Amok? Was man jetzt nicht tun sollte

von Prof. Dr. Henning Ernst Müller, veröffentlicht am 23.07.2016
Rechtsgebiete: StrafrechtKriminologie62|9524 Aufrufe

Schon der Fall des jungen Flüchtlings, der mit einer Axt auf mehrere Mitglieder einer Touristenfamilie und später auf eine Spaziergängerin einschlug, hat die Frage aufgeworfen, ob es sich um einen (typischen)  islamistischen Terroranschlag handelte oder um das Massaker eines Einzelnen.

Nun erschießt wenige Tage später, am Jahrestag des Attentats in Norwegen, ein Attentäter in München neun Menschen und begeht dann Suizid. Alles deutet derzeit darauf hin, dass der Münchener Täter kein islamistisches Motiv hatte. Auch bei dem Würzburger Attentäter war der islamistische Hintergrund möglicherweise nur einer von mehreren Ursachen für sein Massaker.

Man muss noch vorsichtig sein mit Schlussfolgerungen, aber Vorsicht ist auf jeden Fall geboten, wenn es um die Veröffentlichung der Identität des Täters und um Bilder, die ihn zeigen, geht. Ich zitiere aus meinem Blog-Beitrag von 2009:

"Es ist eine wesentliche Motivation für solche Taten, als (negativer) Held zu erscheinen. Bei den Tätern handelt es sich meist um männl. Personen, die sich für gescheitert halten und für sich selbst keine Erfolgschance im Leben erkennen. Sie sehen ihre Tat (und zwar durchaus realistisch!) als einzige Chance an, sich in ihrem Suizid „unsterblich" zu machen. Selbst ein Gewinn bei DSDS oder bei Wer wird Millionär kann diesen „Ruhm" nicht toppen. Alle bisherigen Taten zeichnen sich dadurch aus, dass sich die Täter mit früheren solchen Vorgängen identifiziert haben. Sie streben zum Teil an, frühere Täter zu übertreffen.

Es sollte daher … der ernsthafte Versuch gemacht werden, durch eine beschränkte Nachrichtensperre (hinsichtlich der Täteridentität)  diese Ursachenkette abzureißen und die Motivation, als Individuum wegen einer solchen Tat besonders herausgestellt zu werden, zu minimieren."

Vor sechs bis zehn Jahren, zu einer Zeit, in der sich in Deutschland mehrere Schulmassaker ereigneten, war Konsens unter den Experten, dass gerade die verbreitete öffentliche Erörterung von Tatdetails und insbesondere der Täteridentität Anlass für Nachahmungstaten sein könne. Es ist deshalb sehr richtig, dass Polizei und großen Medienhäuser zumindest den Namen nicht nennen, bislang jedenfalls. Auf FB und Twitter hingegen überschlagen sich Posts von Personen, die den Namen ausbuchstabieren und die Presse, die sich hier vernünftig verhält, als Lügenpresse attackieren. Und eine Reporterin der New York Times, die wohl zufällig in München ist, hat sich lt. ihrem Twitter-Account für heute vorgenommen, die Identität des Täters zu ermitteln. Beschämende Unwissenheit.

Ergänzung: Jens Hoffmann (Institut Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt) warnte schon am 15.07. nach dem Anschlag von Nizza im Deutschlandfunk vor der Identifizierung und damit (negativen) Heroisierung von Tätern.

Update (01.08.2016) Stern und Spiegel.TV und ihre widersprüchliche Berichterstattung

Sowohl Autoren des Stern als auch des Spiegel haben durchaus verstanden, worum es hier geht: Nachdrückliche Bildberichterstattung über den Täter kann zur Nachahmung anreizen. Das wissen die Redaktionen von Spiegel und Stern. Sie schreiben es auch in ihren Artikeln bzw. lassen es schreiben.  Schockiert war ich, als ich letzte Woche einen Bericht von Spiegel.Tv sah, in dem dem Münchener Attentäter mehrfach und lange Zeit bildlich geradezu "gehuldigt" wurde. 

Direkt widersprüchlich ist auch die Berichterstattung im aktuellen Stern. Auf der Titelseite werden drei aktuelle Attentäter abgebildet, immerhin noch mit einem Balken über dem Gesicht. Im Innenteil des Stern werden auf derselben Doppelseite, auf der unten zutreffend über die Nachahmungsgefahr berichtet wird, im oberen Teil die schlimmsten früheren Schulmassaker-Täter erneut abgebildet zusammen mit Bildern vom jeweiligen Tatort: Geradezu eine "Hall of Fame" der Attentate mit implizitem Aufforderungscharakter. Mir fehlen die Worte.

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62 Kommentare

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Man sollte endlich alle gewaltverherrlichenden Ballerspiele und Egoshooters auf den Index setzen. Und den Aufschrei der Spieleindustrie und ihrer gekauften "Sachverständigen" einfach ignorieren...

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Möglicherweise bestand das Problem mehr darin, dass er eine echte Waffe zur Verfügung hatte. Man sollte endlich alle Waffen in Privathand verbieten. Und den Aufschrei der Spieleindustrie und ihrer gekauften "Sachverständigen" einfach ignorieren...

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Gast schrieb:
Möglicherweise bestand das Problem mehr darin, dass er eine echte Waffe zur Verfügung hatte.  

Definiere: "echte Waffe" - was ist da jetzt eine "unechte Waffe"??

Gast schrieb:
Man sollte endlich alle Waffen in Privathand verbieten.

Das hätte im vorliegenden Fall *was* gebracht? Antwort: absolut NICHTS!

