Berichte über „Zombie-Droge“ in den USA

von Prof. Dr. Jörn Patzak, veröffentlicht am 29.01.2023
Rechtsgebiete: StrafrechtBetäubungsmittelrecht|4515 Aufrufe

In verschiedenen Medienberichten ist die Rede davon, dass eine „Zombie-Droge“ die USA überzieht (z.B. Spiegel oder Stern). Es geht um Xylazin, welches in Heroin oder Fentanyl gemischt und in der Szene als „Tranq“ oder „Tranq dope“ bezeichnet wird. Der Stoff steht im Zusammenhang mit der Opioidkrise in den USA, die im Jahr 2020 mit erschreckenden 91.799 Drogentoten nach einer Opioid-Überdosis einen neuen Höchststand erreicht hat. Die Opioidkrise in den USA ging in drei Wellen vonstatten: Die 1. Welle begann spätestens 1999 mit der Zunahme von Drogentoten nach dem Konsum von verschreibungsfähigen Opioiden (prescription Opioids), gefolgt von der 2. Welle mit der Zunahme von Heroinüberdosen ab 2010 und der 3. Welle mit Überdosen infolge des Konsums von synthetischen Opioiden seit 2013, z.B. Fentanyl (s. dazu CDC, Centers for Disease Control and Prevention). Philadelphia hat ein Infoblatt mit Warnungen zu Xylazin herausgegeben, in dem es heißt, dass der Stoff in 90% der im Jahr 2021 untersuchten Drogenproben nachgewiesen worden sei. Xylazin wird in der Tiermedizin zur Sedierung von Tieren verwendet, insb. bei Pferden, Rindern, Hunden und Katzen. In der Drogenszene hat es sich wohl erstmals 2005 in Puerto Rico verbreitet. Xylazin hat ein hohes Abhängigkeitspotential und kann zu nässenden Wunden sowie zu Gewebeschädigungen an der Einstichstelle führen, wodurch unter Umständen Amputationen notwendig werden. Letzteres erinnert an Krokodil (Desomorphin), das vor gut 10 Jahren in den Schlagzeilen war und sich erfreulicherweise in Deutschland nicht ausgebreitet hat (Blog-Beiträge vom 26.9.2011 und 20.10.2013).

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