ergebnisse bestätigt werden können) weniger tödlich als bislang von vielen angenommen. Ob das auch auf die Gefährlichkeit zutrifft, dazu müsste auch noch die Hospitalisierungsrate genannt werden, denn wenn die Erkrankten nur aufgrund besonders guter Kliniken gerettet werden können, dann sagt uns diese Sterberate noch nicht viel über die weltweite Gefährlichkeit im Sinne von schwerer Erkrankung.

2. Die schlechte Nachricht: Selbst in Heinsberg sind erst 15 % der Menschen infiziert. Das bedeutet hochgerechnet, dass in Deutschland wohl weit weniger infiziert sind (1 %?) und das bedeutet wiederum, dass wir noch sehr weit entfernt snd von einer Herdenimmunität, da noch 99 % der Menschen infiziert werden können, wenn wir nicht auf Distanz gehen.

Also: Vorsicht ist geboten, sowohl bei  der Interpretation der Daten als auch bei politischen Konsequenzen.

Update (13.04):

Ich habe die Diagramme von Kevin Drum nochmal neu eingefügt. Es zeigt sich bei den Sterberaten in DE (bezogen auf die Bevölkerung!) ein hoffnungsvoller "Knick" seitwärts.

Einiges, was ich oben im Beitrag geschrieben habe, sieht auch Prof. Vogt, ein Schweizer Virologe, ähnlich, in einem sehr lesenswerten Beitrag, der insbes. auf die Schweizer, aber auch auf die europäische Reaktion und Situation insgesamt eingeht und die politischen Versäumnisse klar herausstellt, hier:  Quelle: Mittelländische

Update (17.04.):

Habe die Diagramme von Kevin Drum aktualisiert. Die Todesraten und ihr Wachstum unterscheiden sich nun stark. Deutschland und Kanada liegen recht gut - ein  Abflachen der Kurve in Deutschland ist zu erkennen, Schweden und USA sind aber offenbar noch nicht am "Peak" der Sterbezahlen angekommen, auch Frankreich macht keinen sehr hoffnungsvollen Eindruck.

Beachten Sie (neben der Kurvenentwicklung) auch die Sterbefälle pro Million der Bevölkerung.

Mein Monitum, dass Dunkelfeldstudien erforderlich seien, wird inzwischen von fast allen geteilt, auch - reichlich spät, finde ich - vom RKI: Pressemitteilung vom 9. April 2020.

Auch Kollegen von meiner Universität haben sich  in dem Sinne geäußert, wie ich es oben angedeutet habe (Auszug aus der Pressemitteilung, die Hervorhebung stammt von mir):

Peterhammers Studie legt die Vermutung nahe, dass um den 20. März 2020 herum die tatsächlichen Infektionen in Deutschland über die Kapazitäten für positive Tests hinausgewachsen sind. Ab diesem Zeitpunkt ist in der Verlaufskurve der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 eine deutliche Verlangsamung festzustellen. Der Grund für diese Stagnation liege jedoch nicht darin, dass die politischen Maßnahmen gegriffen hätten - ein positiver Effekt durch die Schließung von Kitas, Schulen und Geschäften sowie durch das Social Distancing hätte sich erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt in den gemeldeten Zahlen niederschlagen können, erläutert Peterhammer. Vielmehr sei es ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich gewesen, die tatsächlichen Neuinfektionen mithilfe der Testmethoden zu erfassen. Laut Studie spiegelten die gemeldeten Infektionen derzeit vermutlich nicht länger die tatsächlichen Fälle wider, sondern lediglich die Nachweiskapazitäten.

Felix Peterhammer spricht sich dafür aus, für die Überprüfung der Maßnahmen groß angelegte Zufallstests in der Bevölkerung durchzuführen - ähnlich wie bei Wahlumfragen könnte das Ergebnis anschließend auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet werden. Verdachtsabhängig sollte nur noch dort getestet werden, wo es medizinisch notwendig und sinnvoll ist, zum Beispiel bei schwer Erkrankten oder bei Klinikpersonal.

Update 20.04.2020:

Kevin Drum hat in seinem Blog die Darstellungsweise verändert. Er will nun zeigen, welche Länder anhand der Todesfallzahlen schon am Höhepunkt (peak) der Kurve angekommen sind bzw. diesen überschritten haben. In seinen Grafiken (unteres Bild) wird ein 6-Tages-"rolling average" verwendet, d.h. es wird jeweils der Durchschnitt der letzten 6 Tage angezeigt, um die Ausschläge täglicher Abweichungen etwas auszugleichen. Zu beachten ist, dass die Grafiken in den Zeilen verschiedene Skalen benutzen.

Um die frühere Aussage weiter zu ermöglichen, habe ich die gemeldeten Todesopferzahlen derselben neun Staaten mit der App "shinyapp" in einem Diagramm vereint (oberes Bild). Hier zeigt sich nun deutlich, wie stark die Staaten sich unterscheiden: Spanien leider außer Konkurrenz hoch, Italien, Frankreich und UK in etwa auf demselben Pfad, die USA, Schweiz und Schweden etwa gleichauf, Deutschland und Canada ebenfalls ungefähr gleichauf mit den niedrigsten Werten.

Bei shinyapp können Sie selbst weitere Grafiken erstellen und beliebige Staaten vergleichen.

 

Update 23.04.2020:

1. In einem Artikel auf der Seite von üben Sozialwissenschaftler unter dem Titel:

"Lockdown im Blindflug Was bei den Corona-Studien derzeit alles falsch läuft"

ebenfalls methodische Kritik an der bisherigen Datenbasis zur Coronakrise und es werden repräsentative Studien gefordert, Zitat:

Die Sozialwissenschaftler Menno Smid von Infas und Prof. Rainer Schnell von der Universität Duisburg-Essen beobachten immer noch eine Fixierung auf die Zahl der Infizierten. Diese sind nicht nur irreführend, weil in jedem Land zu anderen Zeitpunkten der Erkrankung und nach anderen Maßstäben getestet wird. Der Unterschied auf den Anteil der Verstorbenen im Verhältnis zu den Infizierten, erklärt sich daraus. Es handelt sich laut Schnell auch um eine „selbstrekrutierte Stichprobe“ – getestet wird nur wer Symptome zeigt –, die wenig aussagekräftig ist.

Auch die bisherigen repräsentativen Studien wiesen erhebliche methodische Mängel auf. Die geplante Studie in München sei zwar grundsätzlich geeignet, jedoch wird an der Erhebung unter Polizeibegleitung Kritik geübt:

Diese Vorgehensweise sei wohl gewählt worden, um die Unbedenklichkeit und Seriosität zu verstärken. Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive entstehe so jedoch ein verfälschender Interviewereffekt, so Schnell. Schließlich ist die Teilnahme freiwillig und mancher Bürger könnte sich von dem Polizeischutz abgeschrecken lassen. Dann ist es aber wiederum nicht mehr zufällig, wer mitmacht.

2. Auf der Seite "coronasoziologie.net"  findet sich ein Artikel der beiden vorgenannten Soziologen, in denen die methodischen Problem noch einmal näher erläutert werden.

3. Ich selbst habe meine Überlegungen noch einmal in einem Interview mit der Pressestelle der Uni Regensburg zusammengefasst. Das Interview ist auf der Homepage der Uni verfügbar.

 

Update 24.04.2020:

1. Ich habe die Grafiken/Diagramme oben aktualisiert, auch wenn es zunehmend Kritik auch an der Zuverlässigkeit der täglichen Sterbezahlmeldungen gibt (siehe dazu 2.).

Die Entwicklung der Daten anhand der vorhandenen Sterbezahlen zeigt die Fortführung der bisherigen "Kurven" bei den neun beobachteten Staaten, mit einer Ausnahme: In Schweden zeigt sich ein stärkerer Zuwachs als in USA und Schweiz. Schweden erhält ja ganz besondere Beachtung, weil dort deutlich weniger  Distanzmaßnahmen behördlich angeordnet wurden als in den anderen europäischen Ländern. 

2. Nach meinem Interview, das auf der Homepage der Universität Regensburg veröffentlicht wurde, erreichte mich die Post eines örtlichen Kollegen aus den Humanwissenschaften, der wesentlich detaillierter ganz ähnliche Kritik an den offiziellen Infektionszahlen formuliert hat. In seinem Aufsatz "The Scenario of a Pandemic Spread of the Coronavirus SARS CoV 2 is Based on a Statistical Fallacy" hat Christof Kuhbandner  (hier die Pre-Print-Publikation, hier ein deutschsprachiger Beitrag auf scilogs, der sich auf die deutsche Situation bezieht) sich intensiv mit den Daten auseinandergesetzt und ebenso wie ich konstatiert er, dass die Infektionszahlen im Wesentlichen das Testgeschehen und nicht das Infektionsgeschehen wiedergeben.

Zitat:

since the number of conducted coronavirus tests has rapidly increased over time as well, the apparent increase in infections may actually reflect increased testing, rather than a rapid spread of the coronavirus. To examine this issue, data from Austria, Belgium, France, Germany, Italy, and USA were analyzed. In all countries, the rapid increase in reported new infections was largely attributable to the rapid increase in conducted tests. Statistically controlling for the increased amount of testing revealed that the increases in reported infections dramatically overestimate the true increases in every country.

Seine dazu angestellten Überlegungen sind plausibel und entsprechen meiner Vermutung: Die Steigerung der Infektionszahlen ist mehr oder weniger einer zunehmenden Ausschöpfung des Dunkelfelds geschuldet. Da wir die Größe des jeweiligen  Dunkelfelds aber nicht kennen und die Selektionskriterien (für die Durchführung von Tests) sich zeitlich, regional und  international unterscheiden, halte ich eine korrigierte Berechnung der "wahren Infektionszahl" auf Grundlage der positiv Getesteten für weniger überzeugend.

Aber nicht nur das erörtert er in dem Aufsatz. Kuhbandner formuliert auch Kritik an der Todesfallzahlstatistik, denn auch diese sei von der Erhöhung der Testzahl betroffen. Wenn die meisten Erkrankten etwa erst kurz vor dem Tod positiv getestet wurden, werde die tatsächliche Todesursache möglicherweise verdeckt, da das Coronavirus noch gar nicht hätte so lebensgefährlich wirken können. Argument für diese Schlussfolgerung sieht er darin, dass die Todesfallzahlen in den Statistiken gleichzeitig mit den Infektionszahlen ansteigen, obwohl biologisch eine Zeitverzögerung zu erwarten sei. 

Diese Kritik an der zuverlässigen Todesfallstatistik lässt mich natürlich aufhorchen: Wenn sie zuträfe, wäre meine Annahme unzutreffend, dass das "harte Faktum" des Todesfalls die Ausbreitung der Epidemie tendenziell besser reflektiert als die Infektionszahlen. Und noch eine andere Kritik hat mir der Kollege zukommen lassen (scilogs): Die vom RKI täglich gemeldeten Todesfälle stammten ohnehin aus den letzten 14 Tagen, die Mehrheit der gemeldeten Todesfälle sei schon vor mehr als einer Woche eingetreten. Nach seiner Berechnung sei daher der "Peak" der Sterbefälle schon so früh zu verorten (Anfang April), dass die Mitte März ergriffenen Distanzmaßnahmen und Schulschließungen diesen Rückgang gar nicht erklären könnten.

Hierzu habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet, auch wenn ich den Einwand der (möglicherweise auch international stark abweichenden) Meldeverzögerung ad hoc nicht zurückweisen kann.

