Corona-Zahlenvergleiche und kriminologische Dunkelfeldforschung

von Prof. Dr. Henning Ernst Müller, veröffentlicht am 29.03.2020
Rechtsgebiete: Corona2506|89145 Aufrufe

Dieser Beitrag stammt vom 29. März 2020. Er wurde und wird regelmäßig aktualisiert durch Updates, die unten angehängt sind.

Seit Wochen starren wir alle auf die Infektionszahlen und die Zahl der Todesfälle, überlegen uns, wie Deutschland im Vergleich zu Italien, Frankreich, USA, Südkorea etc. dasteht, sprechen über Exponentialfunktion usw. Seit Wochen denke ich, dass diese Infektionszahlen eigentlich überhaupt nichts aussagen können, denn sie sind weitestgehend eine Funktion der Rate und der Selektion der Messung.

Die täglich angegeben Zahl der Infizierten ist in etwa so verlässlich wie die Zahl der Betäubungsmitteldelikte in der Kriminalstatistik: Wenn niemand die BtM-Delikte kontrolliert und aufzeichnet, dann GIBT es sie offiziell einfach nicht. Und wenn die Polizei damit beginnt, BtM-Straftaten zu verfolgen und Personen auf Btm zu kontrollieren, dann sind die Fall- und die  Tatverdächtigenzahlen in der polizeilichen Kriminalstistik komplett davon abhängig, wie viele Polizeibeamte wo und wen kontrollieren, wiederum auch abhängig davon, wie die Polizeibeamten ausgerüstet werden und wie motiviert sie bei den Kontrollen sind.

Übertragen auf COVID19: Die Anzahl (wie viele werden überhaupt getestet?) und die Verteilung (wer wird getestet?) der Tests ist derzeit  national, regional, gesundheitspolitisch und faktisch so unterschiedlich und Maßstäbe wie Selektionskriterien ändern sich im Zeitverlauf so stark, dass die Zahl der positiv Getesteten für die derzeitigen Ländervergleiche objektiv praktisch wertlos ist.

Wenn die Zahlen ansteigen, KANN es theoretisch daran liegen, dass die Infektionen tatsächlich häufiger sind, aber es kann genauso daran liegen, dass man mehr Personen getestet hat oder die Selektionskriterien verändert hat, dass man stärker als vorher in einer betroffenen Region testet oder stärker eine andere Altersgruppe oder dass es leichter geworden ist für Personen, die sich krank fühlen, beim Hausarzt getestet zu werden. Anders als das RKI jetzt angekündigt hat, ändert sich an den Verzerrungen auch nichts dadurch, dass man einfach die Anzahl der Tests erhöht: Neue Kriterien machen Vergleiche zur vorherigen Situation noch schwieriger, wenn nicht unmöglich, und sie können die Realitätsabbildung sogar noch stärker verzerren.

Wir starren also auf Kurven, deren Datengrundlage anhand der Messkriterien einfach viel zu unterschiedlich ist und sich noch dazu auch innerhalb eines Staates nahezu täglich ändert, zB hinsichtlich der Verfügbarkeit und Distribution von Tests und Laboratorien. Noch dazu hinken die Ergebnisse einige Tage der Testung hinterher - in den einzelnen Ländern und Regionen unterschiedlich lange verzögert.

Diese täglichen Vergleiche sind deshalb m.E. komplett sinnlos.

Sinnvolle Vergleiche wären möglich, wenn in jedem Land bzw. in jeder betr. Region eine repräsentative Stichprobe von allen Einwohnern  gezogen und getestet würde (ich schätze 1000 Personen würden in einer Region ausreichen, deren Betroffenheitsgrad vorher bestimmt wurde, für die ganze Bundesrepublik müsste ein weit größere Stichprobe gezogen werden, siehe Diskussion unten), und zwar in regelmäßigen ca. 48-stündigen Abständen: Denn allein daraus, aus einer repräsentativen Stichprobe, die Region, Geschlecht, Alter der Gesamtbevölkerung abbildet, könnten Schlüsse darauf gezogen werden, wie hoch die Infektionsrate tatsächlich ist, wie stark sie steigt und wie viele Infizierte voraussichtlich schwer erkranken, also hospitalisiert oder beatmet werden müssen oder sterben. Schließlich lässt sich nur so ermitteln, ob diese Kurve der Neu-Infizierten aufgrund der getroffenen Maßnahmen abflacht. Denn auch dies lässt sich mit den derzeitigen Messungen gar nicht ermitteln: Solange nicht jeder getestet wird/werden kann oder zumindest eine repräsentative Stichprobe von allen, werden selbst bei Absinken der tatsächlichen Neuinfektionsrate die gemessenen Infektionszahlen noch ansteigen, denn man schöpft dann nur das (bisher nicht getestete) Dunkelfeld aus.

Warum die WHO eine solche repräsentative Stichprobe nicht anregt oder verlangt (nicht einmal von den großen Industriestaaten), ist ein Rätsel. Denn nur so ließe sich der Status und die Entwicklung der Pandemie einigermaßen zuverlässig ermitteln.

Solange es solche repräsentativen Studien nicht gibt, könnte ein anderer Vergleich der zugänglichen Daten nützlich sein, so wie es auch in der Kriminologie etwa bei internationalen Vergleichen erfolgt. So wird für den Vergleich der Gewaltprävalenz die Tötungsrate international verglichen, also die vorsätzlichen Tötungen im Verhältnis zur  Bevölkerung, also (relativ besser) messbare „hard facts“, die nicht praktisch zu 80 bis 90 % von der Selektion bei der Messung abhängen.

Ein einigermaßen hartes Faktum ist die SterbeRATE in der Bevölkerung. Wir können in den westlichen Gesundheitssystemen jedenfalls davon ausgehen, dass die Todesfälle durch COVID19 zwar nicht perfekt, aber wesentlich besser und objektiver erfasst werden als die tatsächlichen Infektionszahlen. Noch besser wäre es, die Zahl der schwer Erkrankten zu vergleichen, denn die Sterbefälle hängen wegen der unterschiedlichen Gesundheitssysteme ja auch davon ab, wie gut oder schlecht die medizinische Versorgung in einer Gesellschaft mit der Pandemie umgehen kann (Stichwort: Intensivbetten, Beatmungsgeräte).

Im Netz habe ich nur eine Stelle gefunden, die die Todesraten für westliche Industriestaaten regelmäßig auswertet und in Beziehung setzt. Kevin Drum ist ein Blogger aus Kalifornien, der neun Staaten miteinander vergleicht Ein keineswegs perfekter Vergleich, dessen Aussagekraft aber m.E. etwas besser einzuschätzen ist.

Zu beachten sind folgende Setzungen:

1. Die Todeszahlen werden jeweils auf die Gesamtbevölkerungszahl bezogen (und nicht, wie üblich, auf die Zahl der gemessenen Infizierungen).

2. Es wird der Vergleichs-Nullpunkt jeweils bei 1 Todesfall pro 10 Millionen der Bevölkerung gesetzt (und nicht wie üblich, ab dem Zeitpunkt einer aufgrund relativ willkürlicher Testraten angenommenen Anzahl der Infektionen.

3. Die "Italienkurve" wird zum Vergleich herangezogen, weil dort relativ früh ein Sterbefall pro 10 Million Bevölkerung aufgetreten ist und alle anderen westlichen Staaten einige Tage oder Wochen hinterherlaufen.

Was sind nun die Erkenntnisse aus diesem Vergleich (27.03.2019)?

a) anders als alle anderen feststellen: Deutschland steht (bisher) nicht wesentlich besser da als Italien. DE ist vielmehr mit ITA auf derselben Linie wie Frankreich, Schweden und UK. Erst die kommenden Wochen werden zeigen, ob DE tatsächlich die Krise so viel besser bewältigt als ITA.

b) Die Schweiz steht überraschend gut da, Spanien viel schlechter als ITA.

c) USA und Canada stehen in dieser Statistik derzeit– noch – gut da, sogar besser als Deutschland.

Einwände, wie etwa das  Dunkelfeld der ungetestet/unbehandelt am Virus Verstorbenen sind allerdings auch hier in Rechnung zu stellen. Erst nach der Krise wird man an der Steigerung der Sterblichkeit im Jahr 2020 weitere Einschätzungen treffen können, auch was die mittelbaren Sterbefälle (durch allg. Überlastung des jew. Gesundheitssystems) angeht.

Update (31.03.):

Ich habe als Bild oben die neuere Grafik von Kevin Drum eingefügt (Stand ist jetzt 30.03.):

a) auch in Deutschland steigen die Sterberaten zwar, aber sie bleiben jetzt etwas niedriger als in Italien im verglichenen Zeitpunkt. Frankreich und UK sind in etwa auf demselben Pfad wie ITA

b) Die Schweiz bleibt bei den Sterbezahlen unter der Vergleichskurve Italiens - dies könnte in etwa der Pfad sein, der sich auch in DE zeigen wird (CH ist in diesem Vergleich neun Tage voraus).

c) In USA steigen die Sterbezahlen an, liegen aber noch deutlich unter der Italienkurve.

Was allerdings diese Kurvenvergleiche nicht abbilden (können), ist, wie sich das Virus innerhalb der einzelnen Staaten verbreitet. Besonders gefährlich ist es dort, wo viele Risikogruppenangehörige  infiziert werden - dort steigen auch die Sterberaten erheblich. Sind dies begrenzte Regionen innerhalb eines Staatsgebildes, dann zeigt sich dies kaum in der Sterblichkeitsrate für den Gesamtstaat. Dies zeigt sich etwa in den USA, aber auch in China (das in dieser Grafik nicht enthalten ist). Man müsste für diesen Vergleich dann kleinere Einheiten verwenden, also etwa den Staat New York oder die Provinz Hubei.

 

Es wird nun unter Leitung des Virologen Streeck zumindest in dem ersten deutschen Infektionscluster Heinsberg eine repräsentative Panel-Studie mit 1000 Personen durchgeführt, Es werden damit nicht nur die (bisher) getesteten und positiven Fälle bei Infektionsverdacht erfasst, sondern eine repräsentative Stichprobe aus dem gesamten Landkreis. Dies geht deutlich in die Richtung, die ich oben angedeutet habe, auch wenn sie natürlich keinen Vergleich zwischen verschiedenen Bundesländern und schon gar nicht Staaten ermöglicht. Wünschenswert wäre zumindest eine weitere repräsentative Pilotstudie in einem bisher unauffälligen Landkreis und ähnliche Panel-Studien in zwei Städten. Aber man kann nicht alles haben. Die Kritik daran, dass man nicht schon vorher repräsentative Studien durchgeführt hat, teile ich.

Update (3. 4. 2020):

Es ist nun mind. eine weitere Studie geplant, die das Dunkelfeld aufhellen soll, berichtet der Spiegel heute.

Update (6.4.2020):

Ich habe die Grafik von Kevin Drum aktualisiert.
Fortschreibung der vorher genannten Entwicklungen:
a) die Sterberaten in DE bleiben deutlich unter denen von Italien, sie sind auch besser als die Entwicklung in der Schweiz

b) Frankreich und UK liegen nun etwas über der Kurve von Italien, Schweden etwa gleichauf

c) Die USA bleiben bislang unter der Kurve von Italien, scheinen aber "aufzuholen"

d) Spanien zeigt die schlimmste Entwicklung der neun verglichenen Staaten, Canada die beste.

Update (7.4.2020)

Auszug aus einem Thesenpapier von Schrappe u.a. vom 5. April (Aerztezeitung dazu):

These 1.1. Die Zahl der gemeldeten Infektionen hat nur eine geringe Aussagekraft, da
kein populationsbezogener Ansatz gewählt wurde, die Messung auf einen
zurückliegenden Zeitpunkt verweist und eine hohe Rate nicht getesteter (v.a.
asymptomatischer) Infizierter anzunehmen ist.
1. Die Zahl der täglich beim RKI gemeldeten Fälle wird in hohem Maße durch die
Testverfügbarkeit und Anwendungshäufigkeit beeinflusst.
2. Unter Berücksichtigung dieser anlassbezogenen Teststrategie ist es nicht
sinnvoll, von einer sog. Verdopplungszeit zu sprechen und von dieser Maßzahl
politische Entscheidungen abhängig zu machen.
3. Die Darstellung in exponentiell ansteigenden Kurven der kumulativen Häufigkeit
führt zu einer überzeichneten Wahrnehmung, sie sollte um die Gesamtzahl der
asymptomatischen Träger und Genesenen korrigiert werden.
4. Die Zahl der gemeldeten Fälle an Tag X stellt keine Aussage über die Situation
an diesem Tag dar, sondern bezieht sich auf einen Zeitpunkt in der Vergangenheit.
5. Ungefähr zwei Drittel der Infizierten werden zu diesem Zeitpunkt nicht erfasst.
6. Überlegungen zu populationsbezogenen Stichproben (Nationale Kohorte)
müssen intensiviert werden.

Die These entspricht weitestgehend meiner Kritik oben.

Update (9.4.2020)

Grafik von Kevin Drum aktualisiert.

Aus der Berichterstattung über erste Ergebnisse aus der oben erwähnten Heinsberg-Studie:

Das sind die ersten, aber schon repräsentativen Zwischenergebnisse:

  • Bei 15 Prozent der untersuchten Bewohner Gangelts konnte eine Infektion nachgewiesen werden.
  • Die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu sterben, liegt in Gangelt bei 0,37 Prozent.
  • Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Letalität aktuell laut der Johns-Hopkins-Universität bei 1,98 Prozent - also fünf Mal höher.

An der Pilotstudie, bei der es darum ging mehr über die Dunkelziffer des Virus und Übertragungswege herauszufinden, nahmen Streeck zufolge mehr als 1000 Bewohner teil. Die Untersuchung basierte auf Fragebögen, Rachenabstrichen und Blutentnahmen (zum Test von Antikörpern, die auf eine Immunität hinweisen).

Update (11.4.2020)

Inzwischen wird die Heinsberg-Studie stark kritisiert, zum einen wegen der frühen Veröffentlichung mittels einer Art Medienkampagne, zum anderen wegen (angeblicher) methodischer Fehler zum dritten, weil sie nichts wesentliches aussage über Deutschland insgesamt.

Ich habe im Moment eine ganz andere Kritik, die daran anknüpft, was die Studie als Zwischenergebnis aussagt: Unabhängig davon, ob diese oben geäußerten Kritikpunkte zutreffen, denke ich, dass dieses Zwischenergebnis nicht stützt, zu welcher politischen Aussage es jetzt verwendet wird oder werden soll: Es sind aus diesen Zahlen m.E. keine Argumente für oder gegen "Lockerungen" zu entnehmen. Es lassen sich insbesondere zwei Nachrichten/Botschaften entnehmen, die sich in der Richtung widersprechen.

1. Die - eingeschränkt - gute Nachricht:  Das Virus wäre (wenn die Ergebnisse bestätigt werden können) weniger tödlich als bislang von vielen angenommen. Ob das auch auf die Gefährlichkeit zutrifft, dazu müsste auch noch die Hospitalisierungsrate genannt werden, denn wenn die Erkrankten nur aufgrund besonders guter Kliniken gerettet werden können, dann sagt uns diese Sterberate noch nicht viel über die weltweite Gefährlichkeit im Sinne von schwerer Erkrankung.

2. Die schlechte Nachricht: Selbst in Heinsberg sind erst 15 % der Menschen infiziert. Das bedeutet hochgerechnet, dass in Deutschland wohl weit weniger infiziert sind (1 %?) und das bedeutet wiederum, dass wir noch sehr weit entfernt snd von einer Herdenimmunität, da noch 99 % der Menschen infiziert werden können, wenn wir nicht auf Distanz gehen.

Also: Vorsicht ist geboten, sowohl bei  der Interpretation der Daten als auch bei politischen Konsequenzen.

Update (13.04):

Ich habe die Diagramme von Kevin Drum nochmal neu eingefügt. Es zeigt sich bei den Sterberaten in DE (bezogen auf die Bevölkerung!) ein hoffnungsvoller "Knick" seitwärts.

