Gestorben wird immer und überall; jedoch ist gerade in einer Haftanstalt zu fragen, ob ein Tod vermeidbar gewesen wäre. Am 18.01.2014 suicidierte sich ein 19-jähriger Mann aus dem ehemaligen Ostblock. Mitgefangene berichteten, er sei gemobbt worden, ob das stimmt, kann nicht verifiziert werden. Und am Folgetag starb der Sicherungsverwahrte H.; er lag mehrere Stunden tot im Gruppenraum der „Station 2“ der SV-Anstalt, eine Teilanstalt der JVA Freiburg im Breisgau. Gefunden wurde H. von zwei Mitverwahrten (ausführlich dazu: http://de.indymedia.org/2014/01/351781.shtml).

Am Montag, 20.01.2014 wurden dann in den 4 SV-Abteilungen „Stationsversammlungen“ durchgeführt, um den Tod von Herrn H. in Anwesenheit eines/einer PsychologIn und SozialarbeiterIn zu reflektieren. Für die Station 2, die als „Therapieverweigerer- und Querulanten-Station“ gilt, hat sich die zuständige Leiterin des Psychologischen Dienstes, Frau Dr. S. entschlossen, nunmehr alle 14 Tage eine Sprechstunde anzubieten.

Eine Obduktion des Herrn H. habe ergeben, so ein JVA-Beamter, dass dieser an einem Herzdefekt gelitten habe; da er jedoch der sportlichste aller Verwahrter und täglich im Hof sportlich aktiv war, wurde sein Tod zum Menetekel für all die Verwahrten, die gesundheitlich viel schlechter dran zu sein scheinen. Keiner der Verwahrten möchte in Gefangenschaft sterben.

Nur wenige Türen trennen den Jugendbau von der SV-Abteilung: Dort ein toter Jugendlicher, noch das ganze Leben vor sich, wie auch das Strafverfahren, denn er saß in U-Haft wegen Diebstahls, wie es heißt. Und hier, in der SV, ein Mann in den 50ern, eigentlich auch noch viele Jahre vor sich, aber mutmaßlich am Ende seiner „kriminellen Karriere“, denn die SV gilt nicht umsonst als „Endstation“.

Da alleine in den letzten 11 Monaten drei Verwahrte starben, warten nun die über 50 noch lebenden Verwahrten darauf, wen es als nächsten treffen wird.

Thomas Meyer-Falk, z. Zt. JVA Freiburg

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