Corona-Zahlenvergleiche und kriminologische Dunkelfeldforschung

von Prof. Dr. Henning Ernst Müller, veröffentlicht am 29.03.2020
Rechtsgebiete: Corona1015|27242 Aufrufe

Dieser Beitrag stammt vom 29. März 2020. Er wurde und wird regelmäßig aktualisiert durch Updates, die unten angehängt sind.

Seit Wochen starren wir alle auf die Infektionszahlen und die Zahl der Todesfälle, überlegen uns, wie Deutschland im Vergleich zu Italien, Frankreich, USA, Südkorea etc. dasteht, sprechen über Exponentialfunktion usw. Seit Wochen denke ich, dass diese Infektionszahlen eigentlich überhaupt nichts aussagen können, denn sie sind weitestgehend eine Funktion der Rate und der Selektion der Messung.

Die täglich angegeben Zahl der Infizierten ist in etwa so verlässlich wie die Zahl der Betäubungsmitteldelikte in der Kriminalstatistik: Wenn niemand die BtM-Delikte kontrolliert und aufzeichnet, dann GIBT es sie offiziell einfach nicht. Und wenn die Polizei damit beginnt, BtM-Straftaten zu verfolgen und Personen auf Btm zu kontrollieren, dann sind die Fall- und die  Tatverdächtigenzahlen in der polizeilichen Kriminalstistik komplett davon abhängig, wie viele Polizeibeamte wo und wen kontrollieren, wiederum auch abhängig davon, wie die Polizeibeamten ausgerüstet werden und wie motiviert sie bei den Kontrollen sind.

Übertragen auf COVID19: Die Anzahl (wie viele werden überhaupt getestet?) und die Verteilung (wer wird getestet?) der Tests ist derzeit  national, regional, gesundheitspolitisch und faktisch so unterschiedlich und Maßstäbe wie Selektionskriterien ändern sich im Zeitverlauf so stark, dass die Zahl der positiv Getesteten für die derzeitigen Ländervergleiche objektiv praktisch wertlos ist.

Wenn die Zahlen ansteigen, KANN es theoretisch daran liegen, dass die Infektionen tatsächlich häufiger sind, aber es kann genauso daran liegen, dass man mehr Personen getestet hat oder die Selektionskriterien verändert hat, dass man stärker als vorher in einer betroffenen Region testet oder stärker eine andere Altersgruppe oder dass es leichter geworden ist für Personen, die sich krank fühlen, beim Hausarzt getestet zu werden. Anders als das RKI jetzt angekündigt hat, ändert sich an den Verzerrungen auch nichts dadurch, dass man einfach die Anzahl der Tests erhöht: Neue Kriterien machen Vergleiche zur vorherigen Situation noch schwieriger, wenn nicht unmöglich, und sie können die Realitätsabbildung sogar noch stärker verzerren.

Wir starren also auf Kurven, deren Datengrundlage anhand der Messkriterien einfach viel zu unterschiedlich ist und sich noch dazu auch innerhalb eines Staates nahezu täglich ändert, zB hinsichtlich der Verfügbarkeit und Distribution von Tests und Laboratorien. Noch dazu hinken die Ergebnisse einige Tage der Testung hinterher - in den einzelnen Ländern und Regionen unterschiedlich lange verzögert.

Diese täglichen Vergleiche sind deshalb m.E. komplett sinnlos.

Sinnvolle Vergleiche wären möglich, wenn in jedem Land bzw. in jeder betr. Region eine repräsentative Stichprobe von allen Einwohnern  gezogen und getestet würde (ich schätze 1000 Personen würden in einer Region ausreichen, deren Betroffenheitsgrad vorher bestimmt wurde, für die ganze Bundesrepublik müsste ein weit größere Stichprobe gezogen werden, siehe Diskussion unten), und zwar in regelmäßigen ca. 48-stündigen Abständen: Denn allein daraus, aus einer repräsentativen Stichprobe, die Region, Geschlecht, Alter der Gesamtbevölkerung abbildet, könnten Schlüsse darauf gezogen werden, wie hoch die Infektionsrate tatsächlich ist, wie stark sie steigt und wie viele Infizierte voraussichtlich schwer erkranken, also hospitalisiert oder beatmet werden müssen oder sterben. Schließlich lässt sich nur so ermitteln, ob diese Kurve der Neu-Infizierten aufgrund der getroffenen Maßnahmen abflacht. Denn auch dies lässt sich mit den derzeitigen Messungen gar nicht ermitteln: Solange nicht jeder getestet wird/werden kann oder zumindest eine repräsentative Stichprobe von allen, werden selbst bei Absinken der tatsächlichen Neuinfektionsrate die gemessenen Infektionszahlen noch ansteigen, denn man schöpft dann nur das (bisher nicht getestete) Dunkelfeld aus.

Warum die WHO eine solche repräsentative Stichprobe nicht anregt oder verlangt (nicht einmal von den großen Industriestaaten), ist ein Rätsel. Denn nur so ließe sich der Status und die Entwicklung der Pandemie einigermaßen zuverlässig ermitteln.

Solange es solche repräsentativen Studien nicht gibt, könnte ein anderer Vergleich der zugänglichen Daten nützlich sein, so wie es auch in der Kriminologie etwa bei internationalen Vergleichen erfolgt. So wird für den Vergleich der Gewaltprävalenz die Tötungsrate international verglichen, also die vorsätzlichen Tötungen im Verhältnis zur  Bevölkerung, also (relativ besser) messbare „hard facts“, die nicht praktisch zu 80 bis 90 % von der Selektion bei der Messung abhängen.

Ein einigermaßen hartes Faktum ist die SterbeRATE in der Bevölkerung. Wir können in den westlichen Gesundheitssystemen jedenfalls davon ausgehen, dass die Todesfälle durch COVID19 zwar nicht perfekt, aber wesentlich besser und objektiver erfasst werden als die tatsächlichen Infektionszahlen. Noch besser wäre es, die Zahl der schwer Erkrankten zu vergleichen, denn die Sterbefälle hängen wegen der unterschiedlichen Gesundheitssysteme ja auch davon ab, wie gut oder schlecht eine Gesellschaft mit der Pandemie umgehen kann (Stichwort: Intensivbetten, Beatmungsgeräte).

Im Netz habe ich nur eine Stelle gefunden, die die Todesraten für die westlichen Industriestaaten regelmäßig auswertet und in Beziehung setzt. Kevin Drum ist ein Blogger aus Kalifornien, der neun Staaten miteinander vergleicht Ein keineswegs perfekter Vergleich, dessen Aussagekraft aber m.E. etwas besser einzuschätzen ist.

Zu beachten sind folgende Setzungen:

1. Die Todeszahlen werden jeweils auf die Gesamtbevölkerungszahl bezogen (und nicht, wie üblich, auf die Zahl der gemessenen Infizierungen).

2. Es wird der Vergleichs-Nullpunkt jeweils bei 1 Todesfall pro 10 Millionen der Bevölkerung gesetzt (und nicht wie üblich, ab dem Zeitpunkt einer aufgrund relativ willkürlicher Testraten angenommenen Anzahl der Infektionen.

3. Die Italienkurve wird zum Vergleich herangezogen, weil dort relativ früh ein Sterbefall pro 10 Million Bevölkerung aufgetreten ist und alle anderen westlichen Staaten einige Tage oder Wochen hinterherlaufen.

Was sind nun die Erkenntnisse aus diesem Vergleich (27.03.2019)?

a) anders als alle anderen feststellen: Deutschland steht (bisher) nicht wesentlich besser da als Italien. DE ist vielmehr mit ITA auf derselben Linie wie Frankreich, Schweden und UK. Erst die kommenden Wochen werden zeigen, ob DE tatsächlich die Krise so viel besser bewältigt als ITA.

b) Die Schweiz steht überraschend gut da, Spanien viel schlechter als ITA.

c) USA und Canada stehen in dieser Statistik derzeit– noch – gut da, sogar besser als Deutschland.

Einwände, wie etwa das  Dunkelfeld der ungetestet/unbehandelt am Virus Verstorbenen sind allerdings auch hier in Rechnung zu stellen. Erst nach der Krise wird man an der Steigerung der Sterblichkeit im Jahr 2020 weitere Einschätzungen treffen können, auch was die mittelbaren Sterbefälle (durch allg. Überlastung des jew. Gesundheitssystems) angeht.

Update (31.03.):

Ich habe als Bild oben die neuere Grafik von Kevin Drum eingefügt (Stand ist jetzt 30.03.):

a) auch in Deutschland steigen die Sterberaten zwar, aber sie bleiben jetzt etwas niedriger als in Italien im verglichenen Zeitpunkt. Frankreich und UK sind in etwa auf demselben Pfad wie ITA

b) Die Schweiz bleibt bei den Sterbezahlen unter der Vergleichskurve Italiens - dies könnte in etwa der Pfad sein, der sich auch in DE zeigen wird (CH ist in diesem Vergleich neun Tage voraus).

c) In USA steigen die Sterbezahlen an, liegen aber noch deutlich unter der Italienkurve.

Was allerdings diese Kurvenvergleiche nicht abbilden (können), ist, wie sich das Virus innerhalb der einzelnen Staaten verbreitet. Besonders gefährlich ist es dort, wo viele Risikogruppenangehörige  infiziert werden - dort steigen auch die Sterberaten erheblich. Sind dies begrenzte Regionen innerhalb eines Staatsgebildes, dann zeigt sich dies kaum in der Sterblichkeitsrate für den Gesamtstaat. Dies zeigt sich etwa in den USA, aber auch in China (das in dieser Grafik nicht enthalten ist). Man müsste für diesen Vergleich dann kleinere Einheiten verwenden, also etwa den Staat New York oder die Provinz Hubei.