Der Täter hat die Waffe im Darknet erworben. Wie auch bei den Anschlägen in Paris handelt es sich um ehemalige Schreckschuss-/Dekowaffen, die in scharfe Waffen um- bzw. zurückgebaut worden sind. Mit privatem Waffenbesitz hat das alles wenig bis gar nichts zu tun. Das ist aber halt immer der Unterschied, ob man weiß, wovon man redet - oder halt nur ein ganz ganz schlaues Bauchgefühl als "Argument" hat...

Und apropos "wissen" - mit in D gebauten Schreckschusswaffen geht dies nicht, da die technischen Spezifikationen hier einen Umbau deutlich stärker erschweren, als in einigen osteuropäischen Nachbarländern.

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Die Identität, also der Name, kann doch eigentlich so entscheidend für Nachahmer nicht sein, wichtig in dieser Hinsicht erscheinen mir eher die Persönlichkeitsrechte der Familie.

Was potentielle Nachahmer betrifft: Dann heißt er halt "Ali" oder "David" oder "München-Attentäter". Die mögliche Identifikation bzw. Nachahmergefahr hängt m.E. eher an der "Story", in der sich solchermaßen Gefährdete wiederfinden könnten, vor allem aber an der Masse der Meldungen, also der hohen Aufmerksamkeit.

Auf der anderen Seite besteht (neben akuten Warnmeldungen) das zulässige und aus meiner Sicht auch gesellschaftlich richtige Verlangen nach Aufklärung, mit dem Ziel, die Motive solcher Täter zu "verstehen", um solche Taten ggf. besser verhindern oder Gefährdete im Vorwege besser erkennen zu können, mindestens auch, um gesellschaftlich schädliche Stigmatisierungen ("ausländische Wurzeln", "psychisch krank" etc.) von Menschen gerade zu verhindern.

Ich sehe das als echtes Dilemma und verstehe nicht, wie das am besten zu lösen ist.

 

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Vielleicht sollten Sie sich ersteinmal mit Thema auseinandersetzen. An Ihrem Kommentar ist eigentlich alles falsch.

- durch die intensive Berichterstattung werden die Täter mythologisiert. Von empfänglichen Menschen werden Sie nicht mehr als Menschen gesehen, sondern als Überwesen, die großes geleistet haben. Und schwupps, haben wir ein Vorbild. Na, wie hieß der Täter von Erfurt? Nach all den Jahren wissen Sie es immer noch? Der Name wird zum Mythos. Ob im guten oder schlechten.

- Persönlichkeitsrechte? Bitte Erläuterung.

- es gibt ein gesellschaftliches Verlangen nach Aufklärung. Nur gibt es keine Antworten. Außer vielleicht, dass nicht alle - Lehrer, Familie, Freunde etc.pp. - immer wegschauen sollten. Falls Sie ein gesellschaftliches Verlangen nach Blut und ausgelaufener Gehirnmasse meinen, dass wird zu genüge  befriedigt.

- über Selbstmorde wird - wenn überhaupt - außerst zurückhaltend berichtet. Dieses sollte auch für "Amok"-Taten und auch Attentate (!) gelten.  Mystifizierung führt nur zu neuen Taten. Die Währung, um die es geht, ist Aufmerksamkeit. Wenn wir als Gesellschaft diesem Kreislauf ein Ende schaffen wollen, müssen wir damit leben, das über solch Taten, egal wie grausam sie sind, nur mit einem Einzeiler berichtet wird. Ohne Eingehen auf die Person der Täter.

So ist auch das Dilemma zu lösen.

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"Vielleicht sollten Sie sich ersteinmal mit Thema auseinandersetzen. An Ihrem Kommentar ist eigentlich alles falsch."

Na, da freut man sich doch über eine so differenzierte Einleitung... :-(

"durch die intensive Berichterstattung werden die Täter mythologisiert."

Das ist genau das, was ich schrieb ("vor allem aber an der Masse der Meldungen, also der hohen Aufmerksamkeit.")

"Na, wie hieß der Täter von Erfurt? Nach all den Jahren wissen Sie es immer noch?"

Keine Ahnung, nein, weiß ich nicht. Ehrlich gesagt, musste ich erstmal nachsehen, was das für ein Fall war. Ich habe ihn unter "Amok Erfurt" gefunden, nicht unter seinem Namen, den ich nicht wußte.

"Persönlichkeitsrechte? Bitte Erläuterung."

Was Persönlichkeitsrechte sind, können Sie googeln, daß die Angehörigen des Täters ein Recht darauf haben, muß ich hoffentlich nicht wirklich erläutern.

"Außer vielleicht, dass nicht alle - Lehrer, Familie, Freunde etc.pp. - immer wegschauen sollten."

Wegschauen von WAS denn? Was sind denn die Hinweise, auf die zu "schauen" wäre? Wie erkennen wir sie, wenn wir nicht darüber informiert werden?

Ihren brutal bildlichen Hinweis möchte ich hier nicht wiederholen, frage mich aber, wieso Sie meinen, dies hier so zu formulieren müssen.

"Wenn wir als Gesellschaft diesem Kreislauf ein Ende schaffen wollen, müssen wir damit leben, das über solch Taten, egal wie grausam sie sind, nur mit einem Einzeiler berichtet wird."

Wenn eine Stadt wie München quasi stillsteht, ist das nicht realistisch und mit Blick auf Paris auch nicht sinnvoll in der aktuellen unbekannten Gefahrenlage.
Ihr Vergleich mit einem "stillen" Suizid trägt daher in keiner Weise und ist ganz sicher nicht mit einem "Einzeiler" zu lösen.
Wie sollte der denn lauten?
"Gefahr ist weg, bitte weiterleben wie vorher."??

Und wie weit denken Sie an weiträumig Betroffene, damit auch an Menschen, die ohne jegliche Aufklärung gar übertriebene Angst haben, wenn es nur irgendwo knallt?