Einiges, was ich oben im Beitrag geschrieben habe, sieht auch Prof. Vogt, ein Schweizer Virologe, ähnlich, in einem sehr lesenswerten Beitrag, der insbes. auf die Schweizer, aber auch auf die europäische Reaktion und Situation insgesamt eingeht und die politischen Versäumnisse klar herausstellt, hier:  Quelle: Mittelländische

Update (17.04.):

Habe die Diagramme von Kevin Drum aktualisiert. Die Todesraten und ihr Wachstum unterscheiden sich nun stark. Deutschland und Kanada liegen recht gut - ein  Abflachen der Kurve in Deutschland ist zu erkennen, Schweden und USA sind aber offenbar noch nicht am "Peak" der Sterbezahlen angekommen, auch Frankreich macht keinen sehr hoffnungsvollen Eindruck.

Beachten Sie (neben der Kurvenentwicklung) auch die Sterbefälle pro Million der Bevölkerung.

Mein Monitum, dass Dunkelfeldstudien erforderlich seien, wird inzwischen von fast allen geteilt, auch - reichlich spät, finde ich - vom RKI: Pressemitteilung vom 9. April 2020.

Auch Kollegen von meiner Universität haben sich  in dem Sinne geäußert, wie ich es oben angedeutet habe (Auszug aus der Pressemitteilung, die Hervorhebung stammt von mir):

Peterhammers Studie legt die Vermutung nahe, dass um den 20. März 2020 herum die tatsächlichen Infektionen in Deutschland über die Kapazitäten für positive Tests hinausgewachsen sind. Ab diesem Zeitpunkt ist in der Verlaufskurve der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 eine deutliche Verlangsamung festzustellen. Der Grund für diese Stagnation liege jedoch nicht darin, dass die politischen Maßnahmen gegriffen hätten - ein positiver Effekt durch die Schließung von Kitas, Schulen und Geschäften sowie durch das Social Distancing hätte sich erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt in den gemeldeten Zahlen niederschlagen können, erläutert Peterhammer. Vielmehr sei es ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich gewesen, die tatsächlichen Neuinfektionen mithilfe der Testmethoden zu erfassen. Laut Studie spiegelten die gemeldeten Infektionen derzeit vermutlich nicht länger die tatsächlichen Fälle wider, sondern lediglich die Nachweiskapazitäten.

Felix Peterhammer spricht sich dafür aus, für die Überprüfung der Maßnahmen groß angelegte Zufallstests in der Bevölkerung durchzuführen - ähnlich wie bei Wahlumfragen könnte das Ergebnis anschließend auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet werden. Verdachtsabhängig sollte nur noch dort getestet werden, wo es medizinisch notwendig und sinnvoll ist, zum Beispiel bei schwer Erkrankten oder bei Klinikpersonal.

Update 20.04.2020:

Kevin Drum hat in seinem Blog die Darstellungsweise verändert. Er will nun zeigen, welche Länder anhand der Todesfallzahlen schon am Höhepunkt (peak) der Kurve angekommen sind bzw. diesen überschritten haben. In seinen Grafiken (unteres Bild) wird ein 6-Tages-"rolling average" verwendet, d.h. es wird jeweils der Durchschnitt der letzten 6 Tage angezeigt, um die Ausschläge täglicher Abweichungen etwas auszugleichen. Zu beachten ist, dass die Grafiken in den Zeilen verschiedene Skalen benutzen.

Um die frühere Aussage weiter zu ermöglichen, habe ich die gemeldeten Todesopferzahlen derselben neun Staaten mit der App "shinyapp" in einem Diagramm vereint (oberes Bild). Hier zeigt sich nun deutlich, wie stark die Staaten sich unterscheiden: Spanien leider außer Konkurrenz hoch, Italien, Frankreich und UK in etwa auf demselben Pfad, die USA, Schweiz und Schweden etwa gleichauf, Deutschland und Canada ebenfalls ungefähr gleichauf mit den niedrigsten Werten.

Bei shinyapp können Sie selbst weitere Grafiken erstellen und beliebige Staaten vergleichen.

 

Update 23.04.2020:

1. In einem Artikel auf der Seite von üben Sozialwissenschaftler unter dem Titel:

"Lockdown im Blindflug Was bei den Corona-Studien derzeit alles falsch läuft"

ebenfalls methodische Kritik an der bisherigen Datenbasis zur Coronakrise und es werden repräsentative Studien gefordert, Zitat:

Die Sozialwissenschaftler Menno Smid von Infas und Prof. Rainer Schnell von der Universität Duisburg-Essen beobachten immer noch eine Fixierung auf die Zahl der Infizierten. Diese sind nicht nur irreführend, weil in jedem Land zu anderen Zeitpunkten der Erkrankung und nach anderen Maßstäben getestet wird. Der Unterschied auf den Anteil der Verstorbenen im Verhältnis zu den Infizierten, erklärt sich daraus. Es handelt sich laut Schnell auch um eine „selbstrekrutierte Stichprobe“ – getestet wird nur wer Symptome zeigt –, die wenig aussagekräftig ist.

Auch die bisherigen repräsentativen Studien wiesen erhebliche methodische Mängel auf. Die geplante Studie in München sei zwar grundsätzlich geeignet, jedoch wird an der Erhebung unter Polizeibegleitung Kritik geübt:

Diese Vorgehensweise sei wohl gewählt worden, um die Unbedenklichkeit und Seriosität zu verstärken. Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive entstehe so jedoch ein verfälschender Interviewereffekt, so Schnell. Schließlich ist die Teilnahme freiwillig und mancher Bürger könnte sich von dem Polizeischutz abgeschrecken lassen. Dann ist es aber wiederum nicht mehr zufällig, wer mitmacht.

2. Auf der Seite "coronasoziologie.net"  findet sich ein Artikel der beiden vorgenannten Soziologen, in denen die methodischen Problem noch einmal näher erläutert werden.

3. Ich selbst habe meine Überlegungen noch einmal in einem Interview mit der Pressestelle der Uni Regensburg zusammengefasst. Das Interview ist auf der Homepage der Uni verfügbar.

 

Update 24.04.2020:

1. Ich habe die Grafiken/Diagramme oben aktualisiert, auch wenn es zunehmend Kritik auch an der Zuverlässigkeit der täglichen Sterbezahlmeldungen gibt (siehe dazu 2.).

Die Entwicklung der Daten anhand der vorhandenen Sterbezahlen zeigt die Fortführung der bisherigen "Kurven" bei den neun beobachteten Staaten, mit einer Ausnahme: In Schweden zeigt sich ein stärkerer Zuwachs als in USA und Schweiz. Schweden erhält ja ganz besondere Beachtung, weil dort deutlich weniger  Distanzmaßnahmen behördlich angeordnet wurden als in den anderen europäischen Ländern. 

2. Nach meinem Interview, das auf der Homepage der Universität Regensburg veröffentlicht wurde, erreichte mich die Post eines örtlichen Kollegen aus den Humanwissenschaften, der wesentlich detaillierter ganz ähnliche Kritik an den offiziellen Infektionszahlen formuliert hat. In seinem Aufsatz "The Scenario of a Pandemic Spread of the Coronavirus SARS CoV 2 is Based on a Statistical Fallacy" hat Christof Kuhbandner  (hier die Pre-Print-Publikation, hier ein deutschsprachiger Beitrag auf scilogs, der sich auf die deutsche Situation bezieht) sich intensiv mit den Daten auseinandergesetzt und ebenso wie ich konstatiert er, dass die Infektionszahlen im Wesentlichen das Testgeschehen und nicht das Infektionsgeschehen wiedergeben.

Zitat:

since the number of conducted coronavirus tests has rapidly increased over time as well, the apparent increase in infections may actually reflect increased testing, rather than a rapid spread of the coronavirus. To examine this issue, data from Austria, Belgium, France, Germany, Italy, and USA were analyzed. In all countries, the rapid increase in reported new infections was largely attributable to the rapid increase in conducted tests. Statistically controlling for the increased amount of testing revealed that the increases in reported infections dramatically overestimate the true increases in every country.

Seine dazu angestellten Überlegungen sind plausibel und entsprechen meiner Vermutung: Die Steigerung der Infektionszahlen ist mehr oder weniger einer zunehmenden Ausschöpfung des Dunkelfelds geschuldet. Da wir die Größe des jeweiligen  Dunkelfelds aber nicht kennen und die Selektionskriterien (für die Durchführung von Tests) sich zeitlich, regional und  international unterscheiden, halte ich eine korrigierte Berechnung der "wahren Infektionszahl" auf Grundlage der positiv Getesteten für weniger überzeugend.

Aber nicht nur das erörtert er in dem Aufsatz. Kuhbandner formuliert auch Kritik an der Todesfallzahlstatistik, denn auch diese sei von der Erhöhung der Testzahl betroffen. Wenn die meisten Erkrankten etwa erst kurz vor dem Tod positiv getestet wurden, werde die tatsächliche Todesursache möglicherweise verdeckt, da das Coronavirus noch gar nicht hätte so lebensgefährlich wirken können. Argument für diese Schlussfolgerung sieht er darin, dass die Todesfallzahlen in den Statistiken gleichzeitig mit den Infektionszahlen ansteigen, obwohl biologisch eine Zeitverzögerung zu erwarten sei. 

Diese Kritik an der zuverlässigen Todesfallstatistik lässt mich natürlich aufhorchen: Wenn sie zuträfe, wäre meine Annahme unzutreffend, dass das "harte Faktum" des Todesfalls die Ausbreitung der Epidemie tendenziell besser reflektiert als die Infektionszahlen. Und noch eine andere Kritik hat mir der Kollege zukommen lassen (scilogs): Die vom RKI täglich gemeldeten Todesfälle stammten ohnehin aus den letzten 14 Tagen, die Mehrheit der gemeldeten Todesfälle sei schon vor mehr als einer Woche eingetreten. Nach seiner Berechnung sei daher der "Peak" der Sterbefälle schon so früh zu verorten (Anfang April), dass die Mitte März ergriffenen Distanzmaßnahmen und Schulschließungen diesen Rückgang gar nicht erklären könnten.

Hierzu habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet, auch wenn ich den Einwand der (möglicherweise auch international stark abweichenden) Meldeverzögerung ad hoc nicht zurückweisen kann.

Update 28.04.:

Die beiden Grafiken habe ich aktualisiert. Inzwischen ist zu erkennen, dass sich Schweden deutlich von den beiden Staaten USA und Schweiz, mit denen es bislang in etwa auf gleicher Höhe lag, nach oben absetzt. In allen Staaten (außer Canada) zeigt sich inzwischen ein Rückgang der Todesfälle bzw. eine Plateaubildung (Schweden). Canada hat Deutschland inzwischen eingeholt bzw. überholt. Von den neun verglichenen Staaten hat Deutschland die Krise (bezgl. der Todesraten) bislang am besten bewältigt. Ob es an den Maßnahmen liegt oder schlicht am bisherigen Glück, lässt sich kaum ermessen. Die meisten anderen Staaten haben ja ähnliche oder sogar schärfere Maßnahmen ergriffen.

In einem Artikel in der Taz wird angesichts der Übersterblichkeitsstatistiken in einigen europäischen Staaten vermutet, dass das Virus schon viel mehr Todesfälle verursacht hat als bislang bekannt. Ich habe die zugrundeliegenden Statistiken aus der New York Times oben eingefügt.

Hinsichtlich der tatsächlichen Infektionszahlen und damit auch der tatsächlichen Sterblichkeit des Virus (IFR) wissen wir bislang mangels repräsentativer Studien immer noch nicht viel.

Update 30.04.:

Die Grafiken habe ich erneut aktualisiert. Nun ist auch Schweden (endlich!) "über den Berg", was die täglichen Todeszahlen angeht. Es bleibt aber dabei, dass der von manchen als so erfolgreich angesehene "schwedische Weg" (ob durch Pech oder durch unkluges Verhalten oder durch eine Kombination aus beidem) bislang deutlich mehr Opfer gekostet hat als in den Nachbarländern und auch als in Deutschland. Canada hat nun (auf Bevölkerung berechnet) ebenfalls recht eindeutig Deutschland überholt. Falls es nicht zu einer "zweiten Welle" kommt, ist Deutschland dann (durch Glück oder durch kluges Verhalten oder durch eine Kombination aus beidem) in diesem Neun-Nationen-Vergleich am besten davon gekommen. Natürlich gibt es jetzt Viele, die meinen, sie hätten schon immer gewusst, dass ein Lockdown gar nicht nötig sei, weil das Virus ja gar nicht soo gefährlich gewesen sei. Ja, hinterher kann man das immer behaupten. Auch das ist aus der Kriminologie bekannt: Erfolgreiche Prävention lässt sich schwer nachweisen und wird auch selten gelobt.

Hier ein aktuelles Interview, das ich der Bayerischen Staatszeitung gegeben habe: Interview vom 28.04..

Update 6.5.2020:

Ich habe das mit shinyapps erstellte Diagramm sowie das von Kevin Drum aktualisiert. Es ist nun erkennbar, dass die (tägl.) Todeszahlen in Spanien, Frankreich, Italien, UK, Schweiz,  Deutschland und (eingeschränkt) Schweden mittlerweile deutlich rückläufig sind. In  Canada und USA zeigt sich zwar auch eine gewisse "Plateaubildung", aber noch kein so deutlicher Rückgang (Diagramme von Kevin Drum). In den kumulierten Todeszahlen (pro Bevölkerungseinheit) bis heute steht Deutschland unter den neun verglichenen Staaten am besten da, auch Canada hat inzwischen deutlich mehr Tote (auf Bevölkerungsgröße berechnet) zu beklagen (shinyapps-Diagramm)

Da jetzt in allen Staaten gewisse "Lockerungen" der vorher unterschiedlich massiven Einschränkungen vorgesehen sind, wird sich wohl über kurz oder lang der bislang eigenwillige "schwedische Weg" überall durchsetzen. Ob und wie sich das auf die Sterberaten auswirkt, muss dann beobachtet werden. Wegen der immer noch deutlich unterschiedlichen Testkriterien (wer, wann und wo wird getestet) halte ich die Todesraten immer noch für einen besseren Vergleichsmaßstab. Aber auch hier ist weiterhin wegen der unterschiedlichen Zuordnung eines Todesfalls zur Ursache "COVID-19" Vorsicht geboten. Auch wenn inzwischen zeitlich etwas überholt, lasse ich auch die Statistiken zur Übersterblichkeit aus der New York Times noch stehen.

Meine Interpretation, dass es nach wie vor - trotz vorhandener Testkapazitäten für repräsentative Stichprobentests - selektive (und nicht unbedingt überall gleich ausgeführte) Testkriterien sind, die zu einem Test führen, die das wirkliche Infektionsgeschehen nicht wiedergibt, wird vom RKI aktuell bestätigt (Quelle: Tagesschau):

Das Robert Koch-Institut teilte vergangene Woche auf Anfrage mit, nicht unmittelbar in die Testungen involviert zu sein. Es lege lediglich die Kriterien fest, bei denen Ärzte einen Corona-Test vornehmen sollen. Bisher war die Linie, dass nur Personen getestet werden sollen, die grippeähnliche Symptome haben und gleichzeitig Kontakt zu einem Infizierten hatten. Von dieser Linie ist das RKI inzwischen abgewichen. Jetzt sollen auch Patienten "bei kleinsten Symptomen" getestet werden, wie Wieler auf einer Pressekonferenz mitteilte.

Gleichzeitig hält das RKI aber an einem "strategischen Testen" fest, da ein wahlloses Testen wenig bringe. Zu einem strategischen Testen gehöre es aber auch, gezielt in Alten- und Pflegeheimen und in Krankenhäusern zu testen, so Wieler.