 

Es wird nun unter Leitung des Virologen Streeck zumindest in dem ersten deutschen Infektionscluster Heinsberg eine repräsentative Panel-Studie mit 1000 Personen durchgeführt, Es werden damit nicht nur die (bisher) getesteten und positiven Fälle bei Infektionsverdacht erfasst, sondern eine repräsentative Stichprobe aus dem gesamten Landkreis. Dies geht deutlich in die Richtung, die ich oben angedeutet habe, auch wenn sie natürlich keinen Vergleich zwischen verschiedenen Bundesländern und schon gar nicht Staaten ermöglicht. Wünschenswert wäre zumindest eine weitere repräsentative Pilotstudie in einem bisher unauffälligen Landkreis und ähnliche Panel-Studien in zwei Städten. Aber man kann nicht alles haben. Die Kritik daran, dass man nicht schon vorher repräsentative Studien durchgeführt hat, teile ich.

Update (3. 4. 2020):

Es ist nun mind. eine weitere Studie geplant, die das Dunkelfeld aufhellen soll, berichtet der Spiegel heute.

Update (6.4.2020):

Ich habe die Grafik von Kevin Drum aktualisiert.
Fortschreibung der vorher genannten Entwicklungen:
a) die Sterberaten in DE bleiben deutlich unter denen von Italien, sie sind auch besser als die Entwicklung in der Schweiz

b) Frankreich und UK liegen nun etwas über der Kurve von Italien, Schweden etwa gleichauf

c) Die USA bleiben bislang unter der Kurve von Italien, scheinen aber "aufzuholen"

d) Spanien zeigt die schlimmste Entwicklung der neun verglichenen Staaten, Canada die beste.

Update (7.4.2020)

Auszug aus einem Thesenpapier von Schrappe u.a. vom 5. April (Aerztezeitung dazu):

These 1.1. Die Zahl der gemeldeten Infektionen hat nur eine geringe Aussagekraft, da
kein populationsbezogener Ansatz gewählt wurde, die Messung auf einen
zurückliegenden Zeitpunkt verweist und eine hohe Rate nicht getesteter (v.a.
asymptomatischer) Infizierter anzunehmen ist.
1. Die Zahl der täglich beim RKI gemeldeten Fälle wird in hohem Maße durch die
Testverfügbarkeit und Anwendungshäufigkeit beeinflusst.
2. Unter Berücksichtigung dieser anlassbezogenen Teststrategie ist es nicht
sinnvoll, von einer sog. Verdopplungszeit zu sprechen und von dieser Maßzahl
politische Entscheidungen abhängig zu machen.
3. Die Darstellung in exponentiell ansteigenden Kurven der kumulativen Häufigkeit
führt zu einer überzeichneten Wahrnehmung, sie sollte um die Gesamtzahl der
asymptomatischen Träger und Genesenen korrigiert werden.
4. Die Zahl der gemeldeten Fälle an Tag X stellt keine Aussage über die Situation
an diesem Tag dar, sondern bezieht sich auf einen Zeitpunkt in der Vergangenheit.
5. Ungefähr zwei Drittel der Infizierten werden zu diesem Zeitpunkt nicht erfasst.
6. Überlegungen zu populationsbezogenen Stichproben (Nationale Kohorte)
müssen intensiviert werden.

Die These entspricht weitestgehend meiner Kritik oben.

Update (9.4.2020)

Grafik von Kevin Drum aktualisiert.

Aus der Berichterstattung über erste Ergebnisse aus der oben erwähnten Heinsberg-Studie:

Das sind die ersten, aber schon repräsentativen Zwischenergebnisse:

  • Bei 15 Prozent der untersuchten Bewohner Gangelts konnte eine Infektion nachgewiesen werden.
  • Die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu sterben, liegt in Gangelt bei 0,37 Prozent.
  • Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Letalität aktuell laut der Johns-Hopkins-Universität bei 1,98 Prozent - also fünf Mal höher.

An der Pilotstudie, bei der es darum ging mehr über die Dunkelziffer des Virus und Übertragungswege herauszufinden, nahmen Streeck zufolge mehr als 1000 Bewohner teil. Die Untersuchung basierte auf Fragebögen, Rachenabstrichen und Blutentnahmen (zum Test von Antikörpern, die auf eine Immunität hinweisen).

Update (11.4.2020)

Inzwischen wird die Heinsberg-Studie stark kritisiert, zum einen wegen der frühen Veröffentlichung mittels einer Art Medienkampagne, zum anderen wegen (angeblicher) methodischer Fehler zum dritten, weil sie nichts wesentliches aussage über Deutschland insgesamt.

Ich habe im Moment eine ganz andere Kritik, die daran anknüpft, was die Studie als Zwischenergebnis aussagt: Unabhängig davon, ob diese oben geäußerten Kritikpunkte zutreffen, denke ich, dass dieses Zwischenergebnis nicht stützt, zu welcher politischen Aussage es jetzt verwendet wird oder werden soll: Es sind aus diesen Zahlen m.E. keine Argumente für oder gegen "Lockerungen" zu entnehmen. Es lassen sich insbesondere zwei Nachrichten/Botschaften entnehmen, die sich in der Richtung widersprechen.

1. Die - eingeschränkt - gute Nachricht:  Das Virus wäre (wenn die Ergebnisse bestätigt werden können) weniger tödlich als bislang von vielen angenommen. Ob das auch auf die Gefährlichkeit zutrifft, dazu müsste auch noch die Hospitalisierungsrate genannt werden, denn wenn die Erkrankten nur aufgrund besonders guter Kliniken gerettet werden können, dann sagt uns diese Sterberate noch nicht viel über die weltweite Gefährlichkeit im Sinne von schwerer Erkrankung.

2. Die schlechte Nachricht: Selbst in Heinsberg sind erst 15 % der Menschen infiziert. Das bedeutet hochgerechnet, dass in Deutschland wohl weit weniger infiziert sind (1 %?) und das bedeutet wiederum, dass wir noch sehr weit entfernt snd von einer Herdenimmunität, da noch 99 % der Menschen infiziert werden können, wenn wir nicht auf Distanz gehen.

Also: Vorsicht ist geboten, sowohl bei  der Interpretation der Daten als auch bei politischen Konsequenzen.

Update (13.04):

Ich habe die Diagramme von Kevin Drum nochmal neu eingefügt. Es zeigt sich bei den Sterberaten in DE (bezogen auf die Bevölkerung!) ein hoffnungsvoller "Knick" seitwärts.

Einiges, was ich oben im Beitrag geschrieben habe, sieht auch Prof. Vogt, ein Schweizer Virologe, ähnlich, in einem sehr lesenswerten Beitrag, der insbes. auf die Schweizer, aber auch auf die europäische Reaktion und Situation insgesamt eingeht und die politischen Versäumnisse klar herausstellt, hier:  Quelle: Mittelländische

Update (17.04.):

Habe die Diagramme von Kevin Drum aktualisiert. Die Todesraten und ihr Wachstum unterscheiden sich nun stark. Deutschland und Kanada liegen recht gut - ein  Abflachen der Kurve in Deutschland ist zu erkennen, Schweden und USA sind aber offenbar noch nicht am "Peak" der Sterbezahlen angekommen, auch Frankreich macht keinen sehr hoffnungsvollen Eindruck.

Beachten Sie (neben der Kurvenentwicklung) auch die Sterbefälle pro Million der Bevölkerung.

Mein Monitum, dass Dunkelfeldstudien erforderlich seien, wird inzwischen von fast allen geteilt, auch - reichlich spät, finde ich - vom RKI: Pressemitteilung vom 9. April 2020.

Auch Kollegen von meiner Universität haben sich  in dem Sinne geäußert, wie ich es oben angedeutet habe (Auszug aus der Pressemitteilung, die Hervorhebung stammt von mir):

Peterhammers Studie legt die Vermutung nahe, dass um den 20. März 2020 herum die tatsächlichen Infektionen in Deutschland über die Kapazitäten für positive Tests hinausgewachsen sind. Ab diesem Zeitpunkt ist in der Verlaufskurve der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 eine deutliche Verlangsamung festzustellen. Der Grund für diese Stagnation liege jedoch nicht darin, dass die politischen Maßnahmen gegriffen hätten - ein positiver Effekt durch die Schließung von Kitas, Schulen und Geschäften sowie durch das Social Distancing hätte sich erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt in den gemeldeten Zahlen niederschlagen können, erläutert Peterhammer. Vielmehr sei es ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich gewesen, die tatsächlichen Neuinfektionen mithilfe der Testmethoden zu erfassen. Laut Studie spiegelten die gemeldeten Infektionen derzeit vermutlich nicht länger die tatsächlichen Fälle wider, sondern lediglich die Nachweiskapazitäten.

Felix Peterhammer spricht sich dafür aus, für die Überprüfung der Maßnahmen groß angelegte Zufallstests in der Bevölkerung durchzuführen - ähnlich wie bei Wahlumfragen könnte das Ergebnis anschließend auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet werden. Verdachtsabhängig sollte nur noch dort getestet werden, wo es medizinisch notwendig und sinnvoll ist, zum Beispiel bei schwer Erkrankten oder bei Klinikpersonal.

Update 20.04.2020:

Kevin Drum hat in seinem Blog die Darstellungsweise verändert. Er will nun zeigen, welche Länder anhand der Todesfallzahlen schon am Höhepunkt (peak) der Kurve angekommen sind bzw. diesen überschritten haben. In seinen Grafiken (unteres Bild) wird ein 6-Tages-"rolling average" verwendet, d.h. es wird jeweils der Durchschnitt der letzten 6 Tage angezeigt, um die Ausschläge täglicher Abweichungen etwas auszugleichen. Zu beachten ist, dass die Grafiken in den Zeilen verschiedene Skalen benutzen.

Um die frühere Aussage weiter zu ermöglichen, habe ich die gemeldeten Todesopferzahlen derselben neun Staaten mit der App "shinyapp" in einem Diagramm vereint (oberes Bild). Hier zeigt sich nun deutlich, wie stark die Staaten sich unterscheiden: Spanien leider außer Konkurrenz hoch, Italien, Frankreich und UK in etwa auf demselben Pfad, die USA, Schweiz und Schweden etwa gleichauf, Deutschland und Canada ebenfalls ungefähr gleichauf mit den niedrigsten Werten.