Aber nochmals meine Frage zu Ihrer "Antwort":
Von WAS also sollten wir nicht wegschauen?
Wie erkennen wir die Signale, wenn mit einem Einzeiler darüber berichtet wird?

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Sie wissen aber schon, dass sich das, was Sie hier gerade nutzen, Internet nennt, und dass dort jeder insbesondere über soziale Netzwerke Texte, Bilder, Videos usw. hochladen kann? Für wie realistisch halten Sie es vor diesem Hintergrund, dass über eine solche Tat wie die München nur mit einem Einzeiler berichtet wird? Wenn in einer Millionenstadt der Hauptbahnhof evakuiert wird und der Verkehr von den Autobahnen abgeleitet wird?

Ich weiß nicht, wie der Täter von Erfurf hieß, und ich denke, das gilt auch für die meisten anderen Menschen. Klar, wer es wissen will, findet es raus, indem er dieses, na Sie wissen schon, Internet nutzt.

Hilft Zurückhaltung in der Berichterstattung wirklich, der Legendenbildung entgegenzuwirken?

Mir persönlich scheint das nicht so. Die Presseberichterstattung hat einige eher traurige Details über den Täter gezeigt, bspw. dass er - in der Sprache der Online-Spieler - ein "Teamkiller" war, übertragen in Fußballsprache absichtlich Eigentore geschossen hat. Trägt so etwas dazu bei, den Betroffenen als Helden zu sehen? Ich denke eher, dass dies den (wahren oder falschen) Eindruck von Versagen, von Einsamkeit, von Aufmerksamkeitsmangel stärkt.

Wenn wir hören, dass Person X sein/ihr Leben geopfert hat, um ein anderes zu retten, denken wir: "Held". Das mag Nachahmer finden. Wenn aber man dazu hört, dass X am eigenen Leben nicht so sehr hing, weil es Streit in der Beziehung gab, beruflich viel schiefgelaufen ist und das Finanzamt offene Forderungen behauptete, entwickeln wir eher Mitleid als Heldenverehrung. Der Wunsch, diesem Menschen nachzueifern, ist dann gering - eher würden wir denken, dass Menschen in solchen Situationen Hilfe brauchen, auch und gerade weil sie im Herzen vielleicht sehr großzügig sind.

Mehr Information, mehr Bildung, mehr Transparenz, mehr Offenheit, mehr Ehrlichkeit - in der Regel eine gute Faustformel. Davon abzuweichen, bedarf m. E. handfester Gründe - mehr als der Vermutung, dass Nachahmungstaten entstehen.

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Sehr geehrter Leser,

es spricht nichts dagegen, über die persönlichen Hintergründe der Tat zu berichten, sofern keine Heroisierung geschieht. Die Identifikation, insbesondere aber Bilder auf Titelseiten, in den Hauptnachrichten oder an anderen prominenten Stellen sind gefährlich. Für nicht unproblematisch halte ich auch andere Reaktionen, wie etwa das gut gemeinte Anleuchten des Eiffelturms in schwarzrotgold in der darauf folgenden Nacht. Das gibt potentiellen Nachahmern das Gefühl besonderer Bedeutung: "Die" Franzosen betrauern "das deutsche Volk" nach so einer Tat. Versetzen Sie sich einfach in jemanden mit einer von ihm so empfundenen "traurigen" Existenz und die Aussicht, wenigstens einmal "Geschichte" zu schreiben: "Wegen mir soll der Eiffelturm leuchten! Mein Bild soll in der tagesschau und auf sämtlichen Titelseiten (Bild, Spiegel, Stern) erscheinen, überall wird mein Name genannt."

Dass "wir" anders denken und eine solch brutale und feige Tat keineswegs als Heldentat ansehen, ist dabei nicht der Punkt. Auch nicht, dass "wir" den Namen nach ein paar Jahren wieder vergessen haben. Und dass es keine lobende Erwähnung ist, ist dieser Person egal - es ist der Ruhm selbst, der das Leben krönt, ihm nach dem meist einkalkulierten Tod noch Sinn gibt.

Beste Grüße

Henning Ernst Müller

Henning Ernst Müller schrieb:

Dass "wir" anders denken und eine solch brutale und feige Tat keineswegs als Heldentat ansehen, ist dabei nicht der Punkt. Auch nicht, dass "wir" den Namen nach ein paar Jahren wieder vergessen haben. Und dass es keine lobende Erwähnung ist, ist dieser Person egal - es ist der Ruhm selbst, der das Leben krönt, ihm nach dem meist einkalkulierten Tod noch Sinn gibt.

Beste Grüße

Henning Ernst Müller

Da bin ich völlig anderer Meinung.

Mittlerweile handelt es sich auch weniger um Schulamokläufe, sondern um Gewalt durch junge Männer mit Migrationshintergrund.

Zustimmen kann ich Ihnen beim ersten Teil der Aussage: meist handelt es sich um gescheiterte Existenzen (verschuldet oder unverschuldet), meist junge Männer mit Migrationshintergrung, die entweder hier aufgewachsen sind (wie der München-Attentäter) oder als Flüchtlinge zu uns gekommen sind. Zumindest haben sie eine Zeitlang unter uns gelebt, dann aber nicht richtig Fuß fassen können. Teilweise haben sie sich zusätzlich noch radikalisiert. Ihre Gefühle und Emotionen können sie nicht unter Kontrolle halten.

Wesentliches Motiv für die Morde ist dann:

- dem eigenen als sinnlos empfundenen Leben ein Ende setzen

- und dabei möglichst noch die Gesellschaft zu bestrafen.

