Ich möchte meine Ex adoptieren

von Hans-Otto Burschel, veröffentlicht am 22.04.2019
Rechtsgebiete: Familienrecht17|2173 Aufrufe

Er ist  20 Jahre älter als sie. Nach 10-jähriger Ehe ließen sich die beiden im Jahr 2002 scheiden. 

Nach beider Angaben bestand auch nach der Scheidung weiterhin eine „sehr intensive, vertrauensvolle und auch liebevolle Beziehung“. Regelmäßig fuhren sie gemeinsam in Urlaub (ihr neuer Partner blieb dann zu hause) und nahmen gemeinsam Arztbesuche wahr.

Jetzt will er sie adoptieren.

Nein dazu sagte allerdings das AG Büdingen. Statt dem notwendigen Eltern- Kind-Verhältnis bestehe hier eher ein partnerschaftliches Verhältnis, was die Adoption ausschließe.

AG Büdingen, Beschluss vom 29.03.2019 - 55 F 876-18 = BeckRS 2019, 5322

Diesen Beitrag per E-Mail weiterempfehlenDruckversion

Hinweise zur bestehenden Moderationspraxis
Kommentar schreiben

17 Kommentare

Kommentare als Feed abonnieren

Nun, das Adoptionsrecht steht zwar im Buch Familienrecht. Die Adption war aber schon seit Jahrhunderten ein auch a-familiär genutztes Instrument, insbesondere aus Vermögensgründen, m 20.Jahrhundert bsonders auch aus ebrschaftsteuerlichen Gründen genutzt. Nachdem  geradezu  der Kern der Familie begrifflich 2017 ins Perverse gehend zertrümmert ist, rührt mich instrumenteller Gebrauch der Adoption wenig. 

Ach Herr Dr. Peus,

Ihre Beiträge werden sachlich immer weniger nachvollziehbar:

Was meinen Sie damit,

- „Nun, das Adoptionsrecht steht zwar im Buch Familienrecht. Die Adoption war aber schon seit Jahrhunderten ein auch a-familiär genutztes Instrument, [...]“.

Wer hat das Rechtsinstitut der Adoption „a-familiär“ genutzt? Auf welche Weise ist das über Jahrhunderte (!) geschehen? Ist das aus Ihrer Sicht richtig oder falsch? Wenn es falsch ist - weshalb? Wenn etwas seit Jahrhunderten „a-familiär“ also „vom Familiären abweichend“ genutzt wird, ist es vielleicht nichts typisch familiäres mehr und deshalb die Regel? Ist dagegen etwas einzuwenden, wenn ja - weshalb, begründen Sie!

Das erbschaftssteuerrechtliche Beispiel im folgenden Halbsatz betrifft lediglich das 20 Jahrhundert, sodass es für die Behauptung „seit Jahrhunderten“ kein Beleg sein kann.

egal:

- „Nachdem  geradezu  der Kern der Familie begrifflich 2017 ins Perverse gehend zertrümmert ist, rührt mich instrumenteller Gebrauch der Adoption wenig.“

Was ist damit gemeint? Was für eine Kategorie ist das, „wenig“ von einer juristischen Entscheidung „gerührt“ zu sein? Mich haben juristische Entscheidungen noch nie „gerührt“. Manchmal haben es (kleine) Kinder getan, manchmal Mozart, manchmal eine Beobachtung im Alltag, was meinen Sie damit? Dass das Familienrecht kindlich rührend von einem Gericht naiv, unwissend und in der Sache nicht dem Tiefgang der Materie gerecht werdend angewendet wird? Dann müssen Sie argumentieren, wenn Sie sachliche Beiträge und nicht nur schlichte Polemik beisteuern möchten.

Weiter geht’s:

„Der Kern der Familie [ist] begrifflich 2017 ins Perverse gehend zertrümmert“ Was soll denn das bedeuten? Sprachlich schon nicht leicht verständlich - meinen Sie „ins Perverse verkehrt“? Meinen SIe der Kern der Familie sei zertrümmert? Gut: was wurde ins Perverse verkehrt? Wer hat das getan? Was wurde zertrümmert? Genießt die „Familie“ seit 2017 weniger, nicht ausreichend oder gar keinen (grund)rechtlichen Schutz mehr? Begründen Sie (!) ohne solche - von Ressentiments durchsetzten, tendenziösen und in der Sache - wenig erkenntnisbringenden aber die Auseinandersetzung vergiftenden Formulierungen!

