Nach Mollath und Peggy ein weiteres Fehlurteil? - Der Doppelmord in Babenhausen

von Prof. Dr. Bernd von Heintschel-Heinegg, veröffentlicht am 12.04.2014
Rechtsgebiete: StrafrechtStrafverfahrensrecht3535|211414 Aufrufe

Die Strafjustiz ist in jüngster Zeit nicht nur, aber vorallem durch den Fall Mollath und durch das in dieser Woche begonnene Wiederaufnahmeverfahren im Fall Peggy stark ins Gerede gekommen. Und schon gerät ein weiterer Fall wegen eines möglicherweise falschen Indizienurteils in den Fokus der Öffentlichkeit .

Für einen eiskalten Doppelmord an seinen auch nachts herumschreienden Nachbarn wurde Andreas D. vom Landgericht Darmstadt im Juli 2011 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Verurteilte leugnet die Tat, seine Frau kämpft gemeinsam mit ihm Aufopferung voll um die Wiederaufnahme.

Zwischenzeitlich greifen die Medien auch diesen Fall auf. Es zeigen sich erhebliche Ungereimtheiten, die hoffentlich bald aufgeklärt werden können.

Das ZDF berichtete in der Serie 37 Grad:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2119408/Mein-Mann-ist-kein-Moerder?bc=sts;stt&flash=off

Zur Homepage der Ehefrau mit dem Urteil zum Download: 

http://www.doppelmord-babenhausen.de/Urteil.htm

Medienberichte:

www.google.com/search?q=Doppelmord+in+Babenhausen

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3535 Kommentare

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Rüdiger, Urteilsschelte ist sowieso passè, eine VB muss noch eingereicht und begründet werden. Bei Strate finden Sie ja schon welche aus seiner Feder.

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Die hier im Einzelnen aufgeführten Falschwiedergaben im Beschluss des LG Kassel sowie in der vorausgehenden Stellungnahme der STA Kassel haben mit einer „Urteilsschelte“ nicht das Geringste zu tun. Das Urteil des Darmstädter Schwurgerichts bleibt insoweit rein und makellos.

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Ist mir noch neu, dass Rüdiger und emil in der HV alles unstrittig protokolliert hatten, was dort gesagt, vorgeführt und in Augenschein genommen wurde. Das Protokoll / Tonaufnahme / Videoaufnahme der HV kenne ich jedenfalls noch nicht.

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Richtig, die gesammelten Falschwiedergaben der StA sowie des LG Kassel zum Uretel aus Darmstadt sollten - auch für ältere Leser - besser nochmals zusammengestellt werden.
 

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Es zählt aber nur das, was in der VB steht, und nicht das, was z.B. die "Bäckerblume" schreibt.

Strate nimmt meiner Erfahrung nach nichts an, da ist er unbestechlich .....

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Wenn Sie auch von einer "Falschwiedergabe" schreiben bezüglich von Ladestörungen, mit denen sich das Gericht nicht auseinandergesetzt hätte, dann müssten Sie ja auch mehr darüber wissen. Das diesbezügliche Rüdiger L. Zitat war:

Hat sie, die südhessische Kammer, nicht. Problematisiert wurde insoweit nur, dass bei den vorausgehenden polizeilichen Beschusstests die PET-Flasche laut Pfoser „dilettantisch“ befestigt gewesen sei (UA S. 121). Von „Ladestörungen“ war dort indes keine Rede.  

 Ist doch logisch.

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Korrekt, nicht als Scan veröffentlicht.

Zu den "Ladestörungen" noch eine Anmerkung: Offenbar hat sich bei einigen "Urteils- / Justizkritikern" inzwischen die Überzeugung verselbständigt, solche hätte es unzweifelhaft geben müssen und damit hätte sich das Schwurgericht auch auseinandersetzen müssen. Strate suggeriert das ja sehr geschickt, aber dem ist ja nicht so.

Hätte Strate jetzt suggeriert, A. D. hätte zu der Tatzeit zwei gebrochene Beine oder gelähmte Hände gehabt, wäre ähnlich kein Versäumnis daraus zu konstruieren, das zu einer Wiederaufnahme führen muss.

Er wird es erneut beim BVerfG aber wieder so versuchen nach meiner Einschätzung.

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Strate ist ein guter Taktiker, die Darstellungen des OLG Frankfurt  wird er nicht lange ohne seine eigenen Erwiderungen auf seiner Website stehen lassen wollen, denn diese würden seine eigenen Suggestionen ja abschwächen können.