Rache an der Gesellschaft ist also das Leitmotiv fast aller Mörder der jüngsten Zeit. Dieses Rachemotiv überlagert auch derart die oft ebenfalls vorhandene Depression, so dass es zu einem neuen Phänomen kommt: psychisch kranke, depressive Menschen zeigen aufgrund ihres Wunsches nach Rache so viel Energie, dass sie zum Massenmörder werden. Das war früher anders. Depressive haben allenfalls einen erweiterten Suizid begangen, waren aber keine Massenmörder. Ähnliches Verhalten zeigte übrigens auch der German-Wings-Pilot (depressiv, aber mit einem hohen Rachebedürfnis an der Gesellschaft).

Die "Berühmtheit" spielt da nur eine ganz untergeordnete Rolle. Während der Wunsch nach Rache, das Gefühl der Rache fast vollkommen befriedigt werden kann (durch die Vorbereitung und die finale Tat), so kann man die Berühmtheit auch nicht richtig genießen. Erleben schon gar nicht. Der Triumph fehlt. Es ist eine vage Hoffnung, aber das genügt nicht als Antrieb.

Diese Meinung ist nicht nur meine private Meinung, sondern wird mittlerweile von einer Vielzahl von "Terrorexperten" gestützt.

Aber letztlich ist es eine akademische Frage. Denn egal wie die Presse sich verhält - die sozialen Medien werden den Namen weiter verbreiten. Das lässt sich nicht verhindern. Insofern werden wir es nie erfahren, ob nun das Rachemotiv (Rache an der Gesellschaft) oder das Motiv nach Berühmtheit bedeutsamer ist und die Unterdrückung des Namens eine wirksame Prävention wäre.

 

 

 

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Psychofan

Die letzten Erkenntnisse zu Ansbach scheinen Ihre These zumindest teilweise zu belegen.

Es ist für mich jedenfalls nicht völlig unverständlich, wenn ein ohnehin Suizid-Gefährdeter versucht, seinem Tod noch einen "Sinn" zu geben. Neben Rache scheinen da zunehmend (seit Brejvik?) politisch-religiöse/ideologische Pseudo-Motive auf.

Dies aufzudecken (sollte es so sein, was ich vermute), wäre wichtig, vor allem für andere Suizid-Gefährdete, die sich in ihrer psychischen Notlage möglicherweise von religiös und/oder politisch Radikalen gezielt benutzen lassen, was wahrlich keinerlei Heldentum, sondern gerade das Gegenteil wäre.

 

 

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Wer so wie der Täter im OEZ in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, bei dem spielt der "Migrationshintergrund" keine Rolle. Eher schon ein fremdenfeindliches Mobbing an der Schule.

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Gast schrieb:
Wer so wie der Täter im OEZ in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, bei dem spielt der "Migrationshintergrund" keine Rolle. Eher schon ein fremdenfeindliches Mobbing an der Schule.

So pauschal kann man das nicht sagen ("spielt der Migrationshintergrund keine Rolle"). Das Gegenteil ist richtig: Wenn die Eltern Asylanten aus der Türkei, aus Nordafrika, aus dem Nahen oder Mittleren Osten sind, dann ist es wahrscheinlicher, dass sie ihre Kinder in ihrer Kultur und mit ihren Werten großgezogen haben. Denken Sie nur an die türkischen Kinder. Viele können kaum ein Wort Deutsch, bis sie in die Schule kommen. Deswegen ja auch der Kampf der SPD gegen das Betreuungsgeld - die Kinder mit Migrationshintergrund müssen in den Kindergarten, damit sie zumindest zweisprachig aufwachsen und Deutsch lernen.

Der Migrationshintergrund spielte also wohl die entscheidende Rolle. Das "fremdenfeindliche Mobbing an der Schule" gegen ihn mag es vielleicht auch gegeben haben - auch das gehört zum Migrationshintergrund. Daran glaube ich aber weniger. Heutzutage bilden doch in den Großstädten die ausländischen Kinder in Grundschule und Mittelschule die große Mehrheit, mancherorts über 80 Prozent und mehr. Wenn Mobbing, dann höchstens ein Mobbing der türkischen Kinder gegen das iranische Kind. Kann man das fremdenfeindlich nennen?

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Insbesondere Deutsche mit Migrationshintergrund der X. Generation haben ein Identititätsproblem, das nicht zu unterschätzen ist, das sollte inzwischen bekannt sein. Ob das "Mobbing" an der Schule ein "fremdenfeindliches" war, darf anhand der Berichte bezweifelt werden.

Anders sieht es möglicherweise mit dem subjektiven Erleben des Gemobbten aus, der auf seiner Identitätssuche in der realen und digitalen Welt möglicherweise Zuflucht in einer Community (hier: der türkischen) suchte, die ihn ebenfalls abwies, aber nicht unbedingt aus fremdenfeindlichen Gründen.

Die letzte Suche nach einem "starken" Vorbild - hier Brejvik - und auch ausgerechnet in Richtung Rassismus ist für mich durchaus nachvollziehbar.

"Ich bin Deutscher!" ist aus meiner Sicht ein Hilferuf, den wir nicht überhören sollten.