Update 28.04.:

Die beiden Grafiken habe ich aktualisiert. Inzwischen ist zu erkennen, dass sich Schweden deutlich von den beiden Staaten USA und Schweiz, mit denen es bislang in etwa auf gleicher Höhe lag, nach oben absetzt. In allen Staaten (außer Canada) zeigt sich inzwischen ein Rückgang der Todesfälle bzw. eine Plateaubildung (Schweden). Canada hat Deutschland inzwischen eingeholt bzw. überholt. Von den neun verglichenen Staaten hat Deutschland die Krise (bezgl. der Todesraten) bislang am besten bewältigt. Ob es an den Maßnahmen liegt oder schlicht am bisherigen Glück, lässt sich kaum ermessen. Die meisten anderen Staaten haben ja ähnliche oder sogar schärfere Maßnahmen ergriffen.

In einem Artikel in der Taz wird angesichts der Übersterblichkeitsstatistiken in einigen europäischen Staaten vermutet, dass das Virus schon viel mehr Todesfälle verursacht hat als bislang bekannt. Ich habe die zugrundeliegenden Statistiken aus der New York Times oben eingefügt.

Hinsichtlich der tatsächlichen Infektionszahlen und damit auch der tatsächlichen Sterblichkeit des Virus (IFR) wissen wir bislang mangels repräsentativer Studien immer noch nicht viel.

Update 30.04.:

Die Grafiken habe ich erneut aktualisiert. Nun ist auch Schweden (endlich!) "über den Berg", was die täglichen Todeszahlen angeht. Es bleibt aber dabei, dass der von manchen als so erfolgreich angesehene "schwedische Weg" (ob durch Pech oder durch unkluges Verhalten oder durch eine Kombination aus beidem) bislang deutlich mehr Opfer gekostet hat als in den Nachbarländern und auch als in Deutschland. Canada hat nun (auf Bevölkerung berechnet) ebenfalls recht eindeutig Deutschland überholt. Falls es nicht zu einer "zweiten Welle" kommt, ist Deutschland dann (durch Glück oder durch kluges Verhalten oder durch eine Kombination aus beidem) in diesem Neun-Nationen-Vergleich am besten davon gekommen. Natürlich gibt es jetzt Viele, die meinen, sie hätten schon immer gewusst, dass ein Lockdown gar nicht nötig sei, weil das Virus ja gar nicht soo gefährlich gewesen sei. Ja, hinterher kann man das immer behaupten. Auch das ist aus der Kriminologie bekannt: Erfolgreiche Prävention lässt sich schwer nachweisen und wird auch selten gelobt.

Hier ein aktuelles Interview, das ich der Bayerischen Staatszeitung gegeben habe: Interview vom 28.04..

Update 6.5.2020:

Ich habe das mit shinyapps erstellte Diagramm sowie das von Kevin Drum aktualisiert. Es ist nun erkennbar, dass die (tägl.) Todeszahlen in Spanien, Frankreich, Italien, UK, Schweiz,  Deutschland und (eingeschränkt) Schweden mittlerweile deutlich rückläufig sind. In  Canada und USA zeigt sich zwar auch eine gewisse "Plateaubildung", aber noch kein so deutlicher Rückgang (Diagramme von Kevin Drum). In den kumulierten Todeszahlen (pro Bevölkerungseinheit) bis heute steht Deutschland unter den neun verglichenen Staaten am besten da, auch Canada hat inzwischen deutlich mehr Tote (auf Bevölkerungsgröße berechnet) zu beklagen (shinyapps-Diagramm)

Da jetzt in allen Staaten gewisse "Lockerungen" der vorher unterschiedlich massiven Einschränkungen vorgesehen sind, wird sich wohl über kurz oder lang der bislang eigenwillige "schwedische Weg" überall durchsetzen. Ob und wie sich das auf die Sterberaten auswirkt, muss dann beobachtet werden. Wegen der immer noch deutlich unterschiedlichen Testkriterien (wer, wann und wo wird getestet) halte ich die Todesraten immer noch für einen besseren Vergleichsmaßstab. Aber auch hier ist weiterhin wegen der unterschiedlichen Zuordnung eines Todesfalls zur Ursache "COVID-19" Vorsicht geboten. Auch wenn inzwischen zeitlich etwas überholt, lasse ich auch die Statistiken zur Übersterblichkeit aus der New York Times noch stehen.

Meine Interpretation, dass es nach wie vor - trotz vorhandener Testkapazitäten für repräsentative Stichprobentests - selektive (und nicht unbedingt überall gleich ausgeführte) Testkriterien sind, die zu einem Test führen, die das wirkliche Infektionsgeschehen nicht wiedergibt, wird vom RKI aktuell bestätigt (Quelle: Tagesschau):

Das Robert Koch-Institut teilte vergangene Woche auf Anfrage mit, nicht unmittelbar in die Testungen involviert zu sein. Es lege lediglich die Kriterien fest, bei denen Ärzte einen Corona-Test vornehmen sollen. Bisher war die Linie, dass nur Personen getestet werden sollen, die grippeähnliche Symptome haben und gleichzeitig Kontakt zu einem Infizierten hatten. Von dieser Linie ist das RKI inzwischen abgewichen. Jetzt sollen auch Patienten "bei kleinsten Symptomen" getestet werden, wie Wieler auf einer Pressekonferenz mitteilte.

Gleichzeitig hält das RKI aber an einem "strategischen Testen" fest, da ein wahlloses Testen wenig bringe. Zu einem strategischen Testen gehöre es aber auch, gezielt in Alten- und Pflegeheimen und in Krankenhäusern zu testen, so Wieler.

Anmerkung: Was viele empirisch forschende Wissenschaftler fordern, ist natürlich kein "wahlloses" Testen, sondern Studien an Stichproben, die insgesamt ein repräsentatives Bild des Infektionsgeschehens in Deutschland ergeben, also nicht nur Gangelt oder München abbilden. 

Hier noch ein Zitat des Bloggers Kevin Drum, der auf einen Vergleich der Infektionszahlen der US-Bundesstaaten diese Antwort findet:

 I continue to think this is probably highly misleading since different states have vastly different testing regimes. If, say, New York is testing 1 percent of its population and Florida is testing 0.1 percent, then New York will overwhelm the total regardless of who’s going up and who’s going down. Likewise, as testing becomes more widespread, looking at cases over time becomes unreliable even within a single state. The case rate can look like it’s skyrocketing just because we’re testing far more people.

Update 8.5.2020

Ich habe die Diagramme aktualisiert (Datenstand 6.5./7.5.).

Zu erkennen ist nun, dass die Todeszahlen in UK trotz Verlangsamung des Zuwachses über die von Italien hinaus gehen, und die Zuwächse in Schweden, Kanada und USA nur zögerlich bzw. nicht stabil nach unten gehen. Deutschland steht weiterhin unter den neun verglichenen Staaten ziemlich gut da, die täglichen Todesfälle durch corona sind auf ein recht niedriges Niveau gesunken, tödliche Infektionen sind also in Deutschland vergleichsweise selten geworden. Man kann das m.E. durchaus den Maßnahmen zuschreiben, wobei unklar ist, welche Maßnahmen genau den Effekt ausgelöst haben, welche Bedeutung der Zeitpunkt der Maßnahmen hat und wie hoch daneben der Anteil von "Glück" bzw. "Pech" ist, also welche Rolle auch der Zufall spielt (etwa ob wegen ihrer Alters- und Gesundheitsstruktur besonders vulnerable Gegenden oder Institutionen betroffen sind oder nicht).

Erfreulicherweise ist jetzt von örtlichen Kolleg-inn-en eine weitere repräsentative Studie geplant, die im Landkreis Tirschenreuth stattfinden wird. In Bayern würden dann immerhin zwei solche Studien durchgeführt werden, neben der Metropolenstudie in München auch eine in der dünner besiedelten Oberpfalz.

Update 09.05.2020

1. Gingen die Infektionszahlen schon zurück, bevor die Maßnahmen greifen konnten?

Schon oben (Update vom 24.04.) habe ich auch die Thesen meines Regensburger Kollegen Kuhbandner diskutiert. Ich stimme ihm zu (bzw. er mir), dass die Infektionszahlen selbst nicht zur Einschätzung der wahren Lage taugen: Je mehr man testet, desto mehr findet man, soweit unser übereinstimmednes Fazit. Er hat dazu in seinem Artikel auf Telepolis (25.04.) ein anderes Beispiel gebracht, das aber auch sehr anschaulich ist: Bei einer bestimmten Anzahl  im Garten versteckter Ostereier, werden umso mehr gefunden, je mehr Zeit man den Suchenden einräumt. Es wäre unsinnig, aus der gefundenen Anzahl auf die tatsächliche Anzahl der versteckten Eier zu schließen. Wenn man jeden Tag mehr Zeit einräumt und mehr Eier findet, folgt daraus nicht, dass jeden Tag mehr Eier versteckt gewesen seien.

Kuhbandner versucht dann in einem weiteren Schritt aus der Testanzahl auf die wahre Steigerung der Infektionszahlen (im Dunkelfeld) zu schließen, und kommt zum Ergebnis, die tatsächlichen Infektionszahlen seien schon rückläufig gewesen, bevor die Maßnahmen überhaupt greifen konnten. Und da folge ich ihm nicht mehr: Das Dunkelfeld hat seinen Namen nicht umsonst. Es ist eben dunkel. Und aus meiner kriminologischen Erfahrung weiß ich, dass Schlussfolgerungen aus dem Hell- auf das Dunkelfeld methodisch höchst problematisch sind, auch wenn man versucht, die Verzerrungen des Hellfelds irgendwie in den Griff zu bekommen. Man ist dann nämlich darauf angewiesen, dass diese Verzerrungen (hier: Testkriterien und deren Anwendung) gleichförmig bleiben, so dass man sie statistisch auch über einen längeren Zeitraum hinweg herausrechnen kann.  Das weiß auch Kuhbandner und er versucht diese Gleichförmigkeit der Testkriterien zu reklamieren, doch hat er meines Erachtens dabei dreierlei verkannt:

a) Zwar mag das RKI die immer gleichen Selektionskriterien anwenden WOLLEN, wann wer getestet wird, aber ob dies (insbesondere bei Ausweitung der Testkapazitäten) tatsächlich in derselben Strenge eingehalten wird, erscheint mir sehr fraglich. Die Kapazitäten sind regional unterschiedlich und selbstverständlich wird das Signal ("wir sind knapp" oder "wir haben ausreichend Kapazitäten") von den Ärzten, die einen Test vor Ort vornehmen, so verstanden, dass sie ihr Ermessen, wann hinreichend Symptome vorliegen, entsprechend steuern sollen und dies auch können. Vergleich zur Kriminologie: Auch unter den bundesweit gleichen Kriterien für einen Anfangsverdacht finden wir deutlich unterschiedliche Praxen des polizeilichen Vorgehens zwischen versch. Bundesländern und erhebliche Stadt/Land-Unterschiede, ganz zu schweigen von örtlichen Unterschieden, sogar im selben Landkreis.

b) Anders als Kuhbandner annimmt, haben sich die Kriterien, wann wer wo getestet wird, auch aus Sicht des RKI gewandelt. Insbesondere werden inzw. auch sehr viele Menschen getestet, die beruflich ein höheres Infektionsrisiko tragen, ganz ohne Symptome.

c) Symptome werden nicht von Überwachungsgeräten, Robotern, Drohnen oder ähnlichem festgestellt, sondern von den betroffenen Menschen selbst. D.h. es hängt sowohl das Meldedatum als auch die Meldung überhaupt davon ab, ob jemand die Symptome bei sich selbst als Corona-verdächtig einschätzt, ob er einen schnellen Draht zu seinem Hausarzt hat, ob er seine Familie und Kollegen damit behelligen möchte etc., insgesamt von vielen Faktoren, die wir aus der Kriminologie als "Anzeigebereitschaft" kennen und die individuell sehr verschieden sein können (und damit meine ich wörtlich SEHR). Ich würde vermuten, dass zumindest zu Beginn die Angst Viele dazu getrieben hat, schon bei leichtem Husten ihren Hausarzt zu nerven mit Testforderung. Mit Symptomen, die früher niemanden überhaupt zum Arztbesuch gebracht hätten. Inzwischen aber mag diese Sorge bei Vielen einer anderen gewichen sein (ich müsste dann in Quarantäne, kann ich mir das leisten, meiner Familie zumuten?).

d) Es werden nicht nur anzeigebereite  Menschen mit Symptomen getestet, sondern auch - in unterschiedlichem Maße - Kontaktpersonen derselben. Und das bedeutet, auch hier hängt es stark davon ab, wie viele solcher Kontaktpersonen jemand hat und an wie viele er sich erinnert. Auch das ist nicht irgendwie vergleichbar mit einer Zufallsstichprobe. Die Rate zwischen symptomatisch Infizierten und ihren Kontaktpersonen kann sogar erheblich von Woche zu Woche verschieden ausfallen.