Anmerkung: Was viele empirisch forschende Wissenschaftler fordern, ist natürlich kein "wahlloses" Testen, sondern Studien an Stichproben, die insgesamt ein repräsentatives Bild des Infektionsgeschehens in Deutschland ergeben, also nicht nur Gangelt oder München abbilden. 

Hier noch ein Zitat des Bloggers Kevin Drum, der auf einen Vergleich der Infektionszahlen der US-Bundesstaaten diese Antwort findet:

 I continue to think this is probably highly misleading since different states have vastly different testing regimes. If, say, New York is testing 1 percent of its population and Florida is testing 0.1 percent, then New York will overwhelm the total regardless of who’s going up and who’s going down. Likewise, as testing becomes more widespread, looking at cases over time becomes unreliable even within a single state. The case rate can look like it’s skyrocketing just because we’re testing far more people.

Update 8.5.2020

Ich habe die Diagramme aktualisiert (Datenstand 6.5./7.5.).

Zu erkennen ist nun, dass die Todeszahlen in UK trotz Verlangsamung des Zuwachses über die von Italien hinaus gehen, und die Zuwächse in Schweden, Kanada und USA nur zögerlich bzw. nicht stabil nach unten gehen. Deutschland steht weiterhin unter den neun verglichenen Staaten ziemlich gut da, die täglichen Todesfälle durch corona sind auf ein recht niedriges Niveau gesunken, tödliche Infektionen sind also in Deutschland vergleichsweise selten geworden. Man kann das m.E. durchaus den Maßnahmen zuschreiben, wobei unklar ist, welche Maßnahmen genau den Effekt ausgelöst haben, welche Bedeutung der Zeitpunkt der Maßnahmen hat und wie hoch daneben der Anteil von "Glück" bzw. "Pech" ist, also welche Rolle auch der Zufall spielt (etwa ob wegen ihrer Alters- und Gesundheitsstruktur besonders vulnerable Gegenden oder Institutionen betroffen sind oder nicht).

Erfreulicherweise ist jetzt von örtlichen Kolleg-inn-en eine weitere repräsentative Studie geplant, die im Landkreis Tirschenreuth stattfinden wird. In Bayern würden dann immerhin zwei solche Studien durchgeführt werden, neben der Metropolenstudie in München auch eine in der dünner besiedelten Oberpfalz.

Update 09.05.2020

1. Gingen die Infektionszahlen schon zurück, bevor die Maßnahmen greifen konnten?

Schon oben (Update vom 24.04.) habe ich auch die Thesen meines Regensburger Kollegen Kuhbandner diskutiert. Ich stimme ihm zu (bzw. er mir), dass die Infektionszahlen selbst nicht zur Einschätzung der wahren Lage taugen: Je mehr man testet, desto mehr findet man, soweit unser übereinstimmednes Fazit. Er hat dazu in seinem Artikel auf Telepolis (25.04.) ein anderes Beispiel gebracht, das aber auch sehr anschaulich ist: Bei einer bestimmten Anzahl  im Garten versteckter Ostereier, werden umso mehr gefunden, je mehr Zeit man den Suchenden einräumt. Es wäre unsinnig, aus der gefundenen Anzahl auf die tatsächliche Anzahl der versteckten Eier zu schließen. Wenn man jeden Tag mehr Zeit einräumt und mehr Eier findet, folgt daraus nicht, dass jeden Tag mehr Eier versteckt gewesen seien.

Kuhbandner versucht dann in einem weiteren Schritt aus der Testanzahl auf die wahre Steigerung der Infektionszahlen (im Dunkelfeld) zu schließen, und kommt zum Ergebnis, die tatsächlichen Infektionszahlen seien schon rückläufig gewesen, bevor die Maßnahmen überhaupt greifen konnten. Und da folge ich ihm nicht mehr: Das Dunkelfeld hat seinen Namen nicht umsonst. Es ist eben dunkel. Und aus meiner kriminologischen Erfahrung weiß ich, dass Schlussfolgerungen aus dem Hell- auf das Dunkelfeld methodisch höchst problematisch sind, auch wenn man versucht, die Verzerrungen des Hellfelds irgendwie in den Griff zu bekommen. Man ist dann nämlich darauf angewiesen, dass diese Verzerrungen (hier: Testkriterien und deren Anwendung) gleichförmig bleiben, so dass man sie statistisch auch über einen längeren Zeitraum hinweg herausrechnen kann.  Das weiß auch Kuhbandner und er versucht diese Gleichförmigkeit der Testkriterien zu reklamieren, doch hat er meines Erachtens dabei dreierlei verkannt:

a) Zwar mag das RKI die immer gleichen Selektionskriterien anwenden WOLLEN, wann wer getestet wird, aber ob dies (insbesondere bei Ausweitung der Testkapazitäten) tatsächlich in derselben Strenge eingehalten wird, erscheint mir sehr fraglich. Die Kapazitäten sind regional unterschiedlich und selbstverständlich wird das Signal ("wir sind knapp" oder "wir haben ausreichend Kapazitäten") von den Ärzten, die einen Test vor Ort vornehmen, so verstanden, dass sie ihr Ermessen, wann hinreichend Symptome vorliegen, entsprechend steuern sollen und dies auch können. Vergleich zur Kriminologie: Auch unter den bundesweit gleichen Kriterien für einen Anfangsverdacht finden wir deutlich unterschiedliche Praxen des polizeilichen Vorgehens zwischen versch. Bundesländern und erhebliche Stadt/Land-Unterschiede, ganz zu schweigen von örtlichen Unterschieden, sogar im selben Landkreis.

b) Anders als Kuhbandner annimmt, haben sich die Kriterien, wann wer wo getestet wird, auch aus Sicht des RKI gewandelt. Insbesondere werden inzw. auch sehr viele Menschen getestet, die beruflich ein höheres Infektionsrisiko tragen, ganz ohne Symptome.

c) Symptome werden nicht von Überwachungsgeräten, Robotern, Drohnen oder ähnlichem festgestellt, sondern von den betroffenen Menschen selbst. D.h. es hängt sowohl das Meldedatum als auch die Meldung überhaupt davon ab, ob jemand die Symptome bei sich selbst als Corona-verdächtig einschätzt, ob er einen schnellen Draht zu seinem Hausarzt hat, ob er seine Familie und Kollegen damit behelligen möchte etc., insgesamt von vielen Faktoren, die wir aus der Kriminologie als "Anzeigebereitschaft" kennen und die individuell sehr verschieden sein können (und damit meine ich wörtlich SEHR). Ich würde vermuten, dass zumindest zu Beginn die Angst Viele dazu getrieben hat, schon bei leichtem Husten ihren Hausarzt zu nerven mit Testforderung. Mit Symptomen, die früher niemanden überhaupt zum Arztbesuch gebracht hätten. Inzwischen aber mag diese Sorge bei Vielen einer anderen gewichen sein (ich müsste dann in Quarantäne, kann ich mir das leisten, meiner Familie zumuten?).

d) Es werden nicht nur anzeigebereite  Menschen mit Symptomen getestet, sondern auch - in unterschiedlichem Maße - Kontaktpersonen derselben. Und das bedeutet, auch hier hängt es stark davon ab, wie viele solcher Kontaktpersonen jemand hat und an wie viele er sich erinnert. Auch das ist nicht irgendwie vergleichbar mit einer Zufallsstichprobe. Die Rate zwischen symptomatisch Infizierten und ihren Kontaktpersonen kann sogar erheblich von Woche zu Woche verschieden ausfallen.

Soweit meine Einwände. Aus den methodisch unrichtig ermittelten Infektionsdaten kann man mE nicht korrektere Daten errechnen. Es KANN so sein wie Kuhbandner schließt, es kann aber auch ganz ANDERS sein.

2. Noch ein paar Bemerkungen  zur Kritik an den Maßnahmen und  an der politischen Bewältigung der Krisensituation überhaupt:

Dass es keine  Tests an repräsentativen Stichproben gibt, habe ich im obigen Beitrag seit dem 29. März angemahnt. Inzwischen gibt es einige wenige solcher Studien, die nun auch von immer mehr Wissenschaftlern gefordert werden.

Und ich habe hier einige andere wissenschaftliche Kritik zitiert und besprochen, soweit ich meinte, dass diese etwas beitragen können mit ihren Erkenntnissen. Aber ich weiß, ich bin weder Virologe noch Epidemiologe, noch bin ich politischer Entscheidungsträger. 

Zur BILD-Schlagzeile:  Deutschlands "klügste Corona-Experten": Was ich überhaupt nicht ernstnehmen kann, ist die klugscheißerische Art, mit der selbsternannte Experten, die selbst nicht im geringsten in der Position sind, für Tote verantwortlich gemacht zu werden, NACH den Maßnahmen deren Überflüssigkeit konstatieren oder so tun, als hätten sie es immer schon besser gewusst und sich dafür von der BILD-Zeitung oder von Reichsbürger-YouTube-Sendern feiern lassen. Das ist für einen Wissenschaftler (gleich welchen Fachgebiets) unverantwortlich und peinlich.

Update 11.05.2020

Die Regionalisierung der Gegenmaßnahmen und deren Orientierung an 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner ist theoretisch eine gute Idee, doch hinkt die praktische Umsetzung an mehreren Stellen:

a) die gemessenen Infektionszahlen (also "positiv Getestete"), an denen sich die Gegenmaßnahmen orientieren sollen, sind - wie schon oben ausgeführt - keine empirisch zuverlässigen Daten. Zudem ergibt sich insbesondere bei Menschen, die in einem Landkreis wohnen, in einem anderen (oder in einer Stadt) arbeiten, ein Zuordnungsproblem. Eigentlich müsste solch eine positiv getestete Person zweimal gezählt werden.

b) da die Landkreise sicherlich nicht interessiert sind daran, dass gerade ihr Landkreis und die darin befindlichen Firmen/Restaurants/Hotels betroffen sind von erneuten Schließungen, wird niemand dort auf eine häufigere Verdachtstestung achten, eher im Gegenteil: die Leute werden eher nicht ermuntert sich testen zu lassen, quasi ein "nudge" in die falsche Richtung, weil zu viele positiv Getestete im Landkreis "bestraft" werden.
Auch das kennen wir in der Kriminologie: Man braucht es den Bürgern nur ein bisschen schwerer zu machen, ihre Strafanzeige bei der Polizei zu erstatten, schon werden weniger Delikte angezeigt.

c) Der Hauptunterschied (Bevölkerungsdichte) zwischen Stadt und Land bleibt unberücksichtigt. Für Städte mit ihrem sehr beweglichen Bevölkerungen (man denke nur an den öffentl. Nahverkehr) ist daher das Maß 50 pro 100.000 möglicherweise zu hoch angesetzt, um durch Gegenmaßnahmen einen größeren Ausbruch noch zu verhindern.

Allerdings ist auch die Reproduktionszahl (für ganz Deutschland) kein besserer Maßstab, denn damit werden regional sehr hohe Verbreitungszahlen ausgeglichen durch niedrigere anderswo. Und die Reproduktionszahl beruht ebenfalls auf den positiv Getesteten und eben nicht auf den tatsächlichen Infektionszahlen. Immer wieder muss darauf hingewiesen werden: Die Erhebung dieser Daten entspricht NICHT den anerkannten Methoden empirischer Forschung.

Zu den Schlachthöfen: Wie oben schon zitiert: In den USA sind bereits 115 Fleischfabriken von Ausbrüchen betroffen (Quelle). Es ist nicht anzunehmen, dass dort Rumänen und Bulgaren beschäftigt sind. Es spricht mehr dafür, dass es nicht die "Reservearmee" ist, sondern die Arbeitsbedingungen, unter denen die Arbeiter tätig sind, die eine Infektion begünstigen. Man muss hier vorsichtig sein, nicht fremdenfeindlichen Klischees Vorschub zu leisten.

Eine andere Form spezifischer Schutzmaßnahmen anhand des individuellen Risikos schlagen Schrappe et al. vor, hier (researchgate-Link). Ich möchte dies hier verbreiten, weil Schrappe et. al. (u.a. auch der Rechtsmediziner Püschel) vom selben argumentativen Ausgangspunkt wie ich aus einen anderen Weg einschlagen.

Update 19.05.2020

Ich habe die Diagramme zum Vergleich von neun Staaten hinsichtl. ihrer Todesrate wieder aktualisiert.

Mittlerweile ist deutlich, dass Schweden sich bezüglich der Häufigkeit der Todesfolge den französischen Ergebnissen  annähert und UK denen von Spanien. Schweden hat, auf die Bevölkerung berechnet, mittlerweile etwa viermal so viele Sterbefälle zu beklagen wie Deutschland und die Schere geht weiter auseinander. Ob sich dies bis zum Ende der Pandemie in einigen Jahren wieder ausgleicht, wie manche annehmen, halte ich für fragwürdig. Trotz aller Unsicherheit würde ich feststellen, dass sich Schweden im Moment NICHT eignet als Modell, wie mit dem Virus umgegangen werden sollte. Allerdings nähern sich die europäischen Staaten (einschl. Deutschland) ja nun derzeit dem schwedischen Modell an. 

Auch in der Übersicht von Kevin Drum zeigt sich, dass sich Schweden, neben USA und Canada, auch bei der Reduzierung der tägl. Todesfälle bislang deutlich schwerer tut als die anderen sechs Staaten im Vergleich.

Die Frage, ob die verschieden starken Maßnahmen (Schulschließung, Versammlungsverbote, Restaurantschließung, private Quarantäne) Erfolge bringen, steht nun im Mittelpunkt erster Forschungsprojekte. Eine erste Veröffentlichung in den USA besagt, dass vor allem die Restaurantschließungen und die Privatquarantäne ("shelter-in-place") effektiv gewesen seien, Schulschließungen aber nicht! Das sind erste Zahlen, die sicherlich noch mit etlichen Fragezeichen verbunden sind. Aber wenn sich dies bestätigt, könnte das ein gutes Signal geben für Schulöffnungen auch in Europa.

Jetzt erst entdeckt, aber seine Kritik geht in eine ganz ähnliche Richtung wie ich sie oben formuliert habe: David Spiegelhalter (Statistiker, UK) im Interview.

Update 25.05.

Die Kurven von Kevin Drum habe ich neu hochgeladen, die Daten bei shinyapps werden leider seit dem 14. Mai nicht mehr aktualisiert, so dass sie auf diesem Stand verblieben sind.

Alle neun betrachteten Staaten sind bei den täglichen Todesziffern nunmehr weit unter ihrem jeweiligen Höchststand, allerdings mit erheblichen Unterschieden. Von den Gesamtzahlen liegt die Rate in diesem neun-Staaten-Vergleich in DE bei 100 pro Million der Bevölkerungszahl. Aufsteigend von hier aus sind es in CA mittlerweile 170/Million, in CH 224/Million, in den USA 295/Million, in SWE 399/Million, in FRA 421/Million, in Italien 546/Million, in UK 557/Million und in ESP  610 pro Million der Bevölkerung. Während sich in Deutschland wahrscheinlich keine Übersterblichkeit im Vergleich zu vergangenen Jahren ergibt, wird sich COVID-19 ab der dreifachen Todeszahl auch in der Jahresstatistik der Sterbefälle deutlich zeigen.

Der relative bisherige "Erfolg" in Deutschland beim Umgang mit dem Virus kann zu einem guten Teil auf glücklichem Zufall beruhen, aber sehr wahrscheinlich haben auch die Maßnahmen zur Kurvenverflachung gewirkt. Die Gegenargumente, die ich dazu bisher gelesen habe, sind wenig plausibel. Welche von diesen Distanz-Maßnahmen geeigneter waren und welche eher überflüssig oder übertrieben, wird man allerdings - wenn überhaupt - erst später genau ermitteln können. Dass diese Maßnahmen auch Kollateralschäden haben, v.a. wirtschaftliche, aber auch gesundheitliche, kann nicht bestritten werden. Dass diese "tödlicher" seien als das Virus selbst, erscheint mir aber derzeit wenig glaubhaft.