 

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Bislang waren die "Terrorexperten", die Sie zitieren und die "Amokexperten" zwei unterschiedliche Kategorien von Experten. Dass die Terrorexperten die Ruhmsucht nicht auf dem Tablett haben, ist klar, denn die Phänomene sind eigentlich unterschiedlich. Nun "verschwimmen" - angesichts der IS-Strategie, gerade  solche ungefestigten Personen und ihre Akte anzuleiten bzw. für sich zu reklamieren - die Grenzen zwischen politisch/religiös motiviertem Terrorismus und Einzelgänger-Amok zusehends, entsprechend müssne sich auch die "Experten" umorientieren. Dennoch sollte phänomenologische Unterschiede nicht völlig ignoriert werden, damit man das Kind nicht mit dem Bad ausschüttet. Der München-Attentäter hatte nach allem, wa swir wissen, kein religiöses/politisches  Motiv. Auf ihn treffen bis auf den Tatort fast alle anderen regelmäßig beim Phänomen "Schulmassaker" zu beobachtenden äußeren Merkmale (jugendl. Alter, Geschlecht, subj. Mobbingopfer, kaum Freunde, insb. keine Freundin, Ego-Shooter-Spieler, Behandlung wg. Depressionen, Interesse an früheren Amokläufen, Misserfolg kurz vor der Tat) zu. Da wir wegen der äußersten Seltenheit dieser Taten kaum Möglchhkeiten der statistischen Aufbereitung haben, können wir uns nur an solchen übereinstimmenden Merkmalen orientieren, die pot. eine Ursachensuche ermöglichen. Ohne das damit gesagt ist, dass diese Merkmale  auch schon Ursachen sind.  Auch beim Würzburger und beim Ansbacher Attentäter finden sich einige solche Merkmale. Was regelmäßig etwas "unter dem Radar" bleibt, sind mögl. Nebenwirkungen von Antidepressiva.

Das Motiv, sein Leben mit einem großen Knall zu beenden, es einmal den anderen zeigen wollen, aus Rache oder Ruhmsucht,  ist auch ein solches gemeinsames Merkmal.

Besten Gruß

Henning Ernst Müller

Lieber Prof. Müller,

Ihren ersten Sätzen stimme ich uneingeschränkt zu; was jedoch Ihre Einschätzung des Münchner Attentäters betrifft, schon nicht mehr, vgl. mein Beitrag weiter unten. Auch er versuchte, seiner Tat einen "Sinn" zu geben, verfaßte ein "Manifest" wie Brejvik, dessen Inhalt hoffentlich nie verbreitet wird, aber ähnlichen (rechtsradikalen) Inhalts sein dürfte.

Die von Ihnen genannten "übereinstimmenden Merkmale" schrumpfen hinsichtlich der Motivlage (nicht der Ursachen!) möglicherweise mehr als wir glauben, auch was die Taten von Würzburg und Ansbach betrifft. Es könnte weniger das Bedürfnis sein, "Berühmtheit" zu erlangen, als vielmehr eines von "Sinn" oder "Wert" anderer Art getragenen Verlangens, nämlich ein imaginiertes Zugehörigkeitsgefühl zu einer Community. Der IS hat das erkannt und benutzt das. Hier ein guter Artikel dazu, wie ich finde:

http://www.taz.de/!5321750/

Das Dilemma der Medien im Zeitalter der "Social Media" ist im Ansatz sehr gut hier reflektiert:

http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-07/online-journalismus-medien-amokl...

Dazu gäbe es aber noch viel zu sagen.

Die Methode "Nachrichtensperre" KANN nicht mehr funktionieren, in keinerlei Hinsicht, darf es auch nicht mehr. Medien müssen versuchen, ein Korrektiv für Spekulationen auf Twitter und Facebook zu sein, verantwortungsvoll zu berichten. Darin liegt die Aufgabe und gleichzeitig das Problem, dem die Medien sehr unterschiedlich reflektiert nachkommen.

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Wie ich einem anderen Artikel entnehmen durfte, ist in den USA statistisch nachgewiesen worden, dass es insbesondere in den ersten 14 Tagen nach einer solchen Tat Nachahmereffekte gibt, also andere Täter, die sich von der Tat und der Berichterstattung darüber  "inspirieren" lassen und dann selbst zur Tat schreiten. Ähneliche Effekte hat man meines Wissens auch bei landesweit im Fernsehen übertragenen Boxkämpfen feststellen können -  wenn da beispielsweise ein Weißer gegen eine Schwarzen angetreten ist und den Schwarzen verprügelt hat, dann stieg in den Tagen danach die Mordrate signifikant an, und zwar speziell in Bezug auf schwarze Opfer - und auch umgekehrt (und das, obwohl es bei einem Boxkampf ja eigentlich nicht darum geht den anderen zu töten...). Insofern wäre es wohl wirklich wertvoll , wenn die Medien sich überwinden könnten, nicht bei jedem möglicherweise islamistischen Gewalttäter gleich Sondersendungen anzusetzen und Schlagzeilen zu produzieren. Wenn wie in München eine ganze Stadt innehalten muss, könnte man auch das durchaus durch eine etwas "kleinere" Berichterstattung abhandeln. Wenn wie neulich ein ganzes Mobilfunknetz bundesweit ausfällt, wird darüber ja auch nur ganz kurz und knapp berichtet.

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Mein Name schrieb:
http://www.sueddeutsche.de/politik/kriminalpsychologie-was-forscher-uebe...

Aus dem Artikel:

"Je umfangreicher die Medienberichterstattung, desto wahrscheinlicher, dass einer der sehr seltenen, nachahmungsgeneigten Menschen im Publikum angesprochen werde. Je plastischer, je Actionfilm-hafter die Reportagen ausfallen, je mehr eine Identifikation mit dem Täter dadurch möglich werde, umso höher das Nachahmungsrisiko. " (Hervorhebung durch mich)

Das ist der Punkt, auf den ich hinauswollte: Nicht die Berichterstattung an sich dürfte das Problem sein, sondern eine, die als Heroisierung missverstanden werden könnte. Wir brauchen m. E. nicht mehr, sondern allenfalls bessere oder andere Berichterstattung. Ganz plastisch (und überspitzt):

Nicht: "Counterstrike-Spieler läuft Amok" - Das mag von 1 Mio Counterstrike-Spielern dann vielleicht den einen Wirrkopf ansprechen, der dem vermeintlichen Kameraden nacheifern will.