Soweit meine Einwände. Aus den methodisch unrichtig ermittelten Infektionsdaten kann man mE nicht korrektere Daten errechnen. Es KANN so sein wie Kuhbandner schließt, es kann aber auch ganz ANDERS sein.

2. Noch ein paar Bemerkungen  zur Kritik an den Maßnahmen und  an der politischen Bewältigung der Krisensituation überhaupt:

Dass es keine  Tests an repräsentativen Stichproben gibt, habe ich im obigen Beitrag seit dem 29. März angemahnt. Inzwischen gibt es einige wenige solcher Studien, die nun auch von immer mehr Wissenschaftlern gefordert werden.

Und ich habe hier einige andere wissenschaftliche Kritik zitiert und besprochen, soweit ich meinte, dass diese etwas beitragen können mit ihren Erkenntnissen. Aber ich weiß, ich bin weder Virologe noch Epidemiologe, noch bin ich politischer Entscheidungsträger. 

Zur BILD-Schlagzeile:  Deutschlands "klügste Corona-Experten": Was ich überhaupt nicht ernstnehmen kann, ist die klugscheißerische Art, mit der selbsternannte Experten, die selbst nicht im geringsten in der Position sind, für Tote verantwortlich gemacht zu werden, NACH den Maßnahmen deren Überflüssigkeit konstatieren oder so tun, als hätten sie es immer schon besser gewusst und sich dafür von der BILD-Zeitung oder von Reichsbürger-YouTube-Sendern feiern lassen. Das ist für einen Wissenschaftler (gleich welchen Fachgebiets) unverantwortlich und peinlich.

Update 11.05.2020

Die Regionalisierung der Gegenmaßnahmen und deren Orientierung an 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner ist theoretisch eine gute Idee, doch hinkt die praktische Umsetzung an mehreren Stellen:

a) die gemessenen Infektionszahlen (also "positiv Getestete"), an denen sich die Gegenmaßnahmen orientieren sollen, sind - wie schon oben ausgeführt - keine empirisch zuverlässigen Daten. Zudem ergibt sich insbesondere bei Menschen, die in einem Landkreis wohnen, in einem anderen (oder in einer Stadt) arbeiten, ein Zuordnungsproblem. Eigentlich müsste solch eine positiv getestete Person zweimal gezählt werden.

b) da die Landkreise sicherlich nicht interessiert sind daran, dass gerade ihr Landkreis und die darin befindlichen Firmen/Restaurants/Hotels betroffen sind von erneuten Schließungen, wird niemand dort auf eine häufigere Verdachtstestung achten, eher im Gegenteil: die Leute werden eher nicht ermuntert sich testen zu lassen, quasi ein "nudge" in die falsche Richtung, weil zu viele positiv Getestete im Landkreis "bestraft" werden.
Auch das kennen wir in der Kriminologie: Man braucht es den Bürgern nur ein bisschen schwerer zu machen, ihre Strafanzeige bei der Polizei zu erstatten, schon werden weniger Delikte angezeigt.

c) Der Hauptunterschied (Bevölkerungsdichte) zwischen Stadt und Land bleibt unberücksichtigt. Für Städte mit ihrem sehr beweglichen Bevölkerungen (man denke nur an den öffentl. Nahverkehr) ist daher das Maß 50 pro 100.000 möglicherweise zu hoch angesetzt, um durch Gegenmaßnahmen einen größeren Ausbruch noch zu verhindern.

Allerdings ist auch die Reproduktionszahl (für ganz Deutschland) kein besserer Maßstab, denn damit werden regional sehr hohe Verbreitungszahlen ausgeglichen durch niedrigere anderswo. Und die Reproduktionszahl beruht ebenfalls auf den positiv Getesteten und eben nicht auf den tatsächlichen Infektionszahlen. Immer wieder muss darauf hingewiesen werden: Die Erhebung dieser Daten entspricht NICHT den anerkannten Methoden empirischer Forschung.

Zu den Schlachthöfen: Wie oben schon zitiert: In den USA sind bereits 115 Fleischfabriken von Ausbrüchen betroffen (Quelle). Es ist nicht anzunehmen, dass dort Rumänen und Bulgaren beschäftigt sind. Es spricht mehr dafür, dass es nicht die "Reservearmee" ist, sondern die Arbeitsbedingungen, unter denen die Arbeiter tätig sind, die eine Infektion begünstigen. Man muss hier vorsichtig sein, nicht fremdenfeindlichen Klischees Vorschub zu leisten.

Eine andere Form spezifischer Schutzmaßnahmen anhand des individuellen Risikos schlagen Schrappe et al. vor, hier (researchgate-Link). Ich möchte dies hier verbreiten, weil Schrappe et. al. (u.a. auch der Rechtsmediziner Püschel) vom selben argumentativen Ausgangspunkt wie ich aus einen anderen Weg einschlagen.

Update 19.05.2020

Ich habe die Diagramme zum Vergleich von neun Staaten hinsichtl. ihrer Todesrate wieder aktualisiert.

Mittlerweile ist deutlich, dass Schweden sich bezüglich der Häufigkeit der Todesfolge den französischen Ergebnissen  annähert und UK denen von Spanien. Schweden hat, auf die Bevölkerung berechnet, mittlerweile etwa viermal so viele Sterbefälle zu beklagen wie Deutschland und die Schere geht weiter auseinander. Ob sich dies bis zum Ende der Pandemie in einigen Jahren wieder ausgleicht, wie manche annehmen, halte ich für fragwürdig. Trotz aller Unsicherheit würde ich feststellen, dass sich Schweden im Moment NICHT eignet als Modell, wie mit dem Virus umgegangen werden sollte. Allerdings nähern sich die europäischen Staaten (einschl. Deutschland) ja nun derzeit dem schwedischen Modell an. 

Auch in der Übersicht von Kevin Drum zeigt sich, dass sich Schweden, neben USA und Canada, auch bei der Reduzierung der tägl. Todesfälle bislang deutlich schwerer tut als die anderen sechs Staaten im Vergleich.

Die Frage, ob die verschieden starken Maßnahmen (Schulschließung, Versammlungsverbote, Restaurantschließung, private Quarantäne) Erfolge bringen, steht nun im Mittelpunkt erster Forschungsprojekte. Eine erste Veröffentlichung in den USA besagt, dass vor allem die Restaurantschließungen und die Privatquarantäne ("shelter-in-place") effektiv gewesen seien, Schulschließungen aber nicht! Das sind erste Zahlen, die sicherlich noch mit etlichen Fragezeichen verbunden sind. Aber wenn sich dies bestätigt, könnte das ein gutes Signal geben für Schulöffnungen auch in Europa.

Jetzt erst entdeckt, aber seine Kritik geht in eine ganz ähnliche Richtung wie ich sie oben formuliert habe: David Spiegelhalter (Statistiker, UK) im Interview.

Update 25.05.

Die Kurven von Kevin Drum habe ich neu hochgeladen, die Daten bei shinyapps werden leider seit dem 14. Mai nicht mehr aktualisiert, so dass sie auf diesem Stand verblieben sind.

Alle neun betrachteten Staaten sind bei den täglichen Todesziffern nunmehr weit unter ihrem jeweiligen Höchststand, allerdings mit erheblichen Unterschieden. Von den Gesamtzahlen liegt die Rate in diesem neun-Staaten-Vergleich in DE bei 100 pro Million der Bevölkerungszahl. Aufsteigend von hier aus sind es in CA mittlerweile 170/Million, in CH 224/Million, in den USA 295/Million, in SWE 399/Million, in FRA 421/Million, in Italien 546/Million, in UK 557/Million und in ESP  610 pro Million der Bevölkerung. Während sich in Deutschland wahrscheinlich keine Übersterblichkeit im Vergleich zu vergangenen Jahren ergibt, wird sich COVID-19 ab der dreifachen Todeszahl auch in der Jahresstatistik der Sterbefälle deutlich zeigen.

Der relative bisherige "Erfolg" in Deutschland beim Umgang mit dem Virus kann zu einem guten Teil auf glücklichem Zufall beruhen, aber sehr wahrscheinlich haben auch die Maßnahmen zur Kurvenverflachung gewirkt. Die Gegenargumente, die ich dazu bisher gelesen habe, sind wenig plausibel. Welche von diesen Distanz-Maßnahmen geeigneter waren und welche eher überflüssig oder übertrieben, wird man allerdings - wenn überhaupt - erst später genau ermitteln können. Dass diese Maßnahmen auch Kollateralschäden haben, v.a. wirtschaftliche, aber auch gesundheitliche, kann nicht bestritten werden. Dass diese "tödlicher" seien als das Virus selbst, erscheint mir aber derzeit wenig glaubhaft.

Eine von Epidemiologen/Virologen anfangs als sehr wichtig eingestufte Maßnahme, die Komplettschließung von Schulen und Kindergärten, gerät allerdings zunehmend in die Kritik. Die Infektion selbst ist für Kinder und Jugendliche wenig gefährlich und die Auswirkungen der befürchteten Verbreitung auf andere Familienmitglieder, insbesondere Großeltern, lässt sich möglicherweise mit anderen Maßnahmen verhindern. So jedenfalls die mittlerweile mehrfach publizierte Auffassung, wie - ebenfalls - Kevin Drum zusammenstellt. Leider wurde ausgerechnet in Schweden(!) die Chance versäumt, das Realexperiment (geöffnete Schulen) zu studieren. Wenn man dort geforscht hätte, wüssten wir jetzt alle mehr.

Update 29.05.

Die neuen Diagramme bei Kevin Drum zeigen, dass hinsichtlich der Todeszahlen die (mglw. nur erste, hoffentlich zugleich letzte) Welle der Pandemie in mehreren der neun Staaten vorüber ist, nämlich in Deutschland, Frankreich und Italien. Spanien und die Schweiz werden von Drum nicht mehr aufgeführt, gehören aber ebenfalls dazu.

Auch wenn die Zahlen zurückgehen, ist die Welle noch nicht "vorbei"  in Schweden, UK, USA und Kanada. Schweden hat nun berechnet auf die Bevölkerungszahl ebenso viele Tote wie Frankreich und wird womöglich noch die italienischen Zahlen erreichen, das ist besonders bitter für den "schwedischen Weg", der von manchen auch für Deutschland vorgeschlagen wurde. Wie schon mehrfach gesagt: Es war sicherlich auch Glück bzw. Pech dabei, aber die in Deutschland (noch gerade rechtzeitig) ergriffenen Maßnahmen haben mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Anteil daran, dass es hierzulande bisher glimpflich ausgegangen ist.

In den beiden neu hinzugenommenen Staaten Brasilien und Kolumbien steht die Welle (bei den Todesfällen) offenbar noch bevor.

Update 05.06.

