Kammergericht (Pressemeldung): Zwangseinweisung eines 11jährigen Kindes zur Therapie seiner Geschlechtsorientierung? (Update 19.04.)

von Prof. Dr. Henning Ernst Müller, veröffentlicht am 24.03.2012

Schenkt man dem Bericht der taz von heute Glauben (leider gibt es bislang kaum weitere Berichte dazu, der strafblog schöpft aus derselben Quelle, siehe jetzt mein Update unten), dann hat das Kammergericht Berlin eine Entscheidung des Jugendamtes bestätigt, mit der ein 11jähriges Kind in die kinder- und jugendpsychiatrische Abteilung der Charite eingewiesen werden soll. Es liege weder eine Suizidgefahr  noch eine Fremdgefährung durch dieses Kind vor. Es werde aber vermutet, die Mutter habe dem Kind seine von der Norm abweichende Geschlechtsorientierung (das Kind ist als Junge zur Welt gekommen, fühlt sich aber als Mädchen) "induziert" (zum Hintergrund: früherer Bericht der taz).

Unabhängig davon, ob dieser Vorwurf gegen die Mutter stimmt oder überhaupt stimmen kann (die Experten streiten über die Frage, ob eine solche Induktion möglich ist), erscheint mir eine zwangsweise Unterbringung des Kindes zur Diagnose und evtl. Therapie seiner Geschlechtsorientierung (ob diese überhaupt als eine "Erkrankung" angesehen werden kann, ist höchst fraglich)  wie eine Meldung aus grauer Vorzeit. Der Psychiater soll sich laut taz so geäußert haben:

In der Charité geht es darum, Alex sein „biologisches“ Geschlecht nahe zu bringen und „geschlechtsatypisches Verhalten“ zu „unterbinden“, erklärt Chefarzt Klaus Beier die Therapie.

Aber unabhängig von der Frage, ob hier eine schon im Kindesalter manifest werdende Transsexualität vorliegt oder nicht: Eine Freiheitsentziehung ist ein derart gravierender Eingriff für ein Kind, dass er nur als ultima ratio vorgesehen werden kann. Laut dem Bericht fehlt bislang ein unabhängiges psychiatrisches Gutachten. Zu einer ambulanten Untersuchung seien Mutter und Kind bereit.

Mutter und Tochter baten darum, psychiatrisch begutachtet zu werden. Doch diese Begutachtung lehnte das Kammergericht nun ab. Ein Gutachten sei nicht erforderlich, zitiert der Anwalt der Familie aus dem Beschluss. Die Ausführungen der Pflegerin seien nachvollziehbar, die angestrebte stationäre Diagnostik liege in deren Ermessen.

Kann das wirklich wahr sein?

Ausschnitt aus den Gründen der Leitentscheidung des BVerfG (Beschluss vom 14. 6. 2007 - 1 BvR 338/07).

Die Freiheit der Person ist ein so hohes Rechtgut, dass sie nur aus besonders gewichtigem Grund angetastet werden darf (vgl. BVerfGE 45, 187 [223]). Die Einschränkung dieser Freiheit ist daher stets der strengen Prüfung am Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu unterziehen. Dies schließt allerdings nicht von vornherein einen staatlichen Eingriff aus, der ausschließlich den Zweck verfolgt, einen psychisch Kranken vor sich selbst in Schutz zu nehmen und ihn zu seinem eigenen Wohl in einer geschlossenen Einrichtung unterzubringen. Die Fürsorge der staatlichen Gemeinschaft schließt auch die Befugnis ein, den psychisch Kranken, der infolge seines Krankheitszustandes und der damit verbundenen fehlenden Einsichtsfähigkeit die Schwere seiner Erkrankung und die Notwendigkeit von Behandlungsmaßnahmen nicht zu beurteilen vermag oder trotz einer solchen Erkenntnis sich infolge der Krankheit nicht zu einer Behandlung entschließen kann, zwangsweise in einer geschlossenen Einrichtung unterzubringen, wenn sich dies als unumgänglich erweist, um eine drohende gewichtige gesundheitliche Schädigung von dem Kranken abzuwenden. Dies gilt jedoch nicht ausnahmslos, weil schon im Hinblick auf den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz bei weniger gewichtigen Fällen eine derart einschneidende Maßnahme unterbleiben muss (vgl. BVerfGE 58, 208 [224 ff.]).

Die deutlich als ultima ratio angeführten Legitimationen für eine zwangsweise Unterbringung liegen m.E. hier eindeutig nicht vor. Als milderes Mittel läge zumindest eine ambulante Diagnosestellung nahe.

Ich bin betont vorsichtig, da ich kaum glauben kann, dass diese Darstellung den Kern des Beschlusses vollständig wiedergibt (siehe jetzt unten mein update). Aber wenn aus dem Beschluss tatsächlich hervorgeht, dass das KG dem Jugendamt  in dieser Frage ein nicht überprüfbares Ermessen einräumt, dann käme dies einer folgenschweren  Rechtsverweigerung (Art. 104 Abs.2  GG: über die Zulässigkeit einer Freiheitsentziehung hat NUR der Richter zu entscheiden)  gleich: Jugendamt und  Gericht tun einem 11jährigen Kind Gewalt an, ohne die traumatischen und stigmatisierenden  Folgen zu berücksichtigen, die aus einer zwangsweisen Unterbringung resultieren können.

Update (27.03.): Die Darstellung der taz hat sich nicht bestätigt, was den rechtlichen Hintergrund der Entscheidung angeht. Es geht derzeit nicht um eine Zwangstherapie/Zwangseinweisung/Unterbringung: Der rechtliche Hintergrund des Beschlusses des KG ist eine Entscheidung über die Gesundheitsfürsorge, die dem Jugendamt übertragen war. Jugendamt und Mutter des Kindes streiten über das weitere Vorgehen. Das Jugendamt strebt eine stationäre Diagnosestellung an. Daraufhin hat die Mutter begehrt, die Gesundheitsfürsorge an sie zurück zu übertragen, was das AG ablehnte, wogegen sich die jetzt vom KG zurückgewiesene Beschwerde der Mutter richtete. Gegen den Willen der Mutter dürfte eine stationäre  Diagnose oder Therapie erst durchgeführt werden, wenn auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht auf das Jugendamt übertragen ist - was das Jugendamt auch schon beantragt hat. Auch hierzu ist, falls das AG dem Jugendamt Recht gibt, noch eine KG-Entscheidung zu erwarten.

Der inhaltliche Hintergrund des Berichts trifft hingegen zu: Es geht um die Diagnose bzw. "Therapie" einer möglichen Transsexualität, was im Kindheits- und Jugendalter äußerst schwierige Fragestellungen aufwirft, wie eine solche Entwicklung sinnvoll begeleitet werden kann. Gegen den Willen des Kindes eine stationäre Diagnose/Therapie durchzuführen, erscheint mir höchst problematisch, ebenso aber andere irreversible Entscheidungen. Darüber streiten auch die medizinischen Experten.

Der Beschluss des KG, der Anlass der Pressemeldung der taz war, verhält sich nicht ausdrücklich zu der richtigen Vorgehensweise, sondern nur zur Frage, wem die Gesundheitsfürsorge zustehen soll. Allerdings lässt sich im Beschluss eine Bestätigung der Richtungswahl  des Jugendamts herauslesen. Eine Zwangstherapie (wie sie im taz-bericht anklingt)  wird aber vom KG nicht bestätigt oder genehmigt. Der Beschluss enthält keine Festlegung dahingehend, ob die Transsexualität induziert sei oder nicht, meint aber aus dem Verhalten der Mutter eine das Kindeswohl gefährdende Festlegung erkennen zu können, die die Belassung der Gesundheitsfürsorge beim Jugendamt rechtfertigt.

 

Update 29.03.:

Der Beschluss KG 19 UF 186/11 im Volltext.

Update 30.03.: Zur Frage des § 158 FamFG

Im Beschluss des KG wird die Bestellung eines Verfahrensbeistandsgem. § 158 FamFG für das betr. Kind abgelehnt. Ich halte diese verfahrensrechtliche Entscheidung für rechtlich problematisch.

Die Begründung des KG überzeugt nicht. Zunächst wird zur Begründung angeführt, die Interessen des Kindes in diesem Rechtsstreit würden hinreichend von den Eltern wahrgenommen werden. Diese Begründung widerspricht aber eklatant den weiteren Ausführungen im Beschluss: Denn wenn das KG meint, die Gesundheitsfürsorge nicht den Eltern bzw. der Mutter zurückübertragen zu können, da dann eine Kindeswohlgefährdung drohe, dann können in dem Rechtsstreit um eben diese Frage die Eltern/die Mutter eben nicht auch die Interessen des Kindes vertreten.

Ebenso verfehlt ist die Annahme des KG, die vom Jugendamt eingesetzte Ergänzungspflegerin mache einen Verfahrensbeistand für das Kind "erst recht" obsolet, da sie die Interessen des Kindes praktisch mitvertrete: Dieser Erst-Recht-Schluss ist ein klassischer Fehlschluss. Denn in dem Rechtsstreit geht es ja gerade darum, ob die (umstrittene) Einschätzung der Ergänzungspflegerin zur richtigen Ausübung der Gesundheitsfürsorge eine Rückgabe der Gesundheitsfürsorge veranlasst. Nun kann  in einem Rechtsstreit nicht eine neutrale/unabhängige  Interessenvertretung des betr. Kindes von einem  oder von beiden Kontrahenten um die Gesundheitsfürsorge mit übernommen werden. Das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand.

Im Ergebnis hat das Kind überhaupt keine unabhängige Interessenvertretung in dieser für sein Leben enorm wichtigen Frage. Der Senat hat hier  die Bedeutung des rechtlichen Gehörs des betr. Kindes (vgl. dazu BVerfG NJW 2003, 3544) offenkundig nicht ernst genommen und sich über die Interessen des Kindes, die ja die Legitimation des gerichtlichen Tätigwerdens darstellen, einfach hinweggesetzt.

Update 04.04. :

Die taz hat am 03.04. eine Berichtigung zum ursprünglichen Artikel veröffentlicht.