Sondern: "Schlechter* Counterstrike-Spieler läuft Amok" - Auch der eine Wirrkopf will nicht dem schlechten Spieler nacheifern.

*War der Täter offenbar - Spiegel berichtete davon, dass er wiederholt Spieler des eigenen Teams angegriffen habe.

Genau so würde eine Berichterstattung natürlich nicht aussehen. Auch sollten die Medien neutral bleiben. Aber Neutralität muss nicht heißen, aus dem Leben das x-beliebige Faktum "Counterstrike-Spieler" herauszureißen, dann aber wegzulassen, dass er nicht gerade ein typischer oder sogar schlechter Spieler war. Vollständige Berichterstattung heißt hier m. E., dass eine traurige Existenz ein trauriges Ende gefunden hat. Mitleid, nicht Verehrung, Furcht oder Hass.

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Gast schrieb:

Sondern: "Schlechter* Counterstrike-Spieler läuft Amok" - Auch der eine Wirrkopf will nicht dem schlechten Spieler nacheifern.

*War der Täter offenbar - Spiegel berichtete davon, dass er wiederholt Spieler des eigenen Teams angegriffen habe.

Das ist in der Regel kein Anzeichen für einen schlechten Spieler, sondern für einen Spieler, der anderen den Spaß am Spiel nehmen möchte - sog. "griefing" (https://de.wikipedia.org/wiki/Griefer). Bei Counter-Strike sitzt man nach einem "teamkill" zwangsweise "auf der Bank", bis die laufende Runde zu Ende ist (bis zu 2 Minuten). Wiederholt der "griefer" sein Verhalten zu Anfang jeder Runde, kann man praktisch nicht mehr am Spiel teilnehmen.

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Die Medienergüsse sind der größte Treibsatz für NachahmerInnen und die Propagandaziele der TerriorstInnen (wozu ich AmokläuferInnen auch rechne). Was sich insbesondere das öffentlich-rechtlicher Fernsehen bei ihrem rund-um-die-Uhr Brennpunkt zu München geleistet hat, ist ungeheuerlich. Gibt es denn da gar keine rechtlichen Möglichkeiten dieses Propagandazuarbeiten rechtlich zu unterbinden?

 

RSponsel schrieb:

Die Medienergüsse sind der größte Treibsatz für NachahmerInnen und die Propagandaziele der TerriorstInnen (wozu ich AmokläuferInnen auch rechne). Was sich insbesondere das öffentlich-rechtlicher Fernsehen bei ihrem rund-um-die-Uhr Brennpunkt zu München geleistet hat, ist ungeheuerlich. Gibt es denn da gar keine rechtlichen Möglichkeiten dieses Propagandazuarbeiten rechtlich zu unterbinden?

Die genannten Terroristen / Attentäter / Amokläufer schauen wohl kaum öffentlich-rechtliches Fernsehen. Wenn es ausnahmsweise um Berühmtheit geht, dann wollen sie in den sozialen Medien berühmt werden (facebook und Co.).

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In Italien waren die Namen der Opfer veröffentlicht. Nach meiner Erinnerung war kein einziger deutscher Name dabei. Es waren viele Jugendliche mit Migrationshintergrund. Als Herkunftsländer wurde genannt: Kosovo, Bosnien, Türkei ...

Es müssen keine Namen genannt werden, aber wenn die Opfer alle entweder ausländische Nationalität oder Migrationshintergrund mit deutscher Staatsangehörigkeit haben, dann kann das ein Indiz für die Frage psychische Erkrankung oder politische Motivation sein.
 

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Es kann in Verbindung mit dem Ausruf "Scheiß Türken" aber eben auch eine religiöse Motivation vorliegen, wenn man weiß, dass der Täter iranische Wurzeln hat und der Iran überwiegend schiitisch ist, während die Türkei überwiegend der sunnitischen Auslegung des Islams folgt.

Für den Fall in München werden Sie eine religiöse Motivation nicht hinbekommen, und mich ärgert es maßlos, daß dies immer wieder versucht wird.

"David flüchtet sich mehr und mehr in die Welt der Computerspiele. Vor allem der Ego-Shooter Counter-Strike hat es ihm angetan. Laut einem Mitspieler meldet er sich in Chats unter Namen wie "Amokläufer" und "Hass" an. Dort lebt er offenbar auch seine Wut auf die Türken aus. Er habe "Türkei =ISIS" gepostet und die rechtspopulistische AFD verehrt, berichtet der Mitspieler. Im vergangenen Winter sei der Kontakt abgebrochen."

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/amoklaeufer-david-s-aus-muenchen-e...

Entsprechende Screenshots sind im Netz verfügbar und inzwischen auch verifiziert.

 

 

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Gast schrieb:

Für den Fall in München werden Sie eine religiöse Motivation nicht hinbekommen, und mich ärgert es maßlos, daß dies immer wieder versucht wird.

"David flüchtet sich mehr und mehr in die Welt der Computerspiele. Vor allem der Ego-Shooter Counter-Strike hat es ihm angetan. Laut einem Mitspieler meldet er sich in Chats unter Namen wie "Amokläufer" und "Hass" an. Dort lebt er offenbar auch seine Wut auf die Türken aus. Er habe "Türkei =ISIS" gepostet und die rechtspopulistische AFD verehrt, berichtet der Mitspieler. Im vergangenen Winter sei der Kontakt abgebrochen."

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/amoklaeufer-david-s-aus-muenchen-e...

Entsprechende Screenshots sind im Netz verfügbar und inzwischen auch verifiziert.

 

 

Die Frage ist: Warum sind nur Menschen mit Migrationshintergrund Opfer? Absicht oder Zufall?