1. Dunkelfeldtestung in New York City

Eine Dunkelfeldstudie in New York (Zufallsstichproben von 15.000 Personen an Supermärkten) mit COVID19-Antikörpertests zeigt, dass die Infektionsrate in New York State bei ca. 12% der Bevölkerung liegt, in New York City bei 20 %, d.h.  etwa 10mal so hoch wie die Zahl der positiv Getesteten. Anhand der ebenfalls verfügbaren Exzess-Todesfälle in New York City (23.000) haben die Forscher daraus eine IFR (Infection Fatality Rate) von 1,4 % ermittelt, also ca. 1,4 % der Infizierten erkrankten mit tödlichem Ausgang. Da hinsichtlich der Zahlen eine gewisse Unsicherheit anzunehmen ist (z.B., dass die Exzess-Todesfälle nicht nur COVID19 Infizierte betreffen), wird man für NYC aber wohl von einer tatsächlichen IFR zwischen 1 und 2 % ausgehen können. Berücksichtigt man nur die "offizielle" Todesziffer in NYC (13.000) läge die IFR bei 0,75 %.

2. Stand der "Welle" der Sterbezahlen in den verglichenen Staaten

Anhand der wiederum aktualisierten Grafiken von Kevin Drum lässt sich sagen: Der Eindruck von letzter Woche setzt sich fort:

Die Staaten Italien, Frankreich und Deutschland  haben im Hinblick auf die täglichen Sterbezahlen die Welle der Pandemie "überstanden" (tägl. nur noch 2 oder weniger pro Million der Bevölkerung), bei den absoluten Zahlen steht DE mit 100 pro Million in diesem Vergleich ziemlich gut da, Italien und Frankreich hat es aufgrund der viel höheren Sterbezahlen im März und April mit  560 und 433 pro Million viel härter getroffen, aber auch dort sind die täglichen Sterbezahlen inzwischen auf ziemlich niedrigem Niveau.

Offenkundig noch nicht vorbei ist die Welle in Staaten, die auch aktuell noch relativ hohe tägliche Sterbeziffern aufweisen:

Schweden (ca. 4 pro Million tägl. hat bei den abs. Zahlen mit 450 pro Million inzwischen auch Frankreich überholt)

Kanada (ca. 3 pro Million tägl, liegt absolut inzwischen bei 200 pro Million),

UK (ca. 5 pro Million tägl., inzwischen absolut mit 600 pro Million deutlich mehr als Italien!) und

USA (ca. 3 pro Million tägl., liegt absolut bei 325 pro Million)

Trotz der schwierigeren Ausgangsbedingungen sieht es momentan so aus, als ob es auch in Brasilien und Kolumbien gelingen könnte, die Sterbezahlen gering zu halten.

Update 08.06.2020

1. Dunkelfeld-Panel-Studie in Lübeck

Die Elisa Studie in Lübeck hat nun erste Ergebnisse publik gemacht: 

Von den 3000 Probanden, die sich seit Beginn der Lockerungen immer wieder testen ließen, ist niemand positiv getestet worden, berichtet der NDR. Schlussfolgerung: Lockerungen einschl. Öffnung von Schulen und KiTas seien in Schleswig Holstein nun angezeigt.

2. Ein detaillierter Bericht von Robert Werner im Blog regensburg digital betrachtet die Lage in Alten- und Pflegeheimen. Immerhin die Hälfte (europaweit wohl noch mehr) der Corona-Sterbefälle seien in diesen vorgekommen. Die genauere Untersuchung und der Schutz der Menschen seien hier sträflich vernachlässigt worden.

 

Update 11.06.2020

1. Maskenpflicht sinnvoll oder überflüssig bis schädlich?

Während hierzulande insbesondere der Virologe Streeck die Maskenpflicht kritisiert, weil die Menschen oft falsch und unhygienisch mit der Maske umgingen

Die Leute knüllen die Masken in die Hosentasche, fassen sie ständig an und schnallen sie sich zwei Wochen lang immer wieder vor den Mund, wahrscheinlich ungewaschen. Das ist ein wunderbarer Nährboden für Bakterien und Pilze.

, wird die Maskenpflicht von einer in Jena durchgeführten Studie  und einer anderen auf dem Schiff USS Theodore Roosevelt , als sinnvoll ausgewiesen:

Mask use is the most effective countermeasure by far, followed by social distancing and avoiding common areas.

M.E. ist auch der psychologische Effekt der Maske nicht zu unterschätzen. Sie signalisiert anderen, das Virus ist noch da!

2. Vergleichszahlen von neun Staaten: Immer noch Sorgen in vier Staaten

Die Daten vom 9.6. in den Diagrammen von Kevin Drum. Brasilien hat er durch Argentinien ersetzt, wo aber - angesichts der Todesraten - das Virus offenbar noch ganz am Anfang ist oder durch Distanzmaßnahmen bereits in seiner Gefährlichkeit eingehegt werden konnte. Mexiko hingegen hat bei noch stark steigenden Todeszahlen  Deutschland in den absoluten Zahlen bereits überholt. Immer noch sorgenvoll kann man nach UK, Kanada, Schweden und USA blicken, denn nach wie vor werden von dort höhere Sterbeziffern gemeldet. 

Update 15.06.2020

1. Die Diagramme von Kevin Drum (Datenstand 13.06.) zeigen wenig Neuigkeiten. Nach wie vor registrieren die vier schon oben genannten Staaten (USA, UK, SWE und CAN) täglich einige Tote. Inzwischen ist auch der Datenstand von shinyapps wieder aktualisiert und zeigt die Todesfälle pro 100.000 Bevölkerung der (usprünglichen) neun Staaten im direkten Vergleich. Auch hieran lässt sich an den weiter steigenden Todeszahlen der Unterschied zwischen den fünf Staaten, bei denen kaum noch Todesfälle registriert werden und den o.g., bei denen dies weiterhin der Fall ist, gut erkennen.

2. Die Diskussion darum, ob die Maßnahmen ("Lockdown") übertrieben waren bzw. sind, reißt indessen nicht ab. Ich empfehle dazu folgende (kostenfreie) Lektüren:

a)  Coronavirus: Should We Aim for Herd Immunity Like Sweden?

And What Can Countries like the US or Netherlands Learn from It? von Tomas Pueyo (9. Juni)

b) The Effect of Stay-at-Home Orders on COVID-19 Cases and Fatalities in the United
States von Fowler/Hill/Levin/Obradovich (13. April)

 

Update 19.06.2020

Die Neuinfektionen v.a. in einem Schlachtbetrieb zeigen, dass das Virus auch in Deutschland längst nicht verschwunden ist und soziale Distanz weiterhin sinnvoll ist. Für die Verbreitung gerade dort sind wohl in erster Linie die geringen Temperaturen, die nicht ausreichende Lüftung, die Enge und die wegen der Maschinen notwendig  laute Kommunikation verantwortlich, in zweiter Linie die beengte Wohnsituation der dort arbeitenden Menschen. Da das Virus keine Grenzen oder Nationalitäten kennt, ist die Aussage, dass es deren Herkunft sei, schlicht vorurteilsbehaftete Fremdenfeindlichkeit, die im Falle von Politikern von eigenen Fehlern ablenken soll.

Hinsichtlich der täglichen Todesziffern ist es mit Blick auf die Diagramme insbesondere in Schweden nach wie vor nicht gelungen, diese auf ein Mindestmaß zu verringern; inzwischen sind die Zahlen bezogen auf die Bevölkerung dort etwa fünf Mal so hoch wie in Deutschland und nähern sich den Todesziffern in Italien.

Während sie in USA ebenfalls noch nicht beruhigend niedrig sind, erscheinen die Aussichten jetzt in Kanada und UK etwas besser als vor ein paar Tagen.

Bislang hat sich die Strategie "Hammer and Dance", also mehrwöchige Schließungen ("Lockdown") mit erzwungener Distanz zur Ausbremsung der Infektion mit anschließender Nachverfolgung und Kontrolle konkreter Ausbrüche in den meisten Weltregionen als einigermaßen erfolgreich gezeigt.

Update (22.06.2020):

1. Schweden weiterhin hintendran

Die Diagramme oben habe ich aktualisiert. Inzwischen liegen von den sieben Staaten, die von Anfang an von Kevin Drum beobachtet wurden, beim Tagesdurchschnitt der Sterbezahlen alle unter dem Wert von zwei pro Million, mit einer Ausnahme: Schweden. Das ist eine traurige Nachricht für die nach wie vor betroffene Bevölkerung Schwedens und auch eine bittere Nachricht für diejenigen, die meinten, Schweden könne eine Art Vorbildrolle einnehmen für einen weniger beeinträchtigenden Umgang mit der Pandemie.

2. Warum schneidet Deutschland so gut ab?

Kevin Drum hat vor einigen Tagen in seinem Blog auch diese Frage gestellt:

Does anyone know of a really good article that explains the German miracle? Did they adopt different countermeasures than, say, France and Belgium? Did they adopt them earlier? Did everyone in Germany take them more seriously? Or what? It’s not just that they’ve had the best response to the pandemic; they’ve had the best response by light years among large countries. There are other countries that have also done well (Denmark, Norway, Austria, Greece, Switzerland), but they’re all a fraction of the size of Germany.

In der Kommentarspalte dort finden sich einige interessante Bemerkungen (aus der Außenperspektive auf Deutschland) und auch einige Links auf spannende Einschätzungen, z.B. diese hier. Manche machen die "ruhige Hand" der Bundeskanzlerin verantwortlich, andere das den Deutschen eigentümliche Vertrauen in Autoritäten und allg. Gehorsam (etwa bei der Maskenpflicht). Ich denke, es war  neben der Rechtzeitigkeit der Distanzmaßnahmen das  relativ effektive Tracing von Kontaktpersonen und Glück. Ja, Glück war auch dabei.

 

Update (30.06.2020)

Bei den aktualisierten Diagrammen von Kevin Drum zeigt sich jetzt, dass  Kanada auch nur noch ein Minimum an neuen Todesfällen (pro Million der Bevölkerung) registriert. Weiterhin stagnieren aber die USA, UK und SWE bei ca. zwei Toten pro Tag pro Million der Bevölkerung.

Bayerns Ministerpräsident hat jetzt angekündigt, dass sich demnächst jede/r freiwillig testen lassen kann, also unabhängig von Symptomen. Dass nach wie vor - trotz der vorhandenen Kapazitäten - kein repräsentatives Panel in regelmäßigen Abständen getestet wird, halte ich für sehr fragwürdig.

Von der Münchener Dunkelfeldstudie, die Mitte Juni Ergebnisse vorlegen sollte, ist immer noch nichts zu hören.

Update 2.7.2020

Eine Diskussion in den Kommentaren aufgreifend:

Ich habe oben in meinem Ausgangsbeitrag angeführt, warum sich die Infektionszahlen für Vergleiche nicht eignen. Daran halte ich nach wie vor fest. Bei dem Problem mit diesen Zahlen geht es zwar AUCH um die Anzahl der Tests, aber das ist keineswegs der einzige Grund, warum diese Vergleiche nicht sinnvoll sind, noch weniger natürlich, wenn man sich daran macht, bei diesen Werten auch noch Wachstumsraten auf vier Stellen hinter dem Komma zu berechnen.

Auch wenn man die unterschiedliche Anzahl der Tests kontrolliert, kann das keine sinnvollen Vergleiche ergeben, denn es kommt ebenso sehr darauf an, WER und WO getestet wird, also welche Verdachtsmomente/Symptome im jeweiligen Land einen Test auslösen. Hier gibt es starke Unterschiede sogar innerhalb einer Region oder eines Staates, die zu Verzerrungen der Ergebnisse im Zeitverlauf führen, erst Recht beim Vergleich zwischen Staaten. Dabei ist insbesondere auch die Dynamik zu berücksichtigen, mit der die Testkapazitäten ausgebaut und gesteuert wurden und werden.

