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Juristische Übersetzungen

Dangling modifiers, bananas in my pocket

von Peter Winslow, veröffentlicht am 02.08.2018

Sowohl bei Übersetzungen ins Englische als auch bei in englischer Sprache verfassten Texten wird man ab und an mit modifizierenden Satzteilen konfrontiert, deren Bezug zu anderen Satzteilen unklar oder gar grammatikalisch irreführend ist. Dieser Fehler hat im Englischen einen Namen; er heißt dangling modifier. … Während dangling modifiers theoretisch an jeder Stelle eines Satzes vorkommen können, handelt dieser Beitrag lediglich von dem sehr engen Fall des dangling modifier am Ende eines Satzes, wo er sich regelmäßig so liest, als würde er dem Satz lediglich angefügt.

Führen wir uns ein Beispiel nur einer von unzählbar vielen Erscheinungsformen des dangling modifier vor Augen: »The Cat in the Hat shall be liable for Thing One or Thing Two, however limited to 1.00 EUR«. Man sollte sich nicht durch Thing One oder Thing Two verwirren lassen; man schaue nur auf die Grammatik. Der Satzteil »however limited to 1.00 EUR« stellt einen dangling modifier dar, da in diesem sehr eingeschränkten Zusammenhang unklar ist, ob das Wort or eine nicht-ausschließende (inklusive) Disjunktion oder eine ausschließende (exklusive) Disjunktion ist – eine unklare Disjunktion ergibt sozusagen einen grammatikalischen Fehler. Bezieht sich dieser Satzteil nur auf Thing Two oder sowohl auf Thing Two als auch auf Thing One? Beide sind ohne weiteren Kontext grammatikalisch möglich.

Es besteht also bei diesem Beispiel ein unklarer, grammatikalischer Bezug, der eine Zweideutigkeit mit auslegungstechnischen Folgen mit sich bringt. Sollte sich der Satzteil however limited to 1.00 EUR sowohl auf Thing Two als auch auf Thing One beziehen, so wird die von der Cat in the Hat zu übernehmende Haftung auf insgesamt 1.00 EUR beschränkt (= gut für die Cat in the Hat). Sollte sich dieser Satzteil jedoch nur auf Thing Two beziehen, so wird die von der Cat in the Hat zu übernehmende Haftung lediglich für Thing Two auf 1.00 EUR beschränkt, während die von der Cat in the Hat zu übernehmende Haftung für Thing One höher als 1.00 EUR ausfallen könnte (= schlecht für die Cat in the Hat). …

Trotz der nicht immer vorhersehbaren Probleme, die diese modifiers herbeiführen können, ist diese Art von Fehler in einer Hinsicht sehr schön. Denn man kann gegen sie vorgehen, indem man einen als dangling modifier verdächtigten Satzteil – weil er allem Anschein nach dem Satz nur angefügt wurde – durch die Phrase »bananas in my pocket« oder jede weitere Phrase ersetzt, die einen zum Schmunzeln bringt: »The Cat in the Hat shall be liable for Thing One or Thing Two, bananas in my pocket«.Der Witz besteht darin, dass dieser Ersatz den Bezugsmangel zwischen den Satzteilen »The Cat in the Hat shall be liable for Thing One or Thing Two« und »bananas in my pocket« veranschaulicht und die grammatikalische und logische Struktur der weiteren Bestandteile (Disjunktion etwa) klar vor Augen geführt wird.

Diese Veranschaulichung und Führung helfen – zumindest helfen sie mir – den gebotenen Abstand zu nehmen, der eine objektive Analyse ermöglicht. Sie rütteln einen gleichsam aus der Lektüre; anstatt weiterzulesen, zieht man die für den Sinn des Satzes relevanten Sachverhalte noch einmal in Betracht. Zum Beispiel: Bei einer Übersetzung wird man veranlasst, den Ausgangs- und den Zieltext noch einmal zu prüfen und den letzteren bei Bedarf zu korrigieren bzw. mit einer Anmerkung des Übersetzers/der Übersetzerin zu versehen, oder bei einem in englischer Sprache verfassten Text, den Satz eindeutig umzuformulieren. … Oder aber: Für den Fall, dass man den Text auslegen muss und ihn selbst weder übersetzt noch verfasst, so hat man zumindest eine Analyse, die etwa im Rahmen eines Schriftsatzes bzw. einer Stellungnahme ausgeführt werden könnte.

Mit anderen Worten: Durch diesen Ersatz, diese Veranschaulichung und diese Führung gewinnt man ein Bild, anhand dessen etwaige unklare Bestandteile festgestellt werden, sodass man für sich und andere erklären kann, welche Bestandteile unklar sind und wie.

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Mit anderen Worten: Durch diesen Ersatz, diese Veranschaulichung und diese Führung gewinnt man ein Bild, anhand dessen etwaige unklare Bestandteile festgestellt werden, sodass man für sich und andere erklären kann, welche Bestandteile unklar sind und wie.

Aber welche Konsequenzen hat das jetzt für die juristische Übersetzung?

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