 

Update 19.04.:

Heute hat die taz eine weitere Berichtigung veröffentlicht, die die frühere Berichtigung (vom 04.04.) ergänzt. Ich zitiere sie im vollen Wortlaut:

   In der taz war am 6. 2. 2012 in einem Interview mit der Berliner Antidiskriminierungsbeauftragten Eren Ünsal unter der Überschrift "Kein Ergebnis vorgeben" sowie am 26. 3. 2012 unter der Überschrift "Gegen die Angst vor Abweichung" über den Fall eines transsexuellen Kindes zu lesen, ein Jugendamt wolle dieses "in der Charité mit umstrittenen Therapiemethoden quasi umerziehen lassen", dass hierbei "die Berliner Charité ein Therapieverfahren anwendet, das Fachleute als manipulative ,Umpolungstherapie' ablehnen", bzw. wird eine Aktivistin zum Behandlungsansatz der Charité mit den Worten zitiert: "Der Leiter der Sexualmedizin, Klaus Beier, ist ein orthodoxer Psychoanalytiker, der sich an Konversionstherapien orientiert, mit denen früher Homosexuelle ,geheilt' werden sollten."

In diesem Zusammenhang hieß es in der taz auch: "Nun ist das aber genau das Verfahren [Homosexuelle umzupolen; Anm. d. Red.], das Herr Beier vorschlägt." Die Berliner Charité und Klaus Beier als Leiter des dortigen Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin erklären hierzu übereinstimmend, dass sie keines dieser Verfahren bzw. keine dieser Therapien anwenden. In dem taz-Interview vom 6. 2. 2012 und in einem unter der Überschrift "Viele erleben die Pubertät als Qual" am 28. 1. 2012 veröffentlichten Interview mit der Sexualmedizinerin und Psychoanalytikerin Hertha Richter-Appelt sowie in einem Artikel der taz vom 24. 3. 2012 unter der Überschrift "Alex zieht vor Gericht" heißt es ferner, Beier schreibe in seinen Empfehlungen für eine Therapie bzw. in dem Buch "Sexualmedizin", geschlechtskonformes Verhalten würde gelobt, das "biologische" Geschlecht nahegebracht und nichtkonformes bzw. geschlechtsatypisches Verhalten nicht beachtet bzw. (beiläufig) unterbunden.

Sofern sich hierdurch der Eindruck ergibt, er habe sich zu dem konkreten Fall des transsexuellen Kindes und unmittelbar gegenüber der taz auf diese Weise geäußert, ist dieser Eindruck unzutreffend. Den von der taz beschriebenen Fall kenne er nicht, erklärt Beier.

Gleichwohl war er einer von drei Verfassern des Buchs "Sexualmedizin. Grundlagen und Praxis", das zuletzt im Jahre 2005 in 2. Auflage veröffentlicht wurde. In einem namentlich nicht gekennzeichneten Abschnitt zum therapeutischen Vorgehen bei Geschlechtsidentitätsstörung heißt es dort: "Folgende psychotherapeutische Settings haben sich als hilfreich erwiesen […]: […] geschlechtskonforme Verhaltensangebote […] und adäquate Verhaltensweisen belohnt […]. Geschlechtsatypische Verhaltensweisen werden nicht beachtet bzw. - beiläufig - unterbunden (nicht jedoch sanktioniert)." Chefarzt Klaus Beier lässt dazu mitteilen, dass er diese Passage nicht selbst verfasst habe, sondern hierdurch lediglich die Position einer kanadischen Arbeitsgruppe wiedergegeben werde.

Leitete er noch am 12. 1. 2012 per E-Mail "einige Originalarbeiten zum Thema" von anderen Verfassern an die Autorin der taz weiter, ohne mitzuteilen, dass diese Aufsätze anscheinend nicht ausnahmslos seine eigene wissenschaftliche Auffassung wiedergeben, bezieht er sich nunmehr ausdrücklich nur noch auf eine Publikation im Deutschen Ärzteblatt aus dem Jahre 2008, in der das Vorgehen der Charité adäquat beschrieben werde.

Dagegen heißt es in einem anderen dieser insgesamt drei übersandten Fachaufsätze zur Behandlung von "Geschlechtsidentitätsstörungen bei Jungen" in Übersetzung: "Die spezifischen Ziele, die wir für Jungen haben, sind die Entwicklung eines positiven Verhältnisses zum Vater (oder einer Vaterfigur), positiver Beziehungen zu anderen Jungen, geschlechtstypischer Fähigkeiten und Verhaltensweisen, um sich in die Gruppe Gleichaltriger oder zumindest einen Teil von ihnen einzufügen und sich als Junge wohlzufühlen. […] Die Behandlung ist abgeschlossen, wenn der Junge regelmäßig die Gegenwart gleichgeschlechtlicher Freunde sucht und sein geschlechtsübergreifendes Verhalten weitgehend normal erscheint."

In den Artikeln der taz vom 24. 3. 2012 und vom 26. 3. 2012 war außerdem zu lesen, das transsexuelle Kind dürfe nun nach einer Entscheidung des Kammergerichts in die Psychiatrie bzw. in die Berliner Charité (zwangs)eingewiesen werden. Zutreffend ist jedoch, dass das Kammergericht die Beschwerde der Kindesmutter gegen einen erstinstanzlichen Beschluss des Amtsgerichts Schöneberg, mit dem sie erfolglos die Rückübertragung der Gesundheitssorge für das Kind begehrte, zurückgewiesen hatte.

Abgesehen davon, dass es für eine solche Maßnahme an einer entsprechenden gerichtlichen Entscheidung fehlt, erklärt die Berliner Charité hierzu ergänzend, weder dürfe noch werde sie das Kind gegen dessen erklärten Willen oder gegen den erklärten Willen seiner Mutter aufnehmen. DIE REDAKTION

 

20.04. Die KOMMENTARFUNKTION ZU DIESEM BEITRAG IST AUSGESCHALTET

 

28.05.: Andrea Beyerlein in der Berliner Zeitung berichtet über den Fall - Link.

26.06.: In der Spiegel-Printausgabe von dieser Woche (Heft Nr.26/2012, S. 134-137) schreibt Kerstin Kullmann über den Fall.

Dezember 2012: aus "gewöhnlich gut unterichteten Kreisen" erfährt man, dass der Streit beigelegt sei und im Sinne der Mutter des Kindes entschieden worden sei.

 

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544 Kommentare

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@Gast

Meine Frage lässt sich einfach mit "ja" oder "nein" beantworten. Ich sage nicht, dass der Vater glaubwürdig ist.

 

Dass das Jugendamt solche Vorwürfe nicht erhebt, geht aus deinem Posting bereits hervor, darum auch die Frage nach dem Vater.

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@gast

 

"schon mal probiert einem vier- oder fünfjährigen Jungen ein Kleid anzuziehen, und diesen damit in die Kita zu schicken?"

 

Also, schon mal probiert einem vier- oder fünfjährigen Jungen eine Hose anzuziehen, er aber an dem Tag unbedingt ein Kleid anziehen will?

 

Zumindest in Berliner Kindergärten gehen 4 jährige Jungen auch mal mit Kleidern in den Kindergarten. Warum auch nicht ?

Ich nehme mal an, deine Frage zielt auf die Annahme, dass 4 jährige Jungen blöd angemacht werden , wenn sie Röcke etc. tragen. Nun, das kommt halt auf die anderen Kinder an und auf die Kita an.

Ich hab eine Tochter und in der Kita sind immer mal wieder Jungen, die so 3-5 Jahre alt sind und auch hin und wieder Kleider tragen und/oder Fingernägel anmalen und/oder sogar ne Puppe dabeihaben.

Soweit ich das mitkriege, interessiert es dort keine Sau. Vielleicht ist es transsexuelle Kita, wer weiß das schon, hätte man den Eltern aber ja auch sagen können. Vielleicht sind die Eltern aber schlichtweg einfach keine Idioten und es ist ihnen egal, dass Jungen auch Röcke tragen können, oder findens sogar gut, dass die Kinder noch keine heteronormativen Verhaltensweisen induziert bekommen haben.

 

beste Grüße

Arno

 

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Arno schrieb:

@gast

 

"schon mal probiert einem vier- oder fünfjährigen Jungen ein Kleid anzuziehen, und diesen damit in die Kita zu schicken?"

 

Also, schon mal probiert einem vier- oder fünfjährigen Jungen eine Hose anzuziehen, er aber an dem Tag unbedingt ein Kleid anziehen will?

 

Zumindest in Berliner Kindergärten gehen 4 jährige Jungen auch mal mit Kleidern in den Kindergarten. Warum auch nicht ?

Ich nehme mal an, deine Frage zielt auf die Annahme, dass 4 jährige Jungen blöd angemacht werden , wenn sie Röcke etc. tragen. Nun, das kommt halt auf die anderen Kinder an und auf die Kita an.

Ich hab eine Tochter und in der Kita sind immer mal wieder Jungen, die so 3-5 Jahre alt sind und auch hin und wieder Kleider tragen und/oder Fingernägel anmalen und/oder sogar ne Puppe dabeihaben.

Soweit ich das mitkriege, interessiert es dort keine Sau. Vielleicht ist es transsexuelle Kita, wer weiß das schon, hätte man den Eltern aber ja auch sagen können. Vielleicht sind die Eltern aber schlichtweg einfach keine Idioten und es ist ihnen egal, dass Jungen auch Röcke tragen können, oder findens sogar gut, dass die Kinder noch keine heteronormativen Verhaltensweisen induziert bekommen haben.

 

beste Grüße

Arno

 

Das was ich meine ist der Unterschied zwischen "erlauben" und "anziehen".

Die Jungs in der Kita Deiner Tochter zeigen an verschiedenen Dingen Interesse, die Eltern verbieten es nicht und die Kinder fühlen sich wohl, nach meiner Einschätzung, weil sie, d.h. die Kinder, es möchten.

Dem gegenüber bedeutet für mich "anziehen", dass ich z.B. meinen Sohn mit einem Kleid in die Kita schicke, obwohl er den Wunsch dazu nicht geäußert hat. Ich denke, er hätte spätestens dann ein Problem, wenn dies von anderen Kindern thematisiert werden würde, was früher oder später passiert, zumindest ab dem Alter von fünf oder sechs Jahren. Insofern kann ich mir nicht vorstellen, dass man Transsexualität induzieren kann.

Zurück zum "erlauben"...die Jungs gehen mit Kleidern in die Kita, dies ist bei den meisten eine Phase, bei einigen wenigen geht´s weiter und sie gehen dann als Mädchen in die Schule und sind noch immer glücklich. Diesen Zustand, d.h. den eines glücklichen Kindes, wird man nicht erreichen können, wenn man sein Kind "anzieht".