Ich habe im obigen Beitrag dann begründet, warum die Anzahl der Todesfälle (pro Bevölkerungseinheit in einem Land) ein besseres Maß für die relative Betroffenheit durch das Virus ist. Auch hier gibt es natürlich einen Einfluss der Tests, aber bei den schwereren Fällen von COVID19 ist die Verzerrung geringer als im Feld insgesamt.

Natürlich kann man jetzt daran gehen und auch die Todeszahlen mit der Anzahl der Tests im jeweiligen Land in Beziehung setzen, die unterschiedliche Anzahl der Tests also "kontrollieren". Das ist zwar insofern nicht zwingend, weil die Anzahl der (positiv getesteten und dann) Verstorbenen weitgehend unabhängig davon ist, wie viele aus der gesunden Bevölkerung man außerdem  gestestet hat, aber sei es drum, hier die Reihe. 

Verglichen werden Deutschland, seine neun Nachbarländer  und sechs weitere westl. Staaten mit vergleichbarer Infrastruktur
geordnet nach Todesfälle pro Million (TpM), die folgende Zahl ist gebildet aus den TpM unter Kontrolle der Testanzahl pro Million, die Zahl in Klammern zeigt die "Rangordnung" nach Berücksichtigung der Testhäufigkeit. Die Rohdaten stammen vom Worldometer heute:

  1. Tschechien 33 TpM, 0,63 (3.)
  2. Polen 39 TpM, 0,95 (4.)
  3. Österreich 78 TpM, 1,11 (5.)
  4. Dänemark 105 TpM, 0,56 (1.)
  5. Deutschland 108 TpM, 1,54 (6.)
  6. Luxemburg 176 TpM, 0,57 (2.)
  7. Schweiz 227 TpM, 3,28 (8.)
  8. Kanada 228 TpM, 3,12 (7.)
  9. Niederlande 357 TpM, 9,91 (14.)
  10. USA 395 TpM, 3,76 (9.)
  11. Frankreich 457 TpM, 21,76 (16.)
  12. Schweden 532 TpM, 10,43 (15.)
  13. Italien 575 TpM, 6,38 (12.)
  14. Spanien 607 TpM, 5,18 (11.)
  15. Großbritannien 647 TpM, 4,55 (10.)
  16. Belgien 842 TpM, 7,79 (13.)

 

Update 6.7.2020

1. Entwicklung der Todeszahlen: Weiterhin Sorge um Schweden und die USA

Ich habe erneut die beiden Diagramme oben aktualisiert. Wie sich aus dem Überblick über die neun von Anfang an beobachteten Staaten ergibt, steigen derzeit  nur noch die Todeszahlen in Schweden und in den USA erheblich an. Schweden schließt dabei zur Gruppe  der europäischen Staaten mit den schwersten Pandemiefolgen auf. Alle anderen beobachteten sieben Staaten haben bei Betrachtung der Todesziffern die Pandemie, zumindest deren erste Welle,  inzwischen hinter sich gelassen.

2. Sind die Kosten der Distanzmaßnahmen in Deutschland höher als die der Pandemie selbst ?

In Deutschland, wo die Pandemie bislang, im Vergleich zu allen andern großen Industriestaaten, relativ glimpflich bewältigt wurde, gibt es inzwischen eine  Diskussion darüber, ob nicht die  Folgen der Anti-Corona-Maßnahmen (wirtschaftlich, aber auch gesundheitlich) ebenso schlimm bzw. sogar noch schlimmer gewesen seien als wenn man keine solche Maßnahmen ergriffen hätte. Ein Kommentator zitiert dazu eine Äußerung von Brinkschulte, der meint, die Folgen der Distanzmaßnahmen würden sogar das mehrfache an Sterbeziffern der Coronapandemie selbst erreichen. Dazu meine Antwort:Selbstverständlich haben auch die Anti-Corona-Maßnahmen "Kosten", auch solche im Gesundheitsbereich. Aber dass diese die drei- bis vierfache Anzahl an Toten mit sich bringen, ist eine höchst unseriöse Spekulation, die keinerlei wissenschaftliche Grundlage hat. Wenn man statistisch Kosten (nicht nur Sterbefälle) vergleichen will, dann muss man zudem auch einbeziehen, welche unbeabsichtigten günstigen Folgen (Kollateralnutzen) die Maßnahmen hatten. Die möglicherweise für die Zeit des Lockdown zu erwartende  Zunahme häuslicher Gewalt hat auf der Gegenseite natürlich eine Abnahme öffentlicher Gewalt zur Folge. Und wenn die Wirtshäuser geschlossen sind, fallen auch Wirtshausschlägereien und Alkoholfahrten aus. Im März und im April 2020 gab es offenbar als Folge von HomeOffice und Kurzarbeit deutlich weniger Verkehrsunfälle als in den Vorjahren, im März auch deutlich weniger Verkehrsunfalltote (destatis). Zur möglicherweise gefährlichen Verschiebung notwendiger Operationen muss man auch benennen, dass viele Operationen, wie immer wieder beklagt wird, unnötigerweise durchgeführt werden und der Zeitplan bzw. -punkt für viele Operationen nicht lebenswichtig ist, etc. pp. 

Hätte Brinkschulte recht, dann müsste sich ja die durch die Distanzmaßnahmen verursachte Todesziffer in der Anzahl der Sterbefälle im Vergleich zu den Vorjahren zeigen. Zwar liegt, soweit mir bekannt, für 2020 noch keine Todesursachen-Statistik  (z.B. zu Suizid) vor, aber die Gesamttodesstatistik zeigt für Deutschland im relevanten Zeitraum keinerlei besondere Ausschläge. Die Distanzmaßnahmen haben also (im Vergleich zu anderen Ländern) in Deutschland im März und April höhere Todeszahlen durch COVID-19 erfolgreich verhindert (diese lassen sich nur in den enstpr. bes. gefährdeten Altersgruppen nachweisen), aber ganz offensichtlich haben die Maßnahmen selbst nicht relevant  höhere Todeszahlen verursacht. Nachzulesen hier: Sterbefallstatistik 2016 bis 2020, wochengenau.

3. Masketragen sinnvoll?

Hier noch ein Hinweis auf eine aktuelle Publikation von Prather et al. in der Zeitschrift Science. zum Sinn des Tragens einer Maske. Die Verpflichtung zum Maskentragen in Läden und im öffentlichen Nahverkehr wird ja derzeit in Deutschland  stark diskutiert. Die Autoren Prather et al. bestätigen, dass Masken sinnvoll sind:

Overall, the probability of becoming infected indoors will depend on the total amount of SARS-CoV-2 inhaled. Ultimately, the amount of ventilation, number of people, how long one visits an indoor facility, and activities that affect airflow will all modulate viral transmission pathways and exposure (10). For these reasons, it is important to wear properly fitted masks indoors even when 6 feet apart. Airborne transmission could account, in part, for the high secondary transmission rates to medical staff, as well as major outbreaks in nursing facilities. The minimum dose of SARS-CoV-2 that leads to infection is unknown, but airborne transmission through aerosols has been documented for other respiratory viruses, including measles, SARS, and chickenpox (4).

4. Internationale Vergleiche sind schwierig bis unmöglich

Unmittelbar zum Thema dieses Beitrags passt ein Artikel von Morris und Reuben (BBC) :Coronavirus: Why are international comparisons difficult? Sie kommen zu einem ernüchternden Fazit hinsichtlich der Vergleiche: Nichts genaues weiß man nicht....

 

Update 9.7.2020

Heute nur ein Hinweis auf einen Blog, der sich v.a. mit den juristischen, insbesondere den verfassungsrechtlichen Auswirkungen und Fragen der Corona-Krise befasst.

Hier: mitdenken! Corona-Diskurs

Und  eine pasende Veranstaltung als Webinar der Friedrich-Ebert-Stiftung am 16. Juli 2020, also heute in einer Woche. Anmeldung hier:

Webkonferenz am 16. Juli 2020: Das Grundgesetz in der Corona-Krise

 

 

Update vom 10.07.2020

1. Sterbezahlen in den USA steigen wieder

Anhand  der aktualisierten Grafik von Kevin Drum zeigt sich: Während alle der ursprünglich beobachteten europäischen und nordamerikanischen Staaten (einschließlich Schweden!) in der Todeszahlentwicklung auf einem beruhigenden Pfad sind, scheint sich in den USA die sehr hohe Infektionszahl nun auch in den Todesraten zu zeigen. Inzwischen ist die Kurve wieder auf den Stand von über 2 pro Tag pro Million gestiegen. Das ist alles andere als beruhigend.

2. Warum steigen die Todeszahlen nicht bzw. wesentlich weniger stark als die Infektionszahlen?

Sie haben sich schon einmal gefragt, warum in diversen Staaten die Infektionszahlen so stark steigen wie Anfang März oder erneut stark steigen, aber die Todeszahlen (bisher) nicht oder nicht in gleichem Maße ansteigen? Dieser Artikel von Derek Thompson erklärt einige Zusammenhänge ziemlich gut. Das meiste bezieht sich auf die Situation in den USA, ist aber übertragbar auf Europa. In Kurzfassung:

1. Der Tod wird wesentlich später registriert als die (immer früheren) positiven Tests, in den USA sind inzw. 3 - 4 Wochen normal.

2. Ausgeweitetes Testen findet mehr Fälle, findet mildere Fälle und  findet die Fälle  in einem früheren Erkrankungsstadium als noch vor einigen Monaten.

3. Der typische COVID19-Patient ist nun jünger als vor einigen Monaten - die Ältere sind weiterhin vorsichtiger, die Jüngeren haben jetzt ihr früheres distanzloses Freizeitverhalten oftmals wieder aufgenommen.

4. Die hospitalisierten Patienten sterben seltener - durch die gewonnene medizinische Erfahrung bei der Behandlung ist die Überlebenschance inzwischen höher.

5. Ein bisschen hilft der Sommer

Der Artikel ist lesenswert, wenn man die Entwicklung der Todesziffern in den westlichen Staaten verstehen will.

 

 

 

 

 

 

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AKK-200628 Deutschland, Bundesländer, Kreise: Am 28.05.2020 bis auf NRW  überwiegend im grünen Bereich. 2. Welle nicht in Sicht.

     Daten nach RKI Dashboard (Deutschland, Bundesländer und Kreise).

     Für Deutschland meldete das RKI 262 nach 256, 630, 587, 503, 537, 687, 601, 770, 580, 345, 378, 192, 247, ... Man muss allerdings Nichtmeldungen am WE z.B. von Baden-Württemberg berücksichtigen.

 Einige Bundesländer melden geringe Zuwächse, wobei auch Wochenendeinflüsse eine Rolle spielen können:

  • NRW 146 nach 152, 421, 158, 314, 260, 200, 297, 549, 216, 379,205, 158, 108, 79, 96, ... . Wachstumsrate für Neuinfektionen 0.0402 nach 0.0408: Man sieht, wie sensibel und präzise die Wachstumsrate für Neuinfektionen reagiert. Beide Verhältniszahlen mit 0.9132 (4-4 Periode) und 0.9276 (7-7 Periode) unter 1. Also: auf dem Weg weiterer Besserung und Stabilisierung (siehe bitte auch unten Krisenmanagement).
  • Bayern 50 nach 32, 60, 80, 127, 101, 27, 24, 16, ...
  • Niedersachsen 24 nach 22,  34, 44, 51, 15, 29, 147, 0, ...
  • Hamburg 16 nach 0, 5, -2, 0, ..
  • Rheinland-Pfalz 13 nach 3,  20, 11, 16, 5, 2, 10, 4, ...
  • Berlin 8 nach 23,  49, 75, 46, 59, 83, 29, 71, 130, 128, 72, 33, ...
  • Hessen 1 nach 30, 24, 41, 21, 32, 35, 3, ....
  • Thüringen 0 nach 2,  8, 15, -6 [Korrektur], 2, 8, 7, ...
  • Baden-Württemberg: seit dem 12.06.2020 keine Meldungen über das WE.

