Einkommensunterschiede in Deutschland werden größer

von Prof. Dr. Markus Stoffels, veröffentlicht am 11.07.2012

Die überaus positive Entwicklung des deutschen Arbeitsmarkts wird von wachsender Ungleichheit bei den Einkommen überschattet. Nach einer neuen OECD-Studie ist in kaum einem Industrieland die Arbeitslosigkeit in den vergangenen fünf Jahren so sehr gesunken wie in Deutschland. Im Gegensatz zu anderen Ländern ist auch die Langzeitarbeitslosigkeit (allerdings nur leicht) gesunken. Dies schreibt die Studie insbesondere den nachhaltigen strukturpolitischen Maßnahmen zu, etwa den umfassenden Arbeitsmarktreformen im Vorfeld der Krise. Bei so viel Licht gibt es aber auch Schattenseiten. Hier diagnostiziert die Studie vor allem eine angewachsene Einkommensungleichheit. Den Hauptgrund sehen die Experten darin, dass immer weniger Stellen an Tarifverträge gekoppelt werden. Im Einzelnen führt die die Organisation mehrere Gründe für die sich öffnende Lohnschere an:

- Rückgang des Anteils der Beschäftigten mit Tarifbindung von 72 Prozent auf 62 Prozent

- Steigender Anteil von Minijobs und anderen Beschäftigungsverhältnissen, die nicht dem normalen Standard entsprechen.

  • - Nachlassende Organisation von Arbeitgebern in Verbänden
  • - Tarifverträge würden immer seltener automatisch auf alle Unternehmen einer Branche ausgedehnt.
  • - Und selbst Beschäftigte, die tariflich abgesichert seien, würden immer häufiger mit Ausnahmeklauseln konfrontiert, mit denen Firmen in Krisenzeiten hinter branchenüblichen Lohnerhöhungen zurückbleiben könnten.

 

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So war es ja auch gewollt:

“Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert.
Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren
aufgebaut, den es in Europa gibt.”

Gerhard Schröder vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos, am 28.01.2005

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