Wird aber kaum etwas beim BVerfG bewirken, aber das weiss Strate auch selber. Es ist wie ein Pokerspiel mit schlechten Karten in der Hand, da muss der Spieler passen oder bluffen, das Letzte kann Strate gut.

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Wenn Sie auch von einer "Falschwiedergabe" schreiben bezüglich von Ladestörungen

Auch die Ausführungen des Landgerichts Kassel auf Seite 76 seines Beschlusses, die erkennende Kammer habe sich in seinem Urteil (UA S. 118 ff) „auch mit den Ergebnissen  des Sachverständigen Pfoser, wonach in seinen Beschusstests (…) eine schnelle Schussfolge ohne Ladestörungen möglich gewesen sei, ausführlich auseinandergesetzt“, bleiben eine Hessische Märchengeschichte.

Selbst das OLG Frankfurt/M hat – unter Berücksichtigung der nunmehr bemühten  „Spiegelbildtheorie“ - in seinem Beschluss vom 25. Mai 2020 ausgeführt (Seite 13):

„Anders ist es, soweit das Vorhandensein von Ladestörungen behauptet wird. Insoweit hat die Kammer aufgrund der Angaben des Sachverständigen Pfoser und aufgrund eigener Inaugenscheinnahme einer Schussserie festgestellt, dass es unproblematisch möglich sei, zehn Schuss nacheinander abzugeben, wenn eine als Schalldämpfer eingesetzte und mit Bauschaum gefüllten PET-Flasche benutzt wird. Damit ist zwar zugleich festgestellt, dass es nicht zu Ladestörungen gekommen ist, auch wenn der Schussversuch lediglich vor dem Hintergrund der Frage erfolgte, ob der (Seite 14) Schalldämpfer sich nicht möglicherweise bei einer Schussabgabe löse. Allerdings hat die Kammer in diesem Zusammenhang nicht ausdrücklich erwogen, ob es bei Nutzung des selbstgebauten Schalldämpfers zum Einsog von Bauschaum kommen kann mit der Folge, dass das Auswurffenster bzw. das Patronenlager verstopft und keine neue Patrone ins Lager eingeführt werden kann. Diese zusätzliche Tatsache kann daher als neu angesehen werden.“

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Auch das OLG Frankfurt hat nicht genau berücksichtigt, dass es nur eine Frage der Bauausführung ist, ob es zu solchen Störungen kommen kann, die von Strate als unabwendbar suggeriert wurden.

Das könnte aber jederzeit so bewiesen werden, dass 10 Schüsse abzugeben und das festgestellte Spurenbild kompatibel sind.

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Die Strate-Fans, der Verein e.v. und alle anderen "Justizkritiker" werden sich ihre Strohhalme und Legenden ja nicht mehr nehmen lassen. So ist das reale Leben.

Ein jüdisches Sprichwort: "Die halbe Wahrheit ist die gefährlichste Lüge! Dagegen ist die ganze Wahrheit meistens die schlimmste Brutalität!"

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Strate verknüpft den OLG-Beschluss mit seiner Erwiderung und seinen bekannten Suggestionen, das war ja inzwischen zu erwarten. Worauf Strate aber eine VB gründen will (rechtliche Gehörsverletzung ?), das bleibt weiter schleierhaft.

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 Die unmögliche Tatsache:

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
»Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil», so schließt er messerscharf,
»nicht sein kann, was nicht sein darf.»

Strate und Co. dürfen sich alle selber mal im Spiegel Christian Morgensterns betrachten.

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Rüdiger L. und emil, gehen Sie auch mal zu allmystery in dieser Sache, den Kommentar dort mit Datum von heute am 07.06.2020 um 17:57 finde ich persönlich sehr überzeugend, den Kommentar habe ich aber nicht geschrieben, nur zur Klarstellung.

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In Strates Erklärung wird wieder mit keinem Wort erwähnt, dass Cachées 10mm Bohrung im Flaschenboden und ein 10mm Rohr zur Herausholung von ausgehärtetem Bauschaum keine zwingenden Präparationen für einen SD sind, an die auch Pfoser, oder ein anderer SV gebunden wären. Von den anderen Präparationen, die die Schweizer Website sogar empfahl, ganz zu schweigen!

Strate operiert hier kolossal unseriös, so kann es doch nicht gehen, oder mit anderen Worten:

Das geht nicht an!