 Kreise: Von 401 Kreisen einer über der Obergrenze: Gütersloh (weiter gebessert)

  • Gütersloh mit 112.6 nach 132.9, 164.2, 177.7, 192.8, 270.3 nach 257.4, 263.7, 209.6, 89.3, 94.2, ...
  • Warendorf Kreis 22.0 nach 21.2, 19.8, 47.9, 50.4, 66.2, 68.4.
  • Hamm 9.5 nach 15.6, 17.9, 20.7, 25.1, 26.8 (Nachbar Warendorf)
  • Göttingen 15.5 nach 12.4, 21.0, 32.6, 47.2, 46.3
  • Magdeburg 1.7 nach 4.6, 5.4, 14.2 nach 18.0, 25.6

Ein Ergebnis des kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisse in der Fleischindustrie, für die letztlich Merkel und Klöckner "verantwortlich" sind (ist T. nicht Großspender der CDU?). Wo die Fleischsklaven aus dem Osten wohnen scheint vielfach unklar und schwer zu  ermitteln zu sein. Das Gute am Schlechten: Nun ändert sich vielleicht etwas. Allerdings muss man immer mit dem Unrechtsrecht rechnen. Das Subunternehmertum und die Werkverträge ist eine neoliberale kapitalistische Krankheit, die Mit Rechts- und Sozialstaat nichts zu tun hat. Der offene Rassismus der Regierungen gegenüber Fremd- und LeiharbeiterInnen ist unerträglich, insbesondere im Zusammenhang mit dem zynischen Gesülze von den europäischen Werten. Der wichtigste tatsächliche Wert ist immer noch das goldene Kalb. Das muss sich ändern: nachhaltig und  tatsächlich nicht nur auf der Blubberblasenebene.

     Krisenmanagemanegment der hotspots. An fast allen Beispielen kann man sehen, dass das Krisenmanagement der Rückführungen unter das 7Tage/50 Kriteriums in den (einstigen) hotspots ziemlich gut funktioniert.

     Eine 2. Welle ist derzeit nicht in Sicht, auch wenn sie von den Scharfmachern und Berufskatastrophierern RKI, Drosten, Lauterbach & Co ...

Tja, Herr Sponsel macht sich seine Welt, so wie sie ihm (nicht) gefällt, wie sie jedoch ist, das spielt dabei keine grosse Rolle.

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 Corona-Maßnahmen: Vor der zweiten Welle

28. Juni 2020, 11:56 Uhr Aktualisiert am 29. Juni 2020, 9:17 Uhr

https://www.zeit.de/video/2020-06/6167741788001/corona-massnahmen-vor-der-zweiten-welle  Corona in Indien    "Als wären das Lepra-Kranke" 

Stand: 29.06.2020 03:59 Uhr

https://www.tagesschau.de/ausland/indien-corona-tests-101.html

 Corona-Patienten in Sorge wegen Langzeitfolgen

Stand: 29.06.2020 05:00 Uhr

https://www.ndr.de/nachrichten/info/Corona-Patienten-in-Sorge-wegen-Langzeitfolgen,coronafolgen100.html

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Streeck meinte zu Corona-Infektionen, auch in Deutschland:

„Keine zweite oder dritte Welle - wir sind in einer Dauerwelle“

Stand: 28.06.2020

Die Ausbrüche in den Fleischbetrieben führt er darauf zurück, dass die Luft dort zu selten ausgetauscht werde. Das würde höhere Kosten verursachen, weil sie dann immer neu heruntergekühlt werden müsste. Für Büros sieht er aber keine größere Gefahr.

https://www.welt.de/vermischtes/article210530869/Streeck-zu-Corona-Infektionen-Keine-zweite-oder-dritte-Welle-wir-sind-in-einer-Dauerwelle.html

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Warnung vor neuartigen Pandemien Coronavirus in Deutschland: R-Wert weiterhin deutlich unter 1 - Virologe Streeck warnt dennoch vor „Dauerwelle“

Aktualisiert: 29.06.20 06:53

https://www.merkur.de/welt/coronavirus-deutschland-reproduktionszahl-r-wert-infektionen-tote-streeck-rki-covid-19-dauerwelle-zweite-welle-zr-13813843.html

Anmerkung aber zu Streeck: Eine Luftumwälzung mit ständig kontrollierter antiviraler Reinigung hilft in Schlachtbetrieben, ist aber natürlich auch nicht für umsonst zu haben. Normale KLIMAANLAGEN oder "Lüftungsanlagen" jedoch reichen da nicht mehr aus, die können die Lage da sogar noch weiter verschlimmern.

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Mehr Abstände einhalten, als es bei Tönnies und Co. bis jetzt war, auch in allen anderen Schlachtereien zur Sicherheit, in denen es noch daran fehlt, das muss auf den Weg gebracht und durchgesetzt werden, auch mit höheren Bußgeldern und Strafandrohungen über das Ordnungswidrigkeiten- und das Strafrecht.

Ein Leser

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Pandemien sind jedoch globale Ereignissen, davon ist auch die EU betroffen mit ihrem Wettbewerbsrecht, so dass nationale Alleingänge hier nur wenig bewirken können. Das müsste eben auch noch in Erlangen bei Herrn Sponsel beachtet werden, bevor er wieder die Backen aufbläst, oder neue Zahlenpielereien beginnt.

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Querverweis auf :

Nichts steht doch Ihren eigenen Bemühungen mit einer neuen Zahl "ar = (Neuinfizierungen / Aktive)*100." entgegen, endlich mal Licht in die von Ihnen so beklagte Corona-Finsternis zu bringen.

Zur Evaluierung müssten Sie nur unter­suchen, was sich mit diesem neuen Definitionsmaß anfangen lässt, den Nutzen also durch empiri­sche Argumente begründen, und keine heuristische Phantasie und wissenschaftlich nicht plausibel begründete Ergebnisse präsentieren. Denn nicht nachvollziehbare Sponsel-Rechnungen bzw. auch Rechen-Fehler könnten ja wieder zu abenteuerlichen Größen­ord­nungen und Schwankungen bei Ihren Sponsel-Rechenwerten führen.

Nun beginnen sie doch mal damit, mit Ihren Beleidigungen jedoch ist diese Arbeit nicht getan.

Ein Leser

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Da Herr Sponsel keine ordentlichen Definitionen macht, muss ihm auch da noch geholfen werden.

Seine ar-Zahlen sind Prozentzahlen, aber er will augenscheinlich Faktoren haben, das ist der Quotient in seiner Formel alleine, siehe:

Es fehlt das Prozentzeichen und die Vergleichszahl R in % (also mal 100).

Wenn R =1 dann ist die Vergleichszahl 100. ar ist also in der Regel drastisch realistisch niedriger.

Der Quotient ist doch lediglich  "(Neuinfizierungen / Aktive)", das ist aber nicht mehr Sponsels "ar" von einigen Stunden nur vorher.

Ein Leser

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Sponsel könnte auch das gewollt haben:

a) Berechnen von: 1 + (Neuinfizierungen / Aktive)

b) Etwas ganz anderes .......

Warten wir also den Klärungsprozess im Kopf des Herrn Sponsel noch etwas ab.

Ein Leser

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Meinte Sponsel etwa c) Berechnen von  "Delta Neuinfizierungen / Delta Aktive"  für  jeden Staat täglich neu ???

Ein Mathematiker kann doch nicht in jeden Kopf hineinschauen.

Ein Leser

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Delta steht im Allgemeinen für Differenzen in der Mathematik und hat dort ein Dreieck als Symbol.

Meint Sponsel: d) Korrelieren Neuinfizierungen  mit Aktiven ?

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Sehr geehrter Herr Sponsel,

Sie schreiben (heute morgen):

Krisenmanagemanegment der hotspots. An fast allen Beispielen kann man sehen, dass das Krisenmanagement der Rückführungen unter das 7Tage/50 Kriteriums in den (einstigen) hotspots ziemlich gut funktioniert.

     Eine 2. Welle ist derzeit nicht in Sicht, auch wenn sie von den Scharfmachern und Berufskatastrophierern RKI, Drosten, Lauterbach & Co ...

Wahrscheinlcih haben Sie den Widerspruch in Ihren beiden Feststellungen nicht erkannt. Dass eine zweite Welle derzeit nicht in Sicht ist, liegt doch gerade daran, dass das Krisenmanagement so gut funktioniert, wie Sie selber feststellen. Ihre Diffamierung derjenigen, die vor einer zweiten Welle warnen als "Berufskatastrophierer", wie Sie es unverantwortlicherweise und unwissenschaftlcih früher schon regelmäßig hier im Blog getan haben, ist vor diesem Hintergrund kaum verständlich. Wären - unter Berücksichtigung der Warnungen von RKI, Drosten etc. - nicht rechtzeitig Maßnahmen  ergriffen worden, wäre man doch jetzt gar nicht in der Lage, einzelne Krisenherde zu identifizieren und durch regionale Maßnahmen, Rückverfolgung der Kontakte und Quarantäne der Betroffenen zu kontrollieren.

Ihr Einwand klingt so irrational wie derjenige, der die Feuerwehr lobt, wenn sie kleine Brandnester rechtzeitig  löscht, zugleich aber über Waldbrandwarnungen der Feuerwehr lacht oder die Feuerwehr deshalb insgesamt lächerlich machen will  ("Berufskatatstrophierer"), solange kein Waldbrand "in Sicht" ist.

Besten Gruß

Henning Ernst Müller

wenn keine Kontrolle der IP-Adressen erfolgt, kann man auch nicht prüfen, ob es verschiedene oder die gleichen Personen (wie Sie vermuten) sind, die hier posten.

Die Kommentatoren hier im Beck-Blog, die sich auch noch für Strafverfahren und anderes interessieren, die wissen auch noch, wer aus verschiedenen Internet-Cafés schreibt, hat auch verschiedene IP-Adressen.

Justiziable Beleidigungen siehe den 14. Abschnitt des StGB §§185-200 und die Rechtsprechung dazu.

Die Verantwortlichen des juristischen Beck-Blogs und der Herr Prof. Dr. Müller wissen das ja auch längst schon.

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Auf der englischsprachigen Seite von Wikipedia sind die Zahlen an Corona-Verstorbenen, aktuell Infizierten, uns so weiter, auch bezüglich Deutschland, genauer, ausführlicher, aktueller, und anschaulicher dargestellt, als auf der deutschsprachigen Seite.

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Sie haben recht, ein Vergleich zeigt das:

https://de.wikipedia.org/wiki/COVID-19-Pandemie_in_Deutschland

https://en.wikipedia.org/wiki/COVID-19_pandemic_in_Germany

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Trump und die Corona-Zahlen     Schönreden, Verdrängen, Leugnen

29.06.2020, 14.08 Uhr

Link:  https://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-und-die-corona-zahlen-schoenreden-verdraengen-leugnen-a-0b216e55-34b3-4835-a509-f4f5ccce7660

Corona-Ausbruch in NRW     "Ich erwarte nichts anderes als eine Verlängerung des Lockdowns"

29.06.2020, 14:09 Uhr

Link:  https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_88142196/corona-in-nrw-erwarte-nichts-anderes-als-eine-lockdown-verlaengerung-.html

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Corona-Pandemie    EU will Einreisesperren für viele Länder erhalten Wegen der Corona-Pandemie hatte die EU umfangreiche Einreisesperren verhängt. Für die USA und viele weitere Drittländer soll das weiterhin gelten. Lockerungen sind nur für 14 Staaten geplant. Stand 29.06.2020, 17:20 Uhr

Link:  https://www.spiegel.de/politik/ausland/corona-pandemie-eu-will-einreisesperren-fuer-viele-laender-erhalten-a-84c83be9-4322-4fd1-b35e-085d5dfbec8c

 

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Tönnies-Spenden an CDU: Nimmt Fleischkonzern Einfluss auf Politik?

https://www.rnd.de/politik/tonnies-spenden-an-cdu-nimmt-fleischkonzern-einfluss-auf-politik-XNBNJEBFTRFE3CDFRFKYOYTNXM.html

  • Der Schlachtkonzern Tönnies und Clemens Tönnies privat spenden fünfstellige Summen an die CDU.
  • Linke-Bundeschef Bernd Riexinger fragt, welchen Einfluss diese Geldgeschenke auf die Politik haben.
  • Er fordert: “Es ist Zeit, Unternehmensspenden zu verbieten.”