Ich war auch schon im OEZ. In der Bayerstraße am Hauptbahnhof ist es leichter, nur Menschen mit Migrationshintergrund zu Opfern zu machen. Auch in manchen Bereichen der Landwehrstraße können sehr leicht Urlaubsgefühle aufkommen, weil das Auge nur Menschen erblickt, die entweder selbst oder die Familie einen sichtbaren Migrationshintergrund haben. Es sind viele mir fremde Sprachen zu hören.
Wenn im OEZ nur Menschen mit Migrationshintergrund von Kugeln getroffen werden, dann kann durchaus Absicht vermutet werden.

Wann darf etwas als politisch oder religiös motiviert bezeichnet werden? Spielt das eine Rolle für die Rechtsfolge? Oder ist Mord gleich Mord, egal aus welchem Motiv?

 

 

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Da ist sehr viel Wahres dran an dem, was Sie schreiben. Von mir deshalb an dieser Stelle nur noch ein Nachtrag, was es mit den Münchner Straßennamen Bayerstraße und Landwehrstraße auf sich hat, damit auch Nicht-Münchner Ihren Kommentar verstehen: Das sind Straßen in der Nähe vom Münchner Hauptbahnhof. Dort ist das Wohnen - gemessen an den irrwitzigen Münchner Mieten - noch relativ erschwinglich. Das heißt, dass genau dort bevorzugt Menschen mit Migrationshintergrund wohnen.   

Wieso unterstellen Sie mir, dass ich irgendwas "hinbekommen" wolle? Das mag vielleicht für Sie gelten, da Sie (bewusst?) den eigentlichen Vornamen des Täters (Ali) weglassen und darauf hinweisen, dass der Täter angeblich die AfD verehrt hätte. Mit dem Vornamen Ali fällt es natürlich ungleich schwerer, hier den gewünschten rechten Hintergrund zu konstruieren.

Der fremdenfeindliche Beigeschmack ist doch offenkundig. Der Täter hat vehement verkündet, "Deutscher" zu sein - das war ihm offenbar sehr wichtig (und war er ja auch). Auch eine Internet-Spitznamen gehen in diese Richtung. Es mag etwas überraschen, dass ein Deutscher mit iranischem Familienhintergrund fremdenfeindlich ist, aber das ist weder unplausibel noch unglaubwürdig.

Wenn ich mich recht entsinne, kamen in Umfragen zur Aufnahme von Flüchtlingen bei Menschen mit Migrationshintergrund geringere Zustimmungswerte als bei solchen ohne. Das mag man kurios finden, gibt sicherlich Anlass zu Untersuchungen für die Gründe - aber ist jedenfalls nicht ausgeschlossen.

Ob das ein Grund der Tat war, ob es ein vorrangiger oder sogar einziger Grund war, sei dahingestellt. Aber man kann die Augen vor der Möglichkeit nicht verschließen.

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Ich habe gehört, dass in der Schweiz die 2. Generation der eingewanderten Menschen wegen der Fremdenfeindlichkeit schon als Problemgruppe gelten sollen.

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Stimmt, es sollte geprüft werden, bevor es geglaubt wird ... in dem Fall sagte es ein Sozialarbeiter aus der Schweiz

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Namensnennung, Bebilderung und Detailinformationen, ausgiebige Diskussionen liegen im geschäftlichen Interesse der (Boulevard)medien. Geschäftliches Interesse mit verheerenden gesellschaftichen Folgen entspricht allerdings der neoliberalen globalen Politik in allen Wirtschaftsbereichen.

Den Medien das Geschäft zu entziehen, die anderen Wirtschaftsbereiche aber weiter frei wüten lassen, ist ein Widerspruch, der zu noch mehr Terror und Leid führen wird.

Die Verfassung lässt auch nichts andere zu als "freie" Berichterstattung als Geschäft.

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Und dann wollte ich Ihnen noch von der Atmosphäre in meiner bayerischen Heimat nach dem Amoklauf von München erzählen: Man hat das Gefühl, an dem Freitag abend haben die Bayern ein Fußballspiel verloren: Im Radio dudeln Hörer-Anrufe unter dem Motto "Wie haben Sie den Abend erlebt?" Der Herr Innenminister lobt die Tüchtigkeit der bayerischen Polizei. Der böse Mann, der irgendwie ein Spinner gewesen sein muss, ist Gott sei Dank tot. Also alles in bester Ordnung. Meine bayerische Heimat eben. Ruhe und Ordnung.       

Und wenn Sie Jemandem beim Aporie mimen zuschauen wollen und Sie aus Ihrer Lektüre keinerlei Gewinn ziehen wollen, dann lesen Sie zu dem hier besprochenen Thema am besten das "Dossier" in der heute erschienenen Ausgabe von "Die Zeit".

Medienkritik Panorama: Kommentar auf der Panoramaseite zur Ausstrahlung zum Ansbacher Terroristen am 28.07.16
http://www.sgipt.org/medien/kritik/mk_16.htm#Kritik%20der%20Ausstrahlung

Der Beitrag verletzt so gut wie alle Regeln, die in der Psychotherapie und für guten, verantwortungsbewussten Journalismus gelten. Herr von Maltitz ist offenbar Heilpraktiker, kein Arzt oder Psychologe. Von Schweigepflicht scheint weder er noch die Redaktion etwas gehört zu haben. Die völlig unprofessionelle Ausbreitung und Aufbereitung der "Krankenakte" zeigt plumpste Sensationsberichterstattung, die den Propagandainteressen des IS perfekt in die Hände spielt.

P.S.: Zum Problem Asylanden-, Flüchtlings- und Migranten- Kontrolle habe ich eine neue Seite eingerichtet:
http://www.sgipt.org/politpsy/sozpol/Integrat/Kontrolle.htm

 

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Zum Problem Asylanden-, Flüchtlings- und Migranten- Kontrolle habe ich eine neue Seite eingerichtet:...