5

Also, im vorlöhrmannoiden Zeitalter, als am Gymnasium noch Geschichte gelehrt und gelernt wurde, erfuhren wir vom römischen sog. "Adoptivkaisertum".

Ich mache mir mal weiter die Mühe mit den Beiträgen von Herrn Dr. Peus.

Auf oben stehende Anregung nach sachlicher Klarstellung erhalte ich - resp. erhalten die Blog-Leser - eine Antwort, die immerhin einen Satz umfasst:

«Also, im vorlöhrmannoiden Zeitalter, als am Gymnasium noch Geschichte gelehrt und gelernt wurde, erfuhren wir vom römischen sog. „Adoptivkaisertum“».

I. Keine sachliche Auseinandersetzung stattdessen persönliche Angriffe auf Tom Morello?

Tom Morello war nicht auf dem Gymnasium, sonst hätte er dort auch erfahren, was Herrn Dr. Peus dort über das „Adoptivkaisertum“ beigebracht wurde. Tom - mit mangelnder Bildung - lehnt sich also etwas weit aus dem Fenster (?), wenn er hier im Forum mithupen will und sachliche Fragen stellt. Dennoch höchsthilfsweise, aus rein anwaltlicher Vorsorge: Falls Tom doch auf dem Gymnasium gewesen sein sollte (was freilich mit Nichtwissen bestritten bleibt) und dort - wie Egon - vom „Adoptivkaisertum“ „erfahren“ haben sollte, dann hat Tom natürlich nicht „gelernt“, sonst wüsste er was Egon weis und wovon Egon spricht. Egon hat nämlich erfahren und gelernt - Tom nicht; Tom ist sicher stinkendfaul, hat immer nicht aufgepasst; Ach so: Falls an Toms nicht das was an Egons Gymnasium (vor ca. 60 Jahren?) gelehrt wurde, dann bestimmt, weil Tom „im vorlöhrmannoiden Zeitalter“ zur Schule gegangen ist. Was das ist? Keine Ahnung: klingt wie paranoid, faschistoid, inzestoid - jedenfalls muss Tom „...oid“ sein, also irgendwie minderwertig..

Fazit: Herr Dr. Egon Peus hat etwas über das „Adoptivkaisertum“ gehört und gelernt. Tom ist (deshalb) ein Idiot.

II. inhaltliche Relevanz

Herr Dr. Peus weist darauf hin, dass es in der Zeit 180 n Chr. also vor eintausendachthundertneununddreißig (1839) Jahren einmal etwas gab, was man „Adoptivkaisertum“ nennt. Offenbar wurde damals Kaiser wer adoptiert wurde? weis nicht (bin ...oid) Herr Dr. Peus verrät es auch nicht. Er verrät auch nicht, was das mit der Entscheidung des AG Büdingen 1829 Jahre später zu tun hat. Fast zwei Jahrtausende nach dem „Adoptivkaisertum“ gab es auch noch irgendwas mit Adoption und „Erbschaftssteuerrecht“. Klar, dass der „vorlöhrmannoide“ Tom nicht verstehen kann weshalb „die Adoption ... schon seit Jahrhunderten ein auch a-familiär genutztes Instrument“ ist.

So. Und deshalb war Herr Dr. Peus nun vor dem Jahr 2017, dort wurde ja bekanntlich „der Kern der Familie begrifflich ... ins Perverse gehend zertrümmert“ gerührt, wenn Gerichte wie das AG Büdingen entschieden haben, dass man seine/n Ex nicht adoptieren darf.

III. Warum ich das schreibe?

Zum einen - darum geht es mir wirklich: Ich finde diese Art der Auseinandersetzung - in einem juristischen Fachforum aber auch sonst - unerträglich. Sie ist destruktiv, despektierlich gegenüber allem und jedermann, verbaut den Weg zur Erkenntnis und sorgt dafür, dass intellektuelle Auseinandersetzung immer weniger Wertschätzung erfährt. Hässlichkeit, Oberflächlichkeit und Diffamierung des „Gegners“ und ein wenig Faktoides wird gefeiert.... bloß nicht zuhören und konstruktiv anregen - im Beck Blog genauso wie im Reichsbürgerforum: Denken, formulieren Auseinandersetzung macht zuviel Arbeit, kostet zuviel Zeit und Mühe.

Zum anderen ist es natürlich grandios, wie sich Herr Dr. Peus mit seinen Beiträgen selbst desavouiert.

