Autonome Fahrzeuge: US Transportministerium veröffentlicht neue Leitlinien

von Dr. Axel Spies, veröffentlicht am 12.09.2017

Die heute veröffentlichten Leitlinien des US Department of Transportation „A Vision for Safety 2.0“ sind in mehrerer Hinsicht bemerkenswert:

  • Sie sollen das bisherige zersplitterte bundesstaatliche Recht für autonome Fahrzeuge zu Automatic Driving Systems (ADS) vereinheitlichen.
  • Sie sind gerade mal halb so lang wie die 15-Punkte-Leitlinien der Obama-Administation (vgl. ZD-Aktuell 2016, 05326) und sollen möglichst viel Bürokratie abbauen.

Die teilweise einer Power Point-Präsentation ähnlichen Leitlinien beruhen auf fünf Regierungsebenen von „0“ - keine Automation“ bis „5“ volle Automation.“ Das Kernstück ist weiterhin die freiwillige Selbsteinschätzung (Voluntary Safety Self-Assessment) der Hersteller, zu dem es bereits eigene Leitlinien und FCC-Regeln (Kollisionsvermeidung - im Blog hier) gibt.

Am vergangenen Mittwoch hatte das US-Repräsentantenhaus sich einstimmig darauf geeinigt, die rechtlichen Hindernisse möglichst aus dem Weg zu räumen, die Hersteller und Technologieunternehmen davon abhalten könnten, selbstfahrende Fahrzeuge in einem größeren Maß zum  Einsatz zu bringen.  Die Maßnahme erlaubt es den Herstellern, wenn sie Gesetz wird, bis zu 25.000 Fahrzeuge pro Jahr zu platzieren, ohne alle bestehenden Sicherheitsstandards im ersten Jahr zu erfüllen. Beispielsweise könnten dann Fahrzeug ohne Steuerrad und Gaspedal testweise zum Einsatz kommen, was bislang nicht möglich ist.  

Über drei Jahre würde dieser Deckel dann auf 100.000 Fahrzeuge angehoben. Die Hersteller müssten im Gegenzug den Regulierungsbehörden die Sicherheitsbewertungen ihrer Systeme zuleiten, aber müssten nicht erst auf eine Bundesgenehmigung warten, um ihre autonome Fahrzeuge auf die Straße zu bringen. Einzelstaatliche Genehmigungen währen allerdings weiter erforderlich, da in den USA das einzelne bundesstaatliche Recht eine stärkere Rolle bei der Fahrzeugzulassung spielt als in Deutschland. Ob der US Senat der Maßnahme zustimmt ist noch offen.

Was meinen Sie? Geht dieser industriefreundliche Ansatz auf Kosten der Sicherheit im Straßenverkehr? Wie sehen Sie die rechtliche Situation und die Chancen für autonome Fahrzeuge in Deutschland? 

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4 Kommentare

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Deutschland hinkt mal wieder hinterher:

"Die Mehrheit der Menschen in Deutschland will ihr Auto auch in Zukunft lieber selbst steuern und dem Fahrzeug nicht völlig die Kontrolle überlassen. Knapp jeder Dritte (30 Prozent) kann sich auf gar keinen Fall vorstellen, in einem autonom fahrenden Wagen unterwegs zu sein, wie eine repräsentative Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) ergab. http://www.ey.com/de/de/newsroom/news-releases/ey-10092017-deutsche-wollen-kontrolle-behalten-nur-26-prozent-wuerden-in-einem-rein-autonomen-auto-fahren

Weitere 21 Prozent halten es für unwahrscheinlich, dass sie sich in solch ein Auto setzen würden, fünf Prozent wissen es nicht. Nur gut jeder Vierte (26 Prozent) wäre uneingeschränkt bereit, sich einem autonom fahrenden Fahrzeug anzuvertrauen, weitere 18 Prozent sagen: vielleicht.

Ein Drittel ist überzeugt, dass sich autonomes Fahren durchsetzen wird

Wenn sie weiterhin eine Möglichkeit hätten, im Notfall noch selbst einzugreifen, sind die Menschen aufgeschlossener: Dann würde jeder Dritte definitiv einsteigen, nur 13 Prozent blieben bei ihrer kategorischen Ablehnung. Und generell gilt: Die Jüngeren und die Männer stehen dem autonomen Fahren offener gegenüber als die Älteren und die Frauen.

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Deutschland hinkt mal wieder hinterher:

Woher wissen Sie, dass die USA in den von Ihnen genannten Punkten voranhinken und wie dort die entsprechenden Prozentzahlen aussehen?

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Ich kenne die Zahlen in den USA nicht, aber mein Eindruck ist, dass so eine Maßnahme wie in den USA in Deutschland derzeit augrund der eher negativen öffentlichen Meinung nicht möglich ist. Oder sind Sie anderer Meinung?

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Die Zahlen für die Akzeptanz von autnomen Fahrzeugen und ihren Riskiken sind vermutlich in den USA ähnlich wie in Deutschland, aber die Frage ist, wie die Politik und die Industrie das Thema promotet.

Hier die neuesten mir bekannte US-Umfrageergebnisse, die auch durch die Fragestellung beeinflusst sind...

https://www.androidheadlines.com/2017/09/us-drivers-dont-want-autonomous-cars-report-claims.html

Zitat: "AlixPartners conducted the recent survey with the help of 1,500 drivers in the United States, and according to the research, there are many factors leading to potential customers not being eager to relinquish control of the steering wheel. 84 percent of participants fear that self-driving vehicles are susceptible to software malfunctions, while 80 percent are more worried about potential hardware issues. 79 percent seem to be worried about the autonomous system’s capability to handle extreme situations like the popular trolley problem, and fear that self-driving cars are unable to choose between protecting the vehicle’s passengers or others involved in an accident. 77 percent of participants fear that their autonomous vehicles could be hacked and controlled remotely, while 75 percent are worried that their vehicle and personal data may be stolen. An unsuitable road infrastructure also seems to worry 76 percent of American drivers, while 74 percent fear that it may be too difficult to control an autonomous vehicle. Lastly, 70 percent of drivers don’t trust autonomous technology to determine whether the vehicle should be moving faster or slower according to the surrounding traffic."

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