Auch der Spendenzeitraum ist erwähnenswert:

NRW-CDU bestreitet Einnahme von Tönnies-Spenden

22.06.2020 – 09:55 Uhr

In der vom Verein Lobbycontrol unterhaltenen Datenbank Lobbypedia, die sich aus Zahlen aus den Rechenschaftsberichten der Parteien speist, lassen sich für die Jahre 2002 bis 2017 insgesamt neun Einzelspenden der B. & C. Tönnies GmbH & Co. KG, der Tönnies Holding GmbH & Co KG und von Clemens Tönnies als Privatperson an die CDU finden. Die Höhe der Spendengelder variierte zwischen 11.900 Euro im Jahr 2015 bis hin zu 32.500 Euro im Wahljahr 2017. Insgesamt flossen in den vergangenen 18 Jahren 158.474 Euro von Tönnies an die CDU

 https://www.presseportal.de/pm/65487/4630258

Bei der CDU geht’s um die Wurst – das schadet Armin Laschet

Bericht aus Berlin 26. Juni 2020, 16:45 Uhr

https://www.derstandard.de/story/2000118350754/bei-der-cdu-gehts-um-die-wurst-das-schadet-armin

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AKK-200629 Deutschland, Bundesländer, Kreise: Am 29.05.2020 wieder mehr Neuinfektionen (Teils WE Artefakte). 2. Welle aber nicht nicht in Sicht.

     Daten nach RKI  Dashboard  (Deutschland, Bundesländer und Kreise).

     Für Deutschland meldete das RKI 498 nach 262, 256, 630, 587, 503, 537, 687, 601, 770, 580, 345, 378, 192, 247, ...  also wieder deutlich mehr, was sich sofort in der Wachstumsrate für Neuinfektionen abbildet: Definitionsmaß ar% = (Neuinfektionen/Aktive)*100 = (498/8961)*100 = 5.56% mit der Interpretation, dass am 29.06.20 insgesamt 8961 Aktive 498 Neuinfektionen hervorgebracht haben. Zum Vergleich: ein R-Wert von 1 entspräche 100%, einer von 0.72 dann 72% mit der Interpretation, dass im R-Zeitraum 100 Infizierte 72 Neuinfizierte hervorbringen. Diese R-Ansteckungsraten erscheinen mir viel zu hoch, daher die Überlegungen und Versuche, angemessenere und plausiblere Maßzahlen zu finden. Die Idee der Ansteckungsrate ist gut und vernünftig, aber sehr schwer angemessen und nachvollziehbar zu operationalisieren. Ich habe mich einstweilen zu Forschungszwecken daher für den simplen Bruch Neuinfizierte/Aktive mit einer im Prinzip willkürlichen Tageszuordnung entschieden, um zu sehen, was man damit machen kann und was dabei herauskommt. 

    Einige Bundesländer melden geringe Zuwächse, wobei auch Wochenendeinflüsse eine Rolle spielen können:

  • NRW nach 146, 152, 421, 158, 314,260, 200, 297, 549, 216, 379,205, 158, 108, 79, 96, ... . Wachstumsrate für Neuinfektionen 0.0393 nach 0.0355. Man sieht, wie sensibel und präzise die Wachstumraten für Neuinfektionen reagieren.
  • Baden-Württemberg 90 nach 0, 0 /keine Meldungen über das Wochende, kann also nicht beurteilt werden.
  • Bayern 56 nach 50, 32, 60, 80, 127, 101, 27, 24, 16, ...
  • Berlin 44 nach 8, 23,  49, 75, 46, 59, 83, 29, 71, 130, 128, 72, 33, ...
  • Niedersachsen 33 nach 24, 22,  34, 44, 51, 15, 29, 147, 0, ...
  • Hessen 33 nach  1,  30, 24, 41, 21, 32, 35, 3, .... (sieht auch nach Sondereffekten aus)
  • Schleswig 7 nach 0, 1, 2, ...
  • Sachsen 4 nach 0, 0 soricht auch für einen Wochenendeffekt.
  • Thüringen 4 nach 0, 2,  8, 15, -6 [Korrektur], 2, 8, 7, ...

Kreise: Von 401 Kreisen einer über der Obergrenze: Gütersloh (weiter gebessert)

  • Gütersloh mit 86.0 nach 112.6, 132.9, 164.2, 177.7, 192.8, 270.3 nach 257.4, 263.7, 209.6, 89.3, 94.2, ...
  • Warendorf Kreis 14.0 nach 22.0, 21.2, 19.8, 47.9, 50.4, 66.2, 68.4.
  • Hamm 12.3 nach 9.5, 15.6, 17.9, 20.7, 25.1, 26.8 (Nachbar Warendorf)
  • Göttingen 16.5 nach 15., 12.4, 21.0, 32.6, 47.2, 46.3
  • Magdeburg 0.8 nach 1.7, 4.6, 5.4, 14.2 nach 18.0, 25.6

    Ein Ergebnis des kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisse in der Fleischindustrie, für die letztlich Merkel und Klöckner "verantwortlich" sind (ist T. nicht Großspender der CDU?). Wo die Fleischsklaven aus dem Osten wohnen scheint vielfach unklar und schwer zu ermitteln zu sein. Das Gute am Schlechten: Nun ändert sich vielleicht etwas. Allerdings muss man immer mit dem Unrechtsrecht rechnen. Das Subunternehmertum und die Werkverträge ist eine neoliberale kapitalistische Krankheit, die Mit Rechts- und Sozialstaat nichts zu tun hat. Der offene Rassismus der Regierungen gegenüber Fremd- und LeiharbeiterInnen ist unerträglich, insbesondere im Zusammenhang mit dem zynischen Gesülze von den europäischen Werten. Der wichtigste tatsächliche Wert ist immer noch das goldene Kalb. Das muss sich ändern: nachhaltig und  tatsächlich nicht nur auf der Blubberblasenebene.

    Eine treffliche und bissige Kolumne hierzu findet man beim Spiegel:  "Too pig to fail - Anleitung zum Wurstigsein. Wenn Sie zu den UnternehmerInnen gehören, die auch während einer Pandemie so hohe Gewinne wie möglich einfahren wollen, dann gibt es einige Regeln, die Sie unbedingt beachten sollten.

       Krisenmanagemanegment der hotspots. An fast allen Beispielen kann man sehen, dass das Krisenmanagement der Rückführungen der 7Tage/50 Kriteriums in den (einstigen) hotspots ziemlich gut funktioniert. Eine 2. Welle ist derzeit nicht in Sicht:

    Wellendiskussion: Weltweit 29.06.20 * Ausgewählte Länder 25.06.20 * Deutschland, Nachbarn, Orientierungsländer 26.06.20 * Graphische Detailanalyse für Deutschland 01.06.20 (ca. 14 Wellen)  *

Herr Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel schrieb am Di, 2020-06-30 um 10:49 Uhr:

Ich habe mich einstweilen zu Forschungszwecken daher für den simplen Bruch Neuinfizierte/Aktive mit einer im Prinzip willkürlichen Tageszuordnung entschieden, um zu sehen, was man damit machen kann und was dabei herauskommt. 

Und ich verzichte vorläufig noch darauf, aus reinem Interesse an diesem Forschungsvorhaben zu beleuchten, was diese zwei Aspekte dabei dann bedeuten:

1. der Quotient Neuinfizierte/Aktive

2. eine willkürliche Tageszuordnung

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Herr Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel schrieb am Di, 2020-06-30 um 10:49 Uhr:

NRW nach 146, 152, 421, 158, 314,260, 200, 297, 549, 216, 379,205, 158, 108, 79, 96, ... . Wachstumsrate für Neuinfektionen 0.0393 nach 0.0355. Man sieht, wie sensibel und präzise die Wachstumraten für Neuinfektionen reagieren.

 Herr Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel schrieb am Mo, 2020-06-29 um 09:54 Uhr:

NRW 146 nach 152, 421, 158, 314, 260, 200, 297, 549, 216, 379,205, 158, 108, 79, 96, ... . Wachstumsrate für Neuinfektionen 0.0402 nach 0.0408: Man sieht, wie sensibel und präzise die Wachstumsrate für Neuinfektionen reagiert.

Die jeweils erste Zeile in den 2 Zitaten zeigen mir jedenfalls eine ganz genau gleiche Zahlenfolge.

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Ein zweites, interessantes Phänomen sehe ich auch noch dabei:

Die 2 Zitate haben 1 Tag Abstand, wie kam  Herr Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel von der am Montag neuen, aktuellen (Nachfolger-) Zahl 0.0402 auf die am Dienstag ältere Vorgänger-Zahl 0.0355, denn da hätte ich rein denklogisch die Montags-Zahl erwartet, da der Dienstag ja der Nachfolger vom Montag ist, bzw. der Montag der Vorgänger vom Dienstag ist.

Bei mir jedenfalls ist das so auf allen meinen Kalendern, die ich besitze.

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Interessant ist, dass Herr  Herr Dipl.-Psych. Dr. phil Rudolf Sponsel offenbar vor den Wellenbrechern höhere Wellenscheitel annimmt als hinter den Wellenbrechern, analog beim offenen Ozean und im Naturhafen, da haben ist nur noch die Tide vorhanden.

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Ich finde das sogar hochinteressant, dass beim Herr Dipl.-Psych. Dr. phil Rudolf Sponsel heftige Wellen plus Tidebewegungen am Meer bzw. heftige Wellen plus Pegelbewegungen geringer ausfallen als die Tidebewegung oder die Pegelbewegung bei den Wasserständen und ihren Gefahrenpotentialen für Überschwemmungen und andere Schäden alleine.

Eine tolle Theorie des Herrn Dipl.-Psych. Dr. phil Rudolf Sponsel aus Erlangen, ohne Meeresnähe, nur an der kleinen Regnitz gelegen.

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... da ist nur noch die Tide vorhanden. (ohne haben)

Herr Dipl.-Psych. Dr. phil Rudolf Sponsel aus Erlangen an der kleinen Regnitz, wissen Sie eigentlich,  was eine Sturmflut, oder eine Springflut, oder beides kombiniert für die deutsche Nordsee-Küste bedeuten?

Herr Dipl.-Psych. Dr. phil Rudolf Sponsel aus Erlangen an der kleinen Regnitz, ahnen Sie, warum bei einem Rheinhochwasser, wenn das Wasser schon ganz oben an den mobilen Dämmen steht, wie in Köln am Rhein, keine Frachter mehr den Fluss befahren dürfen?

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Anders gesagt: Wer nur  in einem geschützten Naturhafen mit einem kleinen Zugang zum offenen Meer herumschippert, der versteht nicht, was die Seeleute vom freien Ozean und vom Kap Hoorn berichten.

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Weg mit der Fleischindustrie!