Eine von Epidemiologen/Virologen anfangs als sehr wichtig eingestufte Maßnahme, die Komplettschließung von Schulen und Kindergärten, gerät allerdings zunehmend in die Kritik. Die Infektion selbst ist für Kinder und Jugendliche wenig gefährlich und die Auswirkungen der befürchteten Verbreitung auf andere Familienmitglieder, insbesondere Großeltern, lässt sich möglicherweise mit anderen Maßnahmen verhindern. So jedenfalls die mittlerweile mehrfach publizierte Auffassung, wie - ebenfalls - Kevin Drum zusammenstellt. Leider wurde ausgerechnet in Schweden(!) die Chance versäumt, das Realexperiment (geöffnete Schulen) zu studieren. Wenn man dort geforscht hätte, wüssten wir jetzt alle mehr.

Update 29.05.

Die neuen Diagramme bei Kevin Drum zeigen, dass hinsichtlich der Todeszahlen die (mglw. nur erste, hoffentlich zugleich letzte) Welle der Pandemie in mehreren der neun Staaten vorüber ist, nämlich in Deutschland, Frankreich und Italien. Spanien und die Schweiz werden von Drum nicht mehr aufgeführt, gehören aber ebenfalls dazu.

Auch wenn die Zahlen zurückgehen, ist die Welle noch nicht "vorbei"  in Schweden, UK, USA und Kanada. Schweden hat nun berechnet auf die Bevölkerungszahl ebenso viele Tote wie Frankreich und wird womöglich noch die italienischen Zahlen erreichen, das ist besonders bitter für den "schwedischen Weg", der von manchen auch für Deutschland vorgeschlagen wurde. Wie schon mehrfach gesagt: Es war sicherlich auch Glück bzw. Pech dabei, aber die in Deutschland (noch gerade rechtzeitig) ergriffenen Maßnahmen haben mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Anteil daran, dass es hierzulande bisher glimpflich ausgegangen ist.

In den beiden neu hinzugenommenen Staaten Brasilien und Kolumbien steht die Welle (bei den Todesfällen) offenbar noch bevor.

Update 05.06.

1. Dunkelfeldtestung in New York City

Eine Dunkelfeldstudie in New York (Zufallsstichproben von 15.000 Personen an Supermärkten) mit COVID19-Antikörpertests zeigt, dass die Infektionsrate in New York State bei ca. 12% der Bevölkerung liegt, in New York City bei 20 %, d.h.  etwa 10mal so hoch wie die Zahl der positiv Getesteten. Anhand der ebenfalls verfügbaren Exzess-Todesfälle in New York City (23.000) haben die Forscher daraus eine IFR (Infection Fatality Rate) von 1,4 % ermittelt, also ca. 1,4 % der Infizierten erkrankten mit tödlichem Ausgang. Da hinsichtlich der Zahlen eine gewisse Unsicherheit anzunehmen ist (z.B., dass die Exzess-Todesfälle nicht nur COVID19 Infizierte betreffen), wird man für NYC aber wohl von einer tatsächlichen IFR zwischen 1 und 2 % ausgehen können. Berücksichtigt man nur die "offizielle" Todesziffer in NYC (13.000) läge die IFR bei 0,75 %.

2. Stand der "Welle" der Sterbezahlen in den verglichenen Staaten

Anhand der wiederum aktualisierten Grafiken von Kevin Drum lässt sich sagen: Der Eindruck von letzter Woche setzt sich fort:

Die Staaten Italien, Frankreich und Deutschland  haben im Hinblick auf die täglichen Sterbezahlen die Welle der Pandemie "überstanden" (tägl. nur noch 2 oder weniger pro Million der Bevölkerung), bei den absoluten Zahlen steht DE mit 100 pro Million in diesem Vergleich ziemlich gut da, Italien und Frankreich hat es aufgrund der viel höheren Sterbezahlen im März und April mit  560 und 433 pro Million viel härter getroffen, aber auch dort sind die täglichen Sterbezahlen inzwischen auf ziemlich niedrigem Niveau.

Offenkundig noch nicht vorbei ist die Welle in Staaten, die auch aktuell noch relativ hohe tägliche Sterbeziffern aufweisen:

Schweden (ca. 4 pro Million tägl. hat bei den abs. Zahlen mit 450 pro Million inzwischen auch Frankreich überholt)

Kanada (ca. 3 pro Million tägl, liegt absolut inzwischen bei 200 pro Million),

UK (ca. 5 pro Million tägl., inzwischen absolut mit 600 pro Million deutlich mehr als Italien!) und

USA (ca. 3 pro Million tägl., liegt absolut bei 325 pro Million)

Trotz der schwierigeren Ausgangsbedingungen sieht es momentan so aus, als ob es auch in Brasilien und Kolumbien gelingen könnte, die Sterbezahlen gering zu halten.

Update 08.06.2020

1. Dunkelfeld-Panel-Studie in Lübeck

Die Elisa Studie in Lübeck hat nun erste Ergebnisse publik gemacht: 

Von den 3000 Probanden, die sich seit Beginn der Lockerungen immer wieder testen ließen, ist niemand positiv getestet worden, berichtet der NDR. Schlussfolgerung: Lockerungen einschl. Öffnung von Schulen und KiTas seien in Schleswig Holstein nun angezeigt.

2. Ein detaillierter Bericht von Robert Werner im Blog regensburg digital betrachtet die Lage in Alten- und Pflegeheimen. Immerhin die Hälfte (europaweit wohl noch mehr) der Corona-Sterbefälle seien in diesen vorgekommen. Die genauere Untersuchung und der Schutz der Menschen seien hier sträflich vernachlässigt worden.

 

Update 11.06.2020

1. Maskenpflicht sinnvoll oder überflüssig bis schädlich?

Während hierzulande insbesondere der Virologe Streeck die Maskenpflicht kritisiert, weil die Menschen oft falsch und unhygienisch mit der Maske umgingen

Die Leute knüllen die Masken in die Hosentasche, fassen sie ständig an und schnallen sie sich zwei Wochen lang immer wieder vor den Mund, wahrscheinlich ungewaschen. Das ist ein wunderbarer Nährboden für Bakterien und Pilze.

, wird die Maskenpflicht von einer in Jena durchgeführten Studie  und einer anderen auf dem Schiff USS Theodore Roosevelt , als sinnvoll ausgewiesen:

Mask use is the most effective countermeasure by far, followed by social distancing and avoiding common areas.

M.E. ist auch der psychologische Effekt der Maske nicht zu unterschätzen. Sie signalisiert anderen, das Virus ist noch da!

2. Vergleichszahlen von neun Staaten: Immer noch Sorgen in vier Staaten

Die Daten vom 9.6. in den Diagrammen von Kevin Drum. Brasilien hat er durch Argentinien ersetzt, wo aber - angesichts der Todesraten - das Virus offenbar noch ganz am Anfang ist oder durch Distanzmaßnahmen bereits in seiner Gefährlichkeit eingehegt werden konnte. Mexiko hingegen hat bei noch stark steigenden Todeszahlen  Deutschland in den absoluten Zahlen bereits überholt. Immer noch sorgenvoll kann man nach UK, Kanada, Schweden und USA blicken, denn nach wie vor werden von dort höhere Sterbeziffern gemeldet. 

Update 15.06.2020

1. Die Diagramme von Kevin Drum (Datenstand 13.06.) zeigen wenig Neuigkeiten. Nach wie vor registrieren die vier schon oben genannten Staaten (USA, UK, SWE und CAN) täglich einige Tote. Inzwischen ist auch der Datenstand von shinyapps wieder aktualisiert und zeigt die Todesfälle pro 100.000 Bevölkerung der (usprünglichen) neun Staaten im direkten Vergleich. Auch hieran lässt sich an den weiter steigenden Todeszahlen der Unterschied zwischen den fünf Staaten, bei denen kaum noch Todesfälle registriert werden und den o.g., bei denen dies weiterhin der Fall ist, gut erkennen.

2. Die Diskussion darum, ob die Maßnahmen ("Lockdown") übertrieben waren bzw. sind, reißt indessen nicht ab. Ich empfehle dazu folgende (kostenfreie) Lektüren:

a)  Coronavirus: Should We Aim for Herd Immunity Like Sweden?

And What Can Countries like the US or Netherlands Learn from It? von Tomas Pueyo (9. Juni)

b) The Effect of Stay-at-Home Orders on COVID-19 Cases and Fatalities in the United
States von Fowler/Hill/Levin/Obradovich (13. April)

 

Update 19.06.2020

Die Neuinfektionen v.a. in einem Schlachtbetrieb zeigen, dass das Virus auch in Deutschland längst nicht verschwunden ist und soziale Distanz weiterhin sinnvoll ist. Für die Verbreitung gerade dort sind wohl in erster Linie die geringen Temperaturen, die nicht ausreichende Lüftung, die Enge und die wegen der Maschinen notwendig  laute Kommunikation verantwortlich, in zweiter Linie die beengte Wohnsituation der dort arbeitenden Menschen. Da das Virus keine Grenzen oder Nationalitäten kennt, ist die Aussage, dass es deren Herkunft sei, schlicht vorurteilsbehaftete Fremdenfeindlichkeit, die im Falle von Politikern von eigenen Fehlern ablenken soll.

Hinsichtlich der täglichen Todesziffern ist es mit Blick auf die Diagramme insbesondere in Schweden nach wie vor nicht gelungen, diese auf ein Mindestmaß zu verringern; inzwischen sind die Zahlen bezogen auf die Bevölkerung dort etwa fünf Mal so hoch wie in Deutschland und nähern sich den Todesziffern in Italien.

Während sie in USA ebenfalls noch nicht beruhigend niedrig sind, erscheinen die Aussichten jetzt in Kanada und UK etwas besser als vor ein paar Tagen.

Bislang hat sich die Strategie "Hammer and Dance", also mehrwöchige Schließungen ("Lockdown") mit erzwungener Distanz zur Ausbremsung der Infektion mit anschließender Nachverfolgung und Kontrolle konkreter Ausbrüche in den meisten Weltregionen als einigermaßen erfolgreich gezeigt.

Update (22.06.2020):

1. Schweden weiterhin hintendran

Die Diagramme oben habe ich aktualisiert. Inzwischen liegen von den sieben Staaten, die von Anfang an von Kevin Drum beobachtet wurden, beim Tagesdurchschnitt der Sterbezahlen alle unter dem Wert von zwei pro Million, mit einer Ausnahme: Schweden. Das ist eine traurige Nachricht für die nach wie vor betroffene Bevölkerung Schwedens und auch eine bittere Nachricht für diejenigen, die meinten, Schweden könne eine Art Vorbildrolle einnehmen für einen weniger beeinträchtigenden Umgang mit der Pandemie.

2. Warum schneidet Deutschland so gut ab?

Kevin Drum hat vor einigen Tagen in seinem Blog auch diese Frage gestellt:

Does anyone know of a really good article that explains the German miracle? Did they adopt different countermeasures than, say, France and Belgium? Did they adopt them earlier? Did everyone in Germany take them more seriously? Or what? It’s not just that they’ve had the best response to the pandemic; they’ve had the best response by light years among large countries. There are other countries that have also done well (Denmark, Norway, Austria, Greece, Switzerland), but they’re all a fraction of the size of Germany.

In der Kommentarspalte dort finden sich einige interessante Bemerkungen (aus der Außenperspektive auf Deutschland) und auch einige Links auf spannende Einschätzungen, z.B. diese hier. Manche machen die "ruhige Hand" der Bundeskanzlerin verantwortlich, andere das den Deutschen eigentümliche Vertrauen in Autoritäten und allg. Gehorsam (etwa bei der Maskenpflicht). Ich denke, es war  neben der Rechtzeitigkeit der Distanzmaßnahmen das  relativ effektive Tracing von Kontaktpersonen und Glück. Ja, Glück war auch dabei.

 

Update (30.06.2020)

Bei den aktualisierten Diagrammen von Kevin Drum zeigt sich jetzt, dass  Kanada auch nur noch ein Minimum an neuen Todesfällen (pro Million der Bevölkerung) registriert. Weiterhin stagnieren aber die USA, UK und SWE bei ca. zwei Toten pro Tag pro Million der Bevölkerung.

Bayerns Ministerpräsident hat jetzt angekündigt, dass sich demnächst jede/r freiwillig testen lassen kann, also unabhängig von Symptomen. Dass nach wie vor - trotz der vorhandenen Kapazitäten - kein repräsentatives Panel in regelmäßigen Abständen getestet wird, halte ich für sehr fragwürdig.

Von der Münchener Dunkelfeldstudie, die Mitte Juni Ergebnisse vorlegen sollte, ist immer noch nichts zu hören.

Update 2.7.2020

Eine Diskussion in den Kommentaren aufgreifend:

Ich habe oben in meinem Ausgangsbeitrag angeführt, warum sich die Infektionszahlen für Vergleiche nicht eignen. Daran halte ich nach wie vor fest. Bei dem Problem mit diesen Zahlen geht es zwar AUCH um die Anzahl der Tests, aber das ist keineswegs der einzige Grund, warum diese Vergleiche nicht sinnvoll sind, noch weniger natürlich, wenn man sich daran macht, bei diesen Werten auch noch Wachstumsraten auf vier Stellen hinter dem Komma zu berechnen.

Auch wenn man die unterschiedliche Anzahl der Tests kontrolliert, kann das keine sinnvollen Vergleiche ergeben, denn es kommt ebenso sehr darauf an, WER und WO getestet wird, also welche Verdachtsmomente/Symptome im jeweiligen Land einen Test auslösen. Hier gibt es starke Unterschiede sogar innerhalb einer Region oder eines Staates, die zu Verzerrungen der Ergebnisse im Zeitverlauf führen, erst Recht beim Vergleich zwischen Staaten. Dabei ist insbesondere auch die Dynamik zu berücksichtigen, mit der die Testkapazitäten ausgebaut und gesteuert wurden und werden.

Ich habe im obigen Beitrag dann begründet, warum die Anzahl der Todesfälle (pro Bevölkerungseinheit in einem Land) ein besseres Maß für die relative Betroffenheit durch das Virus ist. Auch hier gibt es natürlich einen Einfluss der Tests, aber bei den schwereren Fällen von COVID19 ist die Verzerrung geringer als im Feld insgesamt.

Natürlich kann man jetzt daran gehen und auch die Todeszahlen mit der Anzahl der Tests im jeweiligen Land in Beziehung setzen, die unterschiedliche Anzahl der Tests also "kontrollieren". Das ist zwar insofern nicht zwingend, weil die Anzahl der (positiv getesteten und dann) Verstorbenen weitgehend unabhängig davon ist, wie viele aus der gesunden Bevölkerung man außerdem  gestestet hat, aber sei es drum, hier die Reihe. 

Verglichen werden Deutschland, seine neun Nachbarländer  und sechs weitere westl. Staaten mit vergleichbarer Infrastruktur
geordnet nach Todesfälle pro Million (TpM), die folgende Zahl ist gebildet aus den TpM unter Kontrolle der Testanzahl pro Million, die Zahl in Klammern zeigt die "Rangordnung" nach Berücksichtigung der Testhäufigkeit. Die Rohdaten stammen vom Worldometer heute:

  1. Tschechien 33 TpM, 0,63 (3.)
  2. Polen 39 TpM, 0,95 (4.)
  3. Österreich 78 TpM, 1,11 (5.)
  4. Dänemark 105 TpM, 0,56 (1.)
  5. Deutschland 108 TpM, 1,54 (6.)
  6. Luxemburg 176 TpM, 0,57 (2.)
  7. Schweiz 227 TpM, 3,28 (8.)
  8. Kanada 228 TpM, 3,12 (7.)
  9. Niederlande 357 TpM, 9,91 (14.)
  10. USA 395 TpM, 3,76 (9.)
  11. Frankreich 457 TpM, 21,76 (16.)
  12. Schweden 532 TpM, 10,43 (15.)
  13. Italien 575 TpM, 6,38 (12.)
  14. Spanien 607 TpM, 5,18 (11.)
  15. Großbritannien 647 TpM, 4,55 (10.)
  16. Belgien 842 TpM, 7,79 (13.)