Bei shinyapp können Sie selbst weitere Grafiken erstellen und beliebige Staaten vergleichen.

 

Update 23.04.2020:

1. In einem Artikel auf der Seite von üben Sozialwissenschaftler unter dem Titel:

"Lockdown im Blindflug Was bei den Corona-Studien derzeit alles falsch läuft"

ebenfalls methodische Kritik an der bisherigen Datenbasis zur Coronakrise und es werden repräsentative Studien gefordert, Zitat:

Die Sozialwissenschaftler Menno Smid von Infas und Prof. Rainer Schnell von der Universität Duisburg-Essen beobachten immer noch eine Fixierung auf die Zahl der Infizierten. Diese sind nicht nur irreführend, weil in jedem Land zu anderen Zeitpunkten der Erkrankung und nach anderen Maßstäben getestet wird. Der Unterschied auf den Anteil der Verstorbenen im Verhältnis zu den Infizierten, erklärt sich daraus. Es handelt sich laut Schnell auch um eine „selbstrekrutierte Stichprobe“ – getestet wird nur wer Symptome zeigt –, die wenig aussagekräftig ist.

Auch die bisherigen repräsentativen Studien wiesen erhebliche methodische Mängel auf. Die geplante Studie in München sei zwar grundsätzlich geeignet, jedoch wird an der Erhebung unter Polizeibegleitung Kritik geübt:

Diese Vorgehensweise sei wohl gewählt worden, um die Unbedenklichkeit und Seriosität zu verstärken. Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive entstehe so jedoch ein verfälschender Interviewereffekt, so Schnell. Schließlich ist die Teilnahme freiwillig und mancher Bürger könnte sich von dem Polizeischutz abgeschrecken lassen. Dann ist es aber wiederum nicht mehr zufällig, wer mitmacht.

2. Auf der Seite "coronasoziologie.net"  findet sich ein Artikel der beiden vorgenannten Soziologen, in denen die methodischen Problem noch einmal näher erläutert werden.

3. Ich selbst habe meine Überlegunegn noch einmal in einem Interview mit der Pressestelle der Uni Regensburg zusammengefasst. Das Interview ist auf der Homepage der Uni verfügbar.

 

Update 24.04.2020:

1. Ich habe die Grafiken/Diagramme oben aktualisiert, auch wenn es zunehmend Kritik auch an der Zuverlässigkeit der täglichen Sterbezahlmeldungen gibt (siehe dazu 2.).

Die Entwicklung der Daten anhand der vorhandenen Sterbezahlen zeigt die Fortführung der bisherigen "Kurven" bei den neun beobachteten Staaten, mit einer Ausnahme: In Schweden zeigt sich ein stärkerer Zuwachs als in USA und Schweiz. Schweden erhält ja ganz besondere Beachtung, weil dort deutlich weniger  Distanzmaßnahmen behördlich angeordnet wurden als in den anderen europäischen Ländern. 

2. Nach meinem Interview, das auf der Homepage der Universität Regensburg veröffentlicht wurde, erreichte mich die Post eines örtlichen Kollegen aus den Humanwissenschaften, der wesentlich detaillierter ganz ähnliche Kritik an den offiziellen Infektionszahlen formuliert hat. In seinem Aufsatz "The Scenario of a Pandemic Spread of the Coronavirus SARS CoV 2 is Based on a Statistical Fallacy" hat Christof Kuhbandner  (hier die Pre-Print-Publikation, hier ein deutschsprachiger Beitrag auf scilogs, der sich auf die deutsche Situation bezieht) sich intensiv mit den Daten auseinandergesetzt und ebenso wie ich konstatiert er, dass die Infektionszahlen im Wesentlichen das Testgeschehen und nicht das Infektionsgeschehen wiedergeben.

Zitat:

since the number of conducted coronavirus tests has rapidly increased over time as well, the apparent increase in infections may actually reflect increased testing, rather than a rapid spread of the coronavirus. To examine this issue, data from Austria, Belgium, France, Germany, Italy, and USA were analyzed. In all countries, the rapid increase in reported new infections was largely attributable to the rapid increase in conducted tests. Statistically controlling for the increased amount of testing revealed that the increases in reported infections dramatically overestimate the true increases in every country.

Seine dazu angestellten Überlegungen sind plausibel und entsprechen meiner Vermutung: Die Steigerung der Infektionszahlen ist mehr oder weniger einer zunehmenden Ausschöpfung des Dunkelfelds geschuldet. Da wir die Größe des jeweiligen  Dunkelfelds aber nicht kennen und die Selektionskriterien (für die Durchführung von Tests) sich zeitlich, regional und  international unterscheiden, halte ich eine korrigierte Berechnung der "wahren Infektionszahl" auf Grundlage der positiv Getesteten für weniger überzeugend.

Aber nicht nur das erörtert er in dem Aufsatz. Kuhbandner formuliert auch Kritik an der Todesfallzahlstatistik, denn auch diese sei von der Erhöhung der Testzahl betroffen. Wenn die meisten Erkrankten etwa erst kurz vor dem Tod positiv getestet wurden, werde die tatsächliche Todesursache möglicherweise verdeckt, da das Coronavirus noch gar nicht hätte so lebensgefährlich wirken können. Argument für diese Schlussfolgerung sieht er darin, dass die Todesfallzahlen in den Statistiken gleichzeitig mit den Infektionszahlen ansteigen, obwohl biologisch eine Zeitverzögerung zu erwarten sei. 

Diese Kritik an der zuverlässigen Todesfallstatistik lässt mich natürlich aufhorchen: Wenn sie zuträfe, wäre meine Annahme unzutreffend, dass das "harte Faktum" des Todesfalls die Ausbreitung der Epidemie tendenziell besser reflektiert als die Infektionszahlen. Und noch eine andere Kritik hat mir der Kollege zukommen lassen (scilogs): Die vom RKI täglich gemeldeten Todesfälle stammten ohnehin aus den letzten 14 Tagen, die Mehrheit der gemeldeten Todesfälle sei schon vor mehr als einer Woche eingetreten. Nach seiner Berechnung sei daher der "Peak" der Sterbefälle schon so früh zu verorten (Anfang April), dass die Mitte März ergriffenen Distanzmaßnahmen und Schulschließungen diesen Rückgang gar nicht erklären könnten.

Hierzu habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet, auch wenn ich den Einwand der (möglicherweise auch international stark abweichenden) Meldeverzögerung ad hoc nicht zurückweisen kann.

Update 28.04.:

Die beiden Grafiken habe ich aktualisiert. Inzwischen ist zu erkennen, dass sich Schweden deutlich von den beiden Staaten USA und Schweiz, mit denen es bislang in etwa auf gleicher Höhe lag, nach oben absetzt. In allen Staaten (außer Canada) zeigt sich inzwischen ein Rückgang der Todesfälle bzw. eine Plateaubildung (Schweden). Canada hat Deutschland inzwischen eingeholt bzw. überholt. Von den neun verglichenen Staaten hat Deutschland die Krise (bezgl. der Todesraten) bislang am besten bewältigt. Ob es an den Maßnahmen liegt oder schlicht am bisherigen Glück, lässt sich kaum ermessen. Die meisten anderen Staaten haben ja ähnliche oder sogar schärfere Maßnahmen ergriffen.

In einem Artikel in der Taz wird angesichts der Übersterblichkeitsstatistiken in einigen europäischen Staaten vermutet, dass das Virus schon viel mehr Todesfälle verursacht hat als bislang bekannt. Ich habe die zugrundeliegenden Statistiken aus der New York Times oben eingefügt.

Hinsichtlich der tatsächlichen Infektionszahlen und damit auch der tatsächlichen Sterblichkeit des Virus (IFR) wissen wir bislang mangels repräsentativer Studien immer noch nicht viel.

Update 30.04.:

Die Grafiken habe ich erneut aktualisiert. Nun ist auch Schweden (endlich!) "über den Berg", was die täglichen Todeszahlen angeht. Es bleibt aber dabei, dass der von manchen als so erfolgreich angesehene "schwedische Weg" (ob durch Pech oder durch unkluges Verhalten oder durch eine Kombination aus beidem) bislang deutlich mehr Opfer gekostet hat als in den Nachbarländern und auch als in Deutschland. Canada hat nun (auf Bevölkerung berechnet) ebenfalls recht eindeutig Deutschland überholt. Falls es nicht zu einer "zweiten Welle" kommt, ist Deutschland dann (durch Glück oder durch kluges Verhalten oder durch eine Kombination aus beidem) in diesem Neun-Nationen-Vergleich am besten davon gekommen. Natürlich gibt es jetzt Viele, die meinen, sie hätten schon immer gewusst, dass ein Lockdown gar nicht nötig sei, weil das Virus ja gar nicht soo gefährlich gewesen sei. Ja, hinterher kann man das immer behaupten. Auch das ist aus der Kriminologie bekannt: Erfolgreiche Prävention lässt sich schwer nachweisen und wird auch selten gelobt.

Hier ein aktuelles Interview, das ich der Bayerischen Staatszeitung gegeben habe: Interview vom 28.04..

Update 6.5.2020:

Ich habe das mit shinyapps erstellte Diagramm sowie das von Kevin Drum aktualisiert. Es ist nun erkennbar, dass die (tägl.) Todeszahlen in Spanien, Frankreich, Italien, UK, Schweiz,  Deutschland und (eingeschränkt) Schweden mittlerweile deutlich rückläufig sind. In  Canada und USA zeigt sich zwar auch eine gewisse "Plateaubildung", aber noch kein so deutlicher Rückgang (Diagramme von Kevin Drum). In den kumulierten Todeszahlen (pro Bevölkerungseinheit) bis heute steht Deutschland unter den neun verglichenen Staaten am besten da, auch Canada hat inzwischen deutlich mehr Tote (auf Bevölkerungsgröße berechnet) zu beklagen (shinyapps-Diagramm)

Da jetzt in allen Staaten gewisse "Lockerungen" der vorher unterschiedlich massiven Einschränkungen vorgesehen sind, wird sich wohl über kurz oder lang der bislang eigenwillige "schwedische Weg" überall durchsetzen. Ob und wie sich das auf die Sterberaten auswirkt, muss dann beobachtet werden. Wegen der immer noch deutlich unterschiedlichen Testkriterien (wer, wann und wo wird getestet) halte ich die Todesraten immer noch für einen besseren Vergleichsmaßstab. Aber auch hier ist weiterhin wegen der unterschiedlichen Zuordnung eines Todesfalls zur Ursache "COVID-19" Vorsicht geboten. Auch wenn inzwischen zeitlich etwas überholt, lasse ich auch die Statistiken zur Übersterblichkeit aus der New York Times noch stehen.