In der Corona-Pandemie erlangen gerade Schlachthöfe unrühmliche Aufmerksamkeit als Corona-Hotspots. Dabei richtet sich der kritische Blick vor allem auf die Bedingungen, unter denen die Menschen dort ausgebeutet und Ansteckungsgefahren ausgesetzt werden. Auf der anderen Seite stehen die Tiere, die so oder so nicht mit dem Leben davon kommen werden. Derzeit wird überlegt, Tiere, die wegen geschlossener Schlachthöfe aktuell nicht geschlachtet werden, zu töten, bevor weitere Futter- und Haltungskosten an sie verschwendet werden. Ein durch und durch krankes System.

Warum schreiben Sie, Herr Sponsel, und andere nicht auch anlässlich der globalen Corona-Pandemie:

"Weg mit der chinesischen Diktatur!"

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Bei den aktualisierten Diagrammen von Kevin Drum zeigt sich jetzt, dass  Kanada auch nur noch ein Minimum an neuen Todesfällen (pro Million der Bevölkerung) registriert. Weiterhin stagnieren aber die USA, UK und SWE bei ca. zwei Toten pro Tag pro Million der Bevölkerung.

Bayerns Ministerpräsident hat jetzt angekündigt, dass sich demnächst jede/r freiwillig testen lassen kann, also unabhängig von Symptomen. Dass nach wie vor - trotz der vorhandenen Kapazitäten - kein repräsentatives Panel in regelmäßigen Abständen getestet wird, halte ich für sehr fragwürdig.

Von der Münchener Dunkelfeldstudie, die Mitte Juni Ergebnisse vorlegen sollte, ist immer noch nichts zu hören.

Herr Professor Dr. Müller, die Münchner und andere Wissenschaftler, auch die aus NRW (Heinsberg-Gangelt) werden vermutlich schon etwas vorsichtiger geworden sein und von zu frühen Publizierungen der Ergebnisse ihrer Studien inzwischen Abstand nehmen.

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Wie kann ich mir ein "repräsentatives Panel" in diesem Zusammenhang denn vorstellen. Gibt es denn schon jemanden, der dazu einen Vorschlag oder eine Anregung gemacht hat oder machen kann?

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Herr Kolos, wenn Sie meine Antwort hören wollen, das weiss zur Zeit niemand, was ein "repräsentatives Panel" wäre, denn es gelten ja überall bereits wirksame Gegenmassnahmen, die auf  alle Auswahlen aus der Population in der BRD bereits einwirken.

Die sog. "Aktiven" sind doch auch alle davon betroffen.

Vorhersagen bei Wahlen (Wahl-Prognosen) dürfen z.B. auch nicht mehr vor den eigentlichen Wahlen veröffentlicht werden, um nicht die Wähler darauf taktisch noch reagieren zu lassen.

Bei Wahlen jedoch stellen sich viel leichtere Fragen für die Statistiker und Prognostiker als bei einer neuen Pandemie.

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Die Augsburger Allgemeine:

Und zwar darauf, ob sie gerade mit dem Coronavirus infiziert sind und darauf, ob sie Antikörper gegen das Virus in sich tragen.

Wie zuverlässig diese Tests auf das Virus und auf Antikörper sind, dazu gibt es übrigens eine neue Cochrane-Studie, aber auch die wird ja evtl. wieder selber umstritten sein.

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"eine neue Cochrane-Studie" von der Cochrane Library:

https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD013652/full

In Österreich wurde darüber bereits berichtet, besonders von einem Herrn Dr. Peter F. Mayer, niederösterreichischer Publizist und Journalist.

Wie dieser sehr rührige Autor einzuschätzen ist, lasse ich mal offen.

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In der Verordnung zum Anspruch auf bestimmte Testungen für den Nachweis des Vorliegens einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 (neu gefasst am 8.6.2020) ist die Rede von dem "Anspruch auf Leistungen der Labordiagnostik" (§ 1 I). Damit sind wohl die PCR-Tests gemeint und nicht die Antikörper(schnell)tests. Für die Erweiterung des Anspruchs in Bayern auf alle Personen dürfte dasselbe gelten.

vgl.:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/C/Coronavirus/Corona-Test-VO_20i_SGB_V_mit_Begruendung.pdf

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Herr Kolos, für Sie als Jurist:

https://www.nordbayern.de/region/nuernberg/corona-tests-bei-kindern-im-herbst-wird-es-die-holle-1.10227015

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AKK-200630 Deutschland, Bundesländer, Kreise: Am 30.06.2020 etwas weniger Neuinfektionen. 2. Welle nicht in Sicht.

     Für Deutschland meldete das RKI 466 nach 498, 262, 256, 630, 587, 503, 537, 687, 601, 770, 580, 345, 378, 192, 247, ...  also wieder etwas weniger, was sich sofort in der Wachstumsrate für Neuinfektionen abbildet:  0.0386 nach 0.0393.

   Definitionsmaß ar% = (Neuinfektionen/Aktive)*100 = (466/5940)*100 = 7.85%. Die Verlaufswerte, Nachfolger und Vorgänger sind in jedem Fall interpretierbar, ob als Ansteckungsrate ist zweifelhaft. Höhere (niedrigere) Prozentwerte bedeuten, dass die Neuinfizierten in Bezug auf die Aktivenanzahl steigen (fallen). Zum Vergleich: ein R-Wert von 1 entspräche 100%, einer von 0.72 dann 72% mit der Interpretation, dass  im R-Zeitraum 100 Infizierte 72 Neuinfizierte hervorbringen. Diese R-Ansteckungsraten erscheinen mir viel zu hoch, daher die Überlegungen und Versuche, angemessenere und plausiblere Maßzahlen zu finden. Die Idee der Ansteckungsrate ist gut und vernünftig, aber sehr schwer zu     angemessen und nachvollziehbar zu operationalisieren. Ich habe mich einstweilen zu Forschungszwecken daher für den simplen Bruch Neuinfizierte/Aktive mit einer im Prinzip willkürlichen Tageszuordnung entschieden, um zu sehen, was man damit machen kann und was dabei  herauskommt.

    Anmerkung: Korrekturen zum Vortag 29.06.2020 auf der Homepage.

Ausgewählte Bundesländer: überwiegend im grünen Bereich.

  • NRW 176 nach 197, 146, 152, 421, 158, 314,260, 200, 297, 549, 216, 379,205, 158, 108, 79, 96, ... . Wachstumsrate für Neuinfektionen  0.0410 nach 0.0423 (Korrektur), wieder leicht gesunken. Man sieht, wie sensibel und präzise die Wachstumraten für Neuinfektionen reagieren. Die Verhältniszahl der geometrischen Mittel der 7-7 Periode für den 30.06.2020 betrug 0.9660 nach 1.0161, zeigt also wieder sinkende Wachstumsraten der Nachfolgerperiode an.
  • Bayern 80 nach 56, 50, 32, 60, 80, 127, 101, 27, 24, 16, ...
  • Berlin 75 nach 44, 8, 23,  49, 75, 46, 59, 83, 29, 71, 130, 128, 72, 33, ...
  • Baden-Württemberg 74 nach 90, 0, 0 /keine Meldungen über das Wochende, kann also nicht beurteilt werden.
  • Niedersachsen 42 nach 33 nach 24, 22,  34, 44, 51, 15, 29, 147, 0, ...
  • Hessen 16 nach 33, 1,  30, 24, 41, 21, 32, 35, 3, .... (sieht auch nach Sondereffekten aus)
  • Brandenburg 11 nach 10, 2, -20 [Korrektur], 0, 9, ...
  • Schleswig 5 nach 7, 0, 1, 2, ...
  • Sachsen 4 nach 0, 0 spricht auch für einen Wochenendeffekt.
  • Thüringen 4 nach 0, 2,  8, 15, -6 [Korrektur], 2, 8, 7, ...

Kreise: Von 401 Kreisen einer über der Obergrenze: Gütersloh (aber weiter gebessert)

  • Gütersloh mit 78.0 nach 86.0, 112.6, 132.9,164.2, 177.7, 192.8, 270.3 nach 257.4, 263.7, 209.6, 89.3, 94.2, ...
  • Warendorf Kreis 13.0 nach 14.0, 22 .0, 21.2, 19.8, 47.9, 50.4, 66.2, 68.4.
  • Hamm 10.6 nach 12.3,  9.5, 15.6, 17.9, 20.7, 25.1, 26.8 (Nachbar Warendorf)
  • Göttingen 11.3 nach 16.5, 15.5, 12.4, 21.0, 32.6, 47.2, 46.3
  • Magdeburg 0.4 nach 0.8, 1.7, 4.6, 5.4, 14.2 nach 18.0, 25.6 

    Gütersloh: Ein Ergebnis des kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisse in der Fleischindustrie, für die letztlich Merkel und Klöckner "verantwortlich" sind (ist T. nicht Großspender der CDU?). Wo die Fleischsklaven aus dem Osten wohnen scheint vielfach unklar und schwer zu ermitteln zu sein. Das Gute am Schlechten: Nun ändert sich vielleicht etwas. Allerdings muss man immer mit dem Unrechtsrecht rechnen. Das Subunternehmertum und die Werkverträge ist eine neoliberale kapitalistische Krankheit, die Mit Rechts- und Sozialstaat nichts zu tun hat. Der offene Rassismus der Regierungen gegenüber Fremd- und LeiharbeiterInnen ist unerträglich, insbesondere im Zusammenhang mit dem zynischen Gesülze von den europäischen Werten. Der wichtigste tatsächliche Wert ist immer noch das goldene Kalb. Das muss sich ändern: nachhaltig und tatsächlich nicht nur auf der Blubberblasenebene.

    Eine treffliche und bissige Kolumne hierzu findet man beim Spiegel:  "Too pig to fail - Anleitung zum Wurstigsein. Wenn Sie zu den UnternehmerInnen gehören, die auch während einer Pandemie so hohe Gewinne wie möglich einfahren wollen, dann gibt es einige Regeln, die Sie unbedingt beachten sollten.

      Zum Vergleich auch sehr interessant, wie das die Schweiz handhabt. Hierzu die FAZ vom 30.06.20: "Tönnies-Skandal : Was machen Schweizer Fleischbetriebe besser? Auch in Schweizer Schlachthäusern arbeiten viele Osteuropäer. Aber die Arbeits- und Wohnbedingungen sind deutlich besser als in Deutschland. Ist deshalb die Fleischbranche der Nachbarn bisher so glimpflich durch die Krise gekommen?"

    Krisenmanagemanegment der hotspots. An fast allen (früheren) Beispielen kann man sehen, dass das Krisenmanagement der Rückführungen der 7Tage/50 Kriteriums in den (einstigen) hotspots ziemlich gut funktioniert. Eine 2. Welle ist derzeit nicht in Sicht ...:

   Wellendiskussion: Weltweit 29.06.20 * Ausgewählte Länder 25.06.20 * Deutschland, Nachbarn, Orientierungsländer 26.06.20 * Graphische Detailanalyse für Deutschland 01.06.20 (ca. 14 Wellen)  *

Erfreulich ist es, dass Sie, Herr  Dipl.-Psych. Dr. phil Rudolf Sponsel meine Fehlernachweise als Meldungen auch gelegentlich mal beachten und umsetzen. Weiter so!

Ansonsten verweise ich auf alle meine Kommentare, die heute noch lesbaren und auch die anderen. Daran habe ich nichts zu ändern, was ich nicht schon ohne fremde Hinweise und auch unaufgefordert selber geändert habe.

Insbesondere verweise ich auf meinen Kommentar vom Mi, 2020-07-01 um 01:59 Uhr

Der Herr Kolos war so freundlich, und hatte einen Link in diesem Kommentar eingestellt (Waldemar R. Kolos kommentiert am Mi, 2020-04-22 14:50 ):

Der Link zur TU Freiberg:

http://www.mathe.tu-freiberg.de/~wegert/Lehre/Seminar3/moehler.pdf

(Ein PDF von 12 Seiten.)

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