 

Update 6.7.2020

1. Entwicklung der Todeszahlen: Weiterhin Sorge um Schweden und die USA

Ich habe erneut die beiden Diagramme oben aktualisiert. Wie sich aus dem Überblick über die neun von Anfang an beobachteten Staaten ergibt, steigen derzeit  nur noch die Todeszahlen in Schweden und in den USA erheblich an. Schweden schließt dabei zur Gruppe  der europäischen Staaten mit den schwersten Pandemiefolgen auf. Alle anderen beobachteten sieben Staaten haben bei Betrachtung der Todesziffern die Pandemie, zumindest deren erste Welle,  inzwischen hinter sich gelassen.

2. Sind die Kosten der Distanzmaßnahmen in Deutschland höher als die der Pandemie selbst ?

In Deutschland, wo die Pandemie bislang, im Vergleich zu allen andern großen Industriestaaten, relativ glimpflich bewältigt wurde, gibt es inzwischen eine  Diskussion darüber, ob nicht die  Folgen der Anti-Corona-Maßnahmen (wirtschaftlich, aber auch gesundheitlich) ebenso schlimm bzw. sogar noch schlimmer gewesen seien als wenn man keine solche Maßnahmen ergriffen hätte. Ein Kommentator zitiert dazu eine Äußerung von Brinkschulte, der meint, die Folgen der Distanzmaßnahmen würden sogar das mehrfache an Sterbeziffern der Coronapandemie selbst erreichen. Dazu meine Antwort:Selbstverständlich haben auch die Anti-Corona-Maßnahmen "Kosten", auch solche im Gesundheitsbereich. Aber dass diese die drei- bis vierfache Anzahl an Toten mit sich bringen, ist eine höchst unseriöse Spekulation, die keinerlei wissenschaftliche Grundlage hat. Wenn man statistisch Kosten (nicht nur Sterbefälle) vergleichen will, dann muss man zudem auch einbeziehen, welche unbeabsichtigten günstigen Folgen (Kollateralnutzen) die Maßnahmen hatten. Die möglicherweise für die Zeit des Lockdown zu erwartende  Zunahme häuslicher Gewalt hat auf der Gegenseite natürlich eine Abnahme öffentlicher Gewalt zur Folge. Und wenn die Wirtshäuser geschlossen sind, fallen auch Wirtshausschlägereien und Alkoholfahrten aus. Im März und im April 2020 gab es offenbar als Folge von HomeOffice und Kurzarbeit deutlich weniger Verkehrsunfälle als in den Vorjahren, im März auch deutlich weniger Verkehrsunfalltote (destatis). Zur möglicherweise gefährlichen Verschiebung notwendiger Operationen muss man auch benennen, dass viele Operationen, wie immer wieder beklagt wird, unnötigerweise durchgeführt werden und der Zeitplan bzw. -punkt für viele Operationen nicht lebenswichtig ist, etc. pp. 

Hätte Brinkschulte recht, dann müsste sich ja die durch die Distanzmaßnahmen verursachte Todesziffer in der Anzahl der Sterbefälle im Vergleich zu den Vorjahren zeigen. Zwar liegt, soweit mir bekannt, für 2020 noch keine Todesursachen-Statistik  (z.B. zu Suizid) vor, aber die Gesamttodesstatistik zeigt für Deutschland im relevanten Zeitraum keinerlei besondere Ausschläge. Die Distanzmaßnahmen haben also (im Vergleich zu anderen Ländern) in Deutschland im März und April höhere Todeszahlen durch COVID-19 erfolgreich verhindert (diese lassen sich nur in den enstpr. bes. gefährdeten Altersgruppen nachweisen), aber ganz offensichtlich haben die Maßnahmen selbst nicht relevant  höhere Todeszahlen verursacht. Nachzulesen hier: Sterbefallstatistik 2016 bis 2020, wochengenau.

3. Masketragen sinnvoll?

Hier noch ein Hinweis auf eine aktuelle Publikation von Prather et al. in der Zeitschrift Science. zum Sinn des Tragens einer Maske. Die Verpflichtung zum Maskentragen in Läden und im öffentlichen Nahverkehr wird ja derzeit in Deutschland  stark diskutiert. Die Autoren Prather et al. bestätigen, dass Masken sinnvoll sind:

Overall, the probability of becoming infected indoors will depend on the total amount of SARS-CoV-2 inhaled. Ultimately, the amount of ventilation, number of people, how long one visits an indoor facility, and activities that affect airflow will all modulate viral transmission pathways and exposure (10). For these reasons, it is important to wear properly fitted masks indoors even when 6 feet apart. Airborne transmission could account, in part, for the high secondary transmission rates to medical staff, as well as major outbreaks in nursing facilities. The minimum dose of SARS-CoV-2 that leads to infection is unknown, but airborne transmission through aerosols has been documented for other respiratory viruses, including measles, SARS, and chickenpox (4).

4. Internationale Vergleiche sind schwierig bis unmöglich

Unmittelbar zum Thema dieses Beitrags passt ein Artikel von Morris und Reuben (BBC) :Coronavirus: Why are international comparisons difficult? Sie kommen zu einem ernüchternden Fazit hinsichtlich der Vergleiche: Nichts genaues weiß man nicht....

 

Update 9.7.2020

Heute nur ein Hinweis auf einen Blog, der sich v.a. mit den juristischen, insbesondere den verfassungsrechtlichen Auswirkungen und Fragen der Corona-Krise befasst.

Hier: mitdenken! Corona-Diskurs

Und  eine pasende Veranstaltung als Webinar der Friedrich-Ebert-Stiftung am 16. Juli 2020, also heute in einer Woche. Anmeldung hier:

Webkonferenz am 16. Juli 2020: Das Grundgesetz in der Corona-Krise

 

 

Update vom 10.07.2020

1. Sterbezahlen in den USA steigen wieder

Anhand  der aktualisierten Grafik von Kevin Drum zeigt sich: Während alle der ursprünglich beobachteten europäischen und nordamerikanischen Staaten (einschließlich Schweden!) in der Todeszahlentwicklung auf einem beruhigenden Pfad sind, scheint sich in den USA die sehr hohe Infektionszahl nun auch in den Todesraten zu zeigen. Inzwischen ist die Kurve wieder auf den Stand von über 2 pro Tag pro Million gestiegen. Das ist alles andere als beruhigend.

2. Warum steigen die Todeszahlen nicht bzw. wesentlich weniger stark als die Infektionszahlen?

Sie haben sich schon einmal gefragt, warum in diversen Staaten die Infektionszahlen so stark steigen wie Anfang März oder erneut stark steigen, aber die Todeszahlen (bisher) nicht oder nicht in gleichem Maße ansteigen? Dieser Artikel von Derek Thompson erklärt einige Zusammenhänge ziemlich gut. Das meiste bezieht sich auf die Situation in den USA, ist aber übertragbar auf Europa. In Kurzfassung:

1. Der Tod wird wesentlich später registriert als die (immer früheren) positiven Tests, in den USA sind inzw. 3 - 4 Wochen normal.

2. Ausgeweitetes Testen findet mehr Fälle, findet mildere Fälle und  findet die Fälle  in einem früheren Erkrankungsstadium als noch vor einigen Monaten.

3. Der typische COVID19-Patient ist nun jünger als vor einigen Monaten - die Ältere sind weiterhin vorsichtiger, die Jüngeren haben jetzt ihr früheres distanzloses Freizeitverhalten oftmals wieder aufgenommen.

4. Die hospitalisierten Patienten sterben seltener - durch die gewonnene medizinische Erfahrung bei der Behandlung ist die Überlebenschance inzwischen höher.

5. Ein bisschen hilft der Sommer

Der Artikel ist lesenswert, wenn man die Entwicklung der Todesziffern in den westlichen Staaten verstehen will.

Update 20.07.2020

1. Todesraten im Weltvergleich, insbes. USA

Der Vergleich der neun Staaten zeigt, dass es hinsichtlich der Todeszahlen pro Bevölkerungsanzahl derzeit nur noch in drei Staaten besorgniserregende Entwicklungen gibt. In Schweden ist es bislang immer noch nicht gelungen, die Sterberate auf ein verträgliches Maß zu reduzieren, während U.K. immerhin bei etwa 1 pro Tag pro Million stabilisiert liegt. Besonders schwerwiegend sind die Verhältnisse in den USA, wo die Zahlen schon einmal wesentlich niedriger lagen und nun wieder nach oben tendieren. Das ist wohl eindeutig ein Versagen der dortigen Politik.

In einem Intervuew mit Chris Wallace, FOX, hat Trump trotzdem versucht, die USA als Staat darzustellen, der eine der besten ("one of the best")  oder sogar die beste ("the best") Todesrate habe. Der ganze Austausch beruhte auf einer Verwechslung der Todesrate berechnet auf Bevölkerungsanzahl (um die ging es eigentlich) und der Case-Fatality-Rate, die stark abhängig ist von der Anzahl der positiven Tests und deshalb für den Staatenvergleich keine Bedeutung hat. Aber: Bei keinem von beiden Zahlen liegt die USA auch nur nahe der "besten" Werte weltweit. Bei den Todesraten (um die es eigentlich ging) liegt die USA im Weltvergleich sogar mit an der Spitze. 

Klargestellt wird das Ganze hier (Link zum intercept-Artikel), Ausschnitt:

As the U.S. exceeded 140,000 dead on Sunday, Germany, which has about one quarter the population of the U.S. has suffered 9,091 deaths. What this means is that more than 100,000 Americans who have died of Covid-19 this year would still be alive today had the federal government in Washington been as successful as the one in Berlin.

2. Das Wettrennen um Medikamente und Impfstoffe

Hier eine heuet erst entdeckte Internet-Seite mit einem regelmäßig aktualisierten Tracker, welche Medikamente und welche Impfstoffe in der Entwicklung sind.

Update (29.07.2020)

Todesraten im Vergleich

Während sich die nun höheren Neuinfektionszahlen in Europa bislang nicht bei den Sterbezahlen bemerkbar machen und nun auch Schweden (endlich!) relativ niedrige Zahlen aufweist, zeigt sich in den USA deutlich eine neuer dramatischer Anstieg. Da die Kurven von Kevin Drum unterschiedliche Skalen aufweisen, sieht man nicht auf den ersten Blick, dass die täglichen Sterbezahlen (berechnet auf Bevölkerungsgröße) nun in den USA schon wieder den Wert erreicht haben, der in Deutschland als Höchststand Mitte April gemessen wurde, nämlich drei pro Tag pro Million der Bevölkerung.

Die USA weisen nun bei den kumulierten Todeszahlen pro Million der Bevölkerung im Vergleich zu Deutschland ziemlich genau den vierfachen Wert auf, Schweden bleibt mit dem fünffachen Wert (vergl. mit DE) noch knapp unter den italienischen Todesfallzahlen.

Update (30.07.2020)

Anfang des Monats habe ich hier die bis dahin kumulierten Todesfälle in Deutschland, Deutschlands Nachbarländern und den weiteren westl. Staaten, die hier seit März beobachtet werden, zusammengestellt. Das war zu einem Zeitpunkt, indem in den verglichenen Staaten die akuten Sterbefälle überall stark rückläufig waren, man also bei allen (hinsichtlich der Todesfälle) davon ausgehen konnte, dass die schlimmste Pandemie-Welle erst einmal überstanden ist. Da nun auch alle diese Staaten - unabhängig davon, wie sie im März/April mit der Pandemie zurechtgekommen sind - nunmehr in ihren Erkenntnissen, was zu tun ist, gleich viel wissen, ist der Vergleich interessant, welche Staaten denn im Juli wie abgeschntten haben in der Vermeidung von Todesfällen.

Und da ergibt sich folgendes Bild, wenn man die seit Anfang Juli hinzugekommenen Todesfälle pro Million (TpM) vergleicht:

1. Staaten, in denen (im Juli 2020) bis zu 10 TpM hinzugekommen sind:
Tschechien von 33 auf 35 TpM, also plus 2
Polen von 39 auf 45 TpM, also plus 6
Österreich von 78 auf 80 TpM, also plus 2
Dänemark von 105 auf 106 TpM, also plus 1
Deutschland von 108 auf 110 TpM, also plus 2
Luxemburg von 176 auf 186 TpM, also plus 8
Schweiz von 227 auf 229 TpM, also plus 2
'Kanada von 228 auf 236 TpM, also plus 8
Niederlande von 357 auf 359 TpM, also plus 2
Frankreich von 457 auf 463 TpM, also plus 6
Italien von 575 auf 581 TpM, also plus 6
Spanien von 607 auf 608 TpM, also plus 1
Belgien von 842 auf 848 TpM, also plus 6

Auch wenn jede/r Gestorbene eine/r zuviel ist, kann man schon sagen, dass diese Länder die COVID19-Pandemie hinsichtlich der tödlichen Folgen aktuell im Griff haben.

2. Staaten mit (im Juli 2020) deutlich mehr Todesfällen

#Es sind drei Staaten in diesem Vergleich, bei denen das im Juli nicht der Fall ist. Wer regelmäßig auf die obigen Diagramme schaut, weiß schon, welche das sind. Aber wie krass sich dies noch im Juli auswirkt auf die konkreten Sterbezahlen, hat mich selbst überrascht:

USA von 395 auf 465 TpM, also plus 70
Schweden von 532 auf 567 TpM, also plus 35
(Ver. Königreich) UK von 647 auf 677 TpM, also plus 30

Update (03.08.2020)

Die Diagramme sind aktualisiert mit Stand 1. August.

Nur in  den USA macht sich eine zweite Welle bei den Sterbezahlen deutlich bemerkbar, bislang.

In Schweden ist die tägliche Sterberate Ende Juli (endlich) auf das niedrige Niveau der anderen beobachteten europäischen Staaten gesunken.

 

Update (04.08.2020)

Zwei Berichte erregen heute meine Aufmerksamkeit:

1. Dunkelfeldstudie in Italien

In Italien wurde von Mai bis Juli eine für Italien repräsentative Dunkelfeldstudie durchgeführt, darüber berichtet heute die deutsche Presse. Hier ein Auszug (tagesschau.de):

Das Coronavirus könnte in Italien einer Studie zufolge sechs Mal stärker verbreitet sein als bekannt. Das Gesundheitsministerium und das Statistikamt Istat veröffentlichten eine Auswertung, nach der knapp 1,5 Millionen Menschen im Land Antikörper gegen das Virus entwickelt haben, wie die Nachrichtenagentur ANSA berichtet. Das entspreche rund 2,5 Prozent der Bevölkerung. In Italien leben rund 60 Millionen Menschen.

Das Ergebnis der Studie basiert auf Tests bei 64.660 repräsentativ ausgewählten Menschen vom 15. Mai bis 15. Juli - die Ergebnisse seien bis 27. Juli eingegangen. Laut den Daten der US-Universität Johns Hopkins haben sich in Italien bislang gut 248.000 Menschen mit dem Virus infiziert, mehr als 35.000 Infizierte starben.

Der Studie zufolge gibt es jedoch große regionale Unterschiede, wie ANSA weiter berichtet. In der Lombardei wurde bei 7,5 Prozent der Menschen Antikörper festgestellt, in Süditalien bei weniger als einem Prozent.

2. Langzeitfolgen von COVID19

Während die Todesfälle als wichtiger Anhaltspunkt für internationale Vergleiche herausgestellt werden, darf man nicht vergessen, dass COVID19 sich auch dadurch von einer "einfachen Grippe" unterscheidet, dass über relativ gravierende Langzeitfolgen berichtet wird. Hier ein Artikel von Reuters (3.8.20), der sich mit den Kosten der langfristigen Behandlung der Erkrankten befasst. Klingt leider nicht so optimistisch.