Meine Interpretation, dass es nach wie vor - trotz vorhandener Testkapazitäten für repräsentative Stichprobentests - selektive (und nicht unbedingt überall gleich ausgeführte) Testkriterien sind, die zu einem Test führen, die das wirkliche Infektionsgeschehen nicht wiedergibt, wird vom RKI aktuell bestätigt (Quelle: Tagesschau):

Das Robert Koch-Institut teilte vergangene Woche auf Anfrage mit, nicht unmittelbar in die Testungen involviert zu sein. Es lege lediglich die Kriterien fest, bei denen Ärzte einen Corona-Test vornehmen sollen. Bisher war die Linie, dass nur Personen getestet werden sollen, die grippeähnliche Symptome haben und gleichzeitig Kontakt zu einem Infizierten hatten. Von dieser Linie ist das RKI inzwischen abgewichen. Jetzt sollen auch Patienten "bei kleinsten Symptomen" getestet werden, wie Wieler auf einer Pressekonferenz mitteilte.

Gleichzeitig hält das RKI aber an einem "strategischen Testen" fest, da ein wahlloses Testen wenig bringe. Zu einem strategischen Testen gehöre es aber auch, gezielt in Alten- und Pflegeheimen und in Krankenhäusern zu testen, so Wieler.

Anmerkung: Was viele empirisch forschende Wissenschaftler fordern, ist natürlich kein "wahlloses" Testen, sondern Studien an Stichproben, die insgesamt ein repräsentatives Bild des Infektionsgeschehens in Deutschland ergeben, also nicht nur Gangelt oder München abbilden. 

Hier noch ein Zitat des Bloggers Kevin Drum, der auf einen Vergleich der Infektionszahlen der US-Bundesstaaten diese Antwort findet:

 I continue to think this is probably highly misleading since different states have vastly different testing regimes. If, say, New York is testing 1 percent of its population and Florida is testing 0.1 percent, then New York will overwhelm the total regardless of who’s going up and who’s going down. Likewise, as testing becomes more widespread, looking at cases over time becomes unreliable even within a single state. The case rate can look like it’s skyrocketing just because we’re testing far more people.

Update 8.5.2020

Ich habe die Diagramme aktualisiert (Datenstand 6.5./7.5.).

Zu erkennen ist nun, dass die Todeszahlen in UK trotz Verlangsamung des Zuwachses über die von Italien hinaus gehen, und die Zuwächse in Schweden, Kanada und USA nur zögerlich bzw. nicht stabil nach unten gehen. Deutschland steht weiterhin unter den neun verglichenen Staaten ziemlich gut da, die täglichen Todesfälle durch corona sind auf ein recht niedriges Niveau gesunken, tödliche Infektionen sind also in Deutschland vergleichsweise selten geworden. Man kann das m.E. durchaus den maßnahmen zuschreiben, wobei unklar ist, welche Maßnahmen genau den Effekt ausgelöst haben, welche Bedeutung der Zeitpunkt der Maßnahmen hat und wie hoch daneben der Anteil von "Glück" bzw. "Pech" ist, also welche Rolle auch der Zufall spielt (etwa ob wegen ihrer Alters- und Gesundheitsstruktur besonders vulnerable Gegenden oder Institutionen betroffen sind oder nicht).

Erfreulicherweise ist jetzt von örtlichen Kolleg-inn-en eine weitere repräsentative Studie geplant, die im Landkreis Tirschenreuth stattfinden wird. In Bayern würden dann immerhin zwei solche Studien durchgeführt werden, neben der Metropolenstudie in München auch eine in der dünner besiedelten Oberpfalz.

Update 09.05.2020

1. Gingen die Infektionszahlen schon zurück, bevor die Maßnahmen greifen konnten?

Schon oben (Update vom 24.04.) habe ich auch die Thesen meines Regensburger Kollegen Kuhbandner diskutiert. Ich stimme ihm zu (bzw. er mir), dass die Infektionszahlen selbst nicht zur Einschätzung der wahren Lage taugen: Je mehr man testet, desto mehr findet man, soweit unser übereinstimmednes Fazit. Er hat dazu in seinem Artikel auf Telepolis (25.04.) ein anderes Beispiel gebracht, das aber auch sehr anschaulich ist: Bei einer bestimmten Anzahl  im Garten versteckter Ostereier, werden umso mehr gefunden, je mehr Zeit man den Suchenden einräumt. Es wäre unsinnig, aus der gefundenen Anzahl auf die tatsächliche Anzahl der versteckten Eier zu schließen. Wenn man jeden Tag mehr Zeit einräumt und mehr Eier findet, folgt daraus nicht, dass jeden Tag mehr Eier versteckt gewesen seien.

Kuhbandner versucht dann in einem weiteren Schritt aus der Testanzahl auf die wahre Steigerung der Infektionszahlen (im Dunkelfeld) zu schließen, und kommt zum Ergebnis, die tatsächlichen Infektionszahlen seien schon rückläufig gewesen, bevor die Maßnahmen überhaupt greifen konnten. Und da folge ich ihm nicht mehr: Das Dunkelfeld hat seinen Namen nicht umsonst. Es ist eben dunkel. Und aus meiner kriminologischen Erfahrung weiß ich, dass Schlussfolgerungen aus dem Hell- auf das Dunkelfeld methodisch höchst problematisch sind, auch wenn man versucht, die Verzerrungen des Hellfelds irgendwie in den Griff zu bekommen. Man ist dann nämlich darauf angewiesen, dass diese Verzerrungen (hier: Testkriterien und deren Anwendung) gleichförmig bleiben, so dass man sie statistisch auch über einen längeren Zeitraum hinweg herausrechnen kann.  Das weiß auch Kuhbandner und er versucht diese Gleichförmigkeit der Testkriterien zu reklamieren, doch hat er meines Erachtens dabei dreierlei verkannt:

a) Zwar mag das RKI die immer gleichen Selektionskriterien anwenden WOLLEN, wann wer getestet wird, aber ob dies (insbesondere bei Ausweitung der Testkapazitäten) tatsächlich in derselben Strenge eingehalten wird, erscheint mir sehr fraglich. Die Kapazitäten sind regional unterschiedlich und selbstverständlich wird das Signal ("wir sind knapp" oder "wir haben ausreichend Kapazitäten") von den Ärzten, die einen Test vor Ort vornehmen, so verstanden, dass sie ihr Ermessen, wann hinreichend Symptome vorliegen, entsprechend steuern sollen und dies auch können. Vergleich zur Kriminologie: Auch unter den bundesweit gleichen Kriterien für einen Anfangsverdacht finden wir deutlich unterschiedliche Praxen des polizeilichen Vorgehens zwischen versch. Bundesländern und erhebliche Stadt/Land-Unterschiede, ganz zu schweigen von örtlichen Unterschieden, sogar im selben Landkreis.

b) Anders als Kuhbandner annimmt, haben sich die Kriterien, wann wer wo getestet wird, auch aus Sicht des RKI gewandelt. Insbesondere werden inzw. auch sehr viele Menschen getestet, die beruflich ein höheres Infektionsrisiko tragen, ganz ohne Symptome.

c) Symptome werden nicht von Überwachungsgeräten, Robotern, Drohnen oder ähnlichem festgestellt, sondern von den betroffenen Menschen selbst. D.h. es hängt sowohl das Meldedatum als auch die Meldung überhaupt davon ab, ob jemand die Symptome bei sich selbst als Corona-verdächtig einschätzt, ob er einen schnellen Draht zu seinem Hausarzt hat, ob er seine Familie und Kollegen damit behelligen möchte etc., insgesamt von vielen Faktoren, die wir aus der Kriminologie als "Anzeigebereitschaft" kennen und die individuell sehr verschieden sein können (und damit meine ich wörtlich SEHR). Ich würde vermuten, dass zumindest zu Beginn die Angst Viele dazu getrieben hat, schon bei leichtem Husten ihren Hausarzt zu nerven mit Testforderung. Mit Symptomen, die früher niemanden überhaupt zum Arztbesuch gebracht hätten. Inzwischen aber mag diese Sorge bei Vielen einer anderen gewichen sein (ich müsste dann in Quarantäne, kann ich mir das leisten, meiner Familie zumuten?).

d) Es werden nicht nur anzeigebereite  Menschen mit Symptomen getestet, sondern auch - in unterschiedlichem Maße - Kontaktpersonen derselben. Und das bedeutet, auch hier hängt es stark davon ab, wie viele solcher Kontaktpersonen jemand hat und an wie viele er sich erinnert. Auch das ist nicht irgendwie vergleichbar mit einer Zufallsstichprobe. Die Rate zwischen symptomatisch Infizierten und ihren Kontaktpersonen kann sogar erheblich von Woche zu Woche verschieden ausfallen.

Soweit meine Einwände. Aus den methodisch unrichtig ermittelten Infektionsdaten kann man mE nicht korrektere Daten errechnen. Es KANN so sein wie Kuhbandner schließt, es kann aber auch ganz ANDERS sein.

2. Noch ein paar Bemerkungen  zur Kritik an den Maßnahmen und  an der politischen Bewältigung der Krisensituation überhaupt:

Dass es keine  Tests an repräsentativen Stichproben gibt, habe ich im obigen Beitrag seit dem 29. März angemahnt. Inzwischen gibt es einige wenige solcher Studien, die nun auch von immer mehr Wissenschaftlern gefordert werden.

