Langfristiger Strategiewechsel bei KiK?

von Prof. Dr. Markus Stoffels, veröffentlicht am 24.08.2010
Rechtsgebiete: ArbeitsrechtMindestlohnKikNiedriglohn1|2290 Aufrufe

Der in jüngerer Zeit wiederholt in die Schlagzeilen geratene Textildiscounter KiK bemüht sich offenbar um ein bessere Image und geht in die Offensive. Die Firmenleitung kündigte jetzt an, das Basisentgelt ab 1. Oktober um einen Euro auf 7,50 Euro zu erhöhen. Das Basisentgelt gelte für ganz Deutschland und werde sich in erster Linie für Aushilfskräfte in strukturschwachen Regionen positiv auswirken. Der Unternehmenschef, Stefan Heinig, spricht von einem "langfristigen Strategiewechsel". "Alle reden seit langem über einen Basislohn. Wir wollen hier - als erster Textildiscounter - ein Signal setzen." Dem rund 18.000 Mitarbeiter beschäftigende Unternehmen war im vergangenen Jahr vom Landesarbeitsgericht Hamm (siehe Blog-Beitrag vom 18.3.2009) noch bescheinigt worden, mit Stundenlöhne von 5,20 Euro die Grenze zur Sittenwidrigkeit überschritten zu haben. Die Gewerkschaft Ver.di begrüßt nunmehr die neue Lohnuntergrenze als "einen Schritt in die richtige Richtung". Ein nachhaltiger Strategiewechsel würde aber damit umgesetzt, dass KiK auch einem Arbeitgeberverband beitrete, sagte eine Sprecherin. Wer die Rechte von Arbeitnehmern stärken wolle, sichere ihnen den Schutz eines Tarifvertrages. 

Diesen Beitrag per E-Mail weiterempfehlenDruckversion

Hinweise zur bestehenden Moderationspraxis
Kommentar schreiben

1 Kommentar

Kommentare als Feed abonnieren

Die Anhebung des Stundenlohns auf 7,50 Euro ist im Falle von Kik sicherlich ein kleiner Schritt in Richtung Besserung. Allerdings auch wirklich nur ein sehr sehr kleiner Schritt in dieser Richtung, denn die Misstände gegenüber den dort beschäftigten Angestellten sind sehr groß. Nicht zu vergessen bleibt, dass Kik seine Waren zum überwiegenden Teil in Bangladesch produzieren lässt und zwar von Arbeiterinnen, die nicht einmal so viel verdienen, dass sie davon vernünftig wohnen und essen könnten, geschweige denn ihre Familie ernähren. Damit in deutschen Kik Textildiscountern, beispiesweise Hosen zu einem Billigpreis von 4 Euro oder noch weniger verkauft werden können, müssen auf der anderen Seite der Erde, die bei Kik beschäftigten Frauen einen hohen Preis zahlen. Neben unbezahlten Überstunden von anstrengender Näh-Fließbandarbeit (bis zu 60 oder 70 Hosen stündlich pro Näherin), werden diese Frauen von ihren Vorgesetzen gedemütigt und zum Teil sogar geschlagen und sexuell genötigt. Besonders traurig zu diesem grausamen Spiel ist zudem das gewisse Promis für diese Billigklamotten, welche unter niederträchtigsten Bedingungen genäht werden, auch noch Werbung machen. Kik verstößt eindeutig gegen die nach Art. 1 Abs. 1 GG geschützten Menschenwürde und zwar auch gegenüber seinen Arbeitnehmern in Deutschland. So war in einer Filiale sechs jahrelang die Heizung defekt. Dort mussten die Mitarbeiterinnen im Winter mit Handschuhe und dicker Jacke die Waren verkaufen. Wer dennoch bei Kik sich über diese unmenschliche Situation beschwert wird abgemahnt und riskiert seinen Job. Aushilfen müssen je nach Bedarf zwischen sechs Filialen hin und herspringen und von 09.00 Uhr bis 20.00 dem Geschäft zur Verfügung stehen.

Ein weiteres juristisches Desaster, welches Kik bislang versucht hat zu vertuschen ist, dass beispielsweise Billigsocken aus Billigländern mit dem Ergee-Label zu Markenware veredelt werden.

Wer sich über das wahre Arbeitsleben bei Kik informieren möchte, sollte den von mir eingefügten Link anklicken.

 

http://daserste.ndr.de/panorama/aktuell/panoramakik104.html

0

Kommentar hinzufügen