Update (08.08.2020)

Ich habe die Diagramme von Kevin Drum und von Shinyapps aktualisiert. In den USA scheint die Todesfallentwicklung in der zweiten Welle glücklicherweise gebremst zu sein, ca. zwei Wochen nachdem auch die Neuinfektionen dort nicht mehr steigen.

 

 

 

 

 

 

 

Diesen Beitrag per E-Mail weiterempfehlenDruckversion

Hinweise zur bestehenden Moderationspraxis
Kommentar schreiben

2506 Kommentare

Kommentare als Feed abonnieren

Sponsel am Fr, 2020-07-31 um 11:10 Uhr:

Für Deutschland wurden 715 nach 902 Neuinfektionen mitgeteilt

Falsch, sondern +870, die RKI-Quelle dafür steht doch schon oben!

Und Ihre ständigen  Selbstreferenzen aus Ihrer eigenen, längst belegt fehlerhaften Küche beweisen einen Erlanger Stümper der Sonderklasse!

0

Aber gerne noch einmal für den Herrn Sponsel nach dem ersten Hinweis darauf am Fr, 2020-07-31 um 09:22 Uhr

Fallzahlen in Deutschland

Stand: 31.7.2020, 00:00 Uhr (online aktualisiert um 8:35 Uhr)

Hinweis zu Dashboard: Aufgrund einer technischen Störung sind die Daten auf dem Dashboard heute, am 31.7.2020, noch nicht aktualisiert worden. Wir arbeiten an einer raschen Lösung und bitten um Entschuldigung.

Die Differenz zum Vortag bezieht sich auf Fälle, die dem RKI täglich übermittelt werden. Dies beinhaltet Fälle, die am gleichen Tag oder bereits an früheren Tagen an das Gesundheitsamt gemeldet worden sind.

0

Japan hier zeigt bei den Neuinfektionen auch so ein rätselhaftes Phänomen, aber da am derzeitigen Ende mit dem 30. Juli 2020:

Daily New Cases in Japan

https://www.worldometers.info/coronavirus/country/japan/

In Deutschland dagegen gibt es dieses Phämomen nur sehr schwach im Vergleich mit Japan:

https://www.worldometers.info/coronavirus/country/germany/

Dafür gibt es bei Deutschland "Projections" (Prognosen) zum Anklicken:

https://covid19.healthdata.org/germany

Aber Prognosen, die die Zukunft betreffen, sollen ja für Normalsterbliche ziemlich schwierig sein.

0

Für die USA zeigt Worldometer auch einige Prognosen und Varianten dabei:

https://covid19.healthdata.org/united-states-of-america

Das hat aber keinen grossen Wert, ist eher eine nette Spielerei der Extrapolationen.

Das RKI hat heute am 01.08.2020 (online aktualisiert um 8:40 Uhr) +955 Neuinfektionen in der ganzen BRD gemeldet.

In der 7-Tage-Inzidenz hat NRW ("altes" Bundesland) den höchsten Wert, danach kommen Berlin, Bremen, Hessen, Bayern, noch über dem BRD-Wert, Bestwert Sachsen, "neues" Bundesland.

Die Sterbezahlen fehlen in der RKI-Tabelle, die könnten aber selber leicht ausgerechnet werden, das ist aber nicht mal notwendig wegen Statista:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1116058/umfrage/todesfaelle-mit-coronavirus-je-einwohner-nach-bundeslaendern/

(Stand: 30. Juli 2020)

Höchstwert Bayern, "altes" Bundesland.

Bestwert MV, "neues" Bundesland.

0

Sponsel am Fr, 2020-07-31 um 11:10 Uhr:

Anmerkung Wellendiskussion Berlin: Phantasien einer zweiten Welle sind nach G2 dem  Graphen der Neuinfektionen Unsinn, da derzeit grob rund 20 Wellen graphisch unterschie­den werden können:  G2-200728  Neuinfektionen Berlin 02.03.-28.07.2020.

Selbst auf diesem Graphen der Neuinfektionen für Berlin ist die 2. kleinere Welle zu erkennen, die um den 20. Juni ihren Scheitel hatte. Wochenendartefakte jedoch als Wellen hervorzuheben, dazu gehört schon fortgeschrittene Sehschwäche.

Der Berliner Graph aus der Senatskanzlei mit den 7-Tage-Inzidenzen, der ohne Wochendartefakte auskommt, die Äztin aus dem RKI neben Wieler neulich bei der PK nannte sie "Sägezähne", zeigt ja ein sehr ähnliches Bild, der Graph konnte hier auch schon am Do, 2020-07-30 um 11:52 Uhr von Herrn Sponsel zur Kenntnis genommen werden, aber auch der Graph wurde von Herrn Sponsel ignoriert:

https://www.berlin.de/corona/fallstatistik/

Alles offenbar falsch, was nicht aus der Erlanger Küche kommt.

(Denn das muss ja für den Erlanger Mathematik-, Statistik- und Pandemie-Experten offensichtlich falsch sein. Polemiker mit Corona-Ängsten UND mit Kenntnissen aus der Geschichte würden vermutlich nun nur so noch grüssen: "Ave, Caesar, morituri te salutant.")

Gut, dass es hier keine Polemiker gibt in diesem Blog, ich rechne auch viel lieber.

0

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland aus der Riege der Qualitätsmedien konnte die Zahl der Neuinfektionen doch auch problemlos eruieren:

Coronavirus Pandemie Robert-Koch-InstitutFallzahlen bleiben hoch: RKI meldet 870 neue Corona-Infektionen

31.07.2020, 10:06 Uhr

https://www.rnd.de/gesundheit/rki-fallzahlen-am-31072020-870-neue-corona-infektionen-in-deutschland-EMAYVQ3YNCTADSOHQLCBPRIIL4.html?outputType=amp

Die finden, was sie für ihre Erforschungen suchen, geht also auch ohne Hexerei.

0

Lehrende unter den Lesenden, auch an Hochschulen, dürften das Prinzip der Prozentrangermittlung für jede Dimension eines normierten Fragebogens für Lehrveranstaltungen vielleicht kennen. Wenn nicht, in einem 12-seitigen PDF der Universität Osnabrück aus dem Fachbereich Psychologie mit dem Titel "Berechnungen und Normen im Evaluationsbericht  Prozentrangnormen" wird das vorgestellt.

Daraus dürfte sich doch schnell erkennen lassen, dass dieses Verfahren auf Fallzahlen von Pandemien nicht sinnvoll anzuwenden ist. Ebenso wären Reproduktionszahlen aus der Epidemiologie für abwegige Theorien nicht ohne weitere Überlegungen dabei geeignet, aber jeder kann das gerne auch mal für sich selber noch ausprobieren.

0

Sponsel am Fr, 2020-07-31 um 11:10 Uhr:

Anmerkung RKI: Dass das RKI nicht in der Lage ist, korrekte Zeitreihen von Anfang für die Bundesländer mitzuteilen erschwert natürlich die Prozentrangermittlung für die Bundesländer.

Vermuten Sie damit eine gezielte Aktion des RKI gegen Ihre "Prozentrangermittlung für die Bundesländer" als überlegene Forschungs-Methode des Herrn Sponsel in Sachen Corona-Pandemie-Erforschung?

Das wäre ja eine Sensation!

0

Die Tasachen im Update mögen stimmen, aber eine der dortigen Wertungen ist nicht zutreffend.

Kein Land hat die Corona-Pandemie im Griff.

Niemand hat passende Medikamente, niemand hat passende Impfstoffe, niemand hat die Krankheits-Übertragungen vollständig unterbinden können.

Was in vielen Ländern gelungen ist, daß ist eine ganz erhebliche und weitreichende Eindämmung der Pandemie und ihrer Folgen, aber das bedeutet weder einen Sieg über die Pandemie noch einer Kontrolle der Pandemie.

Man hat noch viel zu wenig wirklich wissenschaftlich bewiesenes und gesichertes Wissen über das Virus und die Krankheit und die Infektionswege und über die passende Therapie sowie über eine Immunisierung.

Man hat zwar hinsichtlich der unterschiedlichen Reaktionen in verschiedneen Ländern Erfahrungen gesammelt was anscheiend wohl eher hilfreich ist und was anscheinend wohl weniger hilfreich ist, aber Forschung und Pharmazie und Politik sind auf dem gebiet Corona bzw. Covid19 immer noch Anfänger, und wohl noch weit von einer gesicherten idealen Problemlösung und Patentlösung entfernt, geschewiege denn von einem Sieg a la Rumpsfeld: "Mission accomplished".

Die "Mission" wird noch lange nicht "accomplished" sein.

Auch Malaria, Tuberkulose, HIV, Hepatitis, Syphilis, Meningitis, und Grippe, haben wir nicht "im Griff" und nicht besiegt, sondern lediglich eingedämmt, auch wenn die immer neuen Fortschritte natürlich sehr erfreulich sind, aber die Erreger sind auch heutzutage immer noch da und können immer noch Schaden anrichten.

0

Sehr geehrter anonymer Gast,

Die Tasachen im Update mögen stimmen, aber eine der dortigen Wertungen ist nicht zutreffend.

Kein Land hat die Corona-Pandemie im Griff.

Ich reagiere ein bisschen ärgerlich, wenn ich falsch zitiert werde. Denn dort steht, für jeden und jede lesbar:

"HINSICHTLICH DER TÖDLICHEN FOLGEN AKTUELL"

Und das ist momentan bei 13 der 16 genannten Staaten der Fall. Nichts anderes habe ich geschrieben.

Besten Gruß

Henning Ernst Müller

 

Andere Erreger für "Malaria, Tuberkulose, HIV, Hepatitis, Syphilis, Meningitis, und Grippe" in einem Atemzug mit dem neuartigen pandemischen SARS-CoV-2-Erreger zu nennen, das geht in die Richtung von Dagmar Koller und anderen:

"Und ich lass mich nicht beeinflussen von den Medien. Die Medien machen uns ja jetzt ein bissl so nieder und krank, warum muss ich jeden Tag nur von diesem Virus hören? Wir haben früher genauso alle unsere Virusse gehabt ..."

"Und ich lass mich nicht beeinflussen von den Medien. Die Medien machen uns ja jetzt ein bissl so nieder und krank, warum muss ich jeden Tag nur von diesem Virus hören? Wir haben früher genauso alle unsere Virusse gehabt ..."

https://www.focus.de/kultur/kino_tv/judith-rakers-judith-rakers_id_12258116.html

Wer konnte es auch als TV-Konsument zuhause am Bildschirm erahnen, dass diese "Operetten-Legende" noch die Spanische Grippe selber erlebt hatte?

Ebenso dürfte Judith Raakers keine Fall- und Erfolgs-Prämien von der ARD dafür eingesackt haben, dass sie verbal so präsent, also geistesgegenwärtig, und damit schlagfertig und noch charmant ist. Chapeau.

0

PR-Ampel-NRW

Vorläufige NRW Prozentrang Ergebnisse für die Anzahlen der Neuinfektionen für den Zeitraum 04.03. bis 25.07.2020. Gerechnet mit Excel 2003 Analyse Funktionen Rang und Quantil. Für NRW teil das RKI erst ab 04.03.20 öffentlich zugänglich die Fallzahlen mit. Der erste vom RKI mitgeteilte Wert am 04.03.2020 beträgt 115. Der erste Fall in NRW wurde aber am 25.02.2020 gemeldet. Es fehlen 7 Tage. Wieso das RKI keine ordentlichen Zeitreihen für die Bundesländer liefern kann wie z.B. die JHU für Deutschland bleibt ein RKI Geheimnis - wie so manch anderes.

PR 100 mit 2070  Ende 4. Quartil

PR 90 mit 831          Ende 9. Quantil

PR 80 mit 535          Ende 8. Quantil

PR 75 mit 417    Ende 3. Quartil

PR 70 mit 314          Ende 7. Quantil

PR 60 mit 245          Ende 6. Quantil

PR 50 mit 200    Ende 2. Quartil,  5. Quantil und Median

PR 40 mit 154         Ende 4. Quantil

PR 30 mit 137         Ende 3. Quantil

PR 25 mit 115    Ende 1. Quartil

PR 20 mit  98          Ende 2. Quantil

PR 10 mit 77           Ende 1 Quantil

PR 0 mit 0       Anfang 1. Quantil  und 1. Quartil

Erläuterungen: Liegen genügend Daten (>100) vor, gibt es 100 Prozentränge. Am 31.07.2020  werden 415 Neuinfektionen mitgeteilt. Das entspricht ungefähr einem Prozentrang von  knapp 75, also kurz vor dem Ende des 3. Quartils und damit am Ende des GELBEN Bereichs kurz vor ROT. Idealiter werden mit 415 Neuinfektionen 74% der  bislang erzielten Werte übertroffen. 25% der bislang erzielten Werte sind noch höher.

    Vorgeschlagenen Prozentrang-Ampel für NRW:

    ROT > 417 Neuinfektionen.

    GELB  200 < Neuinfektionen <= 417

    GELBGRÜN < 115 Neuinfektionen <= 200

    GRÜN <= 115 Neuinfektionen.

Inzwischen werden hier zur Zeit nach 7-Tage-Inzidenzen, auch mehrfachen Grenzwertüberschreitungen auf lokaler Ebene Massnahmen erwogen, oder eingeleitet und auch erfolgskontrolliert, nicht nach Sponsels abwegigen Ideen und abwegigen Zahlenspielereien mit Prozenträngen und logarithmischen Wachstumsraten.

So sind die Tatsachen, auch wenn diese weiter ignoriert werden von Herrn Sponsel in Erlangen in seinem Wahn.

0

Ein Psychologe wie Herr Sponsel, überträgt etwas aus der Psychologie für Fragebögen entwickeltes Verfahren (Prozentänge), auf Pandemie-Fallzahlen.

Das ist verrückt in seinem ursprünglichen, und auch in seinem übertragenen Sinn.

Aber er könnte so Studierenden bei Epidemiologen und Virologen solche Fragebögen mal vorlegen.

0

AKK-200731 Deutschland, Bundesländer, Kreise:  Am 31.07.2020  Deutschland mit 955 (PR=~72.3) Neuinfektionen im gelben Bereich (498 < gelber Bereich <= 1209, danach rot). Die Bundesländer lassen mit ihrer Meldezuverlässigkeit extrem nach, kein gutes Vorbild für die BürgerInnen.

     Daten nach  RKI Dashboard  (Deutschland, Bundesländer und Kreise).

     Für Deutschland meldete das RKI  955 nach 870, 902, 684, 633, 340, 305, 781, 815,  ... ...  also ein wieder ein starker Anstieg (PR~73.3), das ist der höchste Wert seit dem 08.05.2020. Das ergibt eine Wachstumsrate für Neuinfektionen mit 0.0369 nach 0.0358, also höher als am Vortag, was zeigt, wie sensibel und genau die Wachstumsraten für Neuinfektionen die Veränderungen anzeigen.

    Aktive 7805, der höchste Wert seit 28.05.20.  Das ergibt eine ar%=12.24%, die höchste seit einer Woche.  Definitionsmass ar%

   Am 31.07.20 betrug die Verhältniszahl 1.0097 nach 1.0139, ... zeigt also steigende Wachstumsraten der 7 Tage Nachfolgerperiode gegenüber der 7 Tage Vorgängerperiode an, also ungünstig mit > 1.  Die Verhältniszahlen der geometrischen Mittel für 7-7-Perioden wurden am  09.07.20  für den Zeitraum 01.06.-09.07.20 dargestellt. ProzentRAENGE für Neuinfektionen Deutschland hier.

   Im Vergleich vom 01.07.20 mit seinen 9 Nachbarn  nahm Deutschland nach den Wachstumsraten für Neuinfektionen Rang 9 ein, liegt also auf dem vorletzten Platz. Bei den Todesfällen sieht es besser aus.

    Aufgrund der nachlassenden Zuverlässigkeit der Meldungen, vor allem über das Wochenende, erwäge ich künftig nur noch Wochenwerte für die Wachstumsraten zu berechnen vielleicht unter Beibehaltung der Zeiteinheit Tage, damit die Vergleichbarkeit bei den Ausprägungen leichter fällt.