Im Übrigen zeigt Dein Beispiel das große Problem an der Beurteilung von sog. Geschlechtsidentitässtörungen im Kindesalter. Es gibt halt auch Eltern, die in einem solchen Verhalten ihrer Kinder sogleich ein Problem sehen und zum "Experten" rennen. Die "Phase", begründet auf meinetwegen bloßen Interesse oder was weiss ich, geht vorbei, das Kind fällt aber trotzdem in den großen Topf der GIS-Kinder und wird registriert, als Kind welches nicht transsexuell geworden ist. Und in diesen gleichen Topf werden Kinder geworfen, die seit früher Kindheit in ihrer wirklichen Identität leben und über Jahre glücklich sind. Diesen Kindern hält man dann zu Beginn der Pubertät vor, naja, wir haben aber eine Menge Kinder in unserem Topf, die nicht transsexuell geworden sind und deshalb müsst auch ihr warten...

Dass die Töpfe zu groß sind, mithin das es keine Differenzierung gibt, ist allgemein bekannt. Trotzdem stürzt man sich (d.h. die hier hinreichend benannten Verdächtigen) immer wieder auf altes undifferenziertes Zahlenwerk und hält den Eltern und Kindern vor, nur drei oder fünf Prozent der Kinder werden transsexuell (unter Einschluss der Jungs mit lackierten Fingernägeln) und deshlab heißt es dort, erstmal abwarten und durch die Pubertät.

 

 

 

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Gast schrieb:

 

Im Übrigen zeigt Dein Beispiel das große Problem an der Beurteilung von sog. Geschlechtsidentitässtörungen im Kindesalter. Es gibt halt auch Eltern, die in einem solchen Verhalten ihrer Kinder sogleich ein Problem sehen und zum "Experten" rennen. Die "Phase", begründet auf meinetwegen bloßen Interesse oder was weiss ich, geht vorbei, das Kind fällt aber trotzdem in den großen Topf der GIS-Kinder und wird registriert, als Kind welches nicht transsexuell geworden ist. Und in diesen gleichen Topf werden Kinder geworfen, die seit früher Kindheit in ihrer wirklichen Identität leben und über Jahre glücklich sind. Diesen Kindern hält man dann zu Beginn der Pubertät vor, naja, wir haben aber eine Menge Kinder in unserem Topf, die nicht transsexuell geworden sind und deshalb müsst auch ihr warten...

Dass die Töpfe zu groß sind, mithin das es keine Differenzierung gibt, ist allgemein bekannt. Trotzdem stürzt man sich (d.h. die hier hinreichend benannten Verdächtigen) immer wieder auf altes undifferenziertes Zahlenwerk und hält den Eltern und Kindern vor, nur drei oder fünf Prozent der Kinder werden transsexuell (unter Einschluss der Jungs mit lackierten Fingernägeln) und deshlab heißt es dort, erstmal abwarten und durch die Pubertät.

 

 

 

Und auch hier gilt erneut zu beachten: Man wirft (fast) nur Jungen in diesen Topf. Mädchen dürfen sich schon mal eher am anderen, dem besseren Geschlecht orientieren.

Und diese Töpfe werden m.E. absichtlich "groß gehalten", eben genau damit man transidenten Kindern die nicht (ideologisch) gewünschte Hilfe vorenthalten kann.

Man stelle sich dies einmal bei der Behandlung von Bronchitis vor (sorry für den Vergleich mit einer Krankheit): Wir wissen, dass Antibiotikagabe hier vor schweren Schäden schützen kann.

Antibiotika darf man aber nur geben, wenn jemand wirklich Bronchitis hat.

Der Dr. B. Ansatz für innere Medizin lautet: Viele Menschen husten. Die meisten Leute die Husten haben keine Bronchitis. Kommen sie wieder, wenn sie Herzschäden erlitten haben, dann glauben wir die Story von der Bronchitis.

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Liebe Heidrun,

um die Situation noch ein wenig zu konkretisieren:

Dr. K. ist inzwischen nicht mehr an der Charité, sondern leitender Oberarzt einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in M. Interessanterweise ist im Urteil auch eine Einrichtung in einer Stadt M. erwähnt:

Quote:

Denn die Mutter hat die Absicht geäußert, X. zu diesem Zwecke an den Kliniken in X. und Y. vorzustellen (….), von denen sie weiß, dass dort insbesondere der Verdacht einer induzierten Transsexualität nicht geteilt wird. Eine Begutachtung in B., M. oder K. wird abgelehnt (….). Die Einrichtungen in diesen Städten sind diejenigen, die einer Hormonbehandlung eher kritisch gegenüberstehen.

Bleibt die Einrichtung in K. übrig. Die könnte theoretisch von einem Prof. B. geleitet werden, der zusammen mit Prof. Beier ein Buch veröffentlicht hat und gleichermaßen dafür bekannt ist, daß er genau so gegen eine hormonelle Behandlung vor Ende der Pubertät plädiert.

Liebe Grüße

Frau S.

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Das ist irgendwie wie NARTH nur ohne Religionsbezug.

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BadHairDays schrieb:

Das ist irgendwie wie NARTH nur ohne Religionsbezug.

Hm, ich war gerade auf deren Webseite. Offiziell haben die auch keinen.

 

Wem das gerade nichts sagt:

National Association for Research and Therapy of Homosexuality

 

Eben die, von der George Rekers Leiter war.

 

 

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BadHairDays schrieb:

Eben die, von der George Rekers Leiter war.

... dessen Publikation über seine Therapiemethode, die primär der Prävention von Transsexualität dienen sollte, sich hier findet:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1311956/

und auf die sich z.B. ein Kenneth J. Zucker beruft, der dann wiederum in der Literaturliste des besagten Ärzteblattartikels recht häufig auftaucht...

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Frau S. schrieb:

BadHairDays schrieb:

Eben die, von der George Rekers Leiter war.

... dessen Publikation über seine Therapiemethode, die primär der Prävention von Transsexualität dienen sollte, sich hier findet:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1311956/

und auf die sich z.B. ein Kenneth J. Zucker beruft, der dann wiederum in der Literaturliste des besagten Ärzteblattartikels recht häufig auftaucht...

Kleine Korrektur meines Fehlers, Rekers war nur "Scientific advisor", Joseph Nicolosi ist der Vorsitzende.

Hinter dem Link steckt die Fallstudie zu "Craig", der Person, in der es in den Videos geht.

Interessant, das der TS Verdacht in den Videos nicht erwähnt wurde. NARTH und viele andere Unterscheiden da nicht wirklich. Deshalb haben sie passenderweise auch eine ganze Sektion von Artikeln zum Thema, die einmal mehr (wie auch alles, was Homosexualität betrifft) von psychoanalytischen Thesen durchtränkt ist.

Dieser Text ist eine echte Perle:
http://narth.com/docs/transexpl.html

Ausschnitte (selbstverständlich geht es nur um transsexuelle Frauen):
"This individual is not passive and effeminate in bearing, carriage, or in his approach to life. He is assertive and successful, and competitive socially and intellectually as a man (except in his pursuit of female companionship). He is convinced that he is a woman who somehow or other is trapped in a man's body. His external genitalia, he believes, are an impediment. He wants the body configuration and genitalia to be that of a woman. He desires the full quality of being a woman with all her curves and her qualities."

Mal abgesehen davon, das einzelne Betroffene Charakterlich genauso heterogen wie alle Menschen sind, finde ich die misognistische Ansicht, wie sich Frauen zu verhalten haben (passive, bearing, aber nicht  successfull oder competitive)

Die Beier-Connection ist da vorsichtiger ;-)
 

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BadHairDays schrieb:

Das ist irgendwie wie NARTH nur ohne Religionsbezug.

 

Ich wäre mir da an deiner Stelle nicht so sicher, dass hier kein Religionsbezug besteht.

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Liebe Frau S.,

vielen herzlichen Dank für die Konkretisierung.

Die Herrschaften glauben, sie können sich absolut alles herausnehmen. Ganz einfach darum, weil es in Deutschland seit dreißig Jahren auch genau so war und bis heute so ist.

Das, was hier zum Vorschein kommt, ist ein Kreuzzug gegen Transidentität und transidente Menschen, organisiert in der Charité in Berlin. Offenbar besteht die Absicht, sich systematisch über Kinder herzumachen, ihnen entweder von ihren eigenen Eltern die Geschlechternorm einprügeln zu lassen - oder ab in die Psychiatrie. Reparationstherapie (Beleg: Ärzteblatt-Artikel), Stigmatisierung der 'schuldigen' Eltern - an Alex' Mutter Anna schon einmal vorexerziert. Hexenjagd auf erwachsene Transfrauen - Transidentität ist ja schließlich induzierbar, und damit sind sichtbare Transfrauen wandelnde Infektionsherde. Durchführung: nicht einfacher als das. 'Information' der Jugendämter, der sozialpsychiatrischen Dienste, der Schulpsychologen. Ausspielen der 'wissenschaftlichen Autirität' unter gleichzeitiger Panikmache. Beeinflussung des Gesetzgebers, wie gehabt.

Ich weiß gar nicht, wieso, aber plötzlich ist mir die Devise der Antifaschist_innen im Spanischen Bürgerkrieg eingefallen:

No pasarán.

 

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Ruth schrieb:

Vielleicht etwas zur Information für die Mitleser, die sich unter Transsexualität nicht allzuviel vorstellen können. So wie Kim könnte auch Alex glücklich werden ...

http://de.wikipedia.org/wiki/Kim_Petras

oder hier:

http://diana.tgirl.ch/sterntv-kim-petras

Liebe Ruth,

ich sehe Kim Petras sehr oft im Verleich zu "Alexandra" ...es tut mir in der Seele sehr weh, miterleben zu müssen, wie hier versucht wird, ein bisher glückliches Menschenleben, für einen experimentierfreudigen-, menschenrechtsverachtenden "Sexualmediziner", zu opfern. 

 

In Berlin wird man anscheinend nichts mehr erreichen, da müssen andere Gerichte ran, die über den Sumpf von Berlin stehen und hoffentlich ein "Urteil" zum Wohle des Kindes und deren Mutter, fällen. 

 

In Kiel besteht Hoffnung, denn so wie es aussieht, werden die finanziellen Mittel für die "Sektion für Sexualmedizin" bald nicht mehr gezahlt werden. 