Und ich habe hier einige andere wissenschaftliche Kritik zitiert und besprochen, soweit ich meinte, dass diese etwas beitragen können mit ihren Erkenntnissen. Aber ich weiß, ich bin weder Virologe noch Epidemiologe, noch bin ich politischer Entscheidungsträger. 

Zur BILD-Schlagzeile:  Deutschlands "klügste Corona-Experten": Was ich überhaupt nicht ernstnehmen kann, ist die klugscheißerische Art, mit der selbsternannte Experten, die selbst nicht im geringsten in der Position sind, für Tote verantwortlich gemacht zu werden, NACH den Maßnahmen deren Überflüssigkeit konstatieren oder so tun, als hätten sie es immer schon besser gewusst und sich dafür von der BILD-Zeitung oder von Reichsbürger-YouTube-Sendern feiern lassen. Das ist für einen Wissenschaftler (gleich welchen Fachgebiets) unverantwortlich und peinlich.

Update 11.05.2020

Die Regionalisierung der Gegenmaßnahmen und deren Orientierung an 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner ist theoretisch eine gute Idee, doch hinkt die praktische Umsetzung an mehreren Stellen:

a) die gemessenen Infektionszahlen (also "positiv Getestete"), an denen sich die Gegenmaßnahmen orientieren sollen, sind - wie schon oben ausgeführt - keine empirisch zuverlässigen Daten. Zudem ergibt sich insbesondere bei Menschen, die in einem Landkreis wohnen, in einem anderen (oder in einer Stadt) arbeiten, ein Zuordnungsproblem. Eigentlich müsste solch eine positiv getestete Person zweimal gezählt werden.

b) da die Landkreise sicherlich nicht interessiert sind daran, dass gerade ihr Landkreis und die darin befindlichen Firmen/Restaurants/Hotels betroffen sind von erneuten Schließungen, wird niemand dort auf eine häufigere Verdachtstestung achten, eher im Gegenteil: die Leute werden eher nicht ermuntert sich testen zu lassen, quasi ein "nudge" in die falsche Richtung, weil zu viele positiv Getestete im Landkreis "bestraft" werden.
Auch das kennen wir in der Kriminologie: Man braucht es den Bürgern nur ein bisschen schwerer zu machen, ihre Strafanzeige bei der Polizei zu erstatten, schon werden weniger Delikte angezeigt.

c) Der Hauptunterschied (Bevölkerungsdichte) zwischen Stadt und Land bleibt unberücksichtigt. Für Städte mit ihrem sehr beweglichen Bevölkerungen (man denke nur an den öffentl. Nahverkehr) ist daher das Maß 50 pro 100.000 möglicherweise zu hoch angesetzt, um durch Gegenmaßnahmen einen größeren Ausbruch noch zu verhindern.

Allerdings ist auch die Reproduktionszahl (für ganz Deutschland) kein besserer Maßstab, denn damit werden regional sehr hohe Verbreitungszahlen ausgeglichen durch niedrigere anderswo. Und die Reproduktionszahl beruht ebenfalls auf den positiv Getesteten und eben nicht auf den tatsächlichen Infektionszahlen. Immer wieder muss darauf hingewiesen werden: Die Erhebung dieser Daten entspricht NICHT den anerkannten Methoden empirischer Forschung.

Zu den Schlachthöfen: Wie oben schon zitiert: In den USA sind bereits 115 Fleischfabriken von Ausbrüchen betroffen (Quelle). Es ist nicht anzunehmen, dass dort Rumänen und Bulgaren beschäftigt sind. Es spricht mehr dafür, dass es nicht die "Reservearmee" ist, sondern die Arbeitsbedingungen, unter denen die Arbeiter tätig sind, die eine Infektion begünstigen. Man muss hier vorsichtig sein, nicht fremdenfeindlichen Klischees Vorschub zu leisten.

Eine andere Form spezifischer Schutzmaßnahmen anhand des individuellen Risikos schlagen Schrappe et al. vor, hier (researchgate-Link). Ich möchte dies hier verbreiten, weil Schrappe et. al. (u.a. auch der Rechstmediziner Püschel) vom selben Ausgangspunkt aus einen anderen Weg einschlagen.

Update 19.05.2020

Ich habe die Diagramme zum Vergleich von neun Staaten hinsichtl. ihrer Todesrate wieder aktualisiert.

Mittlerweile ist deutlich, dass Schweden sich bezüglcih der Häufigkeit der Todesfolge den französischen Ergebnissen  annähert und UK denen von Spanien. Schweden hat, auf die Bevölkerung berechnet, mittlerweile etwa viermal so viele Sterbefälle zu beklagen wie Deutschland und die Schere geht weiter auseinander. Ob sich dies bis zum Ende der Pandemie in ein bis zwei Jahren wieder ausgleicht, wie manche annehmen, halte ich für fragwürdig. Trotz aller Unsicherheit würde ich feststellen, dass sich Schweden im Momennt NICHT eignet als Modell, wie mit dem Virus umgegangen werden sollte. Allerdings nähern sich die europäischen Staaten (einschl. Deutschland) ja nun derzeit dem schwedischen Modell an. 

Auch in der Übersicht von Kevin Drum zeigt sich, dass sich Schweden, neben USA und Canada, auch bei der Reduzierung der tägl. Todesfälle bislang deutlich schwerer tut als die anderen sechs Staaten im Vergleich.

Die Frage, ob die verschieden starken Maßnahmen (Schulschließung, Versammungsverbote, Restaurantschließung, private Quarantäne) Erfolge bringen, steht nun im Mittelpunkt erster Forschungsprojekte. Eine erste Veröffentlichung in den USA besagt, dass vor allem die Restaurantschließungen und die Privatquarantäne ("shelter-in-place") effektiv gewesen seien, Schulschließungen aber nicht! Das sind erste Zahlen, die sicherlich noch mit etlichen Fragezeichen verbunden sind. Aber wenn sich dies bestätigt, könnte das ein gutes Signal geben für Schulöffnungen auch in Europa.

Jetzt erst entdeckt, aber seine Kritik geht in eine ganz ähnlcihe Richtung wie ich sie oben formuliert habe: David Spiegelhalter (Statistiker, UK) im Interview.

Update 25.05.

Die Kurven von Kevin Drum habe ich neu hochgeladen, die Daten bei shinyapps werden leider seit dem 14. Mai nicht mehr aktualisiert, so dass sie auf diesem Stand verblieben sind.

Alle neun betrachteten Staaten sind bei den täglichen Todesziffern nunmehr weit unter ihrem jeweiligen Höchststand, allerdings mit erheblichen Unterschieden. Von den Gesamtzahlen liegt die Rate in diesem neun-Staaten-Vergleich in DE bei 100 pro Million der Bevölkerungszahl. Aufsteigend von hier aus sind es in CA mittlerweile 170/Million, in CH 224/Million, in den USA 295/Million, in SWE 399/Million, in FRA 421/Million, in Italien 546/Million, in UK 557/Million und in ESP  610 pro Million der Bevölkerung. Während sich in Deutschland wahrscheinlich keine Übersterblichkeit im Vergleich zu vergangenen Jahren ergibt, wird sich COVID-19 ab der dreifachen Todeszahl auch in der Jahresstatistik der Sterbefälle deutlich zeigen.

Der relative bisherige "Erfolg" in Deutschland beim Umgang mit dem Virus kann zu einem guten Teil auf glücklichem Zufall beruhen, aber sehr wahrscheinlich haben auch die Maßnahmen zur Kurvenverflachung gewirkt. Die Gegenargumente, die ich dazu bisher gelesen habe, sind wenig plausibel. Welche von diesen Distanz-Maßnahmen geeigneter waren und welche eher überflüssig oder übertrieben, wird man allerdings - wenn überhaupt - erst später genau ermitteln können. Dass diese Maßnahmen auch Kollateralschäden haben, v.a. wirtschaftliche, aber auch gesundheitliche, kann nicht bestritten werden. Dass diese "tödlicher" seien als das Virus selbst, erscheint mir aber derzeit wenig glaubhaft.

Eine von Epidemiologen/Virologen anfangs als sehr wichtig eingestufte Maßnahme, die Komplettschließung von Schulen und Kindergärten, gerät allerdings zunehmend in die Kritik. Die Infektion selbst ist für Kinder und Jugendliche wenig gefährlich und die Auswirkungen der befürchteten Verbreitung auf andere Familienmitglieder, insbesondere Großeltern, lässt sich möglicherweise mit anderen Maßnahmen verhindern. So jedenfalls die mittlerweile mehrfach publizierte Auffassung, wie - ebenfalls - Kevin Drum zusammenstellt. Leider wurde ausgerechnet in Schweden(!) die Chance versäumt, das Realexperiment (geöffnete Schulen) zu studieren. Wenn man dort geforscht hätte, wüssten wir jetzt alle mehr.

 

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1015 Kommentare

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Vielleicht mögen Sie diese Quelle: https://www.worldometers.info/coronavirus/

Für diese Stichprobentests ist es viel zu früh. Deutschland testet so viel wie kein anderes Land und hat derzeit 695 Fälle auf eine Million Einwohner. Welchen Schluss wollen Sie denn ziehen, wenn heute 1 von 1000 positiv getestet würde und morgen 2?

Ob Deutschland auf der selben Linie liegt wie Italien, können wir nicht wissen, weil die Maßnahmen Schulschließungen und Kontaktsperren erst seit zwei, bzw. einer Woche in Kraft sind und erst jetzt beginnen, ihre Wirkung zu entfalten.

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Sehr geehrte Frau Wiegard,

danke für Ihre Hinweise. Dass "derzeit 695 Fälle auf 1 Million Einwohner" kommen, ist das Ergebnis der bisherigen Testpraxis, die ich ja gerade für die objektive Fallzahlauskunft für nicht valide halte.