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Nunmehr wird das WAV abweichend vom WAG und der StA gewürdigt, das immerhin neue Beweismittel bzw. Tatsachen vorgebracht werden, diesen aber die Eignung fehle, eine andere Entscheidung zu begründen.

Hier "zerschießt" das OLG etwas die glatte Vorlage für eine erfolgreiche Beschwerde beim BVerfG. Man wird sich nun pointiert damit auseinander setzen müssen, inwiefern die Entscheidung mit der von Verfassungs wegen gebotenen Effektivität des Rechtsbehelfs noch vertretbar ist.

Die Entscheidungsgründe ermangeln ja, wie in der jetzigen Stellungnahme der Verteidigung hierzu bereits angemerkt, einer gewissen Logik, da einerseits ausgeführt wird, für die Feststellungen in den Urteilsgründen zum Verteilungsmuster von Bauschaumpartikeln am Tatort, bedürfe es einer Schussserie zum Beweis, die auf der DVD definitiv nicht enthalten sei, dem Wiederaufnahmevorbringen käme aber hier keine Novität zu, da die Strafkammer die Erkenntnisse zum Beweisthema auch irgendwie anders erlangt haben könnte, ohne hierfür Anhaltspunkte aus den Urteilsgründen oder Protokoll der Hauptverhandlung benennen zu können.

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Die Entscheidungsgründe ermangeln ja, wie in der jetzigen Stellungnahme der Verteidigung hierzu bereits angemerkt, einer gewissen Logik

"Entscheidungsgründe" = Schalke 05, "Gründe" bei einem Beschluss = Schalke 04

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emil, haben Sie eine Ausbildung in einfachster Polemik (ohne ein Sachargument mit Bezug zum Thema zu bringen) gemacht?
 

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Die Entscheidungsgründe ermangeln ja, wie in der jetzigen Stellungnahme der Verteidigung hierzu bereits angemerkt, einer gewissen Logik, da einerseits ausgeführt wird, für die Feststellungen in den Urteilsgründen zum Verteilungsmuster von Bauschaumpartikeln am Tatort, bedürfe es einer Schussserie zum Beweis, die auf der DVD definitiv nicht enthalten sei

Eine solche „Schussserie“, so das Oberlandesgericht Frankfurt/Main, sei auf der von der Wiederaufnahmeverteidigung vorgelegten  BKA/STA-Da-DVD nicht enthalten.

„Um eine Aussage über die Menge von herausgerissenem Bauschaum bei steigender Schusszahl abgeben zu können, bedarf es der Durchführung einer Schussserie.“ (Beschluss OLG Frankfurt/Main v. 25. Mai 2020, S. 11)

Soweit es die vom Landgericht Kassel unmittelbar „weggedrückten“ Ladestörungen  im Wiederaufnahmevorbringen angeht, wird indes ausgeführt (OLG Frankfurt/M, S. 13):

„Anders ist es, soweit das Vorhandensein von Ladestörungen behauptet wird. Insoweit hat die Kammer aufgrund der Angaben des Sachverständigen Pfoser und aufgrund eigener Inaugenscheinnahme einer Schussserie festgestellt, dass…“

Schöne Woche

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Ach lieber Mann oder Frau, überlassen Sie das mal anderen, denn auch in der Wiederaufnahme ist doch nach Lage der Dinge noch lange kein Freispruch in Sicht mit dann auch neu gemischten Karten, sprich auch neuen Gutachten der Staatsanwälte.

Schöne Woche noch einmal, emil mit dem Lotto

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Und wenn ich schon das wieder höre: "Ohne die Silencer-Trias hätte Andreas Darsow nicht verurteilt werden können."

Da fängt der gute Mann / die gute Frau zum gefühlten 137. mal mit dieser uralten Kamelle wieder an, was aber für eine VB ja keine Rolle jetzt spielt.

Ohne die Kette hätte die Jette auch nicht Fahrradfahren können, aber zu Fuss wäre sie ja auch noch ans Ziel 3 Strassen weiter gekommen. Polemik können jedenfalls andere auch schon lange.

Auch Lottoscheine müssen rechtzeitig abgegeben werden mit den richtigen Zahlen, um zu gewinnen.

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Es kann doch mMn kein Wiederaufnahmegrund durch gegeben sein, dass in einer neuen HV  ein anderes Landgericht in Hessen auch mal in dubio pro reo auf einen Freispruch entscheiden könnte, ohne dass wirklich neue Beweise oder Tatsachen erbracht wurden, die in der ersten HV für einen Freispruch schon erheblich gewesen wären.