5

Aha! Ein gerade Linie des Sittenverfalls von spätrömischer Dekadenz bis in die heutige Genderdebatte. Endlich hat es jemand nachvollziehbar dargelegt! Sehr gut, dass eine Entscheidung des AG Büdingen Gelegenheit gegeben hat, diese Erkenntnis der interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren!

5

Das römische Reich ist untergegangen. Heute bestimmt § 1767 I 1 BGB:

Ein Volljähriger kann als Kind angenommen werden, wenn die Annahme sittlich gerechtfertigt ist; dies ist insbesondere anzunehmen, wenn zwischen dem Annehmenden und dem Anzunehmenden ein Eltern-Kind-Verhältnis bereits entstanden ist.

Erst jüngst hat das AG HH-Blankenese die die Verschmelzung zweier Kaffee-Dynastien per Adoption abgelehnt.

Was das nun alles mit der "Ehe-für-alle" (der Kern der Familie begrifflich 2017 ins Perverse gehend zertrümmert ist, das meinten Sie doch, oder?) zu tun hat, erschließt sich mir nicht.

 

Mit modernem Recht (dazu gehört auch das BGB!) brauchen Sie Peus nicht zu kommen! Das ist nämlich alles "maasoid versifft" etc...

5

Immer schön zu sehen, wenn man pädagogisch wirksam einen terminus technicus erinnerungsfähig gemacht hat. Aber jenes Bübchen ist nicht verantwortlich für die linkslibertinistische Rechtsdekonstruktion der 1970er Jahre.  

Mit Friedrich Ebert liegt eigentlich nahe: "Die Ehe steht als Grundlage des Familienlebens und der Erhaltung und Vermehrung der Nation unter dem besonderen Schutz der Verfassung." Auch weiteres aus Art. 119 WRV. Welche "Grundlagen" Spahn oder Dr. Weidel etwa bilden, wird abzuwarten bleiben. Noch so emsiges Mühen und Stechen führt da nach allen biologischen Kenntnissen zu -  nix. Auch passt aus Eberts Diktion "Reinerhaltung" als Auflage weiterhin sehr gut - für Familie wie auch Volk.

Nun, eigentlich hatte ich nur Verständnis für das konkrete Adoptionsbegehren  ausdrücken wollen - dermaßen schlimm ist es angesichts der anderweitigen Verrottung der staatspropagandistisch verbreiteten sogenannten "Moral" eigentlich nicht. Und auf eine Frge habe ich schlicht geantwortet: Wer hat das Rechtsinstitut der Adoption „a-familiär“ genutzt? Auf welche Weise ist das über Jahrhunderte (!) geschehen? Bereits im Ausgangsbeitrag zu Vermögens- und Erbschaftsteuergründen, sodann wegen der erbetenen zeitlichen Erstreckung etwa auf Rom. 

Ach Herr Dr. Peus, kennen Sie Bob Dylan? The times they are a-changing? die Version von Carl Verheyen hat mich z. B. gerührt

und das passt irgendwie zu ihnen;:

Come mothers and fathers
Throughout the land
And don't criticize
What you can't understand
Your sons and your daughters
Are beyond your command
Your old road is
Rapidly agin'.
Please get out of the new one
If you can't lend your hand
For the times they are a-changin'.

0

Bisher nein. Aber interessant zu lesen. Sons and daughters gibt  es ancheinend nur von mothers and fathers - nicht von "Dazwischens". Von Spahns und Dr. Weidels  auch nicht. 

So nach dem Motto: "Wenn Schwule heiraten dürfen, dann will ich meine Ex adoptieren können" ???

Da verkennen Sie aber leider den Zweck der Reform des Adoptionsrechts von 1961 (federführend Justizminister Schäffer, CSU), sehr geehrter Herr Dr. Peus. Damals wurde die Volljährigenadoption mit ihren möglicherweisen "afamiliären" Beweggründen von der Regel zur Ausnahme.

Und so ist es bis heute geblieben

Weil er ihn nicht mehr als Finanzminister wollte. Über Spannungen zwischen Adenauer und Schäffer steht auch da etwas: https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Etzel

Der war dann der Finanzminister ab 1957, offenbar sogar ein sehr guter.

0

Adenauer dachte vielleicht, ein Justizminister kann sowieso nicht viel Schaden anrichten, und dort seine politische Laufbahn dann schliesslich auch bald beenden. 
 

0

Kommentar hinzufügen