Der Einwand ist aber trotzdem berechtigt, die Stichprobe für Tests müsste wohl viel größer sein, zumindest derzeit, und wenn man nicht Testkapazitäten verschwenden wollte, sollte man dies nicht so durchführen. Dennoch halte ich andere Strategien der Dunkelfeldforschung für geeigneter für den Vergleich als die derzeitigen Zahlen.

Besten Gruß

Henning Ernst Müller

 

Lieber Henning, ich denke seit Tagen in die gleiche Richtung (war aber leider noch nicht auf Kevin Drum gestoßen). Das ist bei empirisch geschulten Kriminologen nicht überraschend. Erstaunlich ist allerdings, dass diese Expertise noch nicht abgefragt wird. Nur dies für heute und herzlichen Dank für den Hinweis auf Kevin Drum. Herzlichst: Johannes

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In einer einzigen Graphik übereinandergeschrieben ist diese Darstellung Stand: 29.03.2020, 01:00 Uhr / Grafik: jpg. / Quelle: Johns Hopkins CSSE:

 

Ausbreitung des Coronavirus im Zeitverlauf

Entwicklung der Infektionszahlen seit Beginn der Epidemie, ausgewählte Länder

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/zahlen-zum-coronavirus-die-pandemie-im-ueberblick-16653240.html

Auf die Datenbasis allerdings ist bei den unterschiedlichen Ländern schon genau zu achten.

Auch direkt hier auf der Seite des Johns Hopkins Coronavirus Resource Center aufrufen:

https://coronavirus.jhu.edu/map.html

Wenn Sie links auf der Seite ein Land anklicken, sehen Sie rechts auch die Grafik dazu.

Besten Gruß

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Ja, das sind u.a. die Grafiken, die ich oben kritisiert habe: Die Datenbasis dazu stammt aus sehr unterschiedlichen Messungen, weshalb der Vergleich nicht valide die tatsächliche Infektionsverbreitung in den verschiedenen Weltregionen reflektiert, sondern eigentlich nur die unterschiedlichen Messmethoden.

"Ja, das sind u.a. die Grafiken, die ich oben kritisiert habe"

Das ist aber zur Zeit leider ja noch nicht anders zu erwarten, denn nicht nur die Zahlen aus der VR China sind politische Zahlen, dort aber ganz besonders ausgeprägt, in Nordkorea nicht anders, wegen der Einschränkungen aller freien Berichterstattungen und unabhängigen Datenerhebungen. Und Sie, Herr Prof. Müller, haben ja selber hier Grafiken veröffentlicht, also kritisieren Sie sich damit ja zuerst einmal selber.

Besten Gruß

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Es gibt aber auch noch die Möglichkeit der retrospektiven statistischen Aussagen, was Sterblichkeitszahlen anbetrifft. Schauen Sie sich doch einmal das noch an:

http://www.euromomo.eu/

In den nächsten Jahren könnten signifikante Abweichungen im Jahr 2020 von den Vorjahren dann der Corona-Pandemie zugeordnet werden, was allerdings nur bei einer relativ hohen Sterblichkeitsrate durch das Corona-Virus möglich sein dürfte.

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Interessant, aber m.E. auch alles nicht valide. Es beginnt schon bei der Frage, was tatsächlich den Tod verursacht hat und wie - mittelbar ? - kausal Covid19 dafür war. In bestimmten Regionen wird nicht darauf geachtet und es auch gar nicht gemeldet - in anderen Regionen scheint teilweise (Norditalien) ein "in dubio pro Corona" zu gelten (Meldungen vor dort besagen leider, dass man Vieles im dortigen Chaos gar nicht mehr untersuchen kann....). 

Aber richtig ist auch, dass es sowieso zu viele Unsicherheiten gibt: ich kenne Fälle, bei denen das Testergebnis erst knapp zwei Wochen (!) nach Testung vorlag, andere, wo man schon an der hotline dauerhaft scheiterte und dann aufgab... 

Aus Singapur wird Gutes berichtet, offenbar war man dort generalstabsmässig auf eine neue Pandemie planerisch vorbereitet, siehe Bericht Stand: 29.03.2020 15:59 Uhr:

"Seit Jahren haben wir geahnt, dass ein neuer Atemwegsvirus auf uns zukommen kann", sagt die Chefin des Zentrums, Yee Sin Leo. "Im Jahr 2003 hatten wir SARS, und seitdem gab es immer wieder Virus-Infektionswellen wie Dengue und 2016 das Zika-Virus. Wir wussten immer, dass es nicht die Frage ist, ob, sondern nur, wann so ein Virus auftaucht. Darauf muss man vorbereitet sein. Sonst bereut man das."

 https://www.tagesschau.de/ausland/weltspiegel-singapur-corona-101.html

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Auf Krisen, die nicht vom Himmel fallen, antworten verantwortungsvolle Regierungen nach Notfallplänen, die aber schon in Schubladen liegen müssen und dann nur noch der Lage angepasst werden müssen. Das fehlte hier aber schon im Jahr 2015, nebenbei bemerkt.

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"Über die Gefahren der weltweiten Ausbreitung einer Corona-Pandemie ist der Deutsche Bundestag bereits im Januar 2013 ausführlich informiert worden." (Frontal 21 vom 24.03.2020):

https://www.zdf.de/politik/frontal-21/versaeumte-pandemie-vorsorge-100.html

Allerdings genügt einen Bericht vorlegen nicht. Man muss auch hinterher sein, dass er angemessen bearbeitet wird.

Um an mehr Wissen zu gelangen, mit dem man dann die Gesundheitsschutz-Maßnahmen besser ausrichten kann, wären Stichproben-Tests sicherlich sinnvoll, das ist plausibel und einleuchtend.

Jedoch scheint es politisch nicht gewollt zu sein.

Vielleicht fürchten Politiker in aller Welt die dann ermittelten Ergebnisse, und möchten es vermeiden, solche Ergebnisse zu ermitteln.

Angst vor Aufklärung und Erkenntnis sind wohl tief verwurzelt in den menschlichen Grundbefindlichkeiten, und statt Aufklärung und Erkenntnis wünschen sich viele Menschen lieber einfach irgendetwas glauben zu dürfen, nach dem Pippi-Langstrumpf-Motto "ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt".

Politiker sind auch Menschen, oft sogar besonders sensible und empfindliche Menschen.

Berufspolitiker sind eher selten an scheuklappenloser Forschung und Wahrheitsfindung und Wissenschaft und Aufklärung (insbesondere Volksaufklärung) interessierte idealistische Wissenschaftler, sondern oft eher Bequemlichkeit und Gemütlichkeit und Behaglichkeit und Freundschaft und Harmonie suchende Gemütsmenschen.

Die Politik braucht Anregungen und Anstöße  und Kritik von Fachleuten und Wissenschaftlern.

Manchmal scheint es aber so, als ob manche Herrschenden in heutigen modernen Demokratien davor mehr Angst hätten, als es die vordemokratischen hochadeligen Herrscher in der Zeit vor der französischen Revolution hatten.

Was das Volk denkt und meint und fühlt, ist für die Staatenlenker in heutigen Demokratien vielleicht wichtiger, als es für monarchisch-königlich-absolutische Herrscher war. Vielleicht sind die heutigen Politiker deshalb ängstlicher, als es zum Beispiel Joseph der Zweite von Österreich, oder der alte Fritz in Preußen, oder die russische Zarin Katharina die Große waren.

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Die These, daß die bisher veröffentlichten Zahlen "überhaupt nichts" aussagen, trifft meiner Meinung nach nicht zu.

Außerdem könnte solch eine kritische These womöglich solche Politiker die die gegenwärtige Berichterstattung bereits als lästig empfinden dazu verleiten, dann einfach das Kind mit dem Bade auszuschütten, und anzuordnen, daß überhaupt gar keine Zahlen mehr veröffentlicht werden. Erinnert sei daran, daß über die Infektionszahlen in Deutschland bei der asiatischen Hongkong-Grippe 1969/1970 ja auch kaum berichtet wurde (vielleicht, weil solche Berichte damals politisch nicht sonderlich erwünscht waren?).

Die bisher über Corona in Deutschland veröffentlichten Zahlen zwar wenig aus und sind wenig aufschlussreich, aber immerhin erfährt man so von besonders betroffenen und somit besonders gefährlichen Hot-Spots (wie etwa Gangelt bzw. Heinsberg), und man erfährt Mindestzahlen, so daß sich populistische Politiker wie US-Präsident Donald Trump nicht wie von manchen Leuten wohl gewünscht Ostern werden hinstellen und das Problem für erledigt ("Mission accomplished") erklären können.

Stichproben zu nehmen und zu veröffentlich wäre zwar wesentlich aufschlussreicher und aussagekräftiger als die bisherigen Statistiken, aber die bisherigen Statistiken sind besser als wenn man gar keine Zahlen hätte.

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Gast schrieb:

Die These, daß die bisher veröffentlichten Zahlen "überhaupt nichts" aussagen, trifft meiner Meinung nach nicht zu.

...

Stichproben zu nehmen und zu veröffentlich wäre zwar wesentlich aufschlussreicher und aussagekräftiger als die bisherigen Statistiken, aber die bisherigen Statistiken sind besser als wenn man gar keine Zahlen hätte.

So sehe ich es auch. In der Influenzaberichterstattung arbeitet das Robert-Koch-Institut übrigens mit sog. "Exzessschätzungen" (wenn auch oft recht widersprüchlich und unzulänglich). Aber dass die Epidemiologie seit Jahrzehnten nicht in der Lage ist, ordentliche Methoden und Maßzahlen vorzulegen, ist ein Armutszeugnis.

 

Die italienische Kleinstadt Vò zeigt, wie eine Epidemie erfolgreich eingedämmt werden kann, auch hier war aber zuerst einmal eine falsche Spur zur Verursachung der ersten diagnostizierten Erkrankung verfolgt worden, siehe:

https://www.stern.de/gesundheit/coronavirus--wie-ein-ort-in-italien-covid-19--fast--vertrieb-9190976.html

https://www.wort.lu/de/international/italien-massentests-als-rezept-gegen-corona-5e748ec6da2cc1784e359568

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Interessant wäre vielleicht auch ein Abfrage und Veröffentlichung der Belgungszahl der Krankenhäuser bzw. Kliniken.