Vielleicht zieht Bosinski dann nach Berlin?!

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Vielleicht will die Berliner Institution ja die Jungen Männer vor solchen Mädels schützen :-)

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Sehr geehrte Kommentator-inn-en,

über Ihr weiteres Engagement in dieser Diskussion freue ich mich. Im Sinne der in diesem Forum gepflegten Sachlichkeit bitte ich jedoch, von Spekulationen und persönlichen Angriffen gegenüber hier nicht mitdiskutierenden Autoren abzusehen. Ihre sachliche Kritik an hier verlinkten Publikationen ist willkommen, aber nicht die persönliche Charakterisierung der Autoren als "böse" etc. Beleidigungen werden ohnehin gelöscht. 

Vielen Dank.

Beste Grüße

Henning Ernst Müller

Nun sind wir hier schon sowieso schon recht weit vom eigentlichen Thema, nämlich Alexandra, weggekommen, dass ich hier einfach mal Etwas in den Raum stellen will:
Haben Ärzte nicht die Aufgabe, die Probleme des Patienten zu lösen? Oder besteht deren Aufgabe darin,  Probleme von Leuten zu lösen, die sich nicht damit abfinden können, dass es Menschen gibt, die nicht in ihr Denkschema hineinpassen? Worin besteht nun hier das wirkliche Problem?
Da gibt es auf der einen Seite einen "Jungen" der  sich nicht als Junge sieht und psychisch ein Mädchen ist. Dieses Kind lebt bereits mehrere Jahre als Mädchen, ist in seine Umgebung integriert und wird geachtet. Diesen Zustand möchte es aufrecht erhalten, es möchte nicht anders leben müssen, als "Junge", der sie nie richtig sein könnte. Die Medizin ist heute in der Lage (s. Kim) diesem Mädchen ein würdiges Leben als Frau in unserer Gesellschaft zu ermöglichen und Niemand würde später auch nur auf die Idee kommen, dass es je anders gewesen sein könnte, sie wäre eine Frau unter Vielen. Hier würde also die Aufgabe darin bestehen, diesem Mädchen auf seinem Wege so gut wie möglich zu helfen und damit sein Problem, das Problem des Patienten, zu lösen.
Würde es denn irgend jemanden Schaden, wenn dies so geschehen würde? Nur dann, wenn andere gefährdet wären, wäre es vielleicht ein Grund, anders zu entscheiden.
Warum hilft man dann Alexandra nicht, ein glückliches Leben zu führen, sondern bereitet wahrscheinlich ihren (zumindest psychischen) Tod vor?

Weil es nicht in das Denkschema unserer leider immer noch männerdominierten Gesellschaft passt. Der Penis regiert immer noch das Denken vieler Männer und leider gibt es auch Frauen, die diese Denkweise noch unterstützen (vielleicht weil es im konkreten Fall der Karriere schaden könnte, eine andere Meinung zu haben?)
Die Aussage ist: Wer also dieses Teil am Körper hat, der hat sich gefälligst wie ein "Mann" zu verhalten. Abweichungen werden nicht geduldet! Und wenn jemand das nicht freiwillig einsieht, dann wird "er" mit Gewalt zur Einsicht gebracht. Alles andere wäre Verrat an der männlichen Spezies, die es ja schon seit hunderten von Jahren schafft, Frauen zu erniedrigen und zu unterdrücken. Auch Homosexuelle hatten darunter zu leiden, aber sie haben den Vorteil, dass sie ja unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung Männer sind und sich im allgemeinen auch wie solche verhalten, deshalb werden sie, zumindest im öffentlichen Leben, mittlerweile weitgehend akzeptiert.
Aber ein "Mann", der freiwillig auf das "Allerheiligste" verzichten möchte und als Frau Leben will, ist ein Verräter. Er könnte ja bei anderen Zweifel wecken, dass die "Männlichkeit" eben nicht das Allerhöchste auf der Welt ist ... Und das darf niemals geschehen. Die Macht der Männer soll ein für allemal unantastbar bleiben. Wer denkt, solche Denkweisen gibt es nur in konservativen, islamischen Staate, irrt gewaltig. Klar, bei uns wird keine Frau gesteinigt, weil sie Ehebruch begangen hat, aber die Missachtung der Würde der Frau ist auch in unserer Gesellschaft sehr verbreitet. Viele merken wahrscheinlich nicht einmal, wie weit diese Frauenfeindlichkeit sogar im Alltag überall gegenwärtig ist. Ein Beispiel:
Gestern hatte ich mein Auto zum Räderwechsel und einem kleinen Check in der Werkstatt. So hatte ich etwas Zeit und schaute mir einige Schaufenster mit Dekoartikeln an. In einem Laden, wie es sicher viele gibt, standen neben hübschen Ostersachen auch einige "witzige" Bildchen mit Karrikaturen und "Machosprüchen". Die dort dargestellten "Frauen" dienten einfach nur als Objekte für die "lustvollen" Männer und ihr bestes Stück. Viele lachen über so etwas, auch in meinem Bekanntenkreis gibt es leider Männer, die sich über solche Darstellungen amüsieren können. Aber ist das wirklich lustig? Nein! Es zeigt nur, dass im tiefsten Innern vieler Männer das Gefühl für die Minderwertigkeit von Frauen immer noch tief verwurzelt ist.
Deshalb muss um jeden Preis verhinder werden, dass ein "männliches Wesen" am Wert der Männlichkeit auch nur die geringsten Zweifel wecken kann, notfalls wird die Vernichtung des Verräters in Kauf genommen.

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Vielleicht ist es hilfreich, sich das hier zum Vorschein Gekommene in einer Gesamtansicht anzusehen.

Da passiert etwas ganz Konkretes, nämlich die Wieder-Erfundung der Induzierbarkeit von Transidentität (Dank für die Formulierung an Gast) an der Berliner Charité. Diese Wieder-Erfindung der Induzierbarkeit von Transidentität nenne ich im Folgenden den Stigmatisierenden Ansatz (stigmatizing, approach, SA).  Warum? Weil er sowohl die betroffenen Kinder stigmatisiert, als auch (primär) Eltern und (in zweiter Linie) andere 'Infektionsherde' wie zum Beispiel erwachsene Transfrauen und Menschen, die Transidentität anders definieren, nämlich so wie in der seriösen Wissenschaft außerhalb Deutschlands. Der SA ist sogar, behaupte ich, ein diskursiver und stigmatisierender Angriff auf diese Wissenschaftler_innen (die ja Infizierung fördern!) und ihre wissenschaftlichen Arbeiten. Vom Typ her entspricht der SA dem Rassismus des 19. Jahrhunderts, nämlich der Konstruktion eines Befalls durch Ansteckung, der die Bevölkerung (das Volk, später den 'Volkskörper') infiziert und dadurch schädigt. Das verleiht dem SA Überzeugungskraft, da er an vergleichbare Modelle andockt, die man derzeit auch hinsichtlich Migrant_innen etc. am Werk seiht (Sarrazin).

Der SA ermöglicht die Forderung nach und die Durchführung von Reparationstherapien. Diese wurden ja ursprünglich zur Prävention von Transidentität entwickelt, wie hier gezeigt wurde. Theorieanbindung an Kenneth J. Zucker ist möglich und findet auch statt, wobei bedeutsam ist, dass Zucker derzeit an der Definition von Gender Identity Disorder (GIS) für das DSM-5 arbeitet und in diesen 'geschlechtsatypischens' Spielen, 'geschlechtsatypische' Kleidung als Symtome für GIS stehen werden - das ist ein disziplinierender und normalisierender Ansatz, der mit dem SA korrelativ - nicht identisch - ist, d.h. beide stützen sich gegenseitig. So arbeiten zwei wissenschaftlich randständige Schulen zusammen. Das kann sogar ohne Verständigung, Koordinierung etc. funktionieren - ohne Verschwörung und derlei.

Der Unterschied ist freilich, dass Zucker, Bailey, Nicolossi etc. in den USA ein heftiger Wind ins gesicht weht, wogegen die Berliner Schule in Deutschland bisher - von wenigen Ausnahmen angesehen - ungesehen, unerkannt und fast ohne Widerspruch agiert. Damit kommen wir zum Kontext - bleiben wir in Deutschland.

Kontext - Deutschland hat ein extrem unterwerfendes Transidenitäts-Regime, das sich trotz völlig anderer Verhältnisse in bedeutenden Nachbarländern (UK, Frankreich) mühelos behauptet. Interventionen seitens internationaler Foren (CEDAW-Kommittee der UNO) und Insitutionen der EU (Europäisches Parlament, EU-Menschenrechtskommissar) bleiben wirkungslos. Der Grund hierfür ist (einer Interpretation dieser Diskussion hier zufolge) der unkritische Rekurs von Politik, Justiz und öffentlicher Körperschaften (Behörden) auf die deutschen Fachwissenschaftler. Diese verteten sämtlich ein pathologisierendes Erklärungsmodell von Transidentität, und zwar 'Transidentität als psychische Störung'. Dieser liegt dem Transsexuellengesetz (TSG) zugrunde und verteidigt es. Die TSG-Praxis, in der transidente Menschen gezwungen werden, in 'Praxistest' und Gutachterverfahren durch Rollenspiel und Selbstunterwerfung die dem TSG zugrundeliegenden Thesen zu bestätigen, stützen das Gesetz und die ihm zugrunde liegende Theorie.  Das TSG-Regime zeigt sich als Wahrheits-Maschine: Es prodiziert die Wahrheiten, die es behauptet, und zwar durch einen unablässigen gegenseitigen Bestätigungsprozess. Dieser strahlt dann über Politik, Justiz, Institutionen etc. (unkritischer Rekurs, das Regime bestätigende Praxis) auf die ganze Gesellschaft aus.

Dazu ist es gar nicht notwendig, dass die Handelnden das TSG-Regime verstehen - es ist ihm sogar förderlich, wenn sie es nicht tun. Dies schließt die deutschen Fachwissenschaftler mehrheitlich mit ein, deren Handlungsweise zwar unethisch, aber nicht hasserfüllt oder von Ressentiments getrieben sein muss. Hybris ist sicherlich zu beobachten, die aber bei einzelnen wahrscheinlich nichts anderes ist als die unreflektierte Selbstsicht, die ihnen ihre Deutungs-, Wahrheits- und Disziplinarmacht verleiht. Der 'Gott in Weiß' und die völlig unterworfene Patientin sind freilich korrelierende Figuren. Die tatsächlich gegebene Möglichkeit, 'Politik zu machen', tut ein Übriges hinzu.

