Schwere Zeiten (auch) für junge Juristen

von Prof. Dr. Christian Rolfs, veröffentlicht am 06.04.2020
Rechtsgebiete: Bürgerliches RechtArbeitsrechtCorona9|2475 Aufrufe

Die Corona-Pandemie wirft derzeit die Planungen vieler Menschen über den Haufen, Juristinnen und Juristen sind da nicht ausgenommen. Wer sich etwa auf sein Staatsexamen vorbereitet hatte, muss die Lernphase noch etwas strecken. Mündliche und schriftliche Prüfungen sind vorerst abgesagt, Einstellungen ins Referendariat in NRW kurzfristig ausgesetzt. Für besonderes Erstaunen sorge eine Meldung auf LegalTribuneOnline: Die Kanzlei Taylor Wessing, in Deutschland an fünf Standorten (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München) vertreten, habe im März allen ihren 95 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gekündigt - durchweg junge Juristinnen und Juristen nach bestandenem ersten Examen oder während des Referendariats. Das ist sicher nicht der Weg, sich als künftiger Top-Arbeitgeber zu präsentieren. Und ob die Kündigungen wirksam sind oder zumindest an der fehlenden Massenentlassungsanzeige (§ 17 KSchG) scheitern, würde (wenn jemand klagt) auch zu diskutieren sein.

Diesen Beitrag per E-Mail weiterempfehlenDruckversion

Hinweise zur bestehenden Moderationspraxis
Kommentar schreiben

9 Kommentare

Kommentare als Feed abonnieren

Ich finde es - um es freundlich zu formulieren - einen wenig solidarischen Akte von TW, diese Kündigungen auszusprechen, im Übrigen war dies sehr kurzfristig gedacht. Immerhin gibt es schon einen Auffangmarkt von Kollegen, die schon offen diese 95 bewerben. Und es gibt eine Justiz, die sich freut, wenn wieder gute Juristen auf dem Markt sind. In HH finden übrigens noch Prüfungen des GPA statt.

Naja, mein Mitleid hält sich, offen gestanden, in Grenzen. In Krisensituationen erwischt es immer diejenigen, die am kürzesten dabei sind, als erste mit Kündigungen. Außerdem finden die, sicherlich hochqualifizierten, Kolleginnen und Kollegen, sicher schnell was Neues. 

Bei dem LTO-Artikel stelle ich mir vielmehr die Frage, wie man bei der Themenauswahl eine derartige Nebensache nur so aufblasen kann, anstatt über jedes beliebige andere Thema aus dem Dunstkreis "Corona" zu berichten, wo es wesentlich mehr brennt. 

Die LTO-Leser interessieren sich vielleicht vornehmlich für Themen um dem Dunstkreis Corona, aber nicht ausschließlich? Soll die Lokalzeitung derzeit auch nicht über die Vorstandswahl im örtlichen Schützenverein berichten, weil dies ja angesichts Corona eine Nebensache ist? Man kann doch weiterhin seine Berichterstattung halbwegs breit gefächert verschiedenen Themenbereichen widmen. Zumal ein erheblicher Teil der Leser-Zielgruppe der Juristen sich für den juristischen Arbeitsmarkt interessieren dürfte. "Aufgeblasen" finde ich den Bericht auf LTO auch nicht, er stellt doch recht prägnant die Sachlage dar?

Ob die massenhaften Kündigungen sinnvoll sind für die Geschäftstätigkeit von Taylor Wessing, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ob man damit ein sinnvolles Signal sendet an potenzielle Nachwuchsanwälte, die sich nach der Krise dann ggf. lieber bei anderen Kanzleien bewerben, und an Mandanten, die daraus möglicherweise auf eine niedrige Liquidität der Kanzlei schließen, lasse ich mal dahingestellt.

Mitleid... naja, muss man nicht unbedingt haben. Aber wenig solidarisch ist es trotzdem.

Passt aber in das häufig gezeichnete Bild dieser Großbuden: Profit, Profit, Profit. Wer da anfängt, muss sich darüber im Klaren sein, ausgebeutet und beim ersten Anlass fallengelassen zu werden. Einige überleben, ja, aber man sollte sich fragen, was es mit einem macht, so eine Zeit zu überleben. Die angenehmste Person ist man danach nicht mehr unbedingt, weder für sich noch für andere.

0

Sehe ich ähnlich. Man sollte sich nichts vormachen, es geht - was legitim ist - um Profit. Es muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er bereit ist, an einem solchen Modell teilzuhaben, und Kosten und Nutzen für sich abwägen. Sich nicht der naiven Illusion hingeben, Fleiß und gute Arbeit würden automatisch zu einem sicheren Job oder gar einer steilen Karriere führen.

Schon Herr Heinz sagt es zutrefend:Profit - ist ja wohl legitim. Einnahmen und möglichst Überschussreiche Wirtschaft. Es gibt so Frömmlervereine wie Kirchen,Caritas, Diakonie - sie säuseln sanftmütig generell in Debatten vom Edlen des Edelsten, man dürfe doch nicht aufs Geld sehen. Wenn's um die Wurst geht - Geld, Geld, Geld ,Geld - wollen sie alle haben. Vom Kuchen  der Kirchensteuer, jetzt direkt vom Staat. Geld, Geld, Geld, Geld. Gewerkschaften, Linke und noch Linkere - Geld, Geld, Geld vom Staat. 

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Rolfs,

die Lehre wird in den kommenden Monaten vor großen Herausforderungen gestellt. (Examens-) Seminararbeiten, Hausarbeiten und große Übungsarbeiten ohne Seminar/Bibliothek. Der Zugang zu den Fachdatenbanken wurde zwar erweitert, jedoch muss auch weiteres Material (Lehrbücher) online zur Verfügung gestellt werden. Vorlesungen ohne Hörsaal. Alles online: Eine Herausforderung für beide Seiten. Ich hoffe, dass alle an einem Strang ziehen und sehe es als Chance sich weiterzuentwickeln. Zusammenhalt ist in dieser Zeit gefragt! Wir haben zurzeit keine andere Option.

Sehr geehrter Herr Würdinger,

Sie verkennen den beschriebenen Zustand in erheblicher Weise. Es geht nicht um Mitleid. Es geht um Solidarität, Stil und Strategie. Wer mit seinen Mitarbeitern so umgeht, der hat die Grundwerte unserer Demokratie nicht verinnerlicht.

Das nennt sich angelsächsisches Wirtschaften: Money, Money, Money ohne Rücksicht auf die Moral und den Menschen. Die meisten hiesigen Großkanzleien sind zwischenzeitlich angelsächsisch dominiert und heißen auch so. Ich sage nur Freshfields...

0

Kommentar hinzufügen