Diejenigen Stimmungsmachern, welche die Corna-Problematik leugnen oder verharmlosen oder relativieren oder in Frage stellen wollen, könnte man entgegenhalten, wie sehr die Auslastung der Betten insbesondere in den intensiv-medizinen Stationen gestiegen ist.

Dabei wäre auch zu berücksichtigen, daß wegen der Überlastung des Krankenhaus-Personals und wegen der Infektionsrisiken viele Patienten mit normalen Krankheiten derzeit von den Kliniken gar nicht aufneommen werden, sondern Aufnahmetermine und Operationstermine werden derzeit oft in eine ungewisse Zukunft (in die noch nicht bestimmte Zeit nach dem Abflachen der Corona-Welle) verschoben.

Es ist zwar verständlich, daß zum Beispiel die Fussballvereine und die Restaurants und viele Kleinunternehmer und Scheinselbständige und sogar auch viele Rechtsanwälte möglichst bald wieder ihren normalen Betrieb aufnehmen und Geld verdienen wollen (oder zur rechtzeitigen Begleichung von Verbindlichkeiten vielleicht auch müssen), jedoch darf an die gesundheitlichen Risiken einer jetzigen Rückkehr zur Normalität weder ignorieren noch leugnen noch verharmlosen.

Bereits die bisher vorliegenden Statisiken und Zahlen belegen, daß es sich bei Corona nicht etwa bloß um eine fiktionale Gefahr oder bloß potentielle Gefahr handelt, sondern um eine real-existierende konkrete Gefahrenlage.

Mit den im obigen Beitrag des Kollegen angeregten Stichproben ließe sich die Gefahrerforschung noch wesentlich verbessern.

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Die Frage allerdings stellt sich in einiger Zeit nach dem Abklingen der gegenwärtigen Corona-Erkrankungen, wieviele Intensiv-Betten und das dafür notwendige Personal dazu noch wirtschaftlich weiter vorgehalten werden können.

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Fragen der Versorgungssicherheit, auch in Krisen sind immer strategische Fragen, die von Planungsstäben untersucht werden und dann in Vorbereitungen einmünden müssen, die auch umgesetzt werden können.

Beim Militär wären dafür Generalstäbe zuständig, die das langfristige Denken und Planen gelernt und geübt haben.

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Dass die ansteigenden Infektionszahlen vor allem einme Funktion der Testhäufigkeit sind, haben auch andere festgestellt, hier aus einem Artikel des "Multipolar-Magazin":

Auf Seite 6 des Lageberichts findet sich eine Tabelle zur Anzahl der Tests in den Kalenderwochen 11 und 12 – das entspricht dem Zeitraum vom 9.3. bis zum 22.3. Daraus ist ersichtlich, dass in KW 11 fast 8.000 Personen in Deutschland positiv getestet wurden, in KW 12 fast drei mal so viel, knapp 24.000. Diese Zahlen sind aus den Medien bereits bekannt.

Was man bislang nicht wusste: Die Anzahl der durchgeführten Tests in Deutschland betrug in KW 11 knapp 130.000, in KW 12 aber fast 350.000. Nicht nur die Zahl der positiv getesteten Fälle hat sich also ungefähr verdreifacht, sondern auch die Menge der Tests. Die tatsächliche Steigerung der Fälle, bezogen auf die Anzahl der Tests, beträgt lediglich einen (!) Prozentpunkt: In Kalenderwoche 11 wurden knapp 6 % der Untersuchten positiv getestet, in KW 12 hingegen 7 %.

Auch wenn der Bericht insgesamt etwas reißerisch klingt und die Quelle fragwürdig erscheint, im Kern stimmt die Aussage: Wer viel testet, findet viel. Und das ist genauso wie bei den Kontrolldelikten in der polizeilichen Kriminalstatistik.

Es trifft aber nicht zu, dass damit schon bewiesen sei, dass es den Anstieg in der Realität nicht gibt, wie die Autoren des Artikels offenbar vermuten. Es kann auch sein, dass der Anstieg sogar noch unterschätzt wird, dass sich das Dunkelfeld also noch stärker vergrößert als es die gemeldeten Infektionszahlen andeuten, da bisher nur bei Verdacht getestet wird und auch dort verstärkt, wo sich der Infektionsverdacht (und die Bereitschaft, sich testen zu lassen) häuft.

 

Erfreulicherweise sind heute die Zahlen der täglichen Neuinfektionen nach Angaben des RKI erstmals gesunken:

+4.751 (30.3.2020), +6.294 (28.3.2020), +5.780 (27.3.2020, Hbg hat keine Daten übermittelt), auch die Zahlen vom 29.3. müssten hochgerechnet werden, weil Baden-Württemberg, Hessen und Saarland keine Daten übermittelt haben. Heute am 30.3. fehlen nur die Zahlen aus Sachsen-Anhalt, das am 29.3. noch einen Zuwachs von +134 hatte.

Mag der Einwand der Zunahme von Neuinfektionen mit Zunahme der Tests zutreffen. Man wird aber wohl kaum davon ausgehen können, dass der Rückgang der Zahlen für Neuinfektionen von heute daran liegt, weil weniger getestet wurde.

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Ja, das ist erfreulich. Aber da nicht mitgeteilt wird, auf welcher Anzahl von Tests diese Neuinfektionszahl beruht, wissen wir nicht, ob diese Zahlen schon aus der erhöhten Testanzahl hervorgeht oder ob es sich um (verzögerte) Meldungen handelt, die noch aus der Zeit niedriger Testzahl stammen. Glücklicherweise lässt sich insofern zumindest durch Abwarten ein besseres Bild ermitteln. 

Der Vergleich alle bestätigteN Covid-19 Fälle / aktive Covid-19 Fälle / geheilte Covid-19 Fälle / Todesfälle an Covid-19 ist sehr aufschlussreich. Einige Zahlen, vor wenigen Minuten noch aktuell als absolute Zahlen:

Weltweit: 797.490 / 597.408 / 161.542 / 38.540 oder in Prozenten 100 / 75 / 20,2 / 4,8

Deutschland: 67.051 / 59.872 / 6522 / 657 oder in Prozenten 100 / 89,3 / 9,7 / 1

Italien: 101.739 / 75.528 / 14.620 / 11.591 oder in Prozenten 100 / 74,2 / 14,4 / 11,4

Quelle: https://bing.com/covid?form=COVD07

Für andere Staaten die Prozentzahlen bitte selber heraussuchen und durchrechnen, auch Vergleiche zur gesamten Population in den einzelnen Staaten können auch noch gemacht werden, wobei hier ja nur bestätigte Covid-19-Fälle auftauchten.

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Die Zahlen für Südkorea nachgereicht:

Südkorea: 9.786 /  4.216 / 5.408 / 162 oder in Prozenten 100 / 43,1 / 55,3 / 1,6

Da ist auch in der Grafik schon ein Wendepunkt sichtbar.

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Sie haben recht. Die Anzahl der Tests variiert täglich teilweise erheblich. Das ergibt sich aus dem Epidemiologischen Bulletin des RKI vom 9.4.2020 (Seite 6, Abb. 1).

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/15_20.pdf?__blob=publicationFile

Irgendetwas scheint aber auch an diesen Angaben zu den Testzahlen nicht zu stimmen. So heißt es auf Seite 5 (Stand 31.3.2020):

"Es liegen Informationen zu 213.532 Testungen vor, von denen 7,7  %  (n = 16.386) positiv waren (s. Tab. 1)"

Nach Angaben des RKI noch vom 30.3.2020 gab es im Bundesgebiet aber insgesamt 57.298 Infizierte.

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Sehr geehrter Herr Müller,

wie sie schon selbst geschrieben haben ist eine Stichprobe von 1000 viel zu klein. Das liegt wohl auch vor allem daran, dass man im Gegensatz zur Demoskopie oder auch zur Dunkelfeldforschung mit regional sehr starken Clustern zu tun hat und keine gleichmäßige Verteilung. Das gilt für Kriminalität sicher teilweise auch. Aber es kommt hinzu, dass beim PCR der Nachweis nur kurze Zeit möglich.

Ich denke Dunkelfeld-Analysen machen mit einem Antikörpertest auf überstandene Infektionen sinn. Dann muss die Stichprobe aber auch sicher um die 100.000 sein.

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Im Tagesspiegel  wird  über einen Versuch berichtet, die "wahren" Infektionszahlen datenbasiert zu schätzen. Basis sind  hierfür die Sterbezahlen und die aus Südkorea errechnete Sterberate (CFR), da dort ziemlich breit getestet wurde, gewichtet durch den Altersfaktor (Vulnerabilität) in jedem Land. Zumindest interessanter Ansatz:

Lachmanns Idee ist es nun, sich an der Zahl der an Covid-19 Gestorbenen in einem Land zu orientieren und anhand dessen hochzurechnen, wie viele Infizierte es dort eigentlich dementsprechend geben müsste.

Dabei orientiert sich der Biostatistiker, der an der Universität Aachen studierte, an einem “Benchmark”-Land mit den besten zur Verfügung stehenden Daten: Südkorea.

Aber da das Land eine im Durchschnitt wesentlich jüngere Bevölkerung hat als Italien, berücksichtigt Lachmann einen “Verwundbarkeitsfaktor” – für Italien etwa liegt er bei 1,57, bei 0,69 für China, Deutschland ist mit 1,48 eingestuft.

Positiv ist, dass dieser Biostatistiker keineswegs eine Präzision seiner Vorhersagen behauptet, sondern erhebliche Fehlerquellen und Limitationen einräumt. Erwähnt wird auch, dass dieser Ansatz noch nicht peer reviewed ist.

Noch haben Lachmanns Kalkulationen nicht den wissenschaftlichen Begutachtungsprozess durchlaufen, die Arbeit ist nur auf einem Preprint-Server, medRxiv, veröffentlicht.