Das TSG-Regime ist das, was Foucault ein Dispositiv nannte.

Wenn in diesem Kontext die Berliner Schule den SA produziert, läuft dessen Verbreitung innerhalb des Regimes (das ja die Gesellschaft abdeckt) entlang bereits vorhandener institutioneller Pfade. Wird ein Vertreter der Berliner Schule Chefarzt etc. an einem Klinikum in X. Y oder Z, bringt er den SA dorthin mit. Selbstverständlich gibt es auch bereits vorhandene institutionelle Pfade zu Institutionen, Gerichten und anderen Körperschaften. Über diese wird dann der SA zur Geltung gebracht, wenn die schon zuvor vorhandenen Pfade zu einen der Vertreter des SA führen.

Dies wird dadurch gefördert, dass für Laien (wie gesehen!) der SA nicht vom üblichen pathologisierenden TSG-lonformen Modell zu unterscheiden ist. Tatsächlich ist der SA ja selbst TSG-konform.

Die anderen (pathologisierenden) Fachwissenschaftler in Deutschland kommen durch den SA in eine komplizierte Lage. Wenn sie den SA ablehnen, gibt es keine kritische Öffentlichkeit, an die sie sich wenden könnten, wofür sie selbst gesorgt haben. Zudem besteht die sehr reale Gefahr, das das mögliche Entstehen einer solchen Öffentlichkeit, allein einer öffentlichen Diskussion, ihre eigene pathologisierende Theorie ebenso diskreditieren würde wie den SA. Diese Diskussion würde nämlich auf den internationalen Stand der Wissenschaft rekurrieren müssen. Das wäre das Ende des TSG-Regimes. Darum liegt es in ihrem Interesse, ihre Bastionen gegen die Berliner Schule auf institutionellem Wege zu verteidigen. Sie können dazu hier und da kurz aufflackernde Kritik am SA ('der böse Beier') ausnutzen, um sich als 'die Guten' zu präsentieren. Dadurch lassen sie freilich weiteres Vordringen des SA zu. Vor die Wahl gestellt, die eigene Basis abzubrennen oder den SA zuzulassen, liegt ihnen vermutlich letzteres näher.

Fazit: Da der SA, wie gezeigt, innerhalb des TSG-Dispositivs und seines Wirkungsbereichs (die gesamte Gesellschaft) nicht aufgehalten werden kann, können reparative Therapien an transidenten Kindern nur durch zügige Beseitigung des TSG-Regimes verhindert werden

 

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Liebe Heidrun,

ich stimme Deinen Ausführungen voll zu, aber für Alexandra dürfte es zu spät sein ... Da ist zum einem die männl. Pubertät, die von allein nicht aufhören wird und die institionelle Maschinerie, die ihr Lebensglück zerstören wird, läuft auf Hochtouren und niemand wird einen Finger rühren, ihr wirklich helfen zu wollen. Vielleicht wird sie, wenn sie stark genug ist, diese Zeit "überleben", aber was für ein Leben wird sie erwarten? In der Schule wird es Anfeindungen geben wie "äh, du entwickelst dich ja zum Kerl?!", erste Liebe und Romantik - sehr unwahrscheinlich.
Somit bleibt nur ein Schulwechsel. Aber wird der "weibische Junge" dort geachtet werden? Wenn sie sich nicht "jungenhaft" verhält (was sie sicher nicht tun wird), dann wird man sie ausgrenzen, sie wird dann bestenfalls als "Klassenkasper" ihren Platz in der "Jungenhierarchie" finden, wenn es nicht schlimmer kommt.
Ich begreife nicht, warum Mediziner einen Menschen unglücklich machen wollen, der für Niemanden eine Gefahr darstellt, nur weil er nicht in ihr Denkschema passt. Das ist entsetzlich ...Ich muss jetzt aufhören zu schreiben, so sehr kocht es in mir,  ich würde sonst Vergleiche zu anderen Zeiten anstellen ...Ich möchte hier nicht unnötig provozieren.

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Ruth schrieb:
Ich begreife nicht, warum Mediziner einen Menschen unglücklich machen wollen, der für Niemanden eine Gefahr darstellt, nur weil er nicht in ihr Denkschema passt. Das ist entsetzlich ...Ich muss jetzt aufhören zu schreiben, so sehr kocht es in mir,  ich würde sonst Vergleiche zu anderen Zeiten anstellen ...Ich möchte hier nicht unnötig provozieren.

 

Hallo Ruth,

 

welche Mediziner meinst Du? Ich sehe in dieser Sache nur einen "Vater", eine Pflegerin, ein Jugendamt, Richter und einen Beier, die einen jungen Menschen unglücklich machen wollen. Von Medizinern erhalten Alexandra und ihre Mutter Unterstützung, jedoch wurden diese Bemühungen der MedizinerInnen von Seiten des Gerichts meiner Ansicht nach rechtswidrig zunichte gemacht; Bemühungen in Form von Stellungnahmen, die teilweise ganz klar die in der Urteilsbegründung angegebenen Punkte widerlegt hätten.

Ruth schrieb:

 für Alexandra dürfte es zu spät sein ...

Liebe Ruth, genau das war meine Auffasung, als ich hierher gekommen bin.Ich wollte - trotzdem! - alles tun, was in meinen schwachen Kräften steht, um Alex beizustehen - etwas anderes wäre für mich gar nicht in Frage gekommen! Ich will mir ja noch selbst ins Gesicht sehen können ...

Aber jetzt sehe ich ein kleines Licht am Ende des Tunnels.

Bisher wußte nämlich - kein Mensch - wirklich über die Angelegenheit bescheid. Allen hier haben Informationen und Wissen gefehlt. So langsam kommt Licht in die ganze Geschichte. Zum Beispiel hinsichtlich der Spuren zur Charité im Verfahren vor dem Kammergericht. Zum Beispiel hinsichtlich dassen, was in der Charité betrieben wird. Und, ganz platt, warum das - falsch - ist.

Es wird, und zwar vermutlich sehr bald, ein weiteres Gerichtsverfahren geben - davon gehe ich aus. Es kann doch sein, dass der Wissens-Berg, den wir hier aufgeschichtet haben, sich - irgendwie - darauf auswirkt. Und sei es nur, was die juristiscjhen Aspekte angeht.

Ich verstehe weder juristische Argumentationen noch sonst etwas von Rechtsprechung. Aber eins weiß ich: Sehr viele Richter_innen und andere an Verfahren beteiligte Jurist_innen nehmen ihre Aufgabe sehr ernst. Sie mögen es überhaupt nicht, als verlängerter Arm irgendwelcher Interessengruppen agieren zu sollen. Versuche, sie an der Nase herumzuführen, schätzen sie gar nicht. 

Und wer weiß, wer das hier alles liest. Ich glaube, wir haben etwas geleistet, liebe Ruth - andere viel mehr als ich zum Beispiel. Wir haben allein so viele Quellen zusammen getragen, wie ich noch nie in einer deutschen Diskussion zum Thema TS auf einem Haufen gesehen habe. Alle sind relevant für den Fall Alex. Wir arbeiten Zusammenhänge heraus. Und - wir - führen niemanden an der Nase herum oder agieren mit Rauch und Spiegeln.

Es ist vorbei, wenn es vorbei ist. Nicht vorher.

 

5

Hallo Kira-Bianca,

unabhängig vom konkreten Fall ist Herr Prof. Beier u.a. Prof. Dr. med. und damit Mediziner. Ich teile nicht seine Meinung, aber es bringt nichts und ich halte nichts davon, ihn hier persönlich anzugreifen, so schwer es einem fallen mag. Wenn alles so, wie abzusehen läuft, dann wird wohl die Charitè die "Behandlung" von Alexandra übertragen bekommen. Selbst wenn sich dann nicht Prof. Beier selbst um sie kümmern sollte, besteht sein Institut ja nich nur aus einer Person ...und die anderen sind, zumindest juristisch gesehen, zum größten Teil Mediziner.

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Sehr geehrte Kommentator-inn-en,

selbstverständlich ist der Rechtsstreit mit der Entscheidung des KG nicht "vorbei". Darauf weist ja das KG selbst ausdrücklich hin, denn erst wenn das Jugendamt auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht erhält, kann überhaupt eine stationäre Aufnahme des Kindes angeordnet werden. Ein 12jähriges Kind kann zudem nicht einfach gegen seinen Willen von staatlichen Stellen eingesperrt und therapiert werden - die juristischen Hürden sind sehr hoch (weshalb ich ja schon in meinem Eingangsbeitrag Zweifel an der Darstellung der taz, es ginge um eine "Zwangseinweisung", geäußert habe).

Die nun hergestellte Öffentlichkeit zu diesem Fall verhindert zunächst, dass eine solche Entscheidung  unbeobachtet getroffen werden kann. Ich denke, dass Richter, die künftig über diesen Fall zu entscheiden haben, sich mehr darüber bewusst sind, dass sie hier im Interesse des Kindes sehr vorsichtig sein müssen und sich auch selbst über die Fachliteratur informieren bzw. von mehreren Seiten sachverständig beraten lassen müssen.

Für diesen Zweck ist sicherlich auch die hiesige Diskussion ein Mosaikstein. Aber nochmal, wegen dieses Zwecks sind Verschwörungsvorwürfe gegen oder gar die Beleidigung von Fachleuten, deren Methoden Sie ablehnen, eher kontraproduktiv.

Beste Grüße

Henning Ernst Müller

 

Sehr geehrter Herr Müller,

Quote:
Verschwörungsvorwürfe

Ich denke, die interpretierung der Aussagen als "Verschwörungsvorwürfe" liegt etwas daneben. Eine Verschwörung bedeutet, dass sich ein kleiner Kreis von Personen zusammentut, um etwas zu bewirkten, dass nur ihnen nutzt und meist der Gesellschaft oder zumindest dem sonstigen Umfeld schadet.

Hier geht es um das präferieren von, einer Mehrheit genehmeren Ansichten, die dafür sorgt, dass das Thema nicht offen und ehrlich behandelt wird. Deswegen ja auch die häufige Referenz zu Mitkommentator Peter.