   Entwicklung ausgewählter Bundesländer: Die Meldungen werden vor allem am WE immer unzuverlässiger - kein gutes Vorbild für die BürgerInnen.

   Gut krisengemanagt werden Mecklenburg-Vorpommern 4, Brandenburg 5,  Sachsen 5,  Bremen 7, Sachsen-Anhalt 7, Thüringen 8.

    Im Mittelfeld liegen Baden-Württemberg 48, Rheinland-Pfalz 35, Schleswig-Holstein 24, Hamburg 19, Saarland 12.

    Hohe oder erhöhte Zahlen liefern NRW 413 wrs=0,0384,  Bayern 153 wrs=0.0269, Berlin 82 wrs=0.0292 ; Niedersachsen 69 wrs=0.0277, Hessen 64 wrs=0.0191.

    Prozentränge Bundesländer: Für die Bundesländer liegen erst für  Berlin  und für  NRW  Prozentränge vor, das liegt an den defizitären Datenmitteilungen des RKI, das erst seit 4.3.2020 Fallzahlen öffentlich dokumentiert. Das bedeutet z.B. für NRW, dass der erste vom RKI mitgeteilte Wert am 04.03.2020 bei 115 liegt. Der erste Fall in NRW wurde aber am 25.02.2020 gemeldet. Es fehlen 7 Tage. Fehlende Daten liegen überall dort vor, wo die ersten Meldungen vor dem 04.03.2020 liegen. Wieso das RKI keine ordentlichen Zeitreihen für die Bundesländer liefern kann wie die JHU für  Deutschland bleibt ein RKI Geheimnis.

Kreise: Von 401 Kreisen einer über der Obergrenze: Dingolfing-Landau (Bay) 240.1

  • Dingolfing-Landau (Bay)  240.1 nach ... 189.2, 191.2, 191.2.  Effekt der Erntehelfer Ausbeuter Wohnungs- und Arbeitsbedingungen meist unter der Schirmherrschaft der CSU/CDU.
  • Hof Landkreis (Bay)  9.4 nach ... 35.7, 42.0, 42.0, 37.8
  • Vechta Landkreis 15.5 nach ... 19.8. 19.8, 14.8, 14.8, 42.4, 41.0, 35.3, 24.6, 39.5, 44.5
  • Bad Tölz-Wolfratshausen 3.9 nach ... 6.3, 5.5, 7.9,  8.6, 13.4, 14.1, ...
  • Gütersloh nach 8.5 ... 8.0, 8, 7.1, 9.6, 8.8, 8.5, 10.2, 10.7, 11.3, 11.8,  ...

     Kommentar-Fleischskandal.

     Krisenmanagement hotspots.

     Wellendiskussion

   Hinweis neu: Corona Kosten, Tabellen zu den Corona Kosten. Für eine realistische, ehrliche und faire Betrachtung muss man beide Seiten,  nicht allein Corona sehen.

Methodisch neu 23.07.2020: Das diagnostische Grundproblem der Validität,  Vervielfachungsrate  als Wachstumsrate:

Sponsel am  Sa, 2020-08-01 um 12:32 Uhr:

Am 31.07.20 betrug die Verhältniszahl 1.0097 nach 1.0139.....

Das wäre rückläufig übrigens bei Ihnen.

0

498 tägliche Neuinfektonen in der BRD ist also Sponsels Median für seine Ampelfarben zur Zeit (am 31.07.2018) bei 180 Fallzahlen.

Das sind dann (entsprechend einer 7-Tage-Inzidenz) 4,16 pro 100.000, oder 5,94 Ipm.

Und wie oft in der Woche, oder auch im Monat, berechnen Sie Ihren Median jedesmal neu für die BRD bei anderen, z.B. dann auch höheren Fallzahlen als der gegenwärtige Median?

Denn dann bekommen Sie ja eine andere Ampelschaltung, Herr Sponsel.

0

Korrektur: 498 tägliche Neuinfektonen in der BRD ist also Sponsels Median für seine Ampelfarben zur Zeit (am 31.07.2020) bei 180 Fallzahlen.

0

Was soll in der ganzen BRD konkret geschehen, Herr Sponsel, wenn in der ganzen BRD eine tägliche Fallzahl von 1209 Neuinfektionen vom RKI gemeldet wird?

Totaler Lockdown, oder wie, oder was, und wann, und wie lange?

Jetzt aber mal genau sagen, was dann zu machen ist! Wir warten darauf!

0

Die nachprüfbaren Fakten zu NRW und Bayern:

In Bayern war die erste Corona-Infektion in ganz Deutschland am 27. Januar bestätigt worden, einen Webasto-Mitarbeiter hatte ist durch eine Chinesin infiziert worden. In den letzten 7 Tagen sind laut RKI-Dashboard 867 Infektionen gemeldet worden, Bayern hatte 13,08 Millionen Einwohner, das bedeutet die 7-Tage-Inzidenz betrug zuletzt 6,63 pro 100.000 in Bayern.

In NRW war die erste Corona-Infektion am 26. Februar bestätigt worden, NRW hatte also 30 Tage Vorbereitungszeit gehabt. In den letzten 7 Tagen sind laut RKI-Dashboard 1.986 Infektionen gemeldet worden, NRW hatte 17,93 Millionen Einwohner, das bedeutet die 7-Tage-Inzidenz betrug zuletzt 11,08 pro 100.000 in NRW.

Das deutet nicht an, dass es in Bayern ein schlechtes Corona-Krisen-Management gegeben hätte.

Empfehle mal ein Ranking nach relevanteren Parametern, als ein Herr Sponsel das zustande bringt bei seiner vollkommen verzerrten, befangenen Sichtweise.

Wie meinte noch der Herr:

"Söder schlechtester Krisenmamanger"

"Die fanatische Hetze gegen Schweden in diesem Block  spricht nicht für seine Qualität, auch nicht dass Trolle so geduldet werden."

Oha, der Herr, Sie  belieben wohl zu scherzen, oder rauchen ein besonderes Kraut.

0

 Korrektur und Ergänzung:

.... einen Webasto-Mitarbeiter hatte es erwischt, er ist durch eine Chinesin infiziert worden.

Oha, der Herr, Sie  belieben wohl zu scherzen, oder rauchen ein besonderes Kraut, oder stehen vor einem Spiegel.

0

Eine Berichtigung wegen eines Versehens:

Meine Zahlen aus dem Dasboard des RKI von heute - zu dieser Stunde - stammen aus den Gesamtzahlen der Bundesländer am 31.07.2020 (letzte Zahl) und am 24.07.2020, Covid-19-Fälle kumuliert*

* Gesamtplus der Fälle zum Vortag verteilt sich auf versch. Tage aufgrund des Übermittlungsprozesses.

Die können also von anderen Zahlen, auch aus dem RKI, abweichen.

In den letzten 7 Tagen sind laut RKI-Dashboard 735 Infektionen gemeldet worden, Bayern hatte 13,08 Millionen Einwohner, das bedeutet die 7-Tage-Inzidenz betrug zuletzt 5,62 pro 100.000 in Bayern.

In den letzten 7 Tagen sind laut RKI-Dashboard 1.776 Infektionen gemeldet worden, NRW hatte 17,93 Millionen Einwohner, das bedeutet die 7-Tage-Inzidenz betrug zuletzt 9,91 pro 100.000 in NRW.

0

Herr Sponsel auf seiner Website:

Söder ist mit Abstand der schelchteste Coronakrisenmanager.

Andere Quellen für die Todesfälle der letzten 7 - oder 14 - Tage in Bayern und in NRW (und in anderen Bundesländern) zeigen ja die Todeszahlen in diesen Zeiträumen an, die Wikipedia hat dafür auch Graphen.

Da sind die absoluten Fallzahlen für Bayern so niedrig, dass auch noch die auf 100.000 normierten Fallzahlen in Bayern besser sind als die in NRW aktuell.

Wer`s nicht glaubt, kann dort nachschauen und die Zahlen ablesen und normieren.

Alte Vorurteile des Psychologen aus Erlangen zerplatzen auch da bei einem Fakten- und Zahlen-Update.

0

Diese Graphen finden Sie so:

  • COVID-19-Pandemie in Bayern - Wikipedia
  • COVID-19-Pandemie in Nordrhein-Westfalen - Wikipedia
  • usw.usf.
  • COVID-19-Pandemie in Deutschland - Wikipedia

Es gibt da einen a) kumilierten Graphen der Todes-Gesamtzahlen und einen der b) täglichen Todeszahlen.

Mit einer Lupe sind die Eckwerte vom Monitor a) abzulesen, oder b) zusammenzuzählen, so wie Sherlock Holmes es noch gemacht hätte.

Dafür müsste doch fast jeder Lesende an einem Sonntag wie heute auch noch etwas Zeit haben, da es um eine Zukunft von Deutschland und seiner Menschen in einer rationalen, wissenschaftlichen Analyse gehen müsste, und nicht um kleinkarierte persönliche Profilierungen, oder Enttäuschungen, Karriereknicke, usw. usf., die jeden Einzelnen im Leben treffen können.

Besten Dank

0

(kumulierten Graphen .... nach Daten des RKI)

Eine Tabelle dort zu finden, das wäre zwar einfacher, aber es geht auch noch "old school" mit der LUPE!

0

Und jetzt die Auswertung der Graphen der Todeszahlen für Bayern und NRW aus der Wikipedia, jeweils kumuliert von Montag bis Sonntag der letzten 5 KW:

Bayern:  KW 31 T=3,   KW 30 T=3,  KW 29 T=4, KW 28 T=12,  KW 27 T=8

NRW:     KW 31 T=11, KW 30 T=16, KW 29 T=7, KW 28 T=17, KW 27 T=13

Kumulierungen der Todes-Fallzahlen von max. 5 KW:

Bayern KW 30+31 T=6, KW 29+30+31 T=10, KW 28+29+30+31 T=22, KW 27+28+29+30+31 T=30

NRW   KW 30+31 T=27, KW 29+30+31 T=34, KW 28+29+30+31 T=51, KW 27+28+29+30+31 T=64

Verhältnisquotienten NRW / Bayern aus den kumulierten Todes-Fallzahlen der letzten kumulierten Wochen sind Erfolgs-Kennzahlen zum Erfolgs-Vergleich der letzten kumulierten Wochen bei den Todeszahlen:

1 Woche 3,67, 2 Wochen 4,50, 3 Wochen 3,40, 4 Wochen 2,32, 5 Wochen 2,13

Der Populationsquotient aus NRW / Bayern  beträgt  17,93 / 13,08 = 1,371

Wird nun noch auf die Populationen normiert, reduzieren sich die Erfolgs-Kennzahlen dann bereinigt mit diesem Populationsquotienten:

1 Woche 2,68, 2 Wochen 3,28, 3 Wochen 2,48, 4 Wochen 1,69, 5 Wochen 1,55

Fazit: Je weniger Wochen in diesem Bereich man zurück in die Vergangenheit die Todeszahlen kumuliert, umso besser hat Bayern im Vergleich mit NRW abgeschnitten, zuletzt  um den Faktor 2,68 mal so gut.

Da könnte doch MP Markus Söder morgen zuerst alle Glocken in Bayern läuten lassen und danach schon mal die sechsspännige Kutsche vorfahren lassen, make Bavaria great again .....

0

Herr Sponsel am Sa, 2020-08-01 um 12:32 Uhr:

Wieso das RKI keine ordentlichen Zeitreihen für die Bundesländer liefern kann wie die JHU für  Deutschland bleibt ein RKI Geheimnis.

Der Herr kann doch einfache Zusammenhänge schon nicht mal begreifen.

Das RKI ist eine Bundesbehörde, also ein Amt, wird aus dem Haushalt des Gesundheitsministeriums für Personal und für Sachausgaben finanziert.

Die JHU ist aber eine private Universität, dazu aus der WP zur JHU:

Die Universität hatte im Jahr 2007 mit 1,554 Milliarden US-Dollar die höchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung unter den US-amerikanischen Universitäten.[8]

[...]

Die Zahlen für Deutschland stammen von drei verschiedenen deutschen Onlinemedien: der Berliner Morgenpost, Zeit Online und dem Tagesspiegel, die diese Daten wiederum in einem teilweise automatisierten Prozess direkt bei den Gesundheitsämtern, Ministerien und Staatskanzleien von einem Think Tank abrufen lassen.[16] Die Landesbehörden stehen in der offiziellen Meldekette (§ 11 IfSG) noch vor dem Robert Koch-Institut und stellen die Zahlen der laborbestätigten Neuerkrankungen meist schneller zur Verfügung.[17][18] Da es für Genesene und Todesfälle keine Meldepflicht gibt, beruhen diese Angaben auf Schätzungen.

Aus einer anderen Quelle vom 23.04.2020, um 11:56 Uhr:

Das Budget der Uni war für das laufende Jahr mit 6,5 Milliarden Dollar geplant und ursprünglich ein Gewinn von 72 Millionen erwartet worden.

 https://www.stern.de/wirtschaft/news/johns-hopkins-universitaet-muss-wegen-corona-krise-mitarbeiter-entlassen-9235888.html

Zum RKI:

Als letzten Einzeletat hat der Bundestag am Dienstag, 3. Juli 2018, den Haushalt 2018 des von Bundesminister Jens Spahn (CDU) geleiteten Bundesministeriums für Gesundheit (Einzelplan 15) in zweiter Lesung gegen die Stimmen der Opposition angenommen. Mit Gesamtausgaben in Höhe von rund 15,21 Milliarden Euro wächst der Gesundheitsetat im Vergleich zum Vorjahr (15,16 Milliarden Euro) sowie im Vergleich zum Regierungsentwurf (plus 6,66 Millionen Euro) geringfügig [...]

 Forschung und Internationales [...]

Das Robert-Koch-Institut in Berlin, das sich unter anderem mit der Vorbeugung gegen übertragbare Krankheiten beschäftigt, soll mit 92,64 Millionen Euro bedacht werden (2017: 100,45 Millionen Euro),

Quelle:  https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2018/kw27-de-gesundheit-561014

Herr Sponsel als Psychologe aus Erlangen ist also auch noch ein Experte für Informationsflüsse, Wirtschaft, Kosten und Finanzen.

Echt beeindruckende Expertise, hätten meine Kommilitonen früher mit Pokerface gesagt.

0

Was kann das RKI seinen Mitarbeitern, auch seinen angestellten (oder beamteten?) Wissenschaftlern bezahlen?

Gehälter für Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Robert Koch ...
www.glassdoor.de › Gehälter › Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Gehälter für Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Robert Koch Institut können von €55.790 bis €58.522 reichen. Dieser Schätzwert basiert auf 3 Gehaltsangabe(n) ...

Der Präsident Wieler hat B7.

Was kann die JHU ihren  Mitarbeitern, auch ihren angestellten Wissenschaftlern bezahlen?

The Johns Hopkins Hospital Gehalt | Glassdoor
www.glassdoor.de › The-Johns-Hopkins-Hospital-Gehälter-E121774
Die Gehälter wurden anonym von Mitarbeitern bei The Johns Hopkins ... 1 Mitarbeiter bei The Johns Hopkins Hospital hat sein Gehalt auf Glassdoor geteilt.

Arzt 1 Mitarbeitergehalt oder Schätzwert Etwa 102 Tsd. € - 112 Tsd. €

Was wissen darüber Erlanger Experten?

0

Rot wird die Ampel über 1209 Neuinfektionen.

Was soll in der ganzen BRD konkret geschehen, Herr Sponsel, wenn in der ganzen BRD eine tägliche Fallzahl von über 1209 Neuinfektionen vom RKI gemeldet wird?

("rot   PR > 75 mit mehr als 1209 Neuinfektionen.")