Und die Methode geht von einigen Annahmen aus, etwa dass die Gesundheitssysteme mehr oder weniger ähnlich gut funktionieren, die Unterschiede in der Sterberate in Italien oder Südkorea also nicht auf besonders schlechte oder gute Behandlung in den Kliniken zurückgeht. (...)

Grundvoraussetzung für den Ländervergleich ist auch, dass das Virus in allen Ländern gleich infektiös und tödlich ist, die hohe Sterberate in Italien also nicht auf eine besonders aggressive Variante des Virus zurückzuführen ist, die nur dort vorkommt, sondern in erster Linie auf unzureichende Tests zurückgeht. Hinweise auf wesentlich unterschiedliche Virusvarianten gibt es tatsächlich nicht.

Dennoch warnt Lachmann ausdrücklich: “Diese Methode ist limitiert in ihrer Fähigkeit, die exakte Zahl von Fällen vorherzusagen.” Das liege daran, dass die Todeszahlen, selbst wenn sie wirklich in jedem Land korrekt gemeldet werden, auf Infektionen vor 23 Tagen zurückgehen. In diesem Zeitraum könne sich die exponentielle Wachstumsphase stark verändern, insbesondere, sobald unterschiedliche soziale Distanzierungsmaßnahmen in den Ländern eingeführt werden.

Mein Haupteinwand wäre: Soviel mehr (berechnet auf Bevölkerungsgröße) hat Südkorea auch nicht getestet, ca. 800 pro Million, Deutschland ist bei ca. 500 pro Million (aus dem Gedächtnis, ich bitte um Korrektur, falls es nicht stimmt). Auch in Südkorea gab es Selektionskriterien, die wahrscheinlich mit den deutschen Kriterien nicht übereinstimmen.

 

 

 

 

 

Mein Haupteinwand wäre: Soviel mehr (berechnet auf Bevölkerungsgröße) hat Südkorea auch nicht getestet, ca. 800 pro Million, Deutschland ist bei ca. 500 pro Million (aus dem Gedächtnis, ich bitte um Korrektur, falls es nicht stimmt).

Bei 83 Millionen Deutsche  wären das ja lediglich nur 41.500 Tests, Herr Prof. Müller, das stimmt also so nicht!

Zitat: 

Letzte Woche seien 350.000 Tests durchgeführt worden. „Mehr ist aktuell nicht drin“, sagte Wieler. Erst wenn es andere Tests gebe, könne man diese auch an Praxen und Krankenhäuser geben.

Quelle: 

https://www.welt.de/vermischtes/article206913299/Das-ist-ueber-die-Corona-Toten-in-Deutschland-bekannt-fast-600-Opfer.html

Besten Gruß

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Richtig, mein Gedächtnis hat versagt; habe jetzt meien Quelle wiedergefunden, danach DE 579, SK 769 Tests pro 100.000 (!), nicht pro Million. Und die Quelle wurde  VOR der enormen Steigerung der Tests in DE veröffentlicht. Inzwischen liegt Deutschland bei den Tests wahrscheinlich sogar gleichauf mit Südkorea. Ich nehme an, dass auch Lachmanns Schätzung jetzt schon wieder anders aussähe.

 

Der Focus berichtet von 410.000 Tests vom 9.März bis zum 26.März, aber nur für den vertragsärztlichen Bereich, ohne Unikliniken, ohne öffentlichen Gesundheitsdienst und ohne Privatpatienten in Deutschland.

Quelle:

https://www.focus.de/politik/deutschland/kampf-gegen-pandemie-die-raetselhaften-schwaechen-des-test-weltmeisters-warum-wichtige-corona-zahlen-fehlen_id_11820245.html

Die Testzahlen für Südkorea stehen hier in diesem Artikel von CAPITAL vom 25.März:

https://www.capital.de/wirtschaft-politik/tempo-testen-tracken-wie-suedkorea-das-coronavirus-aufhaelt

Besten Gruß nach Regensburg

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Das mit dem "Vulnerabilitätsfaktor" bei Deutschland 1,48 und Italien 1,57 ist aus welchem Kaffeesatz gelesen worden?

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scheint mir in der größßenordnung auch unwichtig. u aufgrund der mäßßigen u nicht repräsentativen daten auch eher nur zufall. kaffesatz - fragt sich, ob gerundete 1,5 stimmen dunkelziffer is hoch vlt sinds auch 15

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Die Altersstruktur der verschiedenen Staaten ist nun wirklich überall verfügbar. Daraus einen solchen Faktor zu bilden, ist sicherlich nicht Kaffeesatzleserei. Wie genau er das berechnet hat bzw. ob dies ein Faktor ist, der in der Bevölkerungsstatistik allgemein verwendet wird, kann ich im Moment nicht beantworten. Ein anderer Leser vielleicht?

Leider bringen auch die Zahlenspiele eines Biostatistiker nicht viel an Erkenntnissen zur Zeit, wie auch diese:

https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/sterbefallzahlen-grippezeit.html

oder diese:

Südkorea: 65 Jahre und älter: 14,42%

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/203251/umfrage/altersstruktur-in-suedkorea/

Deutschland: 65 Jahre und älter: 17,88%

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1365/umfrage/bevoelkerung-deutschlands-nach-altersgruppen/

Wieder andere Zahlen für Deutschland:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/248981/umfrage/altersstruktur-in-den-eu-laendern/

Leider ein ziemlicher Zahlensalat, wenn man genaues Rechnen gewohnt ist und sich auch noch vor mehrern gültigen Stellen bei einer Zahl nicht fürchtet. Bei Biostatistikern, die jedoch damit aufwarten wollen bei "Vulnerabilitätsfaktoren", schaue ich schon genauer hin.

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Aus der Wikipedia dann die Zahlen, von Prof. Müller verlinkt:

Deutschland: älter als 65 Jahre: 21,5%

Südkorea: älter als 65 Jahre: 13,9%

Italien: älter als 65 Jahre: 23,0%

Und nun raten wir weiter, wie ein Biostatistiker 2-3 gütiige Stellen bei solchen Abweichungen der Daten aus verschiedenen Publikationen aus dem Hut zauberte.

Auf meinem Taschenrechner lese ich zwar auch 10 Stellen ab bei Rechnungen, aber die anzugeben, das würde mathematischer Unfug hohen Grades sein.

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Wie Sie leicht erkennen können (Lesen macht schlau), verfüge ich nicht über die Originalquelle des Herrn Lachmann. Dass er einen Altersfaktor berücksichtigt, ist statistisch nicht zu kritisieren, sondern notwendig. Wie er den genau berechnet hat, weiß ich nicht, aber er kommt mir im Vergleich mit dem altersstrukturell viel jüngeren Südkorea auf den ersten Blick nicht unplausibel vor.

In Italien ist übrigens die Lebenserwartung ca. 2 Jahre höher als in Deutschland für Männer und Frauen.

Für die Anfälligkeit, an einer Covid-19-Erkrankung nach einer Infektion dann zu sterben, sagt das aber noch wenig aus.

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"Wie er den genau berechnet hat, weiß ich nicht, aber er kommt mir im Vergleich mit dem altersstrukturell viel jüngeren Südkorea auf den ersten Blick nicht unplausibel vor."

Junge Südkorenaer können die Infektion doch auch weitergeben, ohne selber schon Symptome zu haben, oder später ernsthaft zu erkranken.

Die Originalveröffentlichung des Herrn Lachmann wäre eben zu kennen für eine sinnvolle Auseinandersetzung damit, keine Sekundärquellen, gilt ja auch für Urteile von Gerichten.

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Junge Südkorenaer können die Infektion doch auch weitergeben, ohne selber schon Symptome zu haben, oder später ernsthaft zu erkranken.

Da es (anders als in den ständig im Vordergrund stehenden Zahlenvergleichen) hier um die Sterblichkeit geht, ist es völlig in Ordnung, nicht die altersmäßige Verbreitung, sondern eben die altersmäßige Vulnerabilität zu berücksichtigen.

Die Originalveröffentlichung des Herrn Lachmann wäre eben zu kennen für eine sinnvolle Auseinandersetzung damit, keine Sekundärquellen, gilt ja auch für Urteile von Gerichten.

Zur Erinnerung: Dies ist hier ein Blog zu aktuellen Themen, ein Diskussionsforum. Der Blogbeitrag ist kein Urteil und auch keine wissenschaftliche Publikation. Bei anderen Veröffentlichungen kann man abwarten, bis sich "alles gesetzt" hat und allen Belegen, Hinweisen nachgehen. Hier habe ich eine Publikation, die der Tagesspiegel ausführlich nacherzählt hat, zur Diskussion gestellt. Entsprechend vorsichtig habe ich zitiert und auch dokumentiert, dass es sich dabei um ganz vorläufige Hypothesen handelt. ich habe nirgends vorgetäuscht, dass ich über die Originalquelle verfüge.

Oben habe ich Ihnen auch darauf geantwortet, bei einer Verlinkung kann ja jeder den Artikel selber lesen, auch wenn er noch eine URL in seinen Browser einkopieren müsste, was hier von einem RA auch schon mehrfach kritisiert wurde.

Das ist m.E. aber Kindergarten-Niveau.

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Sie verstehen offenbar nicht den Knackpunkt der Kritik an  "Vulnerabilitätfaktoren" mit dreistelligen Angaben zu Italien und Deutschland und zweistellig zu China: Bei einem so schwammigen Begriff und mit so unsicheren Daten sollte man nicht versuchen, eine per se nicht vorhandene Genauigkeit dann mit Zahlenspielen oder Rechengrößen vorzutäuschen.

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Abwasser-Screening kann übrigens auch noch Drogenkonsum und Medikamenten-Missbrauch und anderen Abusus nachweisen.

Der Datenschutz wird sich auch der Sache noch annehmen.

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Übrigens: Die Kloaken sind für Archäologen und andere Wissenschaftler immer wahre Fundgruben für Forschungen zu untergegangenen Kulturen.
 

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