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Henning Ernst Müller schrieb:

Verschwörungsvorwürfe

D' accord, sehr geehrter Herr Professor Müller.

Ich für meinen Teil bemühe mich ernsthaft darum, herauszuarbeiten, warum es hier - nicht! - um eine Verschwörung geht. Im Allgemeinen sind Verschwörungstheorien irreführend, kontraproduktiv und schlicht falsch - bei diesem Thema umso mehr.

Allenfalls sehe ich in puncto TSG-Regime das am Werk, was Hannah Ahrendt die 'Banalität des Bösen' genannt hat. Und im Übrigen verwende ich den Begriff 'Regime' als wissenschaftlichen Begriff. Er ist nicht pejorativ.

Den Mosaikstein, den diese Diskussion zum Fall Alex darstellt - den haben Sie ermöglicht, und ich werde nicht müde, mich dafür bei Ihnen zu bedanken.

Beste Grüße

Heidrun

 

 

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Heidrun schrieb:

Henning Ernst Müller schrieb:

Verschwörungsvorwürfe

D' accord, sehr geehrter Herr Professor Müller.

Ich für meinen Teil bemühe mich ernsthaft darum, herauszuarbeiten, warum es hier - nicht! - um eine Verschwörung geht. Im Allgemeinen sind Verschwörungstheorien irreführend, kontraproduktiv und schlicht falsch - bei diesem Thema umso mehr.

Allenfalls sehe ich in puncto TSG-Regime das am Werk, was Hannah Ahrendt die 'Banalität des Bösen' genannt hat. Und im Übrigen verwende ich den Begriff 'Regime' als wissenschaftlichen Begriff. Er ist nicht pejorativ.

Den Mosaikstein, den diese Diskussion zum Fall Alex darstellt - den haben Sie ermöglicht, und ich werde nicht müde, mich dafür bei Ihnen zu bedanken.

Beste Grüße

Heidrun

 

 

Das.

In dem ganzen Fall muss niemand mit bösen oder auch nur zweifelhaften Absichten gehandelt haben, sondern nur mit den allerbesten Absichten zum Wohle von Alexandra.

Das macht das Leid und den Schaden, den sie anrichten nicht geringer.

Wissenschaftler sind auch nur Menschen. Sie wachsen in einer gewissen Gesellschaft auf. Unsere Vorfahren, die Hysterietheorien postuliert haben waren keine schlimmen, bösartigen Menschen. Nimmt man all das dazu, was Heidrun weiter oben geschrieben hat, ergibt sich ein ziemlich stimmiges Bild.

Es braucht auch keine großartigen Verschwörungen: A und B sind gleicher Meinung, sie sprechen sich natürlich miteinander ab, etc.

Aber vielleicht eine Bemerkung zum "Diskussionsstil": Auch wenn dies eine Diskussion auf Augenhöhe ist, so gibt es doch ein Machtgefälle. Ich kann hier diskutieren über etwas, das ich als Menschenrechtsfrage ansehe. Das ist ein theoretischer Ansatz.

Andere diskutieren um Dinge, die ihr innerstes Selbst betreffen und um Bedrohungen für ihre eigenen Menschenrechte.

Das macht doch schon einen gewaltigen Unterschied.

4

@Badhairdays:

ich meinte die gelegentliche Sprechweise von "Kreuzzug", "Hexenjagd", "connection", "Sumpf", die m. E. keinen sachlichen Beitrag zur Debatte darstellt.

Henning Ernst Müller

 

... und auch das ist - keine - Verschwörung. Das sind korrelative Erscheinungen, die im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen auftauchen und wieder verschwinden.

Dass der Autor des Artikels

Transgender – Kinder mit Störungen der Geschlechtsidentität

(link #2)

Joseph Nicolosi heißt, ist aber trotzdem interessant. Nämlich insofern, als es anscheinend völlig unproblematisch ist, solche Verlautbarungen dieses Herren in Deutschland als valide wissenschaftliche Aussagen auszugeben.

Ich sehe damit meine analytische Skizze weiter oben bestätigt. Derartiges wird vom TSG-Regime (nicht-pejorativ!) quasi mit abgedeckt und massiv unterstützt, ohne dass sich etwa deutsche Fachwissenschaftler durch Zusammenarbeit mit Herrn Nicolosi inkriminieren müssten. Gewissermaßen arbeiten sie ihm zu, ob sie wollen oder nicht, indem sie das TSG-Regime aufrecht erhalten, und ich spekuliere - nicht - darüber, wer Nicolosi eventuell zuarbeiten will und wer nicht.

Damit ich nicht missverstanden werde:

Ich halte einen positiven Ausgang des Falls Alex - natürlich nicht - von der Beseitigung des TSG-Regimes abhängig. Herr Professor Müller hat da ja über künftige Gerichtsverfahren sehr interessante Dinge gesagt. Gleichwohl, damit der Fall Alex, wie er sich ohne öffentliche Aufmerksamkeit abgespielt hätte, in Deutschland nicht zum Regelfall wird, muss das TSG-Regime weg.

0

Urgh, na das ist ja ein besonders angenehmer Zeitgenosse:

1. Die Mutter ist Schuld

Quote:

Häufig beobachten wir bei den Müttern eine schwere Depressionserkrankung während der kritischen Bindungsphase des Kindes, also zwischen Geburt und dem Alter von drei Jahren.5 Das ist die Zeit, in der sich das Kind von der Mutter seelisch abnabelt, eine eigenständige Person wird und sich seine geschlechtliche Identität [als Junge oder als Mädchen] formt und gestaltet. Das Verhalten der Mutter in dieser Zeit war oftmals sehr unberechenbar für das Kind – sei es, weil die Mutter eine Lebenskrise durchmachte (z.B. dass die Ehe auseinanderbrach) oder dass sie ein tiefer liegendes psychologisches Problem hatte (z. B. Borderline-Syndrom, narzisstische oder hysterische Persönlichkeitsstruktur).

Erstaunlich, und wie erklärt er dann Transjungen? Und wie kommen "echte" Mädchen damit zurecht?

 

2. Transmädchen und Frauen sind gar nicht wirklich weiblich, die wissen nicht wie das geht (die Deutungshoheit über "weiblich obliegt dem Herrn selbst)

Quote:

Das Phänomen der „imitativen Bindung“ erklärt auch, warum diese Jungen die Weiblichkeit nicht in einer natürlichen, auf biologischen Grundlagen beruhenden Weise zeigen, wie Mädchen es tun, sondern eine eindimensionale Karikatur des „Weiblichen“ zur Schau stellen. Sie haben ein übertriebenes und aufgebauschtes Interesse an mädchenhafter Kleidung, Auftragen von Schminke, Sammeln von Handtaschen usw. sowie eine übertriebene Nachahmung weiblicher Sprechweise. Eine Mutter drückte es mir gegenüber so aus: „Mein Sohn mit GIS ist ‚weiblicher’ als seine Schwestern.“

Zum Phänomen Geschlechterausdruck vs Geschlechtsidentität hab ich vorher schon geschrieben.

 

3. Glatte Lügen über "wir können nicht wissen, wie sich die Kinder entwickelt hätten, wenn man ihnen den Unsinn verboten hätte":

Quote:

Wenn wir einen geschlechtsverwirrten Jungen darin unterstützen, sich wie ein Mädchen zu verhalten, werden wir nie erfahren, in welchem Maße er sich mit seinem biologischen Geschlecht hätte wohler fühlen können, wenn seine Eltern sich für eine Stärkung seiner normalen, seiner Biologie entsprechenden, männlichen Identität eingesetzt hätten und das psychologische Problem der imitativen Bindung an die Mutter angegangen wären.

DAS wissen wir nunmal sehr genau, aus hundertfachen Lebensgeschichten Transsexueller

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Giliell

In der Tat, dieser Fall ist eben vor allem eine Menschenrechtsangelegenheit.

Viele Verfahren der letzten 10 Jahre bei denen es um Selbstbestimmung im Zusammenhang mit Transsexualität ging, durchliefen die gerichtlichen Instanzen bis an die Verfassungsgerichte.

(zur Erinnerung sei hier mal an den Streit um die Ehe oder die Auflage der Unfruchtbarkeit erwähnt)

Transsexualität trifft halt immer noch auf eine Sichtweise von Geschlecht oder Präferenz der Sexualität die den Erkenntnissen aus der Wissenschaft entgegensteht

Die Papstrede 2008 brachte dieses auch in den Köpfen von Ärzten und Richtern nicht wenig anzutreffendes Weltbild auf den Punkt:

 

"Die Regenwälder verdienen unseren Schutz. Aber der Mensch als Geschöpf verdient nicht weniger." Mit diesen Worten rief Papst Benedikt XVI. am Montag in seiner Weihnachtsansprache vor der Kurie, den Angehörigen der zentralen Vatikan-Verwaltung, in Rom dazu auf, die Menschheit vor homosexuellem oder transsexuellem Verhalten zu schützen.



Es war der bisher schärfste Vorstoß des deutschen Papstes gegen Homosexualität. Die Kirche solle "den Menschen vor der Selbstzerstörung schützen, eine Art Ökologie des Menschen ist notwendig" , sagte Benedikt XVI. Die Menschheit müsse "der Sprache der Schöpfung zuhören" , um die vorgegebenen Rollen von Mann und Frau zu verstehen. Sexuelles Verhalten jenseits der heterosexuellen Beziehungen sei "eine Zerstörung des Werks Gottes" . Es sei das Recht der Kirche, "von der menschlichen Natur als Mann und Frau zu sprechen und zu bitten, dass diese Schöpfungsordnung respektiert wird" .

 

Es geht also auch darum ob man an alten Gesellschaftsbildern festhalten will oder sich neuen Erkenntnissen öffnet.

Die Menschenrechtsverbände haben sich eindeutig für letzteres enschieden ,auch in Europa ist diese Richtung  festgeschrieben.

Ich würde mir wünschen, das sich die deutsche Rechtssprechung und ihre Vertreter einmal über den eigenen Tellerand zu schauen. Sonst gerät sie in Gefahr das ihrer Urteile diesbezüglich von ihnen übergeordneten Instanzen vermehrt korigiert werden.

5

...und wie das wohl auf den unbedarften Leser wirkt, der vielleicht mitbekommen hat, dass sein Stammhalter 'geschlechtsatypisch' spielt ...?

Quote:

Joseph Nicolosi, Ph. D.