0

Laut RKI -Dashboard waren die gemeldeten Neuinfektionen  erstmalig am 13.März, letztmalig am 05.Mai höher als 1209, Höchstwert war 6.562 Neuinfektionen am 01. April. Da sind die Korrekturen beim RKI mit dabei.

https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4/page/page_0/

Der Herr Sponsel hat auf seiner Website als höchsten Wert auf der Position 180 die Zahl 6297 Neuinfektionen mit Rang 1 und 100,00% stehen.

https://www.sgipt.org/wisms/mtt/pr.htm#Corona-Neuinfektionen

Die Ereignisse ab dem 29. Januar:

Alle Entwicklungen zur Corona-Krise im Rückblick

Das Coronavirus hält die Welt in Atem. Was seit Anfang Februar passiert ist, erfahren Sie hier in unsren Rückblicken.

https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/rueckblick-entwicklung-der-coronakrise,RoxMtok

Einen schönen Tag dann noch

PS: Jetzt aber mal genau sagen, was dann zu machen ist! Wir warten darauf!

0

Bei Herrn Sponsel schaltet eine gesamtdeutsche Ampel oberhalb von 1209 täglichen Neuinfektionen auf rot, sein Median für die BRD lag bei 484 am 31.07.2020. Die BRD hatte Ende 2019 eine Population von 83,02 Millionen.

Auf 100.000 Einwohner normiert ergibt das für den Median 0,582992 tägliche Neuinfektionen, für die Ampelschaltung auf rot 1,456276 tägliche Neuinfektionen in der BRD.

Eine NRW-Ampel schaltet bei Herrn Sponsel oberhalb von 417 täglichen Neuinfektionen auf rot, sein Median für NRW lag bei 200 am 31.07.2020. NRW hatte Ende 2019 eine Population von 17,93 Millionen.

Auf 100.000 Einwohner normiert ergibt das für den Median 1,115449 tägliche Neuinfektionen, für die Ampelschaltung auf rot 2,325711 tägliche Neuinfektionen in NRW.

Kann irgend jemand darin ein Konzept erkennen für Massnahmen, für Lockerungen von Massnahmen, und einen Beitrag zu einem aktuellen Corona-Krisenmanagement im Bund und in den Ländern, unter der besonderen Berücksichtigung der Grundrechte und des Art. 74 Abs. 2 des deutschen Grundgesetzes???

GG Art. 72 Abs. 2

(2) Auf den Gebieten des Artikels 74 Abs. 1 Nr. 4, 7, 11, 13, 15, 19a, 20, 22, 25 und 26 hat der Bund das Gesetzgebungsrecht, wenn und soweit die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet oder die Wahrung der Rechts- oder Wirtschaftseinheit im gesamtstaatlichen Interesse eine bundesgesetzliche Regelung erforderlich macht.

GG Art. 74 Abs. 1 

(1) Die konkurrierende Gesetzgebung erstreckt sich auf folgende Gebiete:

19. Maßnahmen gegen gemeingefährliche oder übertragbare Krankheiten bei Menschen und Tieren, Zulassung zu ärztlichen und anderen Heilberufen und zum Heilgewerbe, sowie das Recht des Apothekenwesens, der Arzneien, der Medizinprodukte, der Heilmittel, der Betäubungsmittel und der Gifte;

Das IfSG ist daher ein Bundesgesetz.

Was ist Herrn Sponsels erkennbares Konzept, nicht seine wohlfeilen Bekundungen, Ausreden und polemischen Schuldzuweisungen !?

0

AKK-200801 Deutschland, Bundesländer, Kreise: Daten nach RKI Dashboard.  (Deutschland, Bundesländer und Kreise).   Die Bundesländer lassen - ausgerechnet in dieser kritischen Situation -  mit ihrer Meldezuverlässigkeit extrem nach, kein gutes Vorbild für die BürgerInnen. Das RKI meldet für Deutschland unrealistische und unzuverlässige  240 Neuinfektionen. Aufgrund der unzuverlässigen Daten besonders am Wochenende wird auf eine Detailauswertung verzichtet. Stattdessen werden PR-Ampeln aktualisiert und ergänzt: PR-Ampel-BW, PR-Ampel-Bay, PR-Ampel-BerlinPR-Ampel Deutschland, PR-Ampel-Hes, PR-Ampel-NiedS, PR-Ampel-NRW. Für Deutschland und NRW wird ein Vergleich der Prozentränge nach verschiedenen Datenbasen durchgeführt, der an den  Quartilsgrenzen keine großen Veränderungen anzeigt. Ab und zu wird man aber die Datenbasen und Prozentränge aktualisieren.

Das RKI meldet für Deutschland unrealistische und unzuverlässige  240 Neuinfektionen.

Das kann an einem Sonntag ja auch nicht anders sein. Gehen Sie doch zur JHU, die Sie ja schon lobten, da sind es  606 Neuinfektionen.

Vielleicht sind Sie mal beim Schreiben und danach Handeln konsequent, das wäre schon ein Fortschritt.

0

Wer jetzt am 02.08.2020 um 20 Uhr die Worldometer-Fallzahlen der Neuinfektionen aufruft, der erhält gerade in der Tabelle:

Now +180, Yesterday +412, 2 Days ago +1.012

Im Graph Daily New Cases in Germany fehlt noch die erste Zahl +180.

Aber das ist doch überhaupt kein Problem für eine Beurteilung, oder gar für ein grosses Bohei darum.

0

Das alles kann ja  von Ihnen gemacht werden. Andere werden Zahlen anders verarbeiten und bewerten müssen, auch aus rein wissenschaftlichen Gründen und Kenntnissen daraus.

Wer jedoch den Erfolg oder Misserfolg von Politik bewerten will bei der Verhinderung von SARS-CoV-2-Infektionen, -Erkrankungen und -Todesfällen, der muss viele Parameter berücksichtigen. Einer davon ist, wie erfolgreich konnte Politik in der ganzen noch andauernden SARS-CoV-2-Pandemie der Vergangenheit in Deutschland ab dem 1.Januar bis heute Gesamtinfektionen und Gesamttodeszahlen niedrig halten unter den gegebenen Voraussetzungen in ihrem eigenen Einflussbereich, das reicht aber noch nicht aus.

Andere Parameter sind, wie erfolgreich konnte Politik in der jüngeren SARS-CoV-2-Pandemie, also der letzten Vergangenheit ab den Montagen 29.Juni, 06.Juli, 13.Juli, 20.Juli, 27.Juli bis heute Sonntag den 02. August Infektionen und Todeszahlen niedrig halten unter den gegebenen Voraussetzungen in ihrem eigenen Einflussbereich.

Und dann genau so weiter ab Montag, den 03. August und wieder so weiter. Denn daran zeigt sich, wie lernfähig die Politik ist und auch Konsequenzen gezogen hat in einem dynamischen Geschehen, das nicht nur halbdynamisch / quasistatisch aus den Gesamtzahlen heraus beurteilt werden darf.

Und da steht Bayern im dynamischen Pozess der jüngsten Zeit nun besser als bspw. NRW da, obwohl es von der SARS-CoV-2-Pandemie als erstes Bundesland in Deutschland überhaupt getroffen wurde. Daraus wiederum lassen sich zwar keine sicheren Aussagen für die ganze Zukunft bereits herleiten, aber die Prognose ist für Bayern daher günstig, diese vorhandenen und belegten Erfolge der jüngsten Vergangenheit auch noch etwas weiter fortsetzen zu können.

In der Politik tauchen immer wieder mal solche egomanischen Typen wie Trump in den USA, Bolsonaro in Brasilien und Johnson im UK auf, wir Deutsche hatten doch selbst genug von solchen Typen, die ein ganzes Land mit sich selber in einen Abgrund reissen können.

Und dagegen müssen Demokraten sich energisch wehren, auch wenn es Mühe und Zeit kostet, und auch Irrlehren weiter widersprechen.

0

Nachgang:

Diese Pandemie-Fallzahlen sind alles teilweise stark fluktuierende (volatile) Flussgrössen, das muss beachtet werden, aber auch in der Presse können viele Redakteure damit nur recht wenig anfangen.

Wer z.B. an einem Fluss ein Laufwasserkraftwerk bauen will, der braucht für die Grösse der Anlage eine Gesamtzahl der jährlichen Wassermenge, auch die schwankt aber bereits von Jahr zu Jahr. Da eine solche Investitiion aber für ca. 50 bis 100 Jahre ausgelegt werden muss aus technischen und wirtschaftlichen Gründen, müssen auch da die schwankenden Werte für lange Zeiträume abgeschätzt werden. Im Juli oder August aber bei Niedrigwasser kann auch die beste Kraftwerksanlage nicht soviel Strom liefern wie nach starken Regenfällen, oder einer Schneeschmelze im Frühjahr und bei Hochwasser.

Reine Durchnittswerte über nur  Jahre, oder Jahreszeiten und auch für Monate sind daher nicht sachgerecht bei fluktuierenden (volatilen) Flussgrössen, es werden auch Momentanwerte gebraucht, so wie beim Strom minütlich, bei der Pandemie sind 7-Tage-Werte, so wie es die Montag-Sonntag-Summen / Durchschnitte sind für Infektionen sachgerecht, da sind Tageszahlen nebensächlich.

Etwas anders ist es bei den schwer Erkrankten und daraus resultierenden täglich drohenden Todesfällen, die einzelne Klinik-Stationen überforden können und dann überregional aufgefangen werden müssten, solange das möglich ist

Deutschland hatte daher auch französische und italienische Schwerkranke nach Deutschland eingeflogen durch Spezialflugzeuge der Bundeswehr, die als fliegende Intensivstationen in der Flugbereitschaft vorhanden sind.

0

AKK-200802  Deutschland, Bundesländer, Kreise:

Daten nach  RKI Dashboard  (Deutschland, Bundesländer und Kreise).

Unzuverlässige 509 Neuinfektionen am 02.08.2020. Ein Kreis > Obergrenze. Die Bundesländer lassen - ausgerechnet in dieser kritischen Situation -  mit ihrer Meldezuverlässigkeit extrem nach, kein gutes Vorbild für die BürgerInnen. Aufgrund der unzuverlässigen Daten am Wochenende wird auf eine Detailauswertung verzichtet. Stattdessen werden PR-Ampeln aktualisiert und ergänzt: BW, Bay, Ber, Brem, De, Ham, Hes, NiedS, NRW, Sachs, Schles, Thür, die restlichen 5 BL werden in Bälde ergänzt. Für Deutschland und NRW wird ein Vergleich der Prozentränge nach verschiedenen Datenbasen durchgeführt, der an den Quartilsgrenzen keine großen Veränderungen anzeigt. Ab und zu wird man daher die Datenbasen und Prozentränge aktualisieren.

Die verschiedenen Datenbasen haben doch alle keine grossen Unterschiede aufzuweisen, darum ist jeder Bohei deswegen völlig unsinnig. Was man mit den Daten aber anfängt, da entstehen dann die Unterschiede, da trennt sich Spreu vom Weizen.

Von einem Amt wie dem RKI, das amtliche Zahlen herausgibt, kann niemand nach einer Email an das RKI am Freitag, Samstag oder Sonntag mit dem Inhalt: "Meine Grossmutter ist heute bei mir zuhause an der Corona-Infektion gestorben und mein Grossvater hustet jetzt auch schon mit Fieber!" erwarten, dass schon am nächsten Tag das in den Fallzahlen des RKI für Infizierte und Tote gemeldet wird.

0

Für Deutschland und NRW wird ein Vergleich der Prozentränge nach verschiedenen Datenbasen durchgeführt,

Welches Konzept für weitere Massnahmen oder Lockerungen ergibt nun dieser "Vergleich" von Deutschland und NRW in beiden Einheiten, in dem Gesamtstaat als Bundesrepublik und einem, oder weiteren Bundesländern dieser BRD?

Oder haben Sie nur Spass am Sammeln von Zahlen mit anschliessenden Spielereien damit?

Cui bono?

0

Herr Sponsel kommentiert am Mo, 2020-08-03 um 09:49 Uhr:

Die Bundesländer lassen - ausgerechnet in dieser kritischen Situation -  mit ihrer Meldezuverlässigkeit extrem nach,

Werter Herr Sponsel,  "2. Welle derzeit nicht in Sicht." schrieben Sie noch am Di, 2020-07-28 um 10:54 Uhr vor 6 Tagen, und jetzt sei eine "kritischen Situation" entstanden.

Was ist denn jetzt  anders als  vor 6 Tagen?

0

Werter Herr Sponsel, falls Sie schon einmal einem nahen Angehörigen selber eigenhändig die Augen zugemacht haben nach seinem Versterben, haben Sie am nächsten Tag auch noch keine Sterbeurkunde in den Händen, das dürfen Sie sogar glauben.

0

Fallzahlen für Infektionen (vereinfacht)  I=f1(t, .... x,y,z[P]) und Tote (vereinfacht) T=f2(t,.... x,y,z[P]) sind jeweils eine Funktion der Zeit und vieler anderer Variabler, auch viele Parameter sind aber ebenfalls noch mit dabei.

Neben der reinen Grösse der Infektions- und Todeszahlen spielen daher auch die graduellen Veränderungen ([partielle] Ableitungen) erster Ordnung und zweiter Ordnung nach den Variablen wichtige Rollen, höherer Ordnungen geringe Rollen.

Falls der Herr Sponsel das nicht verstehen sollte, ein einfaches Analogon aus der Physik wäre eine geradlinige Bewegung mit der einfachen Weg-Zeit-Funktion: s=f(t), die erste Ableitung davon  ist die Funktion der Geschwindigkeit bei der geradlinigen Bewegung, die zweite Ableitung ist die Funktion der Beschleunigung bei der geradlinigen Bewegung, die dritte Ableitung ist die Funktion der Änderung der Beschleunigung bei der geradlinigen Bewegung .....

Aber in einem drei- oder sogar höher-dimensionalen Raum sind fast alle Bewegungen nicht mehr geradlinig!

Das trifft für Pandemien auf dem Globus also mit absoluter Sicherheit auch so zu.

0

Werter Herr Sponsel, unterhalten Sie weiter die Mathematiker mit Ihren Prozenträngen,  jedoch auf Ihrer eigenen Website würde das schon vollkommen ausreichen.
 

0

Wer schon der Schule aufgepasst hatte bei den einfachen Bewegungen im freien Fall a) auf der Erde a1) in der Erd-Amosphäre, a2) im Wasser, a3) im Vakuum und dann b) auf dem Mond ohne eine Atmosphäre, und auch bei einfachen Bewegungen auf reinen Kreisbahnen, der sollte sich mMn auch heute noch vor ganz primitiven Erklärungs-Mustern und ebensolchen Rechnungen hüten, sonst macht er sich zum Kasper.

0

Herr Sponsel, eine Münze fällt (sinkt) im tiefen Wasser ganz anders als in der Atmosphäre, die schlingert nämlich andauernd, und von 1000 Wiederholungen fällt keine einzige Münze so zum Grund wie schon Tausende andere vorher!

0

Nach Corona-Demo in Berlin     Fake News über Zahl der Teilnehmenden

Stand: 02.08.2020 18:23 Uhr

Die Polizei spricht von rund 20.000 Personen, die in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen protestierten. Unterstützer behaupten, es seien mehr als eine Million gewesen - und präsentieren falsche Bilder. [...]

Kampagne zur Desinformation

Die maßlose Übertreibungen dienen mutmaßlich mehreren Zwecken: Zum einen wird der Eindruck erweckt, die kruden Behauptungen der Organisatoren vom "Ende der Pandemie" würden von viel mehr Menschen geteilt und unterstützt, als dies tatsächlich der Fall ist. Außerdem werden Medien und Polizei beschuldigt, Lügen über die Demonstration zu verbreiten. Damit werden gemeinsame Feindbilder präsentiert - mutmaßlich, um die heterogene Bewegung aus Rechtsradikalen, Verschwörungsideologen, Impfgegnern, Esoterikern und auch durch die Pandemie verunsicherten Personen möglichst zu vereinen.

 https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-demo-berlin-109.html

0

Seiten

Kommentar hinzufügen