Konfliktkosten und innerbetriebliche Mediation

von Prof. Dr. Stephan Breidenbach, veröffentlicht am 11.03.2009
Rechtsgebiete: KonfliktKPMGKonfliktkostenMediation1|5737 Aufrufe

Eine für Mediatoren und den Gedanken der Mediation als ein auch präventives Konfliktbearbeitungsverfahren interessante Studie von KPMG ist unter dem Titel,

„KPMG Konfliktkostenstudie. Die Kosten von Reibungsverlusten in Industrieunternehmen"

erschienen. Hier der Download zur Studie: http://www.kpmg.de/WasWirTun/9249.htm .

In der Studie beantworten mehr als 100 Unternehmen Fragen zu Art und Höhe von innerbetrieblichen Konfliktkosten. Die Autoren von KPMG - u.a. der Mediator Dr. Alexander Insam -  haben mit  wissenschaftlicher Begleitung - des Controlling-Professors Uwe Seidel und des langjährigen Vorstandes des Bundesverbandes Mediation Wilfried Kerntke - neun Konfliktkostenkategorien in drei Dimensionen, Person, Team und Organisation, herausgearbeitet:

Konflikte auf der Personenebene entstehen - so die Studie - durch Mitarbeiterfluktuation, Krankheit und kontraproduktives Verhalten; im Team sind Kundenfluktuation, Mängel in der Projektarbeit und entgangene Aufträge relevant; auf Ebene der Organisation erzeugen Über- und Unterregulierung, mangelhafte Anreizsysteme und arbeitsrechtliche Sanktionen Konfliktkosten.

Dysfunktionale Konfliktkosten vermeiden

Welche Kosten in welcher Kategorie bereits jetzt messbar sind, zeigt die Studie anhand von insgesamt 18 Fragen detailreich, ausführlich kommentiert und mit vielen Graphiken. Konfliktkosten werden als "jede geplante und besonders jede ungeplante Störung der gewinngerichteten Ressourcenverwendung im Unternehmen"  definiert. Konflikte im Sinne der Studie sind wiederum "jede Planabweichung oder Plangefährdung bei der Umsetzung der wirtschaftlichen Ziele eines Unternehmens durch den Einsatz seiner Ressourcen, vor allem den Einsatz von Arbeitszeit". Den Autoren geht es vor allem darum, funktionale und dysfunktionale Konfliktkosten zu unterscheiden. Letztere sollen soweit wie möglich vermieden werden. Der Versuch, sie zu messen, soll helfen, diese Effizienzreserven zu realisieren.

Werden Konfliktkosten regelmäßig gemessen und vergleichbar gemacht, schließt sich die Frage an, welche Interventionen sinnvoll sind, um Fortschritte zu erzielen. Die vorliegende Konfliktkostenstudie  erschließt eine neue Perspektive, die ökonomische Prüfung von Konfliktbearbeitungsverfahren und ihrer Auswirkung auf die Konfliktkosten des Unternehmens. Eine der sich anbietenden Interventionsformen, neben z.B. Ombudsmännern oder -Frauen, ist  innerbetriebliche Mediation. Mediation im innerbetrieblichen Umfeld kann sich hier als präventives und deeskalierendes Konfliktbearbeitungsverfahren und auch Entscheidungsverfahren - messbar - zeigen.

Natürlich sind nicht alle Folgen einer Mediation messbar. Im Unternehmensumfeld ist es jedoch sicher hilfreich, den „Business Case" aufzumachen und auf diese Weise zu einem anderen Umgang mit Konflikten anzuregen. Mehr dazu demnächst an dieser Stelle.

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