Kalifornien, hat als Psychotherapeut weit mehr als 1.000 Männer, die ihre Homosexualität konflikthaft erlebten, begleitet. J. Nicolosi ist Mitbegründer der Organisation NARTH (National Association for Research and Therapy of Homosexuality) und war viele Jahre lang ihr Präsident.

Wie gesagt, es ist - keine - Verschwörung.

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Heidrun

Nicht zu vergessen, wie es auf die Mutter wirken muss, wenn sie nun befürchten muss, ihrem Sohn schlimmes Leid zugefügt zu haben...

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Giliell schrieb:

Nicht zu vergessen, wie es auf die Mutter wirken muss, wenn sie nun befürchten muss, ihrem Sohn schlimmes Leid zugefügt zu haben...

Das ist ja genau die Falle für die Mütter:

Entweder sie kriechen widerstandslos zu Kreuze und bringen ihr Kind 'freiwillig' in die Klinik, um das 'Schlimme', das sie getan haben, 'wieder gut zu machen' - oder vielmehr: per reparativer Therapie 'wieder gut machen zu lassen';

oder:

Sie erweisen sich als starrsinnig, lehnen den stigmatisierenden Ansatz ab, oder gleich die ganze Pathologisierung, unterstützen ihr Kind - und werden dafür in die Pfanne gehauen. Wie gehabt.

Das 'Beste' ist aber: schlägt die Therapie fehl, wovon natürlich auszugehen ist, da reparative Therapien nun einmal nicht funktionieren - dann ist auch die Mutter schuld. Dann war der Arzt etc. nämlich machtlos gegenüber dem großen Schaden, den sie angerichtet hat.

Darum nenne ich es ja 'stigmatisierenden Ansatz'.

 

5

Einer von den (wegen eines wertenden und interpretativen Ausdrucks) entfernten Links bezog sich auf die Organisation Wüstenstrom als Beispiel für die Vermischung von Ideologie und Therapie:

http://exgay-observer.blogspot.de/2009/06/exgay-bewegung-wustenstrom.html

http://www.wuestenstrom.de/index.dhtml/474f7c3dbd24ea59192h/-/deDE/-/CS/...

Letztlich ist deren These, dass Schwule und Lesben grundsätzlich einen psychischen Knacks haben und sich durch Aufarbeitung von frühkindlichen Störungen ihrer Entwicklung sexuell wieder auf das Gegengeschlecht ausrichten oder zumindest ihre homosexuellen Neigungen besser kontrollieren, also "normal werden", können.

Kritisch zu sehen ist an dieser Art der Lebensberatung insbesondere, dass sie ideologisch vorgeprägt ist (wobei die meisten, die in die Beratung kommen, vermutlich Homosexualtät für eine Sünde halten, die sie von Gott trennt, und deshalb sehr dankbar für die These mit der psychischen Krankheit sind, an der man wenigstens arbeiten kann).

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Müssen wir hier wirklich die Ansichten einiger amerikanischer Fundamentalisten ausbreiten? Der Zusammenhang zum eigentlichen Thema dürfte sich nicht mehr jedem erschließen.

Es wurde schon erwähnt, aber je mehr wir uns um Sachlichkeit bemühen, desto mehr können wir auch zur öffentlichen Diskussion beitragen.

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Stephan schrieb:

Müssen wir hier wirklich die Ansichten einiger amerikanischer Fundamentalisten ausbreiten? Der Zusammenhang zum eigentlichen Thema dürfte sich nicht mehr jedem erschließen.

Es wurde schon erwähnt, aber je mehr wir uns um Sachlichkeit bemühen, desto mehr können wir auch zur öffentlichen Diskussion beitragen.

Ehm, sind das keine sachlichen Informationen?

Und um es auf den Punkt zu bringen: JA!

Diese Menschen wollen all das zerstören, wofür wir eigentlich hier stehen: Toleranz, Freiheit, Miteinander, Menschlichkeit.

Und sie agieren nicht nur in den USA, sie agieren auch hier, wie man anhand der Verknüpfungen und Verflechtungen gut sehen kann. Und es lässt sich nur im Zusammenhang verstehen. Wenn man nunmal nicht von einer bösen Verschwörung einzelner schlechter Menschen (wobei ich nicht sage, dass es die nicht gibt, da fallen mir schon ein paar ein) ausgehen will, die mit dem TSG ihre ganz persönlichen sadistischen Neigungen ausleben wollen, dann hilft es nur den ganzen Themenkomplex im Zusammenhang mit den weitergehenden Phänomenen von Homophobie und Misogynie zu betrachten.

Es hilft zu sehen, dass diejenigen, die eine patologisierenden, stigmatisierenden und therapierbaren Ansatz bei Transsexualität vertreten auch jene sind, die Homosexuelle als "größte Bedrohung der Menschheit" ansehen und Frauen als ewig sündige Gebärmaschinen.

Transsexuelle sind dabei "leichte Beute". Sie sind eine extrem kleine Minderheit und es herrscht in der Gesellschaft großes Unwissen und Ignoranz. Bestenfalls denkt man noch an die Dragqueen vom letzten Karneval und prompt hat man eine völlig falsche Vorstellung. Die Möglichkeit einfach mal jemanden zu fragen ist gering (was auch ein perpetuum mobile ist: Transidente Menschen werden sich verständlicherweise hüten Hinz und Kunz davon zu berichten. Oder wie sagte mein Göttergatte dereinst vor vielen Jahren: Ich kenne ja keine Homosexuellen. Dann outete sich sein Bruder. Seither hat er festgestellt, dass er ganz viele Homosexuelle kennt...).

Deshalb ist eben mit wenig gesellschaftlichem Widerspruch zu rechnen, wenn man sie stigmatisiert und als "krank" darstellt, während das eben bei den meisten Menschen beim Thema "schwul" schon nicht mehr so klappt. Divide et impera, teile und herrsche.

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@ Heidrun

Zu #35 Die Argumentation zu Teilen der kath. Kirche  und evangelikalen  Organisationen sind zu den Thesen der Charitee bis auf die offen geäusserten Religionsphilosophischen Äußerungen nahezu Deckungsgleich.

 

http://www.dijg.de/transsexualitaet-geschlechtsumwandlung/phantasie-geschlechtswechsel/

    http://www.wuestenstrom.de/index.dhtml/374f7c44d2617f61715k/-/deDE/-/CS/-/schwerpunktthemen/homosexualitaet/Homosexualitaet   (Anmerkung: diese Vereine machen keinen Unterschied Trans/Homosexualität, auch vermischen sie Präferenz und Indentitität . Eine Auffassung die sich in fast allen Köpfen festgesetzt hat und weiterhin gefördert wird. So meldete sich bei einer Veranstaltung" Menschenrecht und Transsexualität" eine Zuschauerin mit der Frage :"Ich habe verstanden das es darum geht das Transsexuellen Menschenrechte vorenthalten werden aber eines ist mir unklar: Auf was "stehen" Transexuelle eigendlich auf Männer oder Frauen? "

 

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Stephan,

wir sind beim Thema. Weiter oben haben wir herausgearbeitet, dass in Berlin an der Charité gerade die induzierte Transidentität wieder-erfunden wird, und dass das sehr relevant für den Fall Alex ist. Erstens, weil die postulierte induzierte Transidentität die von Beier und seinen Kollegen (Arzteblatt-Artikel 2008) propagierten reparativen Therapien als 'Heilung' für besagte induzierte Transidentität valide erscheinen lässt. Sie sind es nicht, sie sind wirkungslos und geächtet - all das siehe oben. Zweitens, reparative Therapie/induzierte Transsexualität war das Element, das es uns erlaubt hat, die Spuren von der Charité zum Kammergericht und zum Jugendamt aufzufinden, ebenfalls siehe oben.

Jetzt geht es darum, wie und warum diese Kopplung induzierte Transidentität/reparative Therapie in Deutschland um sich greift, und zwar nicht zuletzt im öffentlichen Raum. Insonderheit, warum das - nicht! - auf eine Verschwörung zurückzuführen ist.

Was daran unsachlich ist, weiß ich nicht.

Es wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass z.B. auch an einen Gerichtsverfahren maßgeblich Beteiligte in der Gesellschaft leben (wo auch sonst?) und daher Vorstellungen in puncto Transidentität haben. Da ist es doch nicht egal, ob

- die Kopplung induzierte Transsexualität/reparative Theorie nur von der 'Berliner Schule' (Charité) vertreten wird

- andere gesellschaftliche Kräfte diese ebenso kolportieren

Oder irre ich mich?

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@Dea: danke für die links!

@Stephan: wohlweislich in obigem Zusammenhang relevant.

Ich weiß, ich wiederhole mich, aber es geht gerade darum, Erklärungen/Ansätze zu finden, die - ohne! - Verschwörungen und Verschwörungstheorien auskommen.

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Vor lauter "Verschwörungstherorie"-Verteidigung ist vielleicht ein wenig abhanden gekommen, was diesen Zweig der ganzen Diskussion ausgelöst hat:

Die Annahme, es geben hier zwei ernstzunehmende Haltungen, über die sich die Fachwelt streitet.

Und das ist so eben nicht haltbar. Induzierte Transsexualität und reperative Therapiekonzepte sind nicht nur längst verworfen, sie sind sozusagen von allen relevanten Stellen geächtet, weil erstens die Wirkungslosigkeit von entgegenwirkend wollenden Behandlungen und zweitens das traumatische Ergebnis für die mehr oder weniger freiwilligen Versuchsteilnehmer stets das Ergebnis waren. Hochgehalten wird es nur noch von Institutionen, die sich aus moralisch-religiösen Gesichtspunkten längst verworfener psychoanalytischer Degenerationsthesen bedient - und offensichtlich allen, die Beiers Charité Abteilung angehören oder angehört haben.

Die Weigerung der Mutter, ihr Kind, ambulant oder gar stationär, diesen Menschen anzuvertrauen, war eine Entscheidung, die nicht zuletzt von jeder Menschenrechtsinstitution nur gestützt werden kann, da entsprechende Ansichten ganz klar dagegen verstossen.

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BadHairDays schrieb:

Vor lauter "Verschwörungstherorie"-Verteidigung ist vielleicht ein wenig abhanden gekommen, was diesen Zweig der ganzen Diskussion ausgelöst hat:

Die Annahme, es geben hier zwei ernstzunehmende Haltungen, über die sich die Fachwelt streitet.