Was sind "Asylanden", vorausgesetzt, Sie haben das bewußt so und nicht anders geschrieben, wovon ich aber ausgehe, da Sie das hier und dort immer so schreiben? Sind das zu asylierende Personen? Die verlinkte Seite ist im Übrigen so populistisch und sub omnes canones, dass sie sich jeglicher ernsthaften Befassung entzieht...

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Bewertung: Ein sehr lesenswerter Kommentar

Was ist da denn "sehr lesenswert"? Der Schreiberling vom HB weiß nicht, warum etwas in die Mediathek kommt und warum nicht. Seit wann ist Nichtwissen so "sehr lesenswert"? Bei manchen herrscht schon derart gähnende intellektuelle Leere, dass schon das breit ausgeführte sokratische Eingeständnis des Nichtwissens zum "sehr lesenswerten" Ereignis wird...

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Gestern gab Horst Seehofer dem ZDF sein "Sommer-Interview". Es war monothematisch. Horst Seehofer erwähnte x-mal die Anschläge in Würzburg und Ansbach, auf die der IS ja bekanntlich sein "Like-Bapperl" geklebt hatte. Das "Like-Bapperl" adelt ja sofort den Ausraster eines psychisch Kranken zum Terroranschlag. Kein Wort zum Münchner Amoklauf. Es kann allerdings auch sein, dass ich da gerade eingeschlafen bin, weil ich schon wusste, was Horst Seehofer sagen würde. Dass der psychisch Kranke in München (auch) ein rechtslastiges Motiv gehabt haben könnte, lässt sich halt nur mit allergrößter Gewalt unter den Horizont des Horst Seehofer zwängen.       

Sowohl Autoren des Stern als auch des Spiegel haben durchaus verstanden, worum es hier geht: Nachdrückliche Bildberichterstattung über den Täter kann zur Nachahmung anreizen. Das wissen die Redaktionen von Spiegel und Stern. Sie schreiben es auch in ihren Artikeln bzw. lassen es schreiben.  Schockiert war ich, als ich letzte Woche einen Bericht von Spiegel.Tv sah, in dem dem Münchener Attentäter mehrfach und lange Zeit bildlich geradezu "gehuldigt" wurde. 

Direkt widersprüchlich ist auch die Berichterstattung im aktuellen Stern. Auf der Titelseite werden drei aktuelle Attentäter abgebildet, immerhin noch mit einem Balken über dem Gesicht. Im Innenteil des Stern werden auf derselben Doppelseite, auf der unten zutreffend über die Nachahmungsgefahr berichtet wird, im oberen Teil die schlimmsten früheren Schulmassaker-Täter erneut abgebildet zusammen mit Bildern vom jeweiligen Tatort: Geradezu eine "Hall of Fame" der Attentate mit implizitem Aufforderungscharakter. Mir fehlen die Worte.

Sehr geehrter Herr Prof. Müller,

gibt es denn keinerlei rechtliche Möglichkeiten, dagegen vorzugehen? Wie könnte man welche schaffen? Oder ist die Sache aussichtslos?

MfG R. Sponsel

 

Grüß Gott Herr Dr. Sponsel,

rechtliche Möglichkeiten wird es da keine geben. Das fällt alles unter "Pressefreiheit". In den Schutzbereich des Grundrechts der Pressefreiheit einzugreifen ist - an sich aus guten Gründen - sehr schwierig. Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, ist eine Art "Selbstverpflichtung" der Medien. Und ja, es scheint - zumindest für den Bereich der Münchner Verkehrsbetriebe - so eine Art "Stillhalteabkommnen" für die Berichterstattung über Suizidfälle zu geben. An diesem Vorbild könnte sich auch eine Selbstverpflichtung der Medien orientieren.

Viele Grüße aus München    

Kann sich noch jemand an den Sommer 1988 und an das "Gladbecker Geiseldrama" erinnern? Und können Sie sich noch daran erinnern, mit welchen Bildern und Schlagzeilen seinerzeit die bundesdeutschen Medien das Sommerloch 1988 gefüllt haben? 

Zum Thema "Selbstverpflichtung": Nach dem Schulmassaker von Winnenden hat der Presserat immerhin Richtlinien erlassen, die auch das Problem Nachahmung durch zu sensationsorientierte Berichterstattung aufgreifen. Sie sind hier zu finden:

Insbesondere S. 35 ist interessant.

http://www.journalist.de/fileadmin/Dokumente/Ratgeber/richtlinien_100906...

Der Presserat hat sich allerdings nach Winnenden nicht dazu verstehen können, eindeutige Hinweise in seinen Kodex aufzunehmen. Vielmehr hängt die Bewertung von der Angemessenheit ab. man könnte meinen, dass die Berichtersttatung gerade dann angemessen erweitert werden könne, je mehr Aufmerksamkeit der Tat objektiv zukommt. Praktisch: Je mehr Tote, desto mehr Sensation in der Berichterstattung ist erlaubt, die Nachahmungsgefahr ist  - trotz schöner Worte - egal.

Ich habe gegen den Stern übrigens trotzdem eine Beschwerde beim Presserat eingelegt. Auch wenn sie fruchtlos ist, stört es die verantwortlichen Redakteure  vielleicht ein kleines bisschen.

Grüß Gott Herr Prof. Müller,

zu den Erfolgsaussichten Ihrer Beschwerde beim Presserat: Dann bin ich also nicht der Einzige, der seine Erfahrungen gemacht hat mit einem Anrennen gegen einen Fall von "Die Reihen dicht geschlossen".

Viele Grüße aus München

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