Das wäre das Hessenlotto.

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Ich hatte das bereis vorausgesehen:
https://community.beck.de/2014/04/12/nach-mollath-und-peggy-ein-weiteres-fehlurteil-der-doppelmord-in-babenhausen?page=17#comment-83001

Das ist lustig: Das OLG hat Strate mit seinen eigenen Mitteln geschlagen, er markert das sogar an, merkt es aber nicht!

Zwar ist das OLG nun der Meinung, es könnte sich bei den BKA-Videos zumindest teilweise um neue Beweismittel handeln, sie seien jedoch ungeeignet, weil:

"Bei diesem Inhalt der Videoclips kann die Inaugenscheinnahme keinen Aufschluss darüber geben, ob die im Urteil getroffene Aussage zutrifft, dass sich die Menge an freigesetztem Bauschaum verringert, weil aufgrund der Anzahl der abgegebenen Schüsse ein immer größer werdender Schusskanal entsteht, wenn aus einer Waffe mit einer mit Bauschaum gefüllten Plastikflasche als Schalldämpfer zehn Schuss hintereinander abgegeben werden. Um eine Aussage über die Menge von herausgerissenem Bauschaum bei steigender Schusszahl abgeben zu können, bedarf es der Durchführung einer Schussserie. Die Abgabe jeweils eines Schusses aus verschiedenen Flaschen reicht nicht aus..." (Beschluss OLG S. 11)

Strate hatte behauptet:
"Die Augenscheinseinnahme [sic!] der zehn Videoclips des BKA falsifiziert also die Behauptung der erkennenden Strafkammer, das von ihr angenommene „Verteilungsmuster der bei Schussabgabe hinaus geschleuderten Bauschaumteilchen“ (UA S.119), nämlich „… des Phänomens, dass mit der steigenden Anzahl der Schüsse durch die mit Bauschaum ausgefüllte PET-Flasche grundsätzlich weniger Partikel hinausgeschleudert werden“ (UA S.119) – habe sich ihr „durch Augenschein von den Videosequenzen der sogenannten ‚High-Speed‘Kamera“ als „eindrucksvolles Bild“ offenbart."

Dies war eine Falschdarstellung von Strate:

Das "Verteilungsmuster" im Urteil bezieht sich auf:
"Bei diesen Schusstests sei die Partikelverteilung am Boden ca. in 1,90 m Länge und 80 cm Breite erfolgt, so dass diese Verteilung sehr ähnlich gewesen sei, wie man diese am Tatort vorgefunden habe." (UA S. 118)
Es bezieht sich NICHT auf die Tatsache, "dass mit der steigenden Anzahl der Schüsse durch die mit Bauschaum ausgefüllte PET-Flasche grundsätzlich weniger Partikel hinausgeschleudert werden“ (UA S.119), wie Strate behauptet.
Das können die Videoaufnahmen gar nicht hergeben, so schreibt auch das OLG, wird aber im Urteil auch gar nicht behauptet!
Darum sind die BKA-Videos vielleicht z.T. neu, jedoch völlig ungeeignet zu behaupten (wie im WA geschehen, nicht aber im Urteil), "ihre Augenscheinseinnahme... falsifiziere also die Behauptung der erkennenden Strafkammer..., dass mit der steigenden Anzahl der Schüsse durch die mit Bauschaum ausgefüllte PET-Flasche grundsätzlich weniger Partikel hinausgeschleudert werden“.

Klassisches Eigentor von Strate.

Wenn er nun also jammert:
"Nur: Wo sind denn jetzt die vom Landgericht Darmstadt in Augenschein genommenen Videosequenzen? Der Senat des Oberlandesgerichts wollte das nicht weiter aufklären."
kann man nur sagen: Das ist ja auch völlig egal!!

Im Grunde sieht er es ja selbst ein:
"Also: Die These von der bei steigender Zahl der Schüsse grundsätzlich sinkenden Zahl der aus dem Schalldämpfer austretenden Bauschaumflocken stützt sich nicht mehr [sic!] auf die (verschwundenen?) Videosequenzen, die die Strafkammer in Augenschein genommen haben will, sondern nur noch allein auf die schlichte Auskunft des Sachverständigen und die angeblich auf ihn zurückgehende Behauptung eines Schusskanals! So der 1. Senat des Oberlandesgericht Frankfurts in eigener Gestaltung der Beweiswürdigung."

So ist es, nur das Wort "(nicht) mehr" ist falsch. Die Überzeugung der Kammer stützte sich diesbezüglich NIE auf die Videos, sondern immer (nur) auf die Aussage des Sachverständigen.

Den Satz des OLG
"In einem solchen Fall, dass das erkennende Gericht mit der Feststellung einer Tatsache denknotwendig deren Gegenteil als nicht vorliegend bedacht hat, ist mit der *BEHAUPTUNG* DES GEGENTEILS einer festgestellten Tatsache im Wiederaufnahmeverfahren NICHT EINE NEUE TATSACHE BEIGEBRACHT." (Beschluss OLG S. 13)
hat Strate offenbar noch nicht einmal verstanden.
Da hilft auch nicht das Zitat des OLG Frankfurt v. 1978, denn die BEHAUPTUNG einer Tatsache ist eben keine (neue) Tatsache, wenn sie als Denkmöglichkeit erwogen und abgelehnt wurde, wie hier geschehen.

Das bildungsbürgerliche Morgenstern-Zitat fällt also leider Strate selbst vor die Füße.

Zu den entscheidenden Ausführungen, warum das Cachée-Gutachten keine neuen Tatsachen enthält, nimmt Strate bisher wohlweislich nicht Stellung (außer: "augenscheinlich "!!!!!).

"Der Sachverständige Cachée hat damit lediglich festgestelt, dass BEI DEM VON *IHM*
GEWÄHLTEN VERSUCHSAUFBAU die genannten Ergebnisse auftreten, nämlich bei Herstellung des Schalldämpfers auf die beschriebene Weise, unter Nutzung bestimmter, wenn auch verschiedener Flaschen. ALLEMEINGÜLTIGE FESTSTELLUNGEN zur Menge des Auswurfs von Plastik oder Bauschaum, die die Ausführungen des Sachverständigen Pfoser erschüttern könnten, ERGEBEN SICH aus den durchgeführten Tests NICHT." (Beschluss OLG S. 17)

An den Beispielen Bodenlochgröße und Art der verwendeten Flasche (Größe, Dicke des Plastiks) zeigt das OLG sehr gut, daß der SV Pfoser wohl näher an den Tatsachen lag als Cachée, kommt jedenfalls zum zutreffenden Ergebnis:
"Gegenteiliges lässt sich zumindest dem Gutachten des Sachverständigen Cachée nicht entnehmen." (Beschluss OLG S. 17)

Und genau dessen (dem Beweis des Gegenteils) hätte es für eine Wiederaufnahme bedurft, da ändern auch verfälschende propagandistische Behauptungen ("Zugleich betont der Senat aber, dass der von der Verteidigung beauftragte Sachverständige Cachée es richtig gemacht habe") nichts.

Über dem Winkelsdorf-"Gutachten" liegt auch bei Strate der Mantel des Schweigens.

Das Spiel ist aus.
Weitere Ressourcen der Justiz zu bemühen, wäre ein weiterer Mißbrauch unseres Rechtsstaats zur zweifelhaften Befriedigung des scheinbar "staranwaltlichen" Egos.

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Mit der Annahme, Strates Gutachter hätten wie richtige Wissenschaftler systematisch die diversen Varianten der Website auch noch mit vielen Serien durchgetestet und nirgends eine Serie von 10 Schüssen realisiert, ohne immer PET-Splitter und grosse Flocken beim Bauschaumauswurf zu erzeugen, der auch zu Ladestörungen Anlass gegeben hätte und auch noch Spuren an den Tatorten hinterlassen haben müsste, die dann auffallen müssten bei der Spurensicherung, dann allerdings könnte es zur Erhaltung der Effektivität des Rechtsmittels m. E. zu einer Wiederaufnahme kommen. Wenn dann allerdings die StA in einem Gutachten zeigen kann, doch - das geht wirklich, eine Schussserie ohne Strates Suggestionen zu generieren, dann ist auch in einer neuen HV eine volle Bestätigung der Verurteilung zu erwarten.

Da ich auch bei der "Konkurrenz" von allmystery gerade mitgelesen habe, Rüdiger brachte Elektophorese bei einer Schmauchspurenanalyse in die Debatte dort ein, die Frage dabei wäre, reichen die gesicherten Schmauchspuren für die Elektrophorese polarer organischer Rückstände im Schmauch aus, auch das Element Kalium wird ja m.W. anders nachgewiesen.

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Es wird seinen Grund gehabt haben, dies eben NICHT wissenschaftlich sytematisch durchzutesten. Wichtige Hinweise in der Bauanleitung (z.B. Verstärkung der Flasche durch Umwicklung etc.) wurden ohnehin nicht versucht und - das hat das OLG durchschaut - eher dünne/weiche Flaschen gewählt. Allmy lese ich auch mit, im Vorschlag von Rüdiger sehe ich keinerlei Substanz, die einen 2. WA-Antrag erfolgreich erscheinen ließe.

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Es gibt ja viele Hinweise und Artikel im Internet zu Schmauchuntersuchungen (Schmauchspuren). Diese 4 bringe ich mal hier noch:

3 PDF:

Sensitive Untersuchung von Schmauchspuren ... - LaborpraxisSpuren im SchmauchPrüfvorschrift Untersuchung von Schmauchrückständen bei ...

1 Link zum BKA:

https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Ermittlungsunterstuetzung/Kriminaltechnik/SchusswaffenUndFormspuren/Schmauchspuren/schmauchspuren_node.html

Dort im Text des BKA wird ja schon einiges erklärt, auch zur Rasterelektronenmikroskopie mit Röntgenmikroanalyse (REM/EDX).

Rüdiger wird sein Wissen vermutlich auch irgendwoher haben, aber die Elektrophorese wird für polare organische Rückstände in Flüssigkeiten eingesetzt, die sich in einem elektrischen Feld trennen lassen. Mit Anfärbungen wird auch am Tatort die Schmauch-Verteilung sichtbar gemacht. Für Analysen jedoch werden auch  noch Gaschromatographie und Massenspektrometer eingesetzt, alles was heute die Labortechnik so hergibt.

Da müssen private SV und Labore mMn schon sehr gut mit Technik bestückt sein, wenn sie da mithalten wollen.

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Weitere Ressourcen der Justiz zu bemühen, wäre ein weiterer Mißbrauch unseres Rechtsstaats zur zweifelhaften Befriedigung des scheinbar "staranwaltlichen" Egos.

Und erwecken immer weiter aufglimmende Hoffnungen bei der restlichen Familie, die dann wieder enttäuscht werden würden.

Das sollte sich Strate nun auch einmal fragen, spätestens aber dann, wenn er die negative Antwort vom BVerfG auf eine VB erhalten hat. Der Fahrplan aber ist höchstwahrscheinlich schon erstellt, die VB wird daher kommen.

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Ich weiß nicht, was psychologisch "besser" ist, auch für die Kinder (vorausgesetzt, Anja Darsow kennt die Wahrheit bzgl. der Täterschaft Ihres Mannes nicht, dessen ich mir gar nicht sicher bin): Eine "falsche" Hoffnung, die enttäuscht werden wird, gar in der Meinung endet, die Justiz versage, oder ein "Schnitt" mit Bewältigung der furchtbaren Wahrheit. Ich fürchte, Strate ist das ohnehin egal, seine Interessen sind andere, die allerdings ebenso enttäuscht werden.

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Noch eins, @Logiker: Die Kampagne der "Justizkritiker" rund um den Verein e.V. und Freunde, die immer gleich "Harry Wörz", "Donald Stellwag" und "Horst Arnold" und einige andere Namen jedem entgegenhalten, der das Urteil nicht als einen unfassbaren Justizirrtum einschätzt, die ist sowieso nicht mehr aufzuhalten, die ist auch ein Selbstläufer geworden.

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Ich vermute, daß das für Strate nach dem medial erfolgreichen Fall Mollath ein bestimmender Faktor war, also die Hoffnung, dies durch eine bereits bestehende Unterstützerbasis wiederholen zu können. Die "Qualität" dieser Basis scheint auch seinen neuerlichen Verschwörungsideen zu entsprechen.

https://uebermedien.de/49330/cicero-duengt-verschwoerungstheorie-ueber-bill-gates-und-den-spiegel/

Tragisch, wie sich jemand mit 70 Jahren sein über viele Jahre erworbenes Renommee inzwischen fast systematisch selbst zerstört.

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Es ist schwer auch für mich rein rational zu verstehen, was da Strate geritten hatte, sollten jedoch Fragmente für ein Manuskript schon in einer anderen Schublade in Strates Schreibtisch liegen: "Der Fall Darsow: Vom Versagen der Justiz, Teil 2", dann könnte das auch als eine reine Theorie erscheinen, die ich aber nicht als eine Wahrheit behaupte.

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Ebenso kommt doch auch immer wieder, in Babenhausen wollten die Ermittler keinen zweiten unaufgeklärten Mord mehr hinnehmen, A.D. kam da gerade noch wie gerufen für die Ermittler, die StA und auch für das Schwurgericht.  Damit keine Argumente gebracht, aber Stimmungsmache soll helfen, die als "Öffentlichkeitsarbeit" verkauft wird und steuerlich noch begünstigt ist.

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Und wie so oft, wo schon Öffentlichkeit für eine Thematik vorhanden ist, werden irrlichternde Zeitgenossen angezogen, die ihre privaten Theorien, kommerzielle Webseiten, oder Bücher und Dienstleistungen ebenfalls in eine breitere Öffentlichkeit damit bringen wollen als ihre Marketing-Methode. Klappt halt nicht immer, das kostenlose Trittbrettfahren bis zur Endstation ......

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Das OLG Frankfurt/Main hält einen weitergehenden „Aufklärungsversuch“ zu der Frage, ob es sich bei den von der Wiederaufnahmeverteidigung vorgelegten, ihr von der StA am 15.12.2015 übermittelten DVD mit 10 BKA-Videoclips „um diejenigen handelte, die das erkennende Gericht in Augenschein genommen hat“ (Beschluss OLG, S. 10), für nicht erforderlich. Denn selbst wenn man – über die jedenfalls eine neue „Videosequenz“ (Beschluss OLG, S. 9) hinaus – von einer Nova der „DVD insgesamt als neues Beweismittel“ ausginge, „wäre diese nicht geeignet (…), die Freisprechung des Verurteilten zu begründen“ (Beschluss OLG, S. 10; ebenso: S. 7).

„Um eine Aussage über die Menge von herausgerissenem Bauschaum bei steigender Schusszahl abgeben zu können“, bedürfe es „der Durchführung einer Schussserie“ (Beschluss OLG, S. 11). Eine solche Schussserie sei auf der BKA-DVD jedoch – wie die Wiederaufnahmeverteidigung selbst vortrage – nicht enthalten. Vor diesem Hintergrund stelle der Vortrag der Wiederaufnahmeverteidigung (Begründung der sofortigen Beschwerde vom 12.09.2019, S. 4: „Die Augenscheinseinnahme der zehn Videoclips des BKA falsifiziert also die Behauptung der erkennenden Strafkammer, das von ihr angenommene „Verteilungsmuster der bei Schussabgabe hinaus geschleuderten Bauschaumteilchen“ (UA S. 119), nämlich „… des Phänomens, dass mit der steigenden Anzahl der Schüsse durch die mit Bauschaum ausgefüllte PET-Flasche grundsätzlich weniger Partikel hinausgeschleudert werden“ (UA S. 119) –  habe sich ihr „durch Augenschein von den Videosequenzen der sogenannten ‚High-Speed‘-Kamera“ als „eindrucksvolles Bild“ offenbart.“) eine nicht belegte, „bloße Vermutung“ dar.

Im Übrigen sei der Beleg für die Annahme des Tatgerichts, „mit steigender Anzahl der Schüsse sinke die Menge an Bauschaum, auf die Angaben des Sachverständigen [Pfoser] insgesamt“, also „auch“ auf „nicht gefilmte Schussabgaben“ zurückzuführen. Die von der Wiederaufnahmeverteidigung nunmehr vorgelegten BKA-Videoclips seien für eine Entkräftung der vom Tatgericht insoweit getroffenen Feststellungen nicht geeignet, da Pfoser seine Erkenntnis „auch“ „aufgrund der Durchführung nicht gefilmter Schussabgaben gewonnen haben“ könne (Beschluss OLG, S. 12). Mithin verfehlt:

Die Überzeugung der Kammer stützte sich diesbezüglich NIE auf die Videos, sondern immer (nur) auf die Aussage des Sachverständigen.

Ebenso unzutreffend:

Das "Verteilungsmuster" im Urteil bezieht sich auf:
"Bei diesen Schusstests sei die Partikelverteilung am Boden ca. in 1,90 m Länge und 80 cm Breite erfolgt, so dass diese Verteilung sehr ähnlich gewesen sei, wie man diese am Tatort vorgefunden habe." (UA S. 118)

Zutreffende, vollständige Urteilswiedergabe (UA S. 118, 119), OLG Beschluss, S. 8, 9:

„Bei diesen Schusstests sei die Partikelverteilung am Boden ca. in 1,90 m Länge und (…) Mit der steigenden Anzahl der Schüsse seien grundsätzlich weniger Partikel bei den Schussabgaben entstanden, wobei hier keine einheitliche Verringerung erfolgt sei (…). Aus diesen Ausführungen des Sachverständigen schließt die Kammer (…), dass die Ergebnisse der Beschusstests des Sachverständigen Pfoser sich mit dem Verteilungsmuster von Bauschaum am Tatort in Einklang bringen lasse einschließlich des Phänomens, dass mit der steigenden Anzahl der Schüsse durch die mit Bauschaum ausgefüllte PET-Flasche grundsätzlich weniger Partikel hinausgeschleudert würden (UA, S. 119).“

Während das OLG den nunmehr von der Wiederaufnahmeverteidigung vorgelegten BKA-Videoclips mangels Schussserienqualität deren Eignung abspricht ( s.o.), führt es, wie hier bereits an anderer Stelle angesprochen wurde, auf S. 13 (bezüglich des Vorhandenseins „von Ladestörungen“) hingegen aus: „Insoweit hat die Kammer aufgrund der Angaben des Sachverständigen Pfoser und aufgrund eigener Inaugenscheinnahme einer Schussserie festgestellt (…)“.

Ein für nicht notwendig befundener „weiterer Aufklärungsversuch zu der Frage, ob es sich bei den nunmehr mit Wiederaufnahmeantrag vorgelegten Videos um diejenigen handelte, die das erkennende Gericht in Augenschein genommen hat“ (OLG Beschluss, S. 10), erschließt sich nicht. Dies zumal es sich bei der vom erkennenden Gericht laut OLG in Augenschein genommenen „Schussserie“ dann doch aber gerade nicht um die der Wiederaufnahmeverteidigung Ende 2015 überlassenen DVD mit den 10 BKA-Videosequenzen handeln kann.

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Steht doch alles im Urteil: Die Kammer hatte sich auf beides gestützt, eine Aussage des SV Pfoser und auf  Videosequenzen!

Aber das waren nicht ganz genau die, die jetzt noch an einzelnen Sequenzen vorhanden und vom BKA übermittelt wurden.

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Alle Verteidiger des Angeklagten A. D. und auch der Angeklagte selber hätten ja ausgiebige Fragen zu den Ausführungen des SV Pfoser und zu den im Gericht vorgeführten Videosequenzen aus dem BKA stellen können, oder auch noch weitere Beweisanträge dazu stellen können. Nichts dergleichen ist aber doch geschehen. Aber im TV lamentierte Verteidiger Christoph Lang später, man habe nur die Versuche der Polizei am Tatort gesehen, als die Flasche fortgeflogen ist. Ein Kasperletheater der Verteidigung war das.

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Bis ins allerkleinste Detail

Darmstadt/Babenhausen ‐ Es ging ins Detail. Und zwar bis ins allerkleinste.  Von Veronika Szeherova

Am vierten Tag des Doppelmordprozesses kamen gestern im Darmstädter Landgericht neben den Beamten vom Erkennungsdienst auch Sachverständige verschiedener Bereiche zu Wort – vom Molekularbiologen und Chemiker bis hin zum Physiker und Schusswaffenexperten.

Sie waren alle beteiligt an der Aufklärung des Mordfalls am Ehepaar Toll, und präsentierten dem Gericht die Ergebnisse ihrer Arbeit. Arbeit, die vor allem eines erfordert: Geduld.

Quelle: Offenbach Post

Also war der SV für Schusswaffen nicht nur in der Cafeteria, oder auf dem Klo im LG, sondern selber im Gerichtssaal, wurde bestimmt belehrt, machte seine Aussage (Ausführungen) und wurde später wieder entlassen. Wenn davon keiner der Verteidiger etwas mitbekommen hatte, dann liegt das Problem doch nicht beim SV oder dem Gericht.

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Frage an die versammelten "Justiz- und Urteilskritiker": Wenn es im BKA überhaupt keine Videosequenzen mehr gegeben hätte, meinen Sie wirklich, dann hätte

a) A.D. sofort freigesprochen

b) aus der Haft entlassen

c) für die Haft entschädigt werden müssen?

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