 

Aber nicht doch, das wäre ja eine "Manufactroversy" (Englisch, zusammengesetzt aus "manufactured" und "controversy", also eine künstliche Debatte), wie bei der Evolution oder dem Klimawandel oder...oh, ich erkenne ein Muster.

Irgendwie stehen nämlich auf einer Seite dieser ganzen künstlichen Debatten immer die ein- und dieselben...

 

@Stephan

Wie schon erwähnt, Beier hält seinen "Patientenpool" mit einem unsinnigen Diagnosemodel (Diagnose am Verhalten statt an der Selbstidentifizierung) hoch. Wenn ich nun einmal viele Kinder und Jugendliche, die keinerlei Indikation haben und Hilfe brauchen diagnostiziere und "therapiere" werde ich gigantische Erfolge haben.

4

Korte, Beier & Co. präsentieren immer wieder Zahlen, nach denen eine anfängliche Transsexuelle sich überwiegend zurückentwickelt.

 

Bei Wikipedia habe ich dazu nichts gefunden:

http://de.wikipedia.org/wiki/Transsexualität#Verlauf 

 

Mich würden empirische Quellen zum Verlauf interessieren, hat da jemand eine gute Quelle?

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Mist!!!

Ich wollte natürlich schreiben:

nach denen eine anfängliche Transsexualität sich überwiegend zurückentwickelt.

 

Das Doppelposting war auch keine Absicht.

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Nein, Stephan, nachdem sich die breit angelegte Diagnose: "Gender Identity Disorder in Childhood and Adolescence" als nicht aussagekräftig in Bezug auf Transsexualität erweist. Das ist kein rein sprachlicher Unterschied und es wurde hier mehrfach darauf eingegangen.

Die Antwort zu deiner Frage klärt am besten Google:
https://www.google.ch/search?q=zucker+gid+statistic&ie=utf-8&oe=utf-8&aq...

3

Die Daten über die Anzahl der Kinder, die nach langer Evaluation zu einer pubertätsunterdrückenden Behandlung zugelassen wurden ist im Gegensatz dazu eindeutig. Hier kann vor allem Peggy Cohen-Kettenis Daten liefern. Unsere deutschen, gerichtlich als voreingenommenen bezeichneten Stellen in Hamburg und Frankfurt natürlich auch, die wurden aber schon aussortiert.

Vielleicht ist dem ein oder anderen auch schon aufgefallen, dass niemand Pubertätsmassnahmen unterstützt, die vor Tannerstufe (eine Einteilung der Pubertätsfortschritte) gamcht wurde. Der beobachtete Hintergrund der Behandler, dass sich danach nichts mehr ändert entspricht auch der Hirnforschung, das der Pubertätseintritt das Gehirn noch einmal Geschlechtsspeziefisch prägt, allerdings nach pränatal definiertenn hormonellen Gesichtspunkten, ob nun die Pubertät mehr Östradiol oder mehr Testosteron beinhaltet, macht da keinen Unterschied.

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@ Stephan

Ein die Glaubwürdigkeit solcher Zahlen, wie Beier sie verwendet, nicht gerade förderndes Problem ist auch, daß nie wirklich langfristige Follow-Up Studien gemacht wurden, obwohl das "Problem" der "GIS im Kindesalter" ja nun schon sehr lange im Bereich der Psycho-Wissenschaften behandelt wird. Man weist dann generell immer nur darauf hin, daß weiterer Forschungsbedarf bestünde...

Insofern kann eigentlich niemand sagen, daß die behauptete Zurückentwicklung "anfänglicher Transsexualitäten" tatsächlich auch langfristig ist. Wer weiß denn schon, ob die ProbandInnen nicht später doch noch irgendwann "gewechselt" haben? Kinder merken auch einfach, was in diesen "Therapien" von ihnen erwartet wird und fügen sich dann, um Ruhe zu haben. Wie es später dann weiter geht, steht auf einem anderen Blatt, auf das man bisher lieber nicht schauen möchte (siehe z.B. den Suizid von "Kraig", dem "Patienten" von George Rekers im weiter oben verlinkten Artikel).

5

liebe kommentierende, anonyme

und stille mitlesende,

 

ich möchte hier zunächst auf die angst eingehen, dass "alex", das kind, um das es hier zunächst geht, in der zwischenzeit nicht geholfen werde.

zwar scheint zur zeit keine_r genau zu wissen - oder bei diesem Stand des verfahrens öffentlich mitteilen zu können/wollen -, wie es dem kind gerade geht, wie ihm und seinem willen akut geholfen werden kann und was jetzt zwischen weiteren jugendamts- und gerichtsentscheidungen passiert. eben so wird diskutiert, in wie fern "eile" hinsichtlich einer mindestens vorüber gehenden pubertätsblockierung bei "alex" geboten sei.

dennoch: wie ja die verschiedenen hierbei engagierten betroffenen-gruppen und etwa die bekannten offiziellen anfragen und antworten schon auf bundestags- und landtagsebene zeigen, sind hier anlässlich dieses falls durchaus bereits ein paar mehr menschen aktiv geworden. ich gehe auch davon aus, daß das sogar noch einige mehr sind, als ich annehme.

ich finde die blog-diskussion hier ebenfalls sehr hilfreich - eben so sehen das sicher die journalist_innen, die hier zunächst still weiter mit lesen und sicher ihrerseits bereits weiter recherchieren. ich möchte mich bei allen bedanken, die diese diskussion und aufarbeitung hier ermöglichen. zugleich möchte ich darum bitten, diese blog-diskussion so übersichtlich wie möglich zu halten, da nicht alle menschen, die hier aktiv werden wollen, die zeit haben, sich durch jeden tag schätzungsweise etwa 100 kommentare mehr zu lesen. oder mit einem mal durch mehrere hundert kommentare.

momentan finde ich es wichtig, noch weitere informationen zu sammeln, einen überblick darüber zu erstellen - was ja einige hier kommentierende dankenswerterweise versuchen - und hierzu auch die zuständigen institutionen hinzu zu ziehen. ich möchte hier zunächst in allgemeinheit versichern, dass das hinsichtlich der zuständigen institutionen gerade angegangen wird. in wie fern dem kind - so weit die faktenlage hier ersichtlich ist - damit unmittelbar in der nächsten zeit geholfen werden kann, kann ich noch nicht letztgültig beurteilen. mittelbar jedoch schon.

hinsichtlich des umgangs mit "alex" und gleichartigen fällen möchte ich mich der "simplen", aber klaren annahme anschließen, wie sie ja hier und auf anderen Blogs bereits mehrfach vertreten worden ist:

"mensch fragt das kind - und glaubt ihm."

(hier inhaltlich zusammen gefasst, bzw. wesentlich von einem anderen hier verlinkten blog in erinnerung)

wichtig wäre daher m.e. nicht zuletzt, zu wissen, wie es dem kind gerade geht. ich stelle das teilweise in allgemeinheit in den raum, da mir bewusst ist, dass sich das ganze gerade in einem heiklen zwischenstadium bzw. einem laufenden verfahren befindet, der es schwierig macht, hierauf (öffentlich) zu antworten. andererseits halte ich es bspw. für ein zeichen von verantwortungsgefühl der mutter des kindes, des vaters, des anwalts, von heide oestreich usw., dass bisher scheinbar erfolgreich versucht worden ist, die anonymität des kindes und seine privatsphäre zu wahren.

über die oben genannte annahme zum umgang mit dem kind wird sicher weiter juristisch diskutiert werden können - und auch den hier bloggenden jurist_innen möchte ich danken, dass sie versuchen, das ganze ehrlich mit aufzuarbeiten. dennoch halte ich die genannte annahme für die hilfreichste von allen. und auch nach allem, was bisher ins argumentative feld geführt worden ist, lässt sich m.E. keine 100%-ige sicherheit erlangen, was möglicher weise nach abschluss der pubertät sein würde - und kann das auch nicht das ziel im umgang mit dem kind und seinem willen sein. also muss m.e., wenn das kind sich eindeutig (oder mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit) sicher ist und sogar bereits auf eine entsprechend längere schulzeit zurück schauen kann, dem willen des kindes gefolgt werden. und alles, was wir bisher wissen, deutet darauf hin, dass der wille und das empfinden des kindes so ist, wie er bisher dargestellt worden ist. sollte dem so sein, schließe auch ich mich der annahme an, dass dem kind - egal, ob aus "guter" oder "böser" absicht - ein verbrechen angetan würde, falls seinem willen nicht gefolgt würde.  oder nicht bald gefolgt würde. das können auch kein einfachgesetzliches formalrecht, möglicherweise fehlgehende jugendämter, ergänzungspfleger_innen oder mediziner_innen oder richter_innen ändern. ich hoffe, dass das - so weit es noch juristischer entscheidungen bedarf - möglichst bald noch unterhalb der verfassungsrechtlichen ebene geklärt werden kann. und zwar sowohl in hinsicht auf "alex" als auch weitere betroffene als auch auf die frage der "indikation" und des leistungskatalogs der krankenkassen.

 

beste grüße

ein_e aktive_r

5

Hallo aktive_r,

 

auch wenn dieser Beitrag nun noch einen mehr in der sowieso langen Kette bildet, muss ich Ihnen einfach Applaus spenden und zustimmen. Schade finde ich nur, dass Sie sich nicht zu erkennen gaben. Doch dafür können durchaus plausible Gründe vorliegen.

 

Nur was den Punkt mit der juristischen Entscheidung unterhalb verfassungsrechtlicher Ebene betrifft, das wird wohl kaum noch gehen. Denn mit zweiter Instanz vorm Kammergericht sind die Möglichkeiten zu Ende, dass die Mutter von einem Gericht die Gesundheitsfürsorge zurückübertragen bekommt. Nun bleibt nur noch der Weg der Verfassungsklage. Denn das Vernünftgste, meiner Ansicht nach auch rechtlich Verantwortungsvollste und auch dem allgemeinen Tenor in der Öffentlichkeit Widerspiegelnde hat das Kammergericht leider unterlassen. Für die galt nicht

Quote:
"mensch fragt das kind - und glaubt ihm."

hallo aktive_r,

 "hier inhaltlich zusammen gefasst, bzw. wesentlich von einem anderen hier verlinkten blog in erinnerung"

 

Welchen anderen verlinkten bog meinst Du?